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Schamers

49° 4′ N, 15° 5′ O

Číměř

Neubistritz

Geschichte
Nach der Grenzziehung von 1179 dürfte Sch. zu Böhmen gefallen sein, der Genitzbach, an dem Sch. liegt, bezeichnet die Grenze. 1359 mit Kirche und Pfarrer erstmals urkundlich erwähnt, seit 14. Jh. im Besitz der Herren von Neuhaus. Mitte 14. Jh. wird der Weg von Bistritz nach Neuhaus auch befahren. In einer Erbabtretung von 1414 sind nur deutsche Namen genannt, im Urbarium von 1580 überwiegen deutsche Namen, wie sie um 1500 in Österreich vorkommen. Der Name Schamers erstmals 1579 eingetragen. 1594 bis 1773 Patrozinium des Jesuitenkollegs in Neuhaus, 1620 mit Pfarre Oberbaumgarten vereinigt, seit 1857 selbständig. Zwischenzeitlich utraquistisch, später von den Jesuiten bekehrt, 1625 wieder katholisch. Mit der Marktfreiheit 1675 von den Hauptroboten befreit, welche die zum Dorfgericht gehörenden Ortschaften Weißenbach, Heumoth, Brambach und Zinolten übernehmen müssen. Ein Wappen wird bewilligt, nach wiederholtem Ansuchen auch Salz- und Weinhandel. Die Schamerser “Salzbauern” sind weithin bekannt, weil sie das “heurige” Salz verkaufen. Neider erfinden “Stückln” wie für Schilda, Einfangen der Sonnenstrahlen in einer Mausefalle, Verschieben der Kirche auf Erbsen. Mit der Einführung der Leinenweberei im 18. Jh. steigt die Einwohnerzahl, Bauern geben ihren Kindern Kleinhäuser, ein, zwei Stück Vieh, einen Webstuhl und ein Stück Feld, halten sich Weberknechte, aber als die mechanischen Webstüh1e aufkommen, müssen die jüngeren Söhne wieder in die Stadt abwandern. 1793 gestattet Franz II. abermals die Abhaltung eines Viehmarktes. Beim Bau der Kaiserstraße 1824-27, an der Sch. liegt, ist Fronarbeit verlangt, 1833 verkehrt der erste Stellwagen (bis Prag in 25 Stunden). Mit der Eröffnung der Eisenbahnverbindung Wien-Prag 1845 flaut der Leinwand-, Wein- und Fischhandel ab; die Leinenweber erlernen zumeist das Maurerhandwerk. 1881 werden drei Viehmärkte erlaubt, 1893 wird der letzte abgehalten. Bis 1848 Patrimonialgerichtsbarkeit der Herrschaft Neuhaus. Im Rathausgarten wird 1893 eine Obstbaumschule angelegt, Bäumchen werden nach Bedarf kostenlos abgegeben. Entlang der Reichs- und der Bezirksstraße werden Obstbäume gepflanzt. 1900-1902 führt die Wassergenossenschaft die Bachregulierung und Wiesenmelioration durch, der Ertrag der Wiesen wird dadurch verdoppelt. Pferde werden vermehrt als Zugtiere eingesetzt, mehr Milchkühe werden gehalten, ihre Zucht verbessert, die Simmentaler Rasse wird gefördert. Die Milchwirtschaft wird lohnende Einnahmequelle. Den Warenverkehr besorgen Frächter, 1785 einige Bauern, z.B. mit 8 Pferden. 1890 werden 22 Linden beiderseits der Durchgangsstraße gepflanzt. Vor dem I. Weltkrieg suchen viele Schamerser Arbeit in Wien, ein Teil kehrt nach dem Krieg als Österreicher zurück (daher der hohe Anteil unter “Andere”). 1910 leben im Ort 548 Katholiken und 7 Juden (Kaufmannsfamilie, von 1875 bis 1916). Bis 1918 verkehrt die Postkutsche von Neubistritz nach Neuhaus über Sch. Danach erfolgt die Personenbeförderung privat per Lastwagen, später per Bus, 1930 verstaatlicht. Daneben besteht jetzt eine private Buslinie von Neubistritz über Sch. nach Prag. Ab 1939 verkehren staatliche Busse nach Neuhaus und Riegerschlag sowie nach Neubistritz und Wien. Beliebt als Sommerfrische bei Pragern und Wienern. Nach der Proklamation von “Deutschböhmen” am 29. 10. 1918 in Wien verkauft das Postamt Schamers Briefmarken mit dem Aufdruck “Deutschösterreich”, aber bald folgt die Besetzung durch tschech. Militär. Tschech. Zuwanderung beginnt, tschech. Schule und Kindergarten werden begründet. Im September 1938 fliehen viele deutsche Familien und alle wehrfähigen Männer über die Grenze, am 23. werden drei Männer im Ort als Geiseln verhaftet und nach Budweis bzw. Tabor verbracht. Gemäß Münchener Abkommen verläßt ein Teil der Tschechen unter Mitnahme der gesamten beweglichen Habe den Ort, kein einziger wird mißhandelt oder umgebracht. Am 24. 8. 1944 stürzen die Trümmer eines abgeschossenen amerikanischen Liberator-Bombers auf den Ort, drei Häuser geraten in Brand, eine Frau kommt in den Flammen um. Die mit dem Fallschirm abgesprungenen Besatzungsmitglieder werden gefangengenommen und nach Döllersheim ins Gefangenenlager eingeliefert. Im I. Weltkrieg fallen 22 Mann, einer bleibt vermißt, zwei sterben, im Zweiten sind es 11 / 9 / 4. Am 12. Mai 1945 zieht eine Horde von tschechischen “Partisanen” ein, fünf Männer werden nach Neuhaus ins Gefängnis gebracht und dort aufs brutalste mißhandelt. Dreimal täglich werden sie durch die Stadt geführt und dabei von der tschechischen Jugend mit Steinen und Kot beworfen und bespuckt. Am 29. Mai 1945 kommen mit einem Lastwagen tschechische “Partisanen”, binnen zwei Stunden haben die Deutschen den Ort zu verlassen, andernfalls Erschießung droht. Vier Männer werden als Geiseln schwer mißhandelt. Der Abschub aus Österreich folgt im März 1946.

