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Saitz

48° 52′ N, 16° 46′ O

Zaječí

Nikolsburg

Geschichte
Erste urkundliche Nennung 1252, als der Weinzehnt von S. zur Erstausstattung des Klosters Saar gehört. Seit 1385 gehört den Liechtenstein ein Teil von S., ein weiterer ab 1594 zur Herrschaft Göding. Um 1550 lassen sich Wiedertäufer nieder, sie werden 1622 vertrieben. 1691 gehören 25 Häuser mit 46 Einwohnern zur gruber Herrschaft, 77 bzw. 82 zur Gödinger. S. bleibt in zwei Gemeinden geteilt, wird 1898 an das Telegraphennetz angeschlossen. 1912 bis 1922 werden die Felder trockengelegt. Nach der Reblausplage von 1910 erholt sich der Wein ab 1930 durch Stockveredelung auf amerikanischen Unterlagen. Im November 1918 von tschechischer Gendarmerie besetzt. Als die Tschechen 1930 weiterführende Schulen in Auspitz schließen, müssen die Kinder nach Lundenburg gehen. 1932 dürfen die Deutschen ihren Kirtag am 24. Juni nicht feiern, weil der tsche chische narodni vibor ein Fest abhält, zu dem aus nahen und fernen tsche chi schen Dörfern Wagen mit Sokoln, Kindern und Erwachsenen einziehen mit dem Ruf “Es lebe das tschechische Saitz!”, während den Deutschen geraten wird, sich nicht auf der Straße sehen zu lassen. Dem folgen sie. Anfang April 1945 zum Ausheben von Panzer- und Schützengräben eingesetzt, wird die Bevölkerung am 16. April zur Räumung des Ortes aufgefordert, fast alle folgen. Ein Treck gelangt am 17. bis Kautzen im Waldviertel, auf dem Rückweg werden am 23. Mai Kundschafter nach S. geschickt, tschech. “Partisanen” stellen sie und halten den Treck an der Kreuzung Prittlach – Neumühl auf, alle müssen absteigen und rufen: “Ein Volk, ein Reich, ein Führer!” Die Gespanne werden in den Hof des Gemeindehauses geführt, entladen, dann müssen sie in die von Tschechen besetzten Häuser gebracht werden. In den übrigen Häusern müssen sich zwei, drei Familien einrichten. Ab August 1945 bis Feber 1946 werden die Deutschen in drei Transporten abgeschoben.
Wappen: Herrschaft Liechtenstein: nach rechts laufender Hase (1749); Gödinger Anteil: nach links laufender Hase, Umschrift: GIZS, Gemeinde Insiegel zu Saitz.

Bezirk, Gericht Auspitz, ab 1938 Nikolsburg 1812 ha 248 m ü.d.M.

Flurnamen
Tegeln, Mitterfeld, Johannesberg, Weinstellen, Kräften, Obenführ, Altenberg, Hausbruch, Lichtentrunk, Niederberg, Kräulich, Unterniederberg, Wiesen, Unter- und Oberwundsberg, Breitliß, Kirchenfeld, Holzlüß, Blofach, Hinten dran, Burgstall, Oberberg, Mitterberg, Lindstall, Kitting, Heidäcker, Babesch hölzel
Acker-, Gemüse- und Weinbau

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Hl. Johannes der Täufer, 1508 spätgotisch, ursprünglich Wehr kirche, 1912 nach Brand Neubau, Turm auf 43 m erhöht.
Florianikapelle 1710
Dreifaltigkeitskapelle
Schule 1760, davor Unterricht beim Gemeindewirt, 1828 und 1892 Neubau, vier Klassen; mit Gemeindebücherei, ab 1936 In die Gemeinde verlegt; 1919 tschech. Minderheitsschule für Eisenbahnbedienstete, 1938 geschlossen
Kriegerdenkmal 1921
Postamt 1910
Bahnstation 1839
Wasserversorgung: 5 öffentliche Brunnen (Ochsenbrunnen, Zeiselbrunnen, Eier brunnen, Wunderlichbrunnen, Horakbrunnen)
Beleuchtung: ab 1865 Öl-, später Petroleumlampen, Elektrifizierung 1928

Gewerbe
3 Kaufleute 2 Bäcker 3 Fleischhauer 2 Friseure 2 Trafikanten
2 Dachdecker 2 Schmiede 2 Wagner 3 Schneider
4 Maurer 2 Tischler 3 Schuster 2 Damenschneiderinnen

Vereine, Genossenschaften
Feuerwehr 1886
Deutscher Schulverein 1886
Turnverein 1920
Veteranenverein gedienter Soldaten
Kulturverband mit Theatergruppe
Südmährerbund
Gesangverein
Raiffeisenkassa
Milchgenossenschaft 1912
Winzergenossenschaft 1935
Jagdgenossenschaft