o-180-01-Schaffa « »

Schaffa

48° 52′ N, 15° 45′ O

Šafov

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1323 genannt als Teil der Herrschaft Frain, 1403 wird eine Wallfahrtskapelle am Zornstein genannt, 1672 heißt es, daß dorthin am Dreifaltigkeitstag alljährlich zahlreiche Wallfahrten aus der Umgebung kommen. 1431 verschanzen sich die Hussiten im Ort, der bei der Eroberung durch die Österreicher in Flammen aufgeht und erst 1452 wieder besiedelt wird. Ein Stiftungsbrief Ferdinands I. erhebt den Ort 1540 zur Stadt. Seit 1526 ist Schaffa nicht mehr Grenzstadt, die Befestigungen verfallen allmählich. 1556 kommen die ersten Protestanten, 1589 wird die katholische Pfarre aufgelöst, 1631 wird der Ort rekatholisiert und nach Schiltern eingepfarrt. 1628 gewährt Ferdinand II. der Stadt einen zweiten Jahrmarkt, zu St.Veit. 1645 wird Schaffa von den Schweden verwüstet, das Stadtrecht verfällt. In dem noch halb verödeten Ort werden 1671 aus Niederösterreich vertriebene Juden angesiedelt. Ortsanlage mit rechtwinkelig angelegten Straßen und rechteckigen Plätzen, von rechtwinkeliger Mauer umgeben, mit Wiener und Petreiner Tor, später geschleift. 1784 entweiht, verfällt das Kirchlein. 1822 brennen 69 Christenhäuser, 102 Judenhäuser und 39 Scheunen nieder, 4 Menschen kommen um. Als 1833 die Bezirksstraße gebaut werden soll, weigert sich die Gemeinde, einen Kostenbeitrag zu leisten, worauf ihre Vertreter mit 19 ebensolchen anderer Gemeinden fast eine Woche lang eingesperrt werden.
Seit 1848 besteht neben der christlichen eine jüdische politische Gemeinde, die Juden erhalten das Recht, Schaffa zu verlassen, sie gehen in Dörfer und machen Krämereien auf, wohlhabendere gehen in Provinzstädte, wo sie Pferde- und Getreidehandel betreiben.
1866 lagern die Preußen im Ort.
Mit dem Eisenbahnbau verliert der Hausiererhandel schnell die Basis, viele Juden verlassen den Ort. Ludwig Kreisky, Lehrer an der Judenschule, Großvater des österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky, ist Mitbegründer der Feuerwehr.
Im I.Weltkrieg fallen 25 Mann. 1919 werden Christen- und Judengemeinde vereinigt. Ein Verein kauft Judenhäuser, in denen Tschechen angesiedelt werden. Schaffa erhält ein Zollamt, ein Postamt und einen Gendarmerieposten mit tschechischem Personal, für dessen Kinder eine tschechische Schule eingerichtet wird.
Im II.Weltkrieg fallen 36 Mann. Am 9.Mai 1945 kommen die Sowjets, am 12. tschechische „Partisanen“, sie ermorden vier Männer. Am 27.Mai werden 15 Männer zusammengetrieben und nach Znaim ins Arbeitshaus gebracht, von dort zur Arbeit verteilt. Am 27.Juni 1945 werden 430 Deutsche vertrieben, aus den 15kg erlaubten Gepäcks werden ihnen die letzten Wertsachen gestohlen. 205 Vertriebene bleiben in Österreich, 225 kommen nach Württemberg.

Kirtag am Sonntag und Montag nach St.Bartholomäus (24.August).

