o-183-01-Schiltern « »

Schiltern

48° 56′ N, 15° 50′ O

Štítary

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1260 erwähnt, von Karl IV. 1346 zum Markt erhoben, Ferdinand I. gewährt das Jahrmarktsrecht und ein Siegel. 1437 gehört der Ort zur Herrschaft Frain. Ferdinand I. erteilt 1539 das Recht auf einen Jahrmarkt. 1560 ist das Luthertum stark verbreitet. 1620 führen die Jesuiten die Gegenreformation durch, 1640 ist wieder ein katholischer Seelsorger im Ort. 1645 plündern die Schweden den Ort aus und zünden die Häuser an. Seit dem 30jährigen Krieg mehrheitlich von Deutschen bewohnt. Eine Feuersbrunst vernichtet 1706 alle strohgedeckten Häuser, Kirche und Pfarrhof, 1835 fallen einer zweiten 261 Gebäude, Schulhaus, Pfarrscheuer und acht Menschen zum Opfer. 1787 verkauft Graf Joseph von Althan der Gemeinde 150 Joch schlagbaren Waldes, der Grund wird in Ackerland verwandelt und an die 83 Eigentümer verkauft. 1806 und 1809 hausen die Franzosen im Ort. 1835 brennt ein Großteil des Ortes nieder. Die Kolonie Schönwald wird 1798 gegründet, zwischen 1895 und 1938 entsteht die Ansiedlung Neustift am Südhang des Galgenbergs, 1945 zählt sie 40 Häuser.
Im I.Weltkrieg fallen 27 Mann, im II.Weltkrieg fallen 43 Mann, 21 bleiben vermißt. Nach dem Eindringen der Rotarmisten verüben diese zahllose Vergewaltigungen, bald kommen tschechische „Partisanen“. Damit sie ungestört plündern können, muß sich die männliche Bevölkerung (ab 14 Jahre) auf dem Marktplatz versammeln.

Am 22.Mai 1945 werden alle Männer und Frauen in die Schule gebracht, dort werden ihnen von Kommunisten und „Partisanen“ alle möglichen Taten vorgeworfen, zwanzig Hiebe mit Ochsenziemer oder Gummiknüppel für Parteimitgliedschaft, zwanzig weitere für jede Teilorganisation. Am 19.Juni 1945 werden die Deutschen vertrieben.

Brauchtum
Alljährlich werden am Karsamstag vor der Frühmesse alle Wattebäusche, die der Pfarrer beim Taufen benutzt hat, in einer Grube vor der Kirche verbrannt. Sie dürfen nicht wie profaner Abfall behandelt werden, sondern müssen durch den Geistlichen in würdiger Form vernichtet werden. Man nannte dies „Judenbrennen“, weil man meinte, das Heidnische sei aus der mit der Erbsünde beladenen Kinderseele in den Wattebausch entwichen. Jeder Ungetaufte galt als Jude, daher sagte man: „Heit houm’s an Jud’ vabrennt.“

Matriken seit 1713.

Literatur:
Stolhofer, Walter: Heimaterinnerungen – Die Marktgemeinde Schiltern. o.J.

Bezirk Znaim, Gericht Frain

Längsangerdorf 2566 ha, 398 m ü.d.M.

Straßen, Plätze:
Ortsteile: Oberer Ort, Unterer Ort, Neustift; Frainer Gasse, Lispitzer Gasse, Oberes Gasserl, Unteres Gasserl (führt ins Granitztal, Schweizertal und Thayatal).

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl.Georg, 1706, Saalkirche, Langhaus mit Stichkappentonnengewölbe; Orgelempore Mitte 18.Jh. An der Nordseite Kapelle mit Kreuzgewölbe, 17.Jh., an der Südseite Sakristei und Empore 1938 angebaut; Hochaltarbild von Franz Tassel, 1893, Seitenaltar- und Kapellenbilder von Josef Winterhalter. Barbara-Altar und Kanzel um 1780, Taufstein 17.Jh. Grabstein mit Wappen 1803. Turm freistehend, um 1750, Rokoko. 3 Glocken.
Friedhof, 1825 außerhalb neu angelegt.
Kriegerdenkmal, 1929.
Kaiser Josef II.-Denkmal 1884, entfernt 1923.
Armen- und Krankenhaus, 1889.
Gemeindebücherei
Postamt

Schulen:
Schulhaus 1883 Umbau, dreiklassig, Neubau 1839 nach Brand von 1835, einklassig, ab 1840 zweiklassig; schon 1665 ist die erste Schule beurkundet.
Landwirtschaftliche Fachschule für Jungbauern, 1898/99.

Gewerbe:
Kolonie Schönwald, 1798.
Meierhof Helenenhof, 1835.
Sägemühle
Molkerei
Saatgutreinigungsanlage
Kartoffeldämpfkolonne
2 Ärzte, 2 Hebammen,
3 Gasthäuser, 8 Kaufläden, 2 Bäcker, Fleischer, 5 Tischler, 5 Wagner, 3 Schmiede, 3 Schlosser, 3 Schuhmacher, 5 Schneider, 2 Friseure, Bauunternehmer.

Jahrmärkte: 1) Donnerstag vor Faschingssonntag, 2) Dienstag vor Pfingsten, 3) Dienstag nach Mariä Himmelfahrt (15.August), 4) Donnerstag vor Mariä Empfängnis (8.Dezember).

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1893.
Musikverein, 1895.
Kulturverband, 1919.
Turnverein, 1921.
Gesangsverein, 1921.
Absolventenverein der Landwirtschaftlichen Fachschule, 1906.
Spar- und Darlehenskassa, 1905.
Landwirtschaftlicher Bezirksverein