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Znaim, Klosterbruck und Thayaboden

Znaim

Kloster Bruck

Baudenkmäler:
St.-Wenzelskirche: Die Konventskirche des Prämonstratenserstifts wird 1200 vom Bischof von Olmütz geweiht. Vom ursprünglichen Bau nur Reste von Prälatur und Kreuzgang, Grundriß der Stiftskirche und ältester Teil: Krypta; von den Hussiten verwüstet, später als dreischiffige gotische Basilika ausgebaut; Ab 1440 wird die Kirche erneuert, Niklas von Edelspitz baut Chor und Kreuzgang. 1576-80 im Renaissancestil umgebaut: neue Fassade, Zwiebelturm. 1581 neu geweiht zu Ehren der Himmelfahrt Mariens und des hl.Wenzel. Verfall im 30jährigen Krieg, 1632 durch Abt Benedikt Lacken aus Geras erneuert. 1679 barocke Umgestaltung Zweiturmfassade, Kirchenschiff dreigeteilt.
Der Aufbau eines großen Stiftskomplexes nach Plänen Lukas von Hildebrandts wird 1784 durch die Aufhebung des Klosters abgebrochen. Über dem Altar Bilder von Josef Winterhalter (1743-1807): Tod und Himmelfahrt Mariens, darüber Christus, der seiner Mutter die Hände entgegenstreckt. Die Fresken von Franz A. Maulbertsch (1794) werden zerstört oder übertüncht, die Ölbilder in andere Kirchen gebracht. Kunstschätze und kostbare Bücher oder Handschriften werden in alle Welt zerstreut. Die Schränke des Znaimer Kunsttischlers Johann Lahofer kauft Stift Strahov, dort muß der Bibliothekstrakt vergrößert werden, um sie aufzunehmen. Ab 1784 Pfarrkirche für die Gemeinden des Thayabodens.
Noch auf einer Zeichnung von 1705 ist eine Barbara-Kirche zu sehen. Friedhof, 1850 an die Teßwitzer Straße verlegt; Kriegsgräberanlage mit Denkmal: 1866 werden an der Cholera gestorbene preußische Soldaten begraben. Begraben sind hier ferner 324 Kriegstote aus 1914-1918, neben Österreichern und Deutschen auch Russen und Italiener.

Schulen:
Pfarrschule, entstanden im 16.Jh., erste Volksschule des Thayabodens, für den ganzen Thayaboden bestimmt, 1814 Trivialschule, nach dem Umsturz 1918/19 dreiklassige Volksschule.

Vereine:
Kirchenchor, 1791.
Männergesangsverein, 1886-1939, Mitglieder aus allen Thayabodengemeinden; 1925: 36 Sängerinnen und 58 Sänger.
Theaterspiel ab 1925 auch in Pumlitz, Edelspitz und Klein-Teßwitz.