Die Hussitenkämpfe bei Schaffa
Im Frühjahr 1425 sammelten sich die österreichischen Truppen und die Truppen der deutschen Städte Mährens–Brünn, Olmütz, Znaim und Iglau–bei Laa a.d.Thaya, von wo sie zur Belagerung der hussitischen Stadt Trebitsch aufbrachen. Ein Hussitenheer, das sich bei Mährisch-Budwitz gesammelt hatte, besiegte die Belagerer. Die Besiegten setzten bei Vöttau über die Thaya und sammelten sich zwischen Landschau und Schaffa nochmals zum Kampf. Abermals besiegt, wichen sie nach Österreich aus. Frain, dessen Burg im Besitze Kaiser Sigmunds war, wählten die Hussiten unter ihrem Führer Prokop dem Kleinen zu ihrem Stützpunkt.
Nachdem die Hussiten 1425 die obere Znaimer Vorstadt niedergebrannt hatten, besetzten sie Klosterbruck bei Znaim. In der Zeit von 1425 bis 1431 fielen die Hussiten häufig in Österreich ein und verheerten weite Gebiete, unter anderem 1425 Retz, Pulkau und Weyerburg, 1427 Langau (wo sie den Pfarrer Peter von Leesdorf in die Flammen warfen) sowie die Klöster Geras, Altenburg und Zwettl. In der Stärke von 10000 Mann kamen die Hussiten-Taboriten 1428 bis vor die Donaubrücke von Wien. Noch heute heißt der Wiener Stadtteil, in welchem Schanzen gegen die Taboriten aufgeworfen wurden, „Am Tabor“ und die Straße, die von Wien zu den Schanzen führte, Taborstraße.
Im Oktober 1431 unternahmen die Hussiten unter Führung der Brüder Niklas und Jan Sokol mit 4500 Mann Fußvolk, 600 Reitern und 360 Wagen von Mähren aus einen Einfall in das niederösterreichische Waldviertel. Nachdem sie die Weinvorräte des Klosters St.Bernhard bei Horn geplündert hatten, wurden sie von den Besatzungen der Städte Horn, Retz, Eggenburg, Drosendorf und Waidhofen a.d.Thaya bei Kirchberg a.d.Wild besiegt. Über 1000 Hussiten fielen im Kampfe, 700 wurden gefangengenommen, ihre Wagen kamen mit der Beute in die Hände der Sieger.
Nach der Niederlage bei Kirchberg flohen die Hussiten nach Mähren und verschanzten sich in der Stadt Schaffa und hinter deren Teichgürtel. Wie im Schloßarchiv Frain verzeichnet ist, griffen die Österreicher die Hussiten in Schaffa einige Male an und vertrieben diese aus der brennenden Stadt und aus den brennenden Dörfern Ober- und Unterpetrein, Gresing und Jasowitz. Während des Kampfes gingen auch die Orte Frain, Pomitsch, Landschau, Windschau und Zaisa in Flammen auf. Nachdem die Hussiten auch bei Schaffa das Schlachtfeld hatten räumen müssen, gingen sie gegen Znaim zurück. Bei den Rückzugsgefechten mit den Österreichern im Jahre 1431 gegen Znaim wurde auch das östliche Gebiet der Herrschaft Frain verheert. Im Jänner 1432 fanden bei Znaim die letzten Kämpfe statt.
Schaffa war von 1431 bis 1452 unbewohnt, in Frain gab es von 1425 bis 1460 keinen Geistlichen, die Dörfer der Herrschaft brauchten 100 Jahre, bis sie wieder bevölkert waren. 