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Schattau

48° 48′ N, 16° 1′ O

Šatov

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1202 genannt, das Kirchenpatronat wird 1220 Kloster Bruck bestätigt. 1373 gewährt der Markgraf einen Jahrmarkt vor Martini. 1497 erhebt der König den Ort zum Marktflecken und verleiht einen Jahrmarkt acht Tage nach dem Pfingstdienstag sowie einen Wochenmarkt jeden Dienstag. Der Ort gelangt in adelige Hände, 1601 gehört er zur Herrschaft Joslowitz.
1601 gewährt Kaiser Rudolf II. einen Jahrmarkt zu St.Matthäus.
Zur eigenen Gerichtsbarkeit gehört der Galgen auf dem Galgenberg im Süden. 1677 tötet die Pest 80 Menschen.
1678 kommen 178 Menschen auf der Wallfahrt nach Mariazell um, als ihr Schiff in der Donau versinkt, nur zwei können sich retten.
1742 bleiben die Preußen mit 600 Mann zwei Tage im Ort. 1766 vernichtet ein Brand 122 Häuser, 1767 ein weiterer 147 Häuser. 1805 und 1809 hausen die Franzosen. 1831 und 1832 fordert die Cholera 20 Tote. Im März 1848 wird eine Nationalgarde aufgestellt, ein Volksfest gefeiert. Einmal in der Woche rückt die Garde aus, übt mit Holzgewehren. Als damit am 2.Dezember Schluß ist, danken die Frauen der Gardisten dem Herrgott.
1850 findet die erste Gemeindewahl statt.
Das Hochwasser von 1874 zerstört 30 Häuser und beschädigt 40 weitere.

Kirtag am 2.Sonntag im August.

Die folgenden

Nachtwächtersprüche

wurden bis 1912 im Sommer zwischen 23 und 2 Uhr gesungen, im Winter um 21, 23, 1 und 3 Uhr.

Zur Schnittzeit

Bitt‘ für uns, o heiliger Florian, Bewahre uns der liebe Gott,
Beschütz uns vor Feuersflamm‘, Vor Feuersflamm und gahem Tod.
Gelobt sei Jesus Christus!
Hot eilfi g’schlogn.

Um 21 Uhr

Um neuni hol eini, die Keuschheit b’hüat,
Wenn gleich die Venus den Besten ausbrüat.
Mit Spießen und Stangen
Wird Jesus gefangen.
Drum meid‘ die Sünd‘,
Mein Kind!
Hot neuni g’schglogn.

Um 23 Uhr (November)

Alle meine Herrn, um was ich Euch bitt‘:
Vergeßt auf die armen Seelen nit,
Denn sie leiden sicher große Pein.
Es mög ihnen Gott auch gnädig sein.
Gelobt sei Jesus Christus.
Hot eilfi g’schlogn.

Um 2 Uhr

Hört, Ihr Herrn, und loßt Euch sogn:
Unser Glockn hot zwoa g’schlogn.
Zwei Uhr ist es an der Zeit,
Mensch, gedenk der Ewigkeit.
Gelobt sei Jesus Christus.
Hot zwoa g’schlogn.

Um 3 Uhr (Sommer)

Alle meine Herrn, loßt Euch sogn:
Der Hommer hot drei g’schlogn,
Drei Uhr ist es an der Zeit.
Die Vögelein singen auf grüner Heid‘,
Der Fuhrmann auf der Straßen
Ist auch vom Schlaf erwacht.
Gelobt sei Jesus Christus.
Hot drei g’schlogn.

Matriken seit 1637.

Bedeutend:
Hellepart Alfred (1926-1967), Bergsteiger.
Als 1957 vier junge Bergsteiger in die Eiger-Nordwand einsteigen, kommen drei von ihnen um, einen kann Hellepart retten. Bergkameraden erreichen, daß nach Antrag bei der Regierung von Nepal ein namenloser Fünftausender nach ihm benannt wird.

