o-198-01-Wolframitz « »

Wolframitz

48° 59′ N, 16° 23′ O

Olbramovice

Znaim

Geschichte
Bereits 1253 hat der Ort eine Kirche, 1462 das Marktrecht; Mitte des 16.Jh. lutherisch. Nach mehrfachem Besitzerwechsel gelangt der Ort bald nach 1651 an die Liechtenstein, zur Herrschaft Kromau.
Im August 1914 verwehren tschechische Jugendliche aus Bochtitz und Wedrowitz den Buben den Zugang zum Miskogel, wo sie ihre Spielplätze haben. Die Tschechen rufen: „Hoch Rußland! Nieder mit Österreich! Es lebe Sarajewo!“ Eine Rauferei entwickelt sich, am nächsten Sonntag mit Verstärkung, am folgenden mit noch mehr Tschechen. Nachdem ein Tscheche geschossen hat, kommt an einem späteren Sonntag die Gendarmerie. Im I.Weltkrieg fallen 20 Mann.
1930 wird die Dorfstraße gepflastert. Im II.Weltkrieg fallen 21 Mann, vermißt bleiben 19, darunter zwei Frauen, in der Gefangenschaft sterben drei Mann. Am 12.Mai 1945 werden ein Bauer und seine Frau von tschechischen „Partisanen“ auf dem Dorfplatz vor allen dahin befohlenen Bewohnern erschossen, weil er eine alte silberbeschlagene nicht mehr funktionsfähige Pistole, ein Geschenk seines Sohnes, nicht abgegeben hat. Die gesamte Einwohnerschaft muß zusehen und die Toten wegräumen, auch der Pfarrer ist anwesend. Drei Männer werden in den Selbstmord getrieben, ein Mann wird in Znaim zu Tode gequält, einer von den Sowjets erschossen, eine Frau von ihnen verschleppt. Im Herbst sind alle Häuser besetzt.
Die Vertreibung beginnt im Feber 1946. In Österreich bleiben 26 Vertriebene, nach Westdeutschland gelangen 308.

Maimusik am 1.Mai,
Jakobi-Kirtag am Sonntag nach dem 25.Juli (Jakobus der Ältere).
Kaiserkirtag am dritten Sonntag im Oktober.

Matriken seit 1680.

Bedeutend:
Unger, Carl (1915-1995), bedeutender Maler.
Raus, Erhard (*8.1.1889 Wolframitz, †3.4.1956 Wien), Generaloberst, Eichenlaubträger. Besuchte die Landesrealschule in Brünn, die Kadettenschule in Brünn-Königsfeld, im I.Weltkrieg führte er eine Radfahrkompanie, im Bundesheer Österreichs absolvierte er einen dreijährigen Generalstabskurs, wurde Taktiklehrer an der Infanterieschule in Bruck a.d.Leitha. Bei der Wehrmacht im Stab von General List in Wien; 1940 in Frankreich Kommandeur eines Infanterieregiments; am 22.Juni 1941 führte er die Schützenbrigade der 6.Panzerdivision und erhielt für die Errichtung und Verteidigung eines Brückenkopfs gegen starke Kräfte das Ritterkreuz, bald danach ist er General, im November führt er die Division. Seine Panzerdivision bildet beim Entsatzversuch um Stalingrad den Stoßkeil. Im Feber 1943 führt er ein Korps bei Charkow aus der drohenden Umklammerung. Er wird mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet. Im November wird er Oberbefehlshaber der 4.Panzerarmee, mit der er die über Kiew vordringenden Sowjets zurückwirft. Im Mai 1944 kommandiert er die 1.Panzerarmee und kann das Vordringen der Sowjets bei Lemberg in zehntägigem Kampf verzögern. Im August wird er zum Generaloberst befördert und zum Oberbefehlshaber der 3.Panzerarmee in Ostpreußen ernannt. Raus kann seine Truppen vor weit überlegenen Kräften über die Oder in eine neue Abwehrstellung führen. Nach dem in Südmähren verbrachten Urlaub gerät er für zwei Jahre in amerikanische Gefangenschaft. Seine Besuche in Wolframitz bewegten den ganze Ort: Er wurde mit Musik und Reiterstaffeln abgeholt, die Häuserreihen waren mit Fahnen und Blumen geschmückt, von begeisterten Landsleuten begrüßt, von Kindern und Alten bestaunt.

