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Tullnitz

48° 55′ N, 16° 22′ O

Dolenice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1239 erwähnt, gehört zur Herrschaft Mißlitz, dann zu Kloster Bruck, 1585 an das Nonnenkloster Maria Saal in Alt-Brünn. Gegen Ende des 30jährigen Krieg zerstört, noch 1673 Ödung, nach 1680 wieder aufgebaut: Taufen und Eheschließungen setzen 1683 ein. 1714 verkauft der Orden Tullnitz, bis 1720 wird das zerstörte Schloß nebst Maierhof wieder aufgebaut. 1723 wird der Ort weiterverkauft, 1729 kommt er an eine Liechtenstein, 1799 erbt Moritz von Liechtenstein die Herrschaft Frischau mit Tullnitz. Napoleons Soldaten verursachten 1805 und 1809 erhebliche Kosten. 1816-1820 wird der Meierhof verkauft und aufgeteilt, worauf sich die Häuserzehl verdoppelt. 1870 wird die Bahnlinie Brünn-Grusbach-Znaim eröffnet, Tullnitz wird Bahnstation. Im I.Weltkrieg fallen 16 Mann.
1919 beginnt die Zuwanderung tschechischer Arbeiter, deutsche Bahnbedienstete werden entlassen, der Gutshof wird enteignet und an Tschechen verteilt, die nur Tschechen einstellen. Wer einen tschechischen Namen hat, wird vorgeladen und unter Druck gesetzt, Kinder in die tschechische Schule zu schicken, wo die Kinder gänzlich eingekleidet werden. Dank Unterstützung des Südmährerbundes kann ein deutscher Kindergarten eingerichtet werden, so daß Bedürftige nicht tschechischem Druck weichen müssen.
Der Südmährerbund errichtet eine Tagesheimstätte, zu Weihnachten können die Kinder dank der Spenden, die vor allem durch Aufführungen der Theatergruppe hereinkommen, beschert werden. Der tschechische Narodní jednota erwirkt einen Bescheid der Landesbehörde zu ihrer Einstellung, die Kromauer Bezirksbehörde kann jedoch dazu gebracht werden, sie weiter zuzulassen, bis im Berufungsverfahren der gesetzwidrige Bescheid der Landesbehörde aufgehoben wird. 1938 wird sie von der NSV übernommen und ganzjährig weitergeführt.
Nur wenige folgen 1938 dem tschechischen Mobilmachungsbefehl. Am 25.9. müssen die Radioapparate abgeliefert werden. Am 7.Oktober wird die tschechiasche Schule geschlossen, die Einrichtung weggebracht. Am 9.Oktober marschiert die deutsche Wehrmacht ein, 144 Mann bleiben einige Tage im Ort. 1940 vernichtet Hagel die Weinernte. Am 7.Mai 1945 wird der Ort bombardiert, am 8.Mai dringen die Sowjets ein.