Literatur:
Wieder, Ludwig: Markt Schattau. 1924

Bezirk und Gericht Znaim

Längsangerdorf 1575 ha, 248 m ü.d.M.

Mit dem Kirchbichel enden die Ausläufer des böhmisch-mährischen Höhenzugs bei Schattau.

Flurnamen:
Im Norden: Satzeln, Breiteln, Kirchäcker, Bannhölzer, Kirchenbichel, Glockenklang, Hofäcker, Lehen, Warten (= Woadn, Weiden), Unzendorfer, Junge Vierteln, Meierhofäcker, Tiefe Wiesen;
Im Süden: Krautgärten (G’Reutgärtel, Gestrüpp), Tuschern (Dosch = Buschwerk), Hofäcker, Neusatzl, Quanten (Gewanne), Samgewanden (Soungwanten), Täleracker, Tälern, Saubrünndläcker, Aulus (Au-Luß), Teichtleiten, Hochfelder, Dreistößeln, Haiden, Schatzen, Lewern, Unger, Satz, Sandviertel, Lehackerln, Edelmonner, Alte Vierteln, Hundsörter, Zugebaln, Blaue Unzendörfer, Teichten, Wiesäcker, breite Trift, Plotten, Wasserspulen, Gänswoadn, Gehen, Winterseiten, Herrnzeil, Schwarze Bruck.
Wege: Landstraße, Kiriweg, Müllnerweg, Grundbergweg, Ungerweg,

Unzendorferweg, Himmelreichweg, Triftweg, Toifweg, Neusatzlnweg, Quantenweg.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Aegidius/hl.Bischof Martin, 2.Hälfte 17.Jh. 2 Seitenschiffe an gotische Kirche angebaut, gotisches Tor; die erste Kirche wohl um 1200 vom Kloster Bruck erbaut, 1220 urkundlich genannt; 1656 abgebrannt. Einrichtung neuromanisch; von Mathias Neubauer 1896 Hauptaltar erneuert, Kanzel geschnitzt; Westturm frühbarock; hölzerne Statuen 1885 von Adolf Vogel, Innsbruck; Orgel 1863 erneuert. 4 Glocken. Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes anstelle der alten Sakristei.
Pfarrhaus, 1771 nach Brand wiederhergestellt.
Friedhof, 1823 nach auswärts, gegen Gnadlersdorf, verlegt.
Um 1900 stehen im Ortsgebiet 20 Denksäulen, Statuen von Heiligen und Kreuze.
Hl.Johannes von Nepomuk, 2.Viertel 18.Jh., auf der Brücke.
Dreifaltigkeitssäule
Hl.Sebastian
Weißes Kreuz
Kriegerdenkmal, 1922.
Rathaus, Umbau 1900.
Post, Telefon
Bahnstation
Gendarmerieposten, 1864.
Kino
Armenhaus
Notspital

Schulen:
Volksschule, Neubau 1885, vierklassig, 1896 verlängert und aufgestockt, 1898 fünfklassig; ab 1939 Hauptschule. Pfarrschule 1706 bezeugt, nach einer anderen Urkunde ein Schulmeister für 1586.
Schulneubau 1787, zweiklassig, 1876 dreiklassig.
Tschechische Schule 1919 in der deutschen Schule, 1923 Neubau.
Kindergarten, 1907 durch Bund der Deutschen.

Gewerbe:
Ziegeleien, Tonwarenfabrik, 1873.
Mühle

Jahrmärkte: 1) an Fabian und Sebastian (20.Januar), falls dies ein Sonntag oder Montag ist, am folgenden Dienstag, 2) Pfingstdienstag, 3) Matthäus (21.September), 4) Dienstag nach Martin (11.November).

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1888.
Gesangverein
Deutsche Burschenschaft, 1905.
Milchgenossenschaft, 1910.
Turnverein, 1920.