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Unter Tannowitz

48° 51′ N, 16° 35′ O

Dolní Dunajovice

Nikolsburg

Geschichte
Mit der Herrschaft Nikolsburg 1249 an Heinrich von Liechtenstein; 1276 an Kloster Kanitz, nach dessen Auflösung 1526 von Ferdinand I. an den böhmi schen Vizekanzler Ziabka von Limberg verkauft, 1563 an Albrecht Czernohorsky von Boskowitz, 1574 an Graf Franz von Thurn-Valsasina, 1590 schon Markt, mit Bratels brunn 1618 an Siegmund von Teuffenbach, damit bis 1848 zur Herrschaft Dürnholz gehörig. 1542 bis 1591 Niederlassung hutterischer Brüder, 1580 mit Marktrecht. 1619 von den Kaiserlichen geplündert und eingeäschert, 1640 wieder ein katholischer Pfarrer, 1673 wieder 154 Häuser. 1702 gibt Kaiser Leopold I. den dritten Jahrmarkt am Sonntag nach hl. drei Könige. 1787, 1791, 1808 und 1883 Großbrände, 1713-15 wütet die Pest, 1831, 1835, 1850 (402 Opfer bei ca. 2700 Ew.) und 1866 die Cholera, 1878 sterben 45 Kinder an Diphterie und Scharlach. 1759 wird Anbau der Kartoffel empfohlen, erst Hungersnöte 1770/71 und 1773 zwingen die Bauern dazu. 1771 werden die Häu ser erstmals numeriert (1802, 1805 und 1900 wieder), 1785 wird der herrschaftliche Meierhof aufgelassen, der Grund wird Ansiedlern und Erbpächtern überlassen („Herrenzeile“!). 1805 und 1809 plündern die Franzosen, 1866 bringt preußische Einquartierungen. 1911-12 Pflasterung von Haupt- und Bahnhofstraße mit Klinkersteinen. Im Krieg fallen 65 Mann. Nach 1938 guter Absatz über Bezirksabgabestellen. Der Krieg fordert 202 Tote und Vermißte. Am 23. 4. 1945 Eindringen der Rotarmisten, Ausrauben der Weinkeller, Vergewaltigungen, drei Frauen und drei Männer werden umgebracht, vier Menschen geben sich selbst den Tod. Im September werden 100 Personen zur Zwangsarbeit verschleppt.

Jahrmarkt am Monta nach Aegydi und nach Lucia
Brauchtum: Faschingsreben: die Weingartenarbeiter übergeben dem Bauern vorgetriebene Weinreben.
Kinderspiele: Steinchenspiel, Zwatschkaspiel, Verstecken, Darf’s arme Kindl ausfliegen? Schneider, leih mit die Scher’! Blindekuh, Fuchs, aus dem Loch heraus! Kettenreißen, Länderrufen, Reiterball, Fangen, Kugerlspiel, Messerln, Anmäuerln, Springschnur, Reifentreiben, Räuber und Gendarm, Palestern, Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann? Mariechen saß auf einem Stein, Ringel-Ringel-Reihen, Ist die schwarze Köchin da?
Spitzname “Krotenschnitzer”, da es im Sumpfgebiet, den 5 Teichen und dem nicht regulierten Retzbach viele Kröten gegeben haben dürfte.

Bedeutend:
Dr. Karl Renner (1870-1950), 1919/20 Österr. Staatskanzler, 1931-33 Präsident des Nationalrates, 1945-50 Bundeskanzler, danach Bundespräsident
Prof. Josef Freising (1875-1971), Begründer des südmähr. Turngaues, Heimatforscher

Marktgemeinde, Bezirk, Gericht Nikolsburg
1818 ha (1988 bis 1923) 189 m ü.d.M.

Im Westen von den Tannowitzer Bergen durchzogen mit dem Altenberg (261 m), Turnberg und Fuchsenberg (284 m), Enzenberg, dem Hohen Sonnenberg (284 m) und Johannesberg (283 m), nördlich der Junge Kuhberg (231 m).

Flurnamen
Altenberg, Duitenberg, Fuchsenberg, Rochusberg, Kesselberg, Kleiner und Großer Sonnenberg, Johannesberg, Hohenberg, Donahelsberg, Hohe Heide, Kleiner und Großer Kuhberg, Geißberg, Huberäcker, Hofäcker, Platten, Straßer, Ottentaler, Zehentäcker, Zehentweingärten, Haussatz, Herrenreiter, Kleinjung, Pledergrund, Wardeiner, Kapeller, Marterweingarten, Heckenacker, Hausgärten, Mitterling, Enzgrub, Rosentitzer, Heugaßler, Lehmstettler, Alaviertler, Sauwinkler, Neubrüch, Champagner, Fünfschnür, Roßweide, Hasenriedl, Kleinhäusler, Thayafeld, Trift, Viehweide, Heide, Heidelos, Hauswiesen, Erlen-Orteln, Pfaffenscheibe, Bockgraben, Flöhbrückl, Krautgärten, Breunergärten, Trautmannsdorfer, Walender, Roßweidsutten, Winterberg