Geschichte
Markgraf Otto IV. von Mähren (meist Kunrad I. genannt) und seine Mutter Maria gründen am 25.10.1190 an der Stelle, wo die Witwe Judith des Herzogs Bretislav, die vor ihrem Sohn Spitignew flieht, eine Wenzels-Kapelle erbaut hat, zur Ehre der Muttergottes und des hl.Wenzel ein Kloster, benannt nach der naheliegenden Brücke über die Thaya, bestiftet mit 23 Orten, von denen manche inzwischen eingegangen sind, im Jahr darauf kommen zehn weitere dazu. Zugewiesen werden u.a. Olkowitz, Pratsch, Gurwitz, Taßwitz und Proßmeritz, Brenditz 1220, Alt-Hart, Roketnitz, Groß-Olkowitz, Dommil, Lodenitz 1220, Groß-Grillowitz 1225, Stiegnitz 1278, Mühlfraun 1288, Frischau 1539, Urbau 1583, Littohorn 1782.
Die ersten zwölf Chorherren kommen mit dem Abt vom Stift Strahov, 1200 wird die Klosterkirche geweiht, der Olmützer Bischof verleiht das Patronat über St.Niklas in Znaim, Schattau, Klein-Tajax, Kaidling und Gnadlersdorf. 1242 plündert Friedrich der Streitbare das Kloster aus, 1307 wird das Kloster abermals zerstört. 1386 erteilt Papst Urban V. dem Abt das Recht, die Mitra zu tragen, seither ist er Prälat und Standesherr in Mähren und Ungarn. 1422 zerstören die Hussiten das Kloster, 1450 wird es wieder errichtet. Zwischen 1546 und 1568 gerät es in arge Verschuldung und Verfall. Abt Sebastian Freytag von Czepiroch (†1585) kann die Schulden tilgen, das Stiftsgebäude und die Patronatskirchen erneuern. Er legt eine Bibliothek und eine Druckerei (bis 1608) an, verteilt Gurkensamen an die Orte des Thayabodens und gründet eine Erziehungsanstalt, die 1650 durch Stiftung von 10000 Gulden durch den Pieslinger Grundherrn Eucharius Horst von Poronal um 6 auf 20 Plätze erweitert wird. 1597 wird eine „Seelenbeschreibung der Herrschaft Klosterbruck bei Znaim“ in deutscher Sprache angelegt.
Das Stift unterhält 38 Kirchen, darunter 15 Pfarreien und 3 Lokalien. Zur Herrschaft gehören: Edelspitz, Oblas, Pumlitz, Esseklee, Teßwitz, Mühlfraun, Zuckerhandl, Brenditz, Krawska, Mramotitz, Baumöhl, Kallendorf, Klein-Tajax, Urbau, Rausenbruck, Gurwitz, Taßwitz, Borotitz, Lechwitz, Panditz, Proßmeritz, Groß-Olkowitz, Chlupitz und Lodenitz.
Die protestantischen Stände werfen den Abt 1620 ins Znaimer Gefängnis, übernehmen die Kirche St.Niklas, vertreiben die Ordensangehörigen und enteignen die Stiftsgüter. Nach der Schlacht am Weißen Berg wird alles rückgängig gemacht. 1688 Umbau des Stiftsgebäudes. 1742 wird der Abt von den Preußen gefangen genommen und muß mit 60000 Gulden freigekauft werden, Friedrich II. hält sich im Kloster auf. Barocker Neubau 1745 nach Plänen von Lukas von Hildebrandt, nicht abgeschlossen.
Das Stift zählt 96 Chorherren, als es 1784 auf Befehl Kaiser Josefs II. aufgehoben wird. Der Güterkomplex wird in 7 Teile zerlegt: Bruck, Lechwitz, Mißlitz, Kravska, Zuckerhandl, Mühlfraun und Butsch.
Das Gebäude wird als Kaserne verwendet, 1800-1821 als Tabakfabrik, nach deren Verlegung nach Göding 1851 als k.k. Militär-Genie-Akademie bis 1869, danach wieder als Kaserne, das Inf.-Reg. 99 ist hier stationiert. Die Prälatur nutzt die Verwaltung des Religionsfonds, die Kirche wird als Pfarre geführt. 1827 wird die Herrschaft Bruck an die Brüder Karl Emanuel und Leopold Franz von Liebenberg, Wiener Bankiers, verkauft. 1866 richten die Preußen hier ihr Spital ein, 100 Mann sterben an der Cholera und werden am Friedhof begraben. Akademie und Kirchenschatz werden ausgeplündert, aber wieder zurückerlangt, die geraubten Bücher den Plünderern wieder abgejagt.

Literatur:
Vrbka, Anton: Zur Baugeschichte der Kirche von Klosterbruck. 1918
Bornemann, Hellmut: 800 Jahre Stift Klosterbruck. 1990

Der Thayaboden

zwischen Klosterbruck und Klein-Teßwitz. Er umfaßt 2975ha und liegt an seinem tiefsten Punkt auf 206m ü.d.M., höchste Erhebung ist der Sexenberg (291m) bei Esseklee. Am linken Ufer der Thaya liegen Alt-Schallersdorf und Klein-Teßwitz, am rechten Edelspitz, Neu-Schallersdorf, Oblas, Pumlitz und Esseklee. Zwischen 1938 und 1945 leben hier 4460 Menschen, fast nur Deutsche.
Das Klima ist mild, bei 12°C mittlerer Jahrestemperatur, und wenig niederschlagsreich (500mm/Jahr) und eher schneearm. Der Boden ist weitgehend landwirtschaftlich kultiviert, lediglich die Thaya wird von Auwald begleitet. Die Landwirtschaft beinhaltet arbeitsintensiven Gemüsebau, Wein- und Obstkulturen. Zwischen 1897 und 1925 ist der Weinbau von 240,68ha auf 57,02ha zurückgegangen, weil vor allem der Gurkenanbau sich als gewinnbringender erwiesen hat.
Am 1.April 1939 wurden alle Thayabodengemeinden nach Znaim eingemeindet.