Hochzeitsbräuche
Wie alles im bäuerlichen Leben nach strengen Regeln vor sich ging, so auch das Heiraten. Hochzeit machte man entweder im Mai vor Beginn der Feldarbeiten oder Ende Oktober/Anfang November nach der Einbringung der Hackfruchternte; im Sommer hatte man keine Zeit zum Heiraten. Wochen vorher begannen die Vorbereitungen im Haus der Braut. Das Haus wurde innen und außen hergerichtet. Die Mastgänse wurden mit Kukuruz (Mais) gestopft und vier Wochen vor der Hochzeit wurde der „gewisse Tag“ gemacht. Brautleute und beider Eltern kamen zusammen, um über die Mitgift zu verhandeln. Meist wurde schriftlich niedergelegt, wieviel Geld und welche Felder die jungen Leute in die Ehe mitbekommen. War dies geregelt, dann wurde der Hochzeitstag bestimmt und die Liste aufgestellt, wer zur Hochzeit eingeladen werden soll. Beim Pfarrer wurde das Aufgebot bestellt, und an den folgenden Sonntagen luden die Brautleute die Gäste persönlich ein. Je näher der Hochzeitstag heranrückte, desto mehr wuchs die Unruhe im Haus der Brauteltern. Bei Bauernhochzeiten, wo oft bis 80 Gäste und mehr geladen waren, gab es allerhand zu tun. Eine stattliche Anzahl Hühner für die Suppe und Gänse für den Hochzeitsbraten mußten ihr Leben lassen; 80 bis 100kg Mehl wurden zu Hochzeitskuchen und Gugelhupf verarbeitet, ein Schwein und vielfach auch ein Kalb wurden geschlachtet. Am Tag vor der Trauung war Polterabend, zu dem die Brautleute ihre Freunde und Bekannten einluden, welche beim Wein ihre Jugendstreiche zum Besten gaben.
Die Hochzeit fand meist am Mittwoch um 10 Uhr statt. Die Gäste von auswärts kamen, die Pferde mit Bändern und Schellen behängt, mit schönen Fuhrwerken gefahren und wurden mit Glühwein und Kuchen bewirtet. Der Bräutigam zog dann mit seinen Verwandten unter Musikbegleitung zum Haus der Braut. Nach der Begrüßung mußten sich Bräutigam und Braut auf der Türschwelle niederknien und empfingen nach einer kurzen Ansprache den Segen des Vaters. Der Hochzeitszug bewegte sich in einer vorher bestimmten Reihenfolge zur Kirche, die Braut vom Brautführer begleitet, der Bräutigam von der Brautdirn. Erst in der Kirche wurde gewechselt. Auf dem Heimweg von der Kirche wurde, wenn ein Ehepartner von auswärts war, von der Burschenschaft „vorgezogen“, d.h. ein mit Bändern geschmücktes Seil über den Weg gespannt, das junge Ehepaar durch den Altburschen begrüßt und beglückwünscht und ihm ein Glas Wein kredenzt. Das Seil wurde aber nicht hochgezogen, ehe der junge Ehemann etwas „springen ließ“. Beim Haus der Braut angekommen, fanden sie eine verschlossene Tür. Auf ihr Klopfen fragte eine Stimme von innen: „Wer ist draußen?“ Erst nachdem die junge Frau ihren nunmehrigen Familiennamen genannt hatte, wurde geöffnet. Dann wurden dem jungen Paar zwei hochgehaltene Töpfe dargereicht, einer mit Wasser, der andere mit Wein gefüllt. Erwischte die junge Frau den Topf mit Wein, war dies ein Zeichen, daß sie das Regiment im Hause führen werde, daß sie aber auch ein Glas Wein nicht verachte. Dann wurde der jungen Frau ein Laib Brot und dazu ein womöglich recht stumpfes Messer gereicht. Das Brot mußte sie anschneiden. Dabei wurde aber genau darauf geachtet, ob sie auf dem Laib auch die drei Kreuze macht. Schließlich wurde ihr ein Besen gereicht, mit dem sie kehren mußte. War das alles vorüber, dann erhielt sie einige Schüsseln mit Hochzeitskuchen, die sie unter die Menge warf zum „Rappeln“. An ihre Bekannten verteilte sie Hochzeitskränze. Wenn der neugebackene Ehemann seine junge Frau vor dem Mittagessen auf einen Augenblick verließ, wurde diese versteckt, und er mußte sie dann suchen. Fand er sie nicht, dann mußte er sie mit einem Geldbetrag auslösen.
Eine richtige Bauernhochzeit glich einem Dorffest und dauerte gewöhnlich bis zum nächsten Tag. Das Hochzeitshaus stand jedermann offen, und alle, auch Gemeindediener, Postbote, Gendarm, manchmal sogar Beamte der Bezirksbehörde, wurden als Gäste bewirtet. Die Jugend des Dorfes bekam Kuchen und Freibier, dazu Musik. Gab es vom „Vorziehen“ Geld, dann gab es auch genügend „Stoff“ zum Trinken. Die Speisekammer mußte aber verschlossen bleiben, denn wenn dort auch nur ein Fenster offen war, so geschah es, daß ein Gugelhupf oder ein Stück Braten verschwand, mit einer langen Heugabel geangelt. Das geschah keineswegs aus Hunger, sondern aus Übermut. Man war aber den Tätern, die sich ihres Diebstahles sogar rühmten, nicht böse. Da auch die Ortsarmen beschenkt wurden, war die Hochzeit wirklich ein Fest für alle im Dorf, das noch lange in allen Einzelheiten den Gesprächsstoff bildete. Tiltscher

Matriken seit 1635 (bei Irritz).

Literatur:
Mühlhauser, Jakob: Tullnitz – Ein Heimatbuch. 3 Bände. 1940/43

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Gassen-Straßendorf 363 ha, 255 m ü.d.M.

Flurnamen:
Ortsried, Gartenbreiten und Freigartackerl, Krautackerl, Krautackerl und Zeiselfeld, Gemeindeweide, Weinbergacker, Leipertitzer Granitzfeld, Libitzfeld, Moskowitzer Granitzfeld, Heidfeld, Windmühlfeld. Im Volksmund: Weide, Roßweide, Neuriß, Dammackerl, Zeiselberg, Baumstadelbreite, Stoßacker, Vierteln, Lecker (Lecher), Freiacker, Wirtshausacker, Judenacker, Häuselweingarten, Bei der schwarzen Lacke, Stückeln, Antoniacker, Judenquanten, Suttenquanten, Steinquanten, Pfarracker, Weingartenbreite, Neubreite, Große Neubreite, Freigartlbreite, Stoßbreiten, Stierwiese, Sandacker, Herinnere Frischauer Acker.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle zur Kreuzerhöhung, 1714/16, renoviert 1787 nach Brand (Glocke), 1823, 1856 und 1897; Altar 1.Hälfte 18.Jh. Die Glocke muß im I.Weltkrieg abgeliefert werden, danach erneuert.
Säule mit Kruzifix und Schmerzhafter Muttergottes um 1775, Rokoko.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1878/83.
Antonistatue, 1734.
Kapellenkreuz, 1840.
Eisernes Kreuz, Damitzer Straße.
Irritzer Kreuz
Damitzer Kreuz
Mariensäule in der Flur, letzter Rastplatz bei der Rückkehr von Prozessionen, besonders von Dreieichen.

Schulen:
„Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumsschule“, 1908. Schule in Irritz schon 1672 nachgewiesen, dorthin ist Tullnitz eingepfarrt. 1834 Neubau.
Tschechische Minderheitsschule, 1922/23.
Tschechischer Kindergarten, 1933; danach deutscher Kindergarten.

Gewerbe:
Meierhof
2 Greißler, Bäcker (ca. 1935-38).

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1905.