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Weißstätten

48° 54′ N, 16° 33′ O

Pasohlávky

Nikolsburg

Geschichte
Urkundlich erstmals 1322 genannt, teilweise im Besitz des Klosters Kanitz, mehrmals verkauft, in den Kämpfen des 15. Jh. verödet, im 16. Jh. mit deutschen und kroatischen Siedlern neu besetzt, von 1590 bis 1596 im Besitz der Dietrichstein, dann an Hieronymus Wenzel Graf Thurn auf Wostitz verkauft. Dessen Sohn und Erbe verliert das Gut Wostitz als Aufständischer 1619, Wiedertäufer siedeln, im Krieg wiederholt zerstört und ausgeplündert. Danach scheinen die Deutschen das Übergewicht gewonnen zu haben. Kaiser Ferdinand II: verkauft es 1622 an Franz Kardinal von Dietrichstein. 1852 durch Erbteilung an Gräfin Theresia von Herberstein. 1836 sterben 97 von 700 Einwohnern an der Cholera, 1849 werden 85 Häuser eingeäschert, 1863 und 1864 verheeren 16 Brände den Ort. 1919 wird der Gutshof des Grafen Herberstein verstaatlicht, in zwei Hälften geteilt, beide pachten Tschechen, Anlaß für einen tschechischen Kindergarten, bald zur Minderheitsschule aufgestockt. 1945 wird das Dorf von der Wehrmacht zur Igelstellung ausgebaut, damit Brünn noch geräumt werden kann, in den Kämpfen wechselt es mehrmals den Besitzer, am 7. Mai wird durch Trommelfeuer der Sowjets und amerikanische Bombardierungmehr als die Hälfte der Häuser zerstört, zehn Bewohner kommen um. 49 Mann fallen. Im Fe ber 1946 reißen die Deutschen in Zwangsarbeit die zerstörten Häuser ab, klopfen die Ziegel ab und stapeln sie am Straßenrand, zertrümmern die Grundsteine und bessern damit die von den Sowjetpanzern verursachten Straßenschäden aus. Die vertriebenen Deutschen gelangen nach Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, etliche Familien können in Österreich bleiben.
Brauchtum
Die Kinder bringen den Verwandten Neujahrswünsche dar, zu Silvester pflegt man das Ansingen des Wirtes durch die Gäste um Mitternacht, das Lied schreibt Walther Hensel, dessen Vater in W. geboren wurde, 1923 bei einem Besuch auf (“Das Neue Jahr, es tritt herein…”), daneben auch das Volkslied “Grüaß di God, du Haselnußstauden …”

Bezirk Nikolsburg, Gericht Pohrlitz, Post Muschau
1376 ha (1194 bis 1932) 179 m ü.d.M.

Am Westrand erhebt sich der Karlsberg (207 m), an der Muschauer Seite liegt der Burgstallhügel (222 m).

Flurnamen
Heißes Feld, Muschauer Feld, Karlsberg, Mitterfeld, Lammetsgrund; im einzelnen: Wostitzer, Mariahilfer, Muschauer, Dürnholzer Breiten, Lange und Kurze Heiden, Gründeln, Häuselstückel, Padjölken (Padélky), Stiergarten, Palotschkerln, Zinsäcker, Neuriß, Wehen (Triftberg), Edelbreiten, Kroatenberg, Obere, Untere Wiesen, Lange Wiesen, Felberteil, Schmale Vierteln, Wostitzer, Muschauer, Dürnholzer Weingärten, Tannowitzer Wiesen
Bis zur Thayaregulierung 1897-1900 viele Krebse, daher im Gemeindesiegel

Anbau: alle Getreidearten, Mais, besonders Zuckerrüben, Wein nur für Eigenbedarf, Obst
Die “Roßbauern” bewirtschaften 10 bis 23 ha, einige auch mehr, die “Kuhbauern” kleinere, die Häusler und Kleinhäusler einige Metzen Felder (1 Metzen = 19 a), arbeiten bei den Bauern als “Drescher”, für alle Arbeiten zeitlich gedungen. Ihre Frauen netzen im Winter Haarnetze und Handschuhe, sie können Kühe, Schweine, Ziegen, Gänse, Enten und Hühner halten. Nach dem I. Weltkrieg werden die Höfe immer kleiner, die Felder aufgeteilt, da Wien den Geburtenüberschuß nicht mehr aufnimmt.

Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche Hl. Anna, 1811, 1818 vergrößert, klassizistisch erneuert, Turmbau, 3 Glocken; davor Kapelle 1691. Kreuz an der Westseite 1855; Pfarre 1276, Patronat Kanitz, zur Reformationszeit eingegangen; bis 1784 Wostitz unterstellt.
Friedhofskreuz 1846
Hl. Johannes von Nepomuk
Schule, seit 1788, Schulhaus auf Kosten von Fürst Johann Karl von Dietrichstein, einklassig, 1864 zweiklassig, 1883 Neubau, dreiklassig, 1928 vierklassig
Turnhalle, 1924 vom Turnverein in Selbsthilfe erstellt
Gemeindebücherei 1925
Armenhaus
Wasserversorgung aus Gemeindebrunnen
Elektrifizierung 1930
Fernsprecher 1922

Vereine, Genossenschaften
Gesangverein 1897
Feuerwehr
Turnverein 1900
Unterstützungsverein gedienter Soldaten
Deutscher Kulturverband 1925
Schulhellerverein 1928
Raiffeisenkassa