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Taßwitz

48° 50′ N, 16° 9′ O

Tasovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1231 erwähnt, das Patronat gelangt an Kloster Bruck, 1299 bestätigt Wenzel II. dem Kloster der Klarissen in Znaim den Besitz, das Untergut, das sogenannte Obergut gehört Kloster Bruck. 1578 sind Wiedertäufer nachgewiesen. 1801 vernichtet ein Brand fast den ganzen Ort. 1809 wüten die Franzosen im Ort, die Preußen verursachen 1866 keinen Schaden.
1848 wird der in Wien studierende Vinzenz Schnattinger Hauptmann der studentischen Legion, muß sich nach der Befriedung Wiens verstecken, erst nach der allgemeinen Amnestie kann er nach Taßwitz zurückkehren, er wird Bauer und stirbt 1908.
Eine große Überschwemmung verwandelt 1888 den Talkessel zwischen Kuhberg und Hödnitzer Dampfmühle in einen See. 1900 ist die 120m lange Thayabrücke fertig. 1905 wird die Hutweide auf die 124 Bauernhöfe verteilt, jeder bekommt 40a. Im I.Weltkrieg fallen 44 Mann. 1918 verliert der Ort den Absatzmarkt Wien, was zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt. An Kellern und Preßhäusern werden Buschenschänken eröffnet, die Gemeinde organisiert den Direktverkauf von Schweinefleisch. Im August 1929 verursacht ein Unwetter schwere Schäden.
Bei den Gemeindewahlen 1936 erringen die Sudetendeutsche Partei 13, die Christlich-Sozialen 5 Mandate. Die Aufsichtsbehörde will die Gewählten nicht bestätigen, sie werden als Staatsfeinde abgestempelt, Verhöre werden geführt. Im Ort stationiertes Militär erlaubt sich Schikanen. Nach einem Jahr wird der Bürgermeister bestätigt. Der Anschluß 1938 bringt wirtschaftlichen Aufschwung.
Am 1.April 1939 wird Taßwitz mit Hödnitz vereinigt zur Gemeinde Kirschfeld. Im II.Weltkrieg fallen 79 Mann.
Am 7.Mai 1945 sprengen Soldaten der Wehrmacht die Thayabrücke, die Sowjets dringen in den Ort ein, vier Wochen lang plündern und vergewaltigen sie. Tschechische „Partisanen“ verschleppen die älteren Männer in Znaimer Lager, wo sie tagelang mißhandelt werden. Danach werden sie zu Zwangsarbeit verschleppt. Tschechische Hausbesetzer lassen deutsche Frauen und Kinder für sich arbeiten. Ein Dreizehnjähriger wird von den Tschechen erschossen. Am 8.August 1945 werden fast alle Deutschen nach Niederösterreich vertrieben, vier von ihnen kommen dabei um, zwei Drittel werden 1946 von dort in die amerikanische Besatzungszone Westdeutschlands verbracht.

Kirtag am Sonntag nach Maria Himmelfahrt (15.August).
Zu Silvester wird Theater gespielt, meist Volksstücke, Lustspiele und Schwänke. Besonders erfolgreich war Nestroys „Böser Geist Lumpazivagabundus“.

Matriken seit 1677.

Bedeutend:
Klemens Maria Hofbauer (*26.12.1751, †15.3.1820 Wien), der „Apostel von Wien“, getauft Johannes als neuntes von zwölf Kindern. Der in Mährisch-Budwitz geborene Vater Peter Paul Dvo?ák, Fleischhauer, wurde bei seiner Heirat in Taßwitz mit Maria Steer mit dem ins Deutsche übersetzten Namen Hofbauer in die Trauungsmatrik eingetragen. Der Vater starb am 26.7.1758, Johannes ist 61/2 Jahre alt. Er lernt beim Pfarrer Latein, bis dieser stirbt. Als der Bub 14 Jahre alt ist, wird er 1767 zu einem Bäcker in Znaim in die Lehre gegeben, 1770 arbeitet er bei den Prämonstratensern in Klosterbruck. 1771 kommt er auf einer Reise nach Tivoli, wo er sich als Eremit niederläßt und die Namen Klemens (nach dem Märtyrer-Bischof von Ancyra in Kleinasien, †312) und Maria annimmt. Nach einem halben Jahr kehrt er nach Klosterbruck zurück und studiert weiterhin Latein. 1776 hat er seine Studien abgeschlossen, kann aber nicht in den Orden eintreten, da der Kaiser Neuaufnahmen nicht erlaubt. Zwei Jahre lang lebt er als Eremit in Mühlfraun, dann geht er auf Bitten seiner Mutter nach Wien in eine Bäckerei. Im Alter von 29 Jahren beginnt er das Theologie-Studium an der Universität in Wien, unzufrieden mit dem dort herrschenden Rationalismus. Auf einer Studienreise nach Italien wird er in San Giuliano als Novize in die „Kongregation des Heiligsten Erlösers“ (Redemptoristen), 1732 gegründet, aufgenommen. 1785 legt er die Gelübde ab und wird zum Priester geweiht. Der Ordensgeneral beauftragt Hofbauer und seinen Begleiter Thaddäus Hübl, den Orden nördlich der Alpen zu verbreiten. Da Kaiser Josef II. in Österreich 1784 viele Klöster geschlossen hat, wenden sich die beiden 1787 nach Warschau. Ihnen wird St.Benno, die Kirche der Deutschen, zugewiesen. Sie begründen ein Waisenhaus, das sich zu einer höheren Schule entwickelt, 1799 wirken dort 25 Patres und Brüder. Den nationalen Polen gelten sie als Verräter, 1808 werden sie auf Befehl Napoleons ausgewiesen. In Wien kümmert sich Hofbauer 1809 als Kaplan in einem Spital um verwundete Soldaten, danach ist er an einer kleinen italienischen Kirche tätig, ab 1813 bei den Ursulinerinnen. Sein Ruf als mächtiger Prediger und sanfter Beichtvater verbreitet sich. Als Prediger und Seelsorger ist Hofbauer von großem Einfluß, vor allem auf viele Konvertiten der Romantik: Friedrich Schlegel, A.H.Müller, Zacharias Werner. Im März 1820 erkrankt er und stirbt am 15. (Namensfest). Noch 1820 wird der Redemtoristenorden in Österreich anerkannt. Am 29.Jänner 1888 wird Klemens Maria Hofbauer von Papst Leo XIII. seliggesprochen, am 20.Mai 1909 von Papst Pius X. heiliggesprochen, 1914 wird er zum Stadtpatron von Wien erhoben.

