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Tracht

48° 54′ N, 16° 40′ O

Strachotín

Nikolsburg

Geschichte
Erste Ansiedlung 1051, urkundlich 1174 und 1178 erwähnt als befestigte Anlage. Als Markt 1334 an das Haus Liechtenstein, über Besitzerwechsel 1575 an Adam von Dietrichstein, ab 1582 zwei Jahrmärkte mit Pferdemarkt davor, einen Wochenmarkt gewährt Rudolf II. Im 16. Jh. besteht eine Brüdergemeinde der Wiedertäufer bis zur Ausweisung 1622. Die Pfarre geht 1536 ein, der Markt gehört zu Unterwisternitz bis 1785. Im 30jähr. Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen, 1619 unterliegen die Kaiserlichen unter Dampierre auf der Peterswiese bei T. den Ständischen unter Teuffenbach. 1663 von den Türken heimgesucht, 1680 von der Pest, 1805 und 1809 von den Franzosen, 1866 sterben 68 Menschen an der Cholera. Große Feuer 1619 (“ausgebrannt”), 1727 (fast der ganze Ort mit Kirche und Turm), 1818 (105 Häuser), 1827, 1898 (je 40 Häuser). Bedeutenden Schaden verursacht Hochwasser, so 1926. 1918 will die Gemeinde sieben Lastautos Kartoffeln ins hungernde Wien schicken, 70 Tschechen wollen das verhindern und besetzen die Autos, müssen aber nach Eingreifen des Bürgermeisters und der Einwohnerschaft abziehen. Das herrschaftliche Gut soll im Zuge der Bodenreform auf die Landwirte aufgeteilt werden, die Tschechen verkaufen aber einen Teil an einen der Ihrigen, vom Restgut bekommen die Landwirte ihre Anteile. Der gemeindliche Gänsehirt treibt täglich 2500 Gänse auf die Gemeindeweide. Im Krieg fallen 26 Männer, 23 bleiben vermißt. Nach der Vertreibung 1946 kommen 181 Familien nach Deutschland, meist nach Baden, 45 bleiben in Österreich.

Bezirk, Gericht Auspitz, ab 1938 Nikolsburg, Post Unterwisternitz,
später Nikolsburg 1390 ha 171 m ü.d.M.

Flurnamen
Schoßfeld (früher Schindanger) mit Sandstätten und Freiäckern, Mitterfeld, Aufeld, Satzweingärten, Geißlöcherweingärten, Langfeld “Sauhübel”, Langfeld “Galgenberg”, Bauernheidfelder, Neurißfeld, Brückl-Heidfeld, (Brückl-Heidäcker), Ludwig-Heidäcker, Lange und Kurze Kuhbergweingärten, Streibergweingärten, Oberaufeld (Obere Waldwiesen), Straßwiesen (mit Jausenwiesen und Peterswiese), Unterer Auwald (Peterswehrholz, Krummseeleiten, Venedigleiten, Schusterwiesen, Ottergrübel, Klettenleiten, Alte und Junge Thayaleiten, Linke Leiten, Sturnitzleiten, Stockleiten, Roßweidleiten), Gasselwiesen, Neugarten wiesen, Roßweid-Neugarten, Ödleiten, Neuwiesen, Biberhauswiesen, Bach molter, Thayawiesen, Linke Wiesen, Kurze Sturnitzwiesen, Lange Sturnitz, Pfaffengrubenwiesen, Roßweidleitenwiesen, Stockwiesen, Halblehenwiesen, Fünfmahdige Waldwiesen, Achtmahdige Sauerwiesen, Sechsmahdige Rohr wiesen, Fünfmahdige Seewiesen, Lange und Kurze Teilungen, Teichwiesen
Seen: Mahteichtl, Krummsee (Saulacken), Modersee, Pollauer See, Stocksee, Pannsee, Hayn sein Loch, Pfaffengrubensee, Biberhaussee, Hufeisensee (Brucknersee)

Anbau: Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Mais, Zucker/Futterrüben, Luzerne, Kartoffel, Gurken, Bohnen, Wein (Grüner Veltliner, Riesling, Grauer Portugieser, Gutedel, Blauer Hans; Blaufränkischer, Portugieser), Zwetschgen, Weichseln, Kirschen, Nüsse, Pfirsiche, Marillen, Äpfel, Birnen, Ribiseln
Schöne Jagd: 100 Hasen, 500-1000 Rebhühner, 800-1000 Fasane, 300-400 Wildenten, 60-70 Wildgänse, 24 Rehe
Bedeutender Fischfang: Hecht, Karpfen, Schleie, Rotauge, Barsch (“Schratz”)

Feldwege: Augwandtenweg, Salzweg, Bei den Stadeln, Schoßfeldweg, Leitenweg, Neuer Weg
Straßen, Plätze: Marktplatz, Wisternitzer, Auspitzer, Pausramer (Judenzeil) Straße, Kirchenviertel, Schakwitzgasse, Jägerzeil, Am Anger, Salzweg, Ganslplatz, Friedhofgasse, Aschenhübel, Kellergasse, Am Teich

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl. Ulrich, 1582 auf Resten aus dem 13. Jh., 1789 erweitert, Turm 1753, erhöht 1791; Hochaltar von Franz Anton Maulpertsch
Hl. Johannes von Nepomuk 1735
Hl. Florian 1833
Muttergottes 1889
Friedhofkreuz 1886
Kriegerdenkmal 192
Rathaus, 1927, Gemeindebücherei
Schule seit 1584, 1804 Neubau, Umbau 1861, ab 1862 zweiklassig, 1886 drei klassig, ab 1920 Schulmittel auf Gemeindekosten; (Tschech. Minderheitsschule 1922-1938 im Gemeindehaus, ehem. Notspital); Schulbücherei, Schul küche
Kindergarten 1933 (Stiftung Josefa Schmid 1929)
6 Gemeindebrunnen
Elektrifizierung 1929
Postauto dreimal täglich zur Bahn, Auspitz und Nikolsburg

4 Jahrmärkte seit 1887, Mittwoch vor Josef, Johannes der Täufer, Bartholomäus, Elisabeth

Gewerbe
2 Gastwirte 5 Kaufläden 2 Bäcker Fleischhauer
4 Schmiede Sattler 2 Tischler 2 Wagner
5 Zimmerer 4 Maurer 4 Dachdecker Spengler
4 Schuhmacher 2 Schneider 4 Schneiderinnen 3 Händler
Weinsensal 2 Heger

Vereine, Genossenschaften
Veteranenverein 1894, Verein gedienter Soldaten,
Freiwillige Feuer- u. Wasserwehr 1895
Männergesangverein/Musikverein 1895
Deutscher Kulturverband 20er Jahre
Milchgenossenschaft ca. 1895
Raiffeisenkassa 1895
Dampfdruschgesellschaft um 1900
Motordruschgesellschaft um 1925