Anbau: Wein, durchschnittlich 10- bis 25.000 hl im Jahr. Gurken und Tomaten: Juli/August täglich 15 Waggons, daneben Markt in Brünn mit Pferdefuhrwerken beliefert. 1939 kann der Großmarkt Wien nicht die gesamte Marillenernte abnehmen, auch München und Breslau werden beliefert.
Jagd, sehr ergiebig: 1500 Hasen, 1000 Rebhühner

Straßen: Reichsstraße, Bergener, Bratelsbrunner, Guldenfurter Straße
Wege: Ottentaler, Toifer, Trift, Thayaweg, Mühlweg, Muschinger
im Ort: Bahnhofstraße, Friedhofsgasse, Kirchengasse, Herrenzeile, Grenzgasse, Hauptstraße, Winzergasse, Thayagasse, Guldenfurter Straße, Kellergasse, Wagnerstraße, Hintere Zeile, Chaluppenzeile, Vordere Zeile, Ziegelofengasse, Rochusgasse, Feldgasse, Neustiftgasse, Quergasse, Teichgasse, Iselberg
Plätze: Kirchenplatz, Schulplatz, Tanzplatz, Spiel- und Eislaufplatz, Kudlichplatz/Rudolfsplatz anläßlich der Heirat Kronprinz Rudolfs mit Stephanie von Belgien), Teuffenbachplatz

Baudenkmäler, Einrichtungen
Kirche St. Aegidius, davor St. Martin 1400, St. Georg 1500: spätgot. Hallenkirche, 1582 Umbau und Erweiterung im Renaissancestil, 1647 erneuert und Aegidius geweiht, 1764 Presbyterium und Kapellen-Anbau Barock, Hochaltar, 4 Seitenaltäre, Kanzel, Beichtstühle u. a. von Ignaz Lengelacher. 1804, 1845 und 1849 restauriert. 5 Glocken.
Pfarrhaus, nach Bränden 1762, 1791 und 1794 wiederhergestellt.
Friedhof von der Kirche 1679/80 nach außen verlegt, 1686 mit Mauer und Beinhaus.
Dreifaltigkeitssäule
Muttergottes (Neustift)
Hl. Cyrill und Method
Hl. Johannes von Nepomuk (Ignaz Lengelacher)
Hl. Florian
Pestsäule auf dem Rochusberg
Marter- und Bildssäulen
Schule, siebenklassig; erste Schule 1580 erwähnt, Neubau 1701, abgebrannt, 1788 zweiklassig, nach Brand 1811 Neubau; 1865 dreiklassig, 1869 vierklassig, 1884 Neubau, fünfklassig; 1909 Kindergarten im Schulbau; 1912 Aufbau der Bürgerschule, 1913 Anbau mit Turnhalle; 1931 vierklassig als Sprengel-Bürger schule für Bergen, Oberwisternitz und Muschau.
Rathaus, 1880, mit Sparkassa
Gasthof zum Weißen Roß/Rössel (No 67), ehem. Herrenhof 1549, aufgelassen 1785, danach altes Schulhaus, mit kunstvoller Holzdecke
Volkshaus 1930, ab 1931 Lichtspieltheater
Armenhaus (alte Schule)
Kriegerdenkmal 1925
Pranger 1581
Denkmal für Bgmstr. Johann Hemmel
Gedenkstein für Rudolf von Teuffenbach 1936
Poststation seit 1869, Neubau 1936
Elektrifizierung 1922
Buslinien Wien-Nikolsburg-Brünn, Znaim-Dürnholz-Tannowitz-Auspitz
Gewerbe
Gemeindeziegelei
Kunstmühle
Kalkofen
Dampfmolkerei
Heimarbeit: Haarnetzen, Seidenflechten

2 Ärzte
1 Zahnarzt
1 Apotheke
3 Gasthöfe 15 Kaufleute 3 Bäcker 4 Fleischer
3 Tischler 5 Schmiede 3 Schlosser 2 Sattler
15 Maurer Dachdecker 2 Baumeister 2 Friseure
3 Wagner Kaminkehrer 5 Schuster 10 Zimmerleute
4 Trafikanten 4 Schneider Konditor 7 Weinsensale
Bauholzhandlung

Vereine, Genossenschaften
Veteranenverein 1874
Freiwillige Feuerwehr 1878
Männergesangverein 1881
Gesang- und Geselligkeitsverein “Traube”
Leseverein
DeutscherSchulverein/Kulturverband
Deutschvölkischer Turnverein 1902
Christlicher Turnverein 1920
Südmährerbund
Bund der Deutschen
Sparkassa der Gemeinde 1876
Raiffeisenkassa 1893
Landwirtschaftl. Verwertungsgenossenschaft 1915-1919
Wirtschaftsgemeinschaft Lagerhaus 1930