Schnattinger Vinzenz (1828-1908), 25 Jahre lang Bürgermeister, studiert in Wien Philosophie, 1848 Hauptmann der zweiten Kompanie des Korps der Fakultät, nach der Einnahme Wiens durch Militär muß er fliehen und sich in Znaim rechtfertigen. Als sein Bruder bei einem Unfall stirbt, übernimmt er den Hof.

Literatur:
Moßbeck, Anton/Schnattinger, Rudolf: Taßwitzer Heimatbuch. 1975.

Bezirk und Gericht Znaim

Dreieckangerdorf 1475 ha, 210 m ü.d.M.

Flurnamen:
Diesseits der Thaya: Neustiftfeld (nach verödetem Ort), Langfeld, Speckäcker, Kurzfeld, Zulisfeld, Zwergäcker, Breitler, Satzer, Wienerbreitler, Schatzberg, Tränkäcker;
jenseits der Thaya: Gansheid, Unterberger, Oberberger, Frauenholzfeld, Sauweidefeld, Wolfbeißer, Kuhbergheide, Glockenheid, Powitzfeld (von Hussiten zerstörter Ort), Wehrbreiten, Krautäcker, Obergut.

Anbau: Weizen, Gerste, Korn (Roggen), Hafer; Gemüse: alle Kohlarten, besonders begehrt das Taßwitzer Kraut, Gurken, Tomaten, Paprika; Obstbau: Kirschen (Kirschenwälder), Aprikosen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Pflaumen; Weinbau.

Jagd: 800 Hasen, Rebhühner, Wachteln, Fasane.

Straßen, Plätze: Mühlfrauner Straße, Ortsstraße, Ortsplatz, Im Winkel, Mühlgasse, Gstetten, Häuseln.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, 1659/79, Saalkirche, barock (Pfarre seit 1234, Patronat beim Kloster Bruck); Hochaltar 1.Hälfte 18.Jh., Hochaltarbild Mariä Himmelfahrt, Kopie von M.A.Charlemont, 1858; Kanzel um 1755; Seitenaltäre hl.Joseph und hl.Sebastian; Grabsteine 1589; Erhöhung des Kirchturms auf 56 m um 1900.
Pfarrhof um 1780, klassizistisch.
St.Klemens-Kirche, 1933 von Klemens Holzmeister an der Geburtsstätte des hl.Klemens Maria Hofbauer erbaut; Altarrelief von Othmar Hillitzer.
Kloster der St.Hedwigsschwestern 1913, auf dem Grund der Geburtsstätte mit Kindergarten, Pflege von Kranken und Waisenkindern. Die Redemptoristen kaufen die Anlage 1929, 1930 lassen sie einen Teil des Gebäudes abreißen für den Bau der Gedächtniskirche.
Rotes Kreuz an der Gemarkungsgrenze Mühlfraun, um 1900.
Marterl an der Naschetitzer Straße, Gabelung zum Sandfeldweg.
Kriegergedächtniskapelle, 1925.
Gemeindehaus, 1930.
Armenhaus
Isolierstation
Feuerwehrgerätehaus
Post und Bahnstation Hödnitz-Taßwitz
Elektrifizierung, 1928.
Distriktsarzt

Schulen:
Neubau 1837, 1894 erweitert, dreiklassig, 1914 vierklassig, 1925 sechsklassig; für 1669 ist ein Schulmeister belegt.
Kindergarten
Schul- und Gemeindebücherei
Armenhaus
Isolierzimmer
Distriktsarzt
Autobuslinie Höflein – Znaim

Gewerbe:
Handelsmühle, urkundlich 1299.
220 landwirtschaftliche Betriebe, 50 Nebenerwerbsbetriebe.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1886.
Verein gedienter Soldaten, 1896.
Männergesangverein, 1896.
Bund der Deutschen, 1898.
Deutscher Schulverein, 1898.
Burschenschaft Gemütlichkeit, 1910.
Deutschvölkischer Turnverein, 1911.
Burschenverein „Immergrün“, 1922.
Gesangverein, 1932.
Raiffeisengenossenschaft, 1897.
Lagerhausgenossenschaft, 1921.
Molkereigenossenschaft
Gemüseverwertungsgenossenschaft, 1939.


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