o-261-01-Wostitz « »

Wostitz

48° 56′ N, 16° 29′ O

Vlasatice

Nikolsburg

Geschichte:
Erstmals 1276 urkundlich erwähnt, Halsgerichtsbarkeit von 1342 bis 1633, 1562 Marktrecht von Kaiser Ferdinand I., eine Pfarre besteht schon 1276, 1562 ist W. schon Markt, um 1560 faßt der Protestantismus Fuß, 1567 großes Haushaben der Wiedertäufer, die 1617 vom Grundherrn Graf Thurn vertrieben werden. Nachdem W. wegen Abtrünnigkeit des Grafen Kardinal Dietrichstein zugesprochen wurde, folgt die Rekatholisierung ab 1622. Im 30jährigen Krieg 1619 von den Kaiserlichen geplündert und verwüstet, nach Krieg und Türkeneinfall 1663 und 1683 sind nur 23 von 75 bäuerlichen Anwesen bewirtschaftet. 1831 fordert die Cholera 180 Opfer, 1866 sind es 73. Im tschechischen Staat wird das Gut verstaatlicht, leitende Stellen mit zugewandeten Tschechen besetzt, deutsche Arbeiter genötigt, ihre Kinder in die tschechische Minderheitsschule zu schicken, der Förster ist Tscheche wie Gendarmen, Postmeister und Briefträger. In der Zwischenkriegszeit werden viele Häuser gebaut, die Gemeindegasse gepflastert, die Brüdergasse hergerichtet. Am 8. Oktober 1938 zieht die Wehrmacht ein. Am 17. April 1945 wird die deutsche Bevölkerung zum großen Teil evakuiert, bei schweren Kämpfen kommen 110 Soldaten und 12 Zivilisten ums Leben, viele Häuser werden zerstört. Nach den Sowjets, die am 7. Mai einziehen, kommen tschechische “Partisanen”, zahlreiche Mißhandlungen und Gewalttaten folgen. Die Deutschen werden nach Westdeutschland vertrieben, überwiegend in den Raum Karlsruhe/Sinsheim, Stuttgart und Künzelsau/Öhringen, Donauwörth/ Augsburg, München, Gießen, Offenbach/M.

Brauchtum:
Zum Osterratschen teilt sich der Zug der männlichen schulpflichtigen Jugend auf, am Schloßtor kommen sie wieder zusammen. Am Karfreitagmorgen gemeinsames Waschen der Ratschenbuben im Dammgraben. Am Ostermontag suchen die Kinder mit einer großen Tasche und aus Weidenruten geflochtenen Peitsche (dem “Korwaatsch”) alle Verwandten auf und bitten um gefärbte Ostereier (“a rot’s Aa”), die Burschen holen nachmittags bei ihren Mädchen den “Scheck”, ein buntbemaltes Osterei. Das Osterreiten führt die Burschen durch die Feldgemarkung.
Am Vorabend des 1. Mai stellt der Rekrutenjahrgang Maibäume vor Rathaus, Pfarrhof und Bürgermeisterwohnung auf. Am 1. Mai Musik vor dem Rathaus, am 31. “Maibaumschmeißen”. Am Vorabend zu St.Florian/4. Mai spielt die Musikkapelle vor der Statue ein Ständchen, ebenso vor der des hl. Johannes von Nepomuk (Kirchpatron) zu St. Johannes/24. Juni.
Zur Sonnwendfeier wird am 21. Juni auf der Anhöhe des Dürnholzer Hohlweges ein Feuer entfacht.
Der “kleine Kirtag” wird am Sonntag nach Johannes dem Täufer gehalten, durch Kaiser Josef II. abgeschafft und durch den “Kaiserkirtag” am dritten Sonntag im Oktober ersetzt, der “Große Kirtag” dauert zwei Tage, mit “Nachkirtag” am darauffolgenden Sonntag.
Am 24. April/St. Georg erfolgt die “Granitzschau” (Grenzbegehung), für die männliche Jugend ein Festtag.
Nach der Maisernte wird an Spätherbstabenden der “Waz” (Mais) ausgelesen, an den langen Winterabenden folgt Federschleißen, beides Gelegenheiten, Vergangenes im Erzählen weiterzugeben und lebendig zu erhalten.