1528 erwarb der Kreishauptmann von Znaim, Zdenko von Lomnitz, die Herrschaft Frain. In dieser waren nur die Orte Frain, Schaffa, Schiltern, Fröschau und Luggau besiedelt. Lomnitz suchte das Herrschaftsgebiet wieder aufzurichten. Bis 1555 war es ihm möglich, die verödeten Orte Jasowitz, Landschau, Pomitsch, Windschau, Zaisa und das ehemalige Unter-Petrein zu besiedeln. Anstelle von Ober-Petrein ließ Lomnitz einen Meierhof errichten. Edenthurn erstand bei einem öden Turm der Ödung Wracowicz, Frainersdorf unweit der Ödung Jablone. Nicht mehr besiedelt wurden die Ödungen Ippitz, Welkov und Teltochitz im Edenthurner Gebiet sowie die Ödung Czeska unweit von Luggau, weiters die Ödung Gresing zwischen Schaffa und Freistein. Flurnamen erinnern heute noch an die einstigen Siedlungen. 1610 wurde auf den Gründen des Meierhofes Ober-Petrein ein Dorf erbaut, das Neu-Petrein genannt wurde, während das ehemalige Unter-Petrein seit dieser Zeit Alt-Petrein heißt.
Auf Fürbitte des Frainer Gutsherrn Zdenko von Lomnitz unterfertigte 1540 Kaiser Ferdinand I. in Wiener Neustadt einen Stiftungsbrief, durch welchen Schaffa zum zweitenmal das Stadtrecht erhielt, nachdem es dieses Recht durch den Hussitenkrieg verloren hatte. In dem Stiftungsbrief heißt es, daß das „Stadl Schaffau“ von altersher eine Stadt war und Wappen, Jahrmarkt und andere Freiheiten besaß. Durch Kriegsläufte und Feuersbrünste ist es um diese Rechte gekommen. Schaffa bekam wieder alle Rechte, die es früher hatte und wie sie andere Städte Mährens nach Recht und Gewohnheit besaßen.
Bei der Bildung der österreichisch-mährischen Grenze um 1150 war die Gründungsstadt Schaffa mit ihren sieben Teichen von Bedeutung. Die Grenze läuft im Süden und im Osten der Stadt dem Teichgürtel von Schaffa entlang, daher ist diese bei Schaffa gegen Süden ausgebaucht. Im Schiedsspruch des Kaisers Friedrich Barbarossa von 1179, der die genannte Landesgrenze festlegte, steht: Die Grenze läuft von der „Owergrube nider untz die Tey nieder untz auf den Schetz“. Unter der Owergrube ist der Auteich im Augraben von Schaffa zu verstehen. Im Zipf des Auteiches stand 1676 ein Mauerwerk, das die Grenzkommission am 14.8.1676 als ein Grenzzeichen anerkannte, welches schon vor dem Hussitenkrieg die Landesgrenze bezeugte.
Nach dem Hussitenkrieg war die Landesgrenze zwischen Schaffa in Mähren und Langau in Niederösterreich in Unordnung geraten, da beide Orte durch Jahrzehnte verödet lagen. Nachdem Schaffa und Langau über 100 Jahre Grenzstreitigkeiten ausgetragen hatten, erfolgte am 14.August 1676 eine neue Festlegung der Landesgrenze durch eine Grenzkommission. Strittig waren annähernd 120ha Wald und Weide. 1323 wird Schaffa (Schephov) zum erstenmal in einem Tauschvertrag genannt, als der böhmische König Johann von Luxemburg das Gut Frain (Vren) gegen das Gut Taus in Böhmen von seinem Landesverweser Heinrich von Lipa eintauschte.
Im 30jährigen Krieg wurde Schaffa von den Schweden verheert (1645); wieder verbrannten die Freiheitsbriefe der Stadt. Bei einer Verhandlung im Schloß Frain wurde 1674 von Vertretern der mährischen Landesbehörde, der Herrschaft Frain und der Gemeinde Schaffa ein Vergleich geschlossen, wonach Schaffa nach Bezahlung von 150 Gulden das Marktrecht und die Robotfreiheit bestätigt bekam. Wegen seiner früheren Rechte wurde Schaffa hierbei berücksichtigt. Das Stadtrecht von Schaffa wurde nicht mehr erwähnt.
Josef Lösch, Wien. Quellen: Schloßarchiv Frain. Gemeindearchiv Schaffa.