Literatur:
Lustig, Oswald: Die Marktgemeinde Wolframitz mit den Gemeinden Babitz, Gubschitz, Klein-Seelowitz, Lidmeritz. Das Schicksal deutscher Dorfgemeinschaften an der Sprachgrenze. Ein Heimatbuch. Wolfenbüttel 1982

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Platzdorf 742 ha, 200 m ü.d.M.

Flurnamen:
Leska, Meiseln, Hübeln, Lägeln, Fuchsen, Gerichtsäcker, Fleckern, Oberalte und Unteralte Bergen, Ganswiese, Gegen den alten Teich, Sauwiesen, Roßwiesen, Gegen die Satzen, Sebring, Ackerboden, Obere und Untere Satzen, Wolfsberge, Jaborek, Weichseln, Käferberge/Kegelberg, Misköppeln, Tangeln, Bauernboden, Gegen die Bochtitzer Stallungen, Holderäcker.

Anbau: Zuckerrüben, Gerste, Weizen, Kartoffeln, Mais, Klee; Gemüse (Tomaten, Blumenkohl, Grüne Bohnen, Grünkohl, Kraut, Kohlrabi, Gurken, Kopfsalat, Lauch, Rettich, Rote Beete, Spinat, Melonen), Birnen, Äpfel, Zwetschgen, Kirschen, Pfirsiche, Marillen, vereinzelt Weinbau.

Jagd: 300-400 Hasen, bis zu 1000 Wildkaninchen.

Baudenkmäler, Einrichtungen:

Pfarrkirche zum hl.Jakob d.Ä., ehemals Wehrkirche aus dem 13.Jh., viele Umbauten, Erhöhung des Turms; innen alte Fresken. Hauptaltar 1781, Taufstein 1598. Renoviert 1860. 3 Glocken, in einem Anbau die größte, 1577, wiegt ca.4,5 Tonnen.
Friedhof 1645, bis 1780 an der Kirche.
Pfarrhaus, 1662-68 zerstört, 1758 abgebrannt, wieder aufgebaut.
Muttergottes-Säule
Hl.Johannes von Nepomuk
„Köpftermarter“, 1472, am Ortseingang, Richtung Borotitz, an der Hinrichtungsstätte, 1729 letztmals zum Enthaupten benutzt.
Rathaus, 1640.
Postamt
Milchsammelstelle, Anfang 20er Jahre.
Autobusverbindung Znaim-Brünn.

Schulen:
Schon vor 1618 ist die Schule des Pfarrsprengels (Babitz, Gubschitz,
Klein-Seelowitz, Lidmeritz) erwähnt. Neubau 1897.
Bau einer tschechischen Schule nach 1920.
Hauptschule, ab 1938 in der bis dahin tschechischen Bürgerschule, Sprengelschule für Klein-Seelowitz, Babitz, Lidmeritz, Gubschitz, Frainspitz, Weinberg und Aschmeritz.

Gewerbe:
Mühle
Autobusunternehmen
Autofuhrunternehmen
Getreide- und Kohlenhandel
2 Gemischtwarenläden, 2 Fleischer, Bäcker, 2 Zuckerbäcker, Kaffeeröster, 2 Schmiede, 2 Schlosser, Wagner, 2 Tischler, Sattler, Binder, Dachdecker, Maler, 3 Schuhmacher, Schneider, Gärtner, Friseur, Trafikantin. Hebamme.

Jahrmärkte: Am Mittwoch 1) vor Palmsonntag, 2) vor Michael (29.September), 3) am 2.Mittwoch vor Weihnachten.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, um 1885.
Gesangverein Wolframitz und Umgebung, 1910.
Turnverein, 1912.
Spar- und Darlehenskassa, 1893.
Milchgenossenschaft, vor 1914.