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Wenkerschlag

49° 12′ N, 15° 0′ O

Německa Radouň (seit 1950 Dolní Radouň)

Neubistritz

Geschichte
Erstmals 1256 urkundlich erwähnt. Früher zur Herrschaft Neuhaus gehörig, das Gemeindesiegel 1658 nennt “Wenkerschlag”, durchs Dorf führt die 1903 erbaute Bezirksstraße sowie die 1922 erbaute Gemeindestraße. Als der Flachsanbau unrentabel wird, beginnt die Abwanderung. 1925 richten die Tschechen in einer Mühle eine Staatsschule ein, 18 Kinder kommen aus Kirchenradaun (wo eine mehrklassige tschechische Schule besteht), da in W. nur zwei tschechische leben. 1925 bis 1928 werden durch Melioration versumpfte Weiher zu Wiesen, die Bachregulierung bringt 14 Betonbrücken. W. wird beste Liefergemeinde der Lagerhausgenossenschaft des Bezirks. Ein Bauernhof, 35 ha, wird nach einem Erbfall 9 Jahre lang durch unentgeltliche Nachbarschaftshilfe für die Deutschen gerettet. 1939 vernichtet ein Unwetter die gesamte Ernte. Im II. Weltkrieg fallen zwanzig Mann, elf bleiben vermißt. Nach dem Eindringen der Sowjets müssen Waffen abgeliefert, Hausnummern heruntergeschlagen, Radios abgegeben werden. Am 30. Mai 1945 kommen tschechische “Partisanen” in den Ort, binnen einer halben Stunde müssen die Deutschen abmarschbereit am Ortsausgang gegen Neuhaus stehen. Zehn Geiseln werden an die Wand gestellt und mißhandelt. Nach Neuhaus getrieben, verbringen die Leute 48 Stunden bei strömendem Regen auf dem Viehplatz, über Neubistritz werden sie an die Grenze getrieben, abermals beraubt und hinübergejagt. Vier Männer werden von den Tschechen ermordet. Vertrieben werden 120 Familien mit 462 Personen, von denen 357 nach Baden-Württemberg gelangen.

Brauchtum
Ab 16. Mai, Nepomuk, wird in der Kirche eine Woche lang eine Rosenkranzandacht gehalten, der ihm geweihte rechte Seitenaltar in der Kirche ist geschmückt. Die Mädchen kommen mit duftenden Fliedersträußen.
“Federstraufen”, sonst Federschleißen genannt, versammelt im Winter Nachbarsfrauen, oft mehr als ein Dutzend, eine Nachbarschaftshilfe ohne Entlohnung, es dauert fast bis Mitternacht, abschließend Bewirtung: Tee mit Rum oder Malzkaffee mit Zichorie, Dalken oder Buchteln, auch Gugelhupf.
Kornschnitt: Roggen ist als erste Getreidesorte reif. An Sommerabenden hört man überall das Geräusch der Dengelhämmer, am Morgen gehen die Schnitter mit der Sense aufs Feld, “Kimpfel” (mit Wasser gefüllte Hörner) an der Hüfte, in denen der Wetzstein steckt. Die Frauen folgen mit Sicheln oder als Garbenaufheberinnen und -binderinnen. Der Schnitter bestimmt die Breite der Mahd, die Frauen sammeln die Halme mit der Sichel zu Garben, was unangenehm sein kann, wenn Disteln im Getreide stecken. Nach dem Tages- oder Halbtagspensum werden die Garben zu Manndeln aufgestellt, mit einer in der Mitte abgeknickten Garbe als Stütze und der zehnten Garbe als Hut, so abgeknickt, daß sie einen Fächer bildet, Schutz gegen Regen und Sturm. Nach acht bis zehn Tagen ist das Korn trocken und kann eingefahren werden; das Garben-Bauwerk auf dem Leiterwagen wird durch den Wiesbaum gesichert. Im Stadel werden die Garben im Hohlbaum, den Speicherräumen beiderseits der Tenne, aufgestapelt. Dann folgen Gerste, Weizen und Hafer.

Bezirk, Gericht Neuhaus 1451 ha 500 m ü.d.M.

* Nachzählung ergibt 80 Tschechen

Höchster Punkt der „Deutsche Bergt“, 552m ü.d.M.
Zahlreiche Teiche, z.B. Ameisteich, 16 ha (Genossenschaftsbesitz der 49 Bauern des Dorfes): Wasserregulator für Mühlen, Abfluß zum Feurerteich, 27 ha, Besitz Czernin, danach in den Kröpflteich, 16 ha, gemeinhin Holzmühlteich genannt.

Anbau: Roggen, Hafer, Kartoffel, Klee, weniger: Weizen, Gerste, Rüben; bis 1880 Flachs; Milchproduktion, Schweinezucht; 1945 tätig 12 Imker mit 62 Völkern.

Flurnamen
Marterlflur, Obenausige Flur, Lamfluren I bis III, Amerika, Die Höll (der größte Bauernwald)

Baudenkmäler, Einrichtungen
Filialkirche Mariae Himmelfahrt 1878, 1 Glocke; zu Pfarre Riegerschlag; Ziel von Prozessionen aus Nachbargemeinden (“Kreuzscharen”).
Volksschule zweiklassig 1863 (Jg.I-III und IV-VIII; von 8-12 und 1-3 od. 4 Uhr)
Armenhaus
Post Riegerschlag
Mühle mit Ölpresse
Meierhof
Poststelle
Elektrifizierung 1928/29
Personenhaltestelle 1906 Lokalbahn Neuhaus – Wobratain

Mühle
Kaufmannsgeschäft

Feuerwehr
Feuerversicherungsverein 1866