Brauchtum
Drei Kirchweihfeste: am Weißen Sonntag “Hiassa”, am Sonntag nach Laurentius “Herassa”, am Sonntag nach Ägidius “Hopsassa”. Zum geschmückten hl. Johannes führt alljährlich am 16. Mai eine Prozession.

Marktgemeinde, Bezirk Neuhaus, Gericht Neubistritz 1145 ha 515 m ü.d.M.

* Darunter 57 Eingerückte, 13 auswärts Tätige, 22 Evakuierte und 42 Fremdarbeiter (inkl. 12 Tschechen).

Lage: Am Beistein (622 m), vom Verein der Landsleute des böhmisch-mährischen Hügellandes in Prag als Sommerfrische vermittelt, auch von Wienern genutzt.

Flurnamen
Vierhäupter: Göller, Schordn, Primaderberg, 641 m, Altrichter-Brünnl, Drescher-Brünnl, Trift, Kuhstetten, Lissel, Stöckla Bühal; Aus: Jourda, Pfoffaberi, Vor dere Eila (= Erlen), Binder-Bihal; Gstaudat: Gstauda-Hüwl (Wald); Reith: Alte Gmoi, Gmoiteich, Marigl (Mahring, unfruchtbare Hutweide), Beistoi (Beistein, 618 m) Brennta, Brennta-Bühal
Bodennutzung: Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffel, Rotklee, Kraut- und Futterrüben, im 18. u. 19. Jh. auch Flachs; Hälfte des Gemeindegebietes ist Wald.
Teichwirtschaft von untergeordneter Bedeutung, z.B. Fucker-Teichtl im G’stauda, Pfeiferteichtl, kleine Pfarrteiche; Gemeindeteich (2 Ha) als Badeteich für Sommerfrischler.

Wege: Alte Straße, Vierhaupterweg, Kuihstettenweg, Gstaudaweg, Teithweg
Brücken: Kaiserbrücke oder Marktbrücke, Kleinseitner Brücke, Reith- oder Bartalabrücke, Fuisch(Fisch)- oder Kreuzbruck
Platz, Oberort, Unterort, Kleinseite
Einschichten: Marigl, Klitschka-Mühle, Edelmann, Traxlermühle, Elendschuster, Bohlerl (mehrere Lehrl = Leonhard am Bach)

Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche hl. Aegydius, gotisch 1. Hälfte 14. Jh., 1614 erweitert; 2 Seitenschiffe; Westtor, Sakristei spätgot.; Hauptaltar, Kanzel 1896; Zur Kirchengemeinde gehören Heumoth, Weißenbach
Friedhof 1814 von der Kirche zum Schulfeld verlegt.
Johannes von Nepomuk, Brücke über den Gatterschlager Bach, 2. Viertel 18. Jh.
Marterl, steinernes, 1689 Richtung Neubistritz
Schule, einklassig, 1670, zweiklassig 1859, dreiklassig (davon 1 Parallelklasse) 1885 (1893/94 höchste Schülerzahl: 157), Expositur in Neustift 1908 (1918 einklassige Volksschule), 1922 Auflösung der Parallelklasse, Gründung der tschechischen Schule.
Kindergarten (30er Jahre)
Rathaus, Neubau 1847, erstmals 1676, 1843 abgebrannt.
Gemeindebücherei
Kriegerdenkmal 1923
Armenhaus
Mütterberatungsstelle 1929
Ortskrankenschwester 1940
Postamt 1869
Telegrafenamt 1890
Telefon 1940
Gendarmerieposten 1906
Reichsarbeitsdienstlager 1939
Wasserröhrenkasten 1839
Elektrifizierung 1929
Postbus ab 1938 nach Riegerschlag, bis 1940 auch nach Wien

Gewerbe
2 Mühlen, seit 1654, TGraxler- u.Klitschkamühle
2 Ziegeleien, bis 1918
Zementziegelerzeugung
Steinverarbeitungsbetrieb
Schüttkasten mit Weißenbach, Heumoth, Grambach, Guttenbrunn, Zinolten, bis 1900, ab 1930 Faßbinderwerkstatt
Holzschuherzeugung
Strickerei

3 Gasthäuser 3 Gemischtwarenhandlungen 2 Fleischhauer
2 Bäcker (davon eine Großbäckerei mit Transportunternehmen, 1939, für Truppenübungsplatz Döllersheim) 2 Schmiede Faßbinder 2 Wagner Maurermeister 2 Schuster
Friseur Viehhändler

Vereine, Genossenschaften
Militärveteranenverein 1879-1918
Feuerwehr 1889
Bauernbund 1900-1918
Deutscher Schulverein, bis 1918
Böhmerwaldbund 1908-1918
Verschönerungsverein 1907-1910
Deutscher Turnverein 1920-1938
Deutscher Kulturverband 1920-1938
Bund der Deutschen 1937-38
Bund der Landwirte 1920-1938
Landwirtschaftliches Casino 1904
Raiffeisenkassa 1897