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Sitzgras

49° 2′ N, 15° 23′ O

Cízkrajo

Zlabings

Geschichte
Erste Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1206, darin sind 33 Höfe genannt. Grundmauern einer alten Veste sind bei der Kirche erkennbar. Bergwerkstollen in der Nähe deuten auf Abbau von Gold oder Silber. 1387 mit der Herrschaft Datschitz im Besitz der Kraig. Zum Pfarrsprengel gehören Wölking, Mutten, Muttischen, Urbantsch, Petschen zur Hälfte, sechs Häuser in Holleschitz, die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Montserrat, 1520 bis 1659 protestantisch, 1639 vorübergehend öde. Den Freihof erwirbt Oberstleutnant Bartholomäus von Tannazoll-Wölking, Iglauer Kreishauptmann, der die Marienkapelle Montserrat 1651 erbauen läßt. Zur Pfarre gehören die Gemeinden Wölking, Muttischen, Mutten, Urbantsch, die Winterseite von Petschen und sechs Häuser von Holleschitz.
Ein Großbrand im Jahr 1900 führt zur Gründung der Feuerwehr. 1901/02 wird die Bahnlinie Iglau-Waidhofen/Thaya gebaut. Im Ersten Weltkrieg fallen einundvierzig Mann, im Zweiten fünfunddreißig, acht bleiben vermißt.
1919 wird für eine tschechische Minderheitsschule ein Klassenzimmer beschlagnahmt.
Am 7.Juni 1945 werden 294 Deutsche – eine halbe Stunde Frist und 30 kg Gepäck – vertrieben, 196 gelangen nach Württemberg.

Brauchtum
Den Josephstag, 19.März, begehen Zimmerleute und Tischler, deren Schutzpatron der hl.Joseph ist, an diesem Tag beginnt der Sommerfrüchteanbau; den Namenstag des hl.Florian (4.Mai) begehen die Feuerwehrleute festlich.
Wallfahrten nach Montserrat am 1.Mai, Mariä Himmelfahrt (15.August) und Mariä Geburt (8.September); nach Kloster, Kirchwiedern, Zlabings zur Heilig-Geist-Kirche, Maria Dreieichen.
Sonnwendfeier am 24.Juni mit Feuer auf dem Petschenberg, Singen alter Volkslieder.

Weg-Machen in den 30er Jahren zwischen Frühjahrsanbau und Heugert: Jeder Feldbesitzer ist verpflichtet, je nach Hektarbesitz tageweise am Ausbessern der Wege zu arbeiten, ersatzweise durch Schotterlieferung; Mehrleistung wird von der Gemeinde bei der Verrechnung vergütet.
Brotbacken: Jedes Haus hat einen eigenen Backofen, in dem Roggenbrot gebacken wird. Der Teig wird in der Brotdösn/tesn mit dem Knet-Scheit–meist von Männern–oder einem Backtrog mit beiden Händen geknetet, danach in Bockarln (Backkörbe, Laibform) hineingeformt; mit der Ofengabel wird das Holz in den Ofen geschichtet, ein Birdl (gehacktes Reisig) daruntergeschoben und angezündet. Die Glut wird mit der Gurker über die Fläche verteilt, schließlich mit dem Kehrwisch (Kiawusch) ausgeputzt. Man streut Mehl hinein, wenn es sich gleich bräunt, ist die Hitze richtig, das Brot kann mit der „Ouferschissel“, hineingeschossen werden, einem runden Brett mit langem Stiel. Zwischendurch werden die vorderen Laibe (Loawül) nach hinten, die hinteren nach vorne geschoben, damit sie gleichmäßig braun werden. Besonders gut schmeckt das frischgebackene Brot, der Feuerzöltn, mit Fett beschmiert und gesalzen. Teigreste ergeben das Ural (Sauerteig) für den nächsten Backvorgang.
Vor dem Anschneiden wird mit der Messerspitze auf der Unterseite das Kreuzeszeichen angedeutet.

Matriken seit 1790

Bezirk Datschitz, Gericht Zlabings

1938-1945 Kreis Waidhofen a.d. Thaya

Längsangerdorf 1035 ha, 477m ü.d.M.