Bedeutend: Dr. Georg Hanreich, Abgeordneter, geb. am 26. 7. 1887, studiert Anglistik, 1920 bis 1927 Abgeordneter für den Bund der Landwirte, begründet 1928 den „Sudetendeutschen Landbund“, ist von 1929 bis 1935 Abgeordneter, gibt 1923 bis 1927 den „Deutschen Landruf“ heraus, 1928 bis 1934 den „Sudetendeutschen Landboten. Nach der Vertreibung gründet er die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Oberösterreich und ist ihr erster Obmann (gest. 1955).

Marktgemeinde, Bezirk Nikolsburg, Gericht Pohrlitz
2727 ha, 2546 ha seit 1932 190 m ü.d.M.

Im Norden die Roßweide (207 m) und die Hochberge (211 m), im Süden die Kroatenberge (218 m).

Flurnamen:
Großes Feld: Hanfäcker, Alte, Breite und Schmale Heide, Halbe oder Viertelgwanten, Vordere und Hintere Äcker, Grind (Gründe), Alte Lametsgründe (Lamnitz), Hausstückln.
Mittleres Feld: Viertelgwanten, Roßweide, Roßweidstückln, Roßweid-Weingärten, Mühlheide, Kuhberg, Hochbergen, Neusatz
Kleines Feld: Vordere, Hintere Äcker, Kreuzzipf, Kreuzzipfstückln, Teilungsäcker
Wiesen: Schachern (“Schocherwiesn”) im Flurbereich Weißstätten und Mariahilf (Teilungswiesen), Zapferwiesen (zu Eibis), Teilungswiesen (zu Guldenfurt)
Gutshof

Landwirtschaft: Mit insgesamt 1700 ha dominiert der staatliche Gutshof, zu dem auch sämtliche Wälder gehören. Wichtigste Produkte: Weizen, Zuckerrüben, Futterpflanzen, Kartoffeln, Erbsen, Gurken, Zwiebeln und Mohn.

Jagd: Bis 1899 im Besitz der Grafen Herberstein, ca. 2200 ha Jagdgebiet, ab 1900 von der Gemeinde verpachtet. Beute jährlich 2000 bis 2500 Hasen und Rebhühner, rund 600 Fasane, Rehe und Kaninchen. Der strenge Winter 1929 rottet das Wild zu 95% aus, zwei Jahre lang wird nicht gejagt. Große Teiche mit reichem Fischbestand werden 1832 aufgelassen.

Straßen, Gassen:
Marktstraße, Hauerzeile, Brüderhof, Häuslzeile, Querzeile, Weizengasse, Rosengasse, Rosmaringasse, Wezengasse, Gemeindegaßl (“G’magaßl”), Kirchengasse, Schulgasse, Neustiftgasse, Preßhäuseln, Lehmgrube, Mariahilfer Straße, Pohrlitzer Straße, Rathausplatz, Turnerplatz (“Rahbrunnlocka”); Ortsteil Lerchenfeld

Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche Johannes der Täufer, 1610 gotisch an der Stelle einer Kapelle, 1672 renoviert, 1691 drei Altäre vorhanden, 1720 Bild vom Hochaltar, 1775 die Kanzel; 1810 Deckengewölbe ausgebessert, 1812 neuer Tabernakel, 1830 neue Altäre und Kanzel, die Kirche steht jetzt auf gemauerter Terrasse. 1847 Tabernakel, Kanzel, Taufbrunnen und Kommunionbank erneuert, neues Hochaltarbild, Dach mit Schiefer eingedeckt. 1861 neue Orgel. Turm, 38 m hoch, mit geschwungenem Pyramidenhelm und Laterne, 1883 erneuert, bis 1943 fünf Glocken. Letzte Renovierung 1934, zwischen 1927 und 1938 bleigefaßte farbige Fenster. Nur die kleinste Glocke verbleibt im II. Weltkrieg, der erste hat nur die beiden größten gefordert, 1929 ersetzt. Stichkappentonnengewölbe mit Stuckrippen. Auf der Westempore 23 Wappenschilder der Grafen Thurn und verwandter Familien, über Seiteneingang Wappen der Dietrichstein. An der Nordseite Sakristei und die Hl. Grab – Kapelle 1880.
Der Pfarrhof, 1591 erbaut, 1776 und 1844 stark verändert.
Friedhof 1854 erweitert.
11 Wegkreuze im Ort und auf der Gemarkung , zwischen 1821 (“Schopfkreuz” zwischen Pfarrhaus und Kirche) und 1927 errichtet, z. T. anstelle älterer.
Wegkapelle am nördlichen Ortsrand, etwa 1880 entstanden
St. Florian 1738
St. Johannes von Nepomuk, 1739, Inschrift u. a.: “Steh auf zum Schutze gegen die übermütigen Türken.”
Gedenkstein an der Friedhofsmauer für 166 an der Cholera 1831 Verstorbene
Schloß am Westrand, zweigeschossig mit Walmgiebeln 2. Hälfte des 16. Jh., daneben 85m) dreistöckiger Schloßturm, durch gedeckten hölzernen Gang mit dem Schloß verbunden. Umgeben von weitläufigen Meierhofbauten, ein großer Schüttkasten geht im Kern auf 1449 zurück.
Rathaus, zweigeschossig, 1913 an der Stelle eines älteren, durch Brand zerstörten aufgebaut.
Eiserne Statue Kaiser Josefs II., 1883, mit Sockel 4 m, (Gießerei Salma, Blansko). Auf staatliche Anordnung 1919 entfernt, ins Feuerwehrdepot verbannt, auf den Sockel wird anläßlich eines Bauerntages 1921 ein Pflug gestellt.
Kriegerdenkmal 1926, Granit-Obelisk, 6 m, für 68 Gefallene des I. Weltkrieges.
Volksschule: für 1631 ist ein Schulmagister mit einem Gehilfen belegt, das Gebäude über den Gemeindekellern neben der Kirche bald zu klein, Neubau, 1841, 200 m südlich, zweiklassig, 1870 zu dreiklassiger ausgebaut, 1880 zu vierklassiger erweitert, 1882 zu fünfklassiger, 1883 aufgestockt. Bis 1900 kommen jährlich rund 400 Kinder, nach der Jahrhundertwende ist die Schule sechsklassig. 1909 wird das Lehrerwohnhaus abgetragen und durch Um- und Anbau eine neue Schule mit sieben Klassen und Turnsaal errichtet. (Tschech. Minderheitsschule (17 Kinder), tschech. Kindergarten (11 Kinder) von der Národní jednota 1929 in zwei Räumen des Meierhofes eingerichtet (bis 1938); 1937 Beginn eines Neubaus, unvollendet.)
Bürgerschule, 1928 bewilligt, 1930 nach Aufstockung der Volksschule mit drittem Geschoß dreiklassig neben fünfklassiger Volksschule. Nach dem Anschluß in eine vierklassige Hauptschule umgewandelt.
Kindergarten 1940 in der Schule
Bücherei, 20er Jahre (über 2000 Bände), in der Schule.
Armenhaus
Postamtsgebäude mit Telefonzentrale, Hauerstraße, 1928; Poststation seit 1872
Elektrifizierung 1925, Versorgung zunächst durch die Mühle, dann Überlandnetz der Westmährischen Elektrizitätsgesellschaft.
Omnibuslinie Pohrlitz – Znaim, mehrmals täglich über Wostitz, Mißlitz, 1938
Omnibuslinie Treskowitz – Wostitz – Nikolsburg, 1941

Drei Jahrmärkte am Montag nach Fronleichnam, vor Matthäus (21. September) und vor Allerheiligen (“Kiazelmoak”, d .i. Kerzelmarkt).

Gewerbe
Dampfmühle seit 1917
Ziegelei seit 1885
Milchsammelstelle, gegr. 1911
Getreide-Reinigungs- und Beizanlage
Größter Einzelbetrieb: ehem. Herrschaftsgut mit 475,5 ha.

Arzt
2 / 3 Hebammen
5 Gastwirte Gemischtwarenhändler 2 Fleischhauer
4 Bäcker 3 Schmiede Schlosser
4 Tischler 4 Maler 8 Schuhmacher
5 Wagner 2 Sattler 3 Schneider
2 Dachdecker Zimmermann Schnittwarenhändler

Vereine, Genossenschaften:
Freiwillige Feuerwehr 1879, neues Feuerwehrdepot 1905
Militär-Veteranenverein 1879, nach dem I. Weltkrieg Kameradschaftsverein
Jägerverein St. Hubertus, aufgegangen in der Jagdgenossenschaft
Leseverein 1880, während des Ersten Weltkrieges eingegangen
Gesangverein 1888
Landwirtschaftlicher Ortsverein 1909
Turnverein 1912
Kreditgenossenschaft /Raiffeisen-Spar- und Darlehenskasse 1895
Milchgenossenschaft, 1913, Sammelstelle 1914
Lagerhausgenossenschaft