Matriken seit 1740.

Literatur: Gregor, Gustav: Geschichte der Marktgemeinde Schaffa. 1957

Bezirk Znaim, Gericht Frain

Längsangerdorf 996 ha, 439 m ü.d.M.

Flurnamen:
3 Felder: Stalleker Feld mit den Rieden Zeintlwiesen und -äcker, Stierfleck, Hofstetten, Cullüß, Scheibenörtl, Trogwiesen, Trogteich, Kirchäckerln, Auwiesen, Auhofstatt, Auteich, Augrund, Auzipf, Aulüß, Trogteichlüß (Drollüß), Lüß, Hanitschka, Fögeräcker und -wiesen, Grösingwiesen und -leiten, Halterwiese, Dammwaldl, Wirtshausäcker, Bergwiesen, Rohr, Wirtshauswiesen, Mühlwiese; Petreiner oder Frainer Feld (vom Grösingbach, bis zur Riegersberger Grenze) mit Gänsäcker, Wollingäcker und -wiesen, Wollinghügel, Grösingäcker, Petreiner Hofstätten, Frainerlüß, Sandlüß, Breitln, Frauenteich, Hofäcker, Hinterlüß, Schaffawiesen; das Riegersburger Feld mit Predigtstuhl, Riegersburger Hofstatt, Korlüß, Galgenbrünndl, Sandlüß, Fuchsenlöcher, Weitersfeldergrundwiesen, Osteräcker, Maureräcker, Brückeläcker, Brückelwiesen, Johannesäcker, Sauerwiesen, Mitterwiesen, Korwiesen, Gartlwiesen.

Anbau: Alle Getreidesorten, Rotklee, Kartoffeln, Rüben, Wicken; früher: Flachs und Rübensamen.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Bartholomäus 1735, Teile aus dem 17.Jh. Langhaus mit Tonnengewölbe, Chor mit Kreuzwölbung; Gestühl barock; Kanzel Mitte 18.Jh., Rokoko; Chorstühle Ende 17.Jh. Westturm mit Glocken von 1768. Davor Kapelle, 1499 genannt. 3 Glocken, im I.Weltkrieg wird eine große requiriert, nach dem Krieg neues Geläut, im II.Weltkrieg abgeholt.
Tempel/Synagoge 1785, erneuert 1822 nach dem Brand.
Jüdisches Gemeinde- und Schulhaus, 1869.
2 Friedhöfe, katholisch und israelitisch,
Post- und Telegraphenamt,
Badeanstalt in Gösing bis 1918, Sportplatz

Schulen: Volksschule, einklassig, 1920 zweiklassig; schon 1673 ein Lehrer belegt.
Judenschule, 1780 einklassig, 1852 zweiklassig, 1869 dreiklassig, bis dahin unter der Aufsicht der Pfarre, Unterrichtssprache ist Deutsch.
Tschechische Schule, 1920, für wenige Kinder.

Gewerbe:
Großgrundbesitz, Bodenwaagen-Herstellung (bis 1910),
2 Ziegeleien, Kalkbrennerei (bis 1908), Mühle, elektrisch.
Uniformschneiderei, 1939-1945.
Arzt, Hebamme,
3 Hotels (bis 1919), 3 Gasthäuser und 1 Gemeindegasthaus, 1 Kaufhaus, 3 Kaufläden, 2 Bäcker, 2 Fleischer, Gemeindeschmiede und 3 Schmiede, 3 Schlosser, 2 Tischler, 2 Zimmerleute, Wagner, Faßbinder, Drechsler, Dachdecker, 3 Maurer, Glaser, Sattler, 4 Schuhmacher, Herrenschneider, 4 Damenschneider, Brunnenbauer, Fuhrunternehmer, Trafik, Tankstelle.
In der Judengasse: Getreidehändler, Viehhändler, Fell- und Lederhändler, Tuchhändler.

Jahrmärkte: 1) Dienstag nach Franziska (9.März), 2) an Veit (15.Juni), 3) an Bartholomäus (24.August), 4) an Gallus (16.Oktober).

Vereine:
Verschönerungsverein, 1866.
Gesangverein „Eintracht“, 1899, ab 1936 gemischter Chor.
Freiwillige Feuerwehr, 1899.
Spar- und Darlehensverein, 1899.