Flurnamen: Petschenlußfelder, Zulisl/Zuluß, Gründäcker/Holleschitzer Lußfelder, Burkenlußfelder, Gwanten, Pointen, Muttischleitenäcker, Tiefengrabenwiesen, Markgrabenwiesen, Hausgrabenwiesen, Breitenwiesen, Brannwiesen, Hopfengartenwiesen, Grammetwiesen; Haaracker, Tiefengraben, Augrabeln, Augrabenwiesen, Kalkgrubenäcker, Mirtgrabeln, Tiefengrabenäcker, Teichdomer, Irn, Petschenhügeläcker, Augrabenäcker, Mirtgrabelnwiesen, Mirtquanten, Irnwiese, Teichdomer, Gänsgraben, Gänsgrabenwiesen, Grabenfleckerln, Kreuzwiesen, Urbantschbergäcker, Augrabelnwiesen, Datschitzquanten, Dochatgrube, Grabenhölzl, Krähenbergäcker, Dürre Wiese, Hintausgarteln, Poidenäcker, Pfarrgrundäcker, Au, Überländ, Pfarrgrund, Pfarrer-Lehmgrube, Pfarrwiesen, Waschbachleiten, Bowiesen, Grammetwiesleiten, Grammetackerl, Obere Grammetwiesen, Untere Grammetwiesen, Muttenäcker, Schulerbreiten, Hofäcker, Süßengraben, Montserratäcker, Meierhofacker/Andreysacker, Restgut, Schafleiten, Hofäcker, Aubreitenäcker, Muttischäcker, Muttischwiesen, Gartenwiese, Huttererhügel, Kirchhügel, Hofgartenacker, Bowiesen, Boleiten, Mühlwiesen, Mühlbachäcker, Leitenwiese, Gemeindeleiten, Brunnwiesen, Teichternleiten, Kochäcker, Poideln, Mühläcker, Schlichtenhügeläcker, Spullnäcker, Zwischenwegenäcker, Brunngrabenäcker, Ertschbachquanten, Ölwiese, Straßenäcker, Straßwiesenfleck, Gemeindezipf, Straßäcker, Pfarrerteichtelwiese, Roterlehmacker, Tiefengrabenacker, Ertschbachwiesen, Langewiesfleck, Romeläcker, Markgrabenwiesen, Hausgrabenwiesen, Breitenwiesen, Brannwiesen, Hopfengartenwiese.
Wald: Burkenluß, Urbantschbergwald, Galgenbergwald, Krähenbergerlwald, Gemeindewald, Ölhölzel, Staatswald, Montserratwald.
Stockteich, Unterer Ertschbach.
Wege: Brunngrabenweg, Urbantschweg, Haarweg/Petschenbergsteig, Gänsgrabenweg, Holleschitzweg, Zweriweg, Muttischenweg, Grüner Weg, Hutterersteig, Schlichtenhügelweg, Ertschbachweg.
Anbau (in % der Ackerfläche): Roggen 30, Hafer 30, Weizen 5, Gerste 5, Rüben 10, Kartoffeln 20,
12 Häusler mit bis zu 5ha, insgesamt 35ha;
11 Kleinbauern mit 5-10ha (70ha), 14 Bauern mit 10-15ha (195ha), 5 mit 15-20ha (100ha), 5 mit 20-25ha (115ha), Pfarrbesitz und Staatswald 430ha.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Hl.Peter und Paul, spätgot. 15.Jh., Chor um 1520, 1622 noch mit Holzturm, später Steinturm mit Holzhelm, 1800 erhöht; 1716 zur Kirche umgebaut, der Friedhof wird 1835 erweitert, ein Eisenkreuz zur Erinnerung errichtet.
Pfarrhof 1.Hälfte 18.Jh.
Statuen: Hl.Florian (Dorfplatz), Hl.Johannes von Nepomuk
18 Feldkreuze
10 Martersäulen
Kriegerdenkmal 1920
Friedhofkreuz aus dem Wölkingtaler Hüttenwerk 1835 bei Erweiterung des Friedhofs 1926
Volksschule dreiklassig, vor 1662 errichtet, öffentlich 1788, mit Landwirtschaftsschule
Schlößl am Wölkingbach, 1834
Kindergarten
Armenhaus
Freihof mit Ziegelei (1644 im Besitz von B. von Tannazoll)
Postamt 1939
Bahnhaltestelle Wölking-Sitzgras
2 Gemeindebrunnen, Ölbrünndl
Wasserleitung 1925/26
Elektrifizierung 1920 durch Wißgott-Mühle mit E-Werk
ab 1936 Überlandwerk
Post Wölking.
Saatgutreinigungsanlage

Gewerbe
Eisenwerk Wölkingsthal in der Nähe, 2 Mühlen (Felix- und Wißgottmühle/mit Sägewerk, im 14.Jh. erwähnt, 1634 von der Familie Wißgott aus Bayern gekauft, mit 5 Mahlgängen mit Wasserrädern),
Molkerei 1909/10
Flachsverarbeitung, Weberei,
2 Gasthäuser, 3 Geschäfte (G’wölbe), Fleischer, 2 Schmiede, Tischler, 3 Zimmerleute, Schneider, 3 Schuhmacher, 3 Maurer, Ofensetzer, Bildhauer,

Vereine, Genossenschaften
Freiwillige Feuerwehr 1900
Turnverein nach 1918
Veteranenverein 1896
Gesangverein um 1898
Verband der Landwirte 1910
Raiffeisenkassa 1894
Molkereigenossenschaft 1930