o-051-01-Riegerschlag « »

Riegerschlag

49° 13′ N, 14° 58′ O

Lodhéřov

Neubistritz

Geschichte
Erstmals 1232 erwähnt, als Reihendorf gegründet vom Deutschen Ritterorden. Schon im 14. Jh. Pfarre, 1465 eine Veste, den Templern gehörig, im 16. Jh. zu Neuhaus, 1594 bis 1773 sind drei Höfe den Jesuiten untertänig. 1590 amtiert ein evangel. Pfarrer, 1622 werden 577 Personen zum kath. Glauben zurückgeführt. Zur Pfarre gehören 1649 Neudek, Wenkerschlag, Groß Rammerschlag und Brunn. Im I. Weltkrieg fallen 32 Mann, im Zweiten 35, zehn bleiben vermißt. Nach Plünderungen durch die Sowjets kommen am 30. Mai 1945 tschechische “Partisanen”, die Deutschen müssen binnen 30 Minuten mit 50 kg Gepäck am Ortseingang stehen, sie werden nach Neuhaus getrieben, verbringen dort auf dem Viehplatz 48 Stunden in strömendem Regen. Ein Mann, der spät heimkommt und seine Familie nicht mehr antrifft, darauf zu einem Bekannten in Deschna geht, wird von tschechischen “Partisanen” erschossen. Die Ausgetriebenen werden an der Grenze nochmals beraubt und dann hinübergejagt.

Brauchtum
Kirtag 29. Juni, Pater und Paul
Bittage: im Mai Prozessionen durch die Felder um Segen für eine gute Ernte, an den letzten drei Tagen vor Christi Himmelfahrt nach der Frühmesse Prozessionen in die Felder, mit Andachten vor Kreuzen, Bildstöcken oder Marterln.
Schulbetrieb:
Vor Schulbeginn im Winter Kirchenbesuch um 7 Uhr; Lederschuhe sind selten, die Kinder tragen Holzpantoffel, die im Gang aufgereiht werden, im Sommer gehen alle barfuß. Während des Unterrichts müssen zwei, drei Buben für die Frau Oberlehrer Holz holen, Wasser tragen oder Kartoffeln schälen, was länger als nötig dauert, worauf der Lehrer mit dem Rohrstock über Hände und Rücken schlägt, zwei oder drei stehen meist zur Strafe neben dem Lehrerpult. Der Nachmittagsunterricht dauert bis drei Uhr, Donnerstag ist frei, dafür gibt es eine Hausaufgabe. Wer sie nicht oder schlecht anfertigt, wird am Freitag bestraft. Nach dem Unterricht wird gebetet, dann poltern alle über die Treppe hinunter. Im Frühjahr läßt der Schulbesuch nach, in den Sommermonaten sind mitunter nur vier oder sechs Kinder in der Klasse. Dann gibt ihnen der Lehrer ein Buch oder ein Bilderbuch zum Lesen und sagt, wenn es Zeit sei, dürften sie heimgehen, worauf er das Klassenzimmer verläßt.

Bezirk, Gericht Neuhaus 1372 ha

Unter- und Oberort, zusammen 3 km lang. 3 Dorfteiche: Grober Wirl, Pölmteich, Straßenräumerwirl.
49 Bauern und 98 Kleinhäusler (meist Maurer, Zimmerleute u.a.), Frauenbach im Ort (Forellen, Krebse)
Anbau von Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffel, Klee, Rüben, Kraut, Erbsen, Flachs (wenig).
Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche St. Peter und Paul, um 1300, Chor: Kreuzrippengewölbe; Umbau 1642, mit Pfarrhof 1665 abgebrannt, 1778 ausgeraubt, Neubau erweitert 1785 mit linkem Seitenschiff, Orgelempore, 1819 mit rechtem. Kapelle an die Apsis um 1700 angebaut.
Im Friedhof Grundmauern des ehem. Karners
Pfarrhof 17. Jh., Deckenstuck 1. Hälfte 18. Jh.
Hl. Johannes von Nepomuk, Judas Thaddäus, 1799, am Kirchenaufgang, zwischen zwei 800jähr. Linden
Bildkapelle, gemauert, Muttergottes von Lourdes, 1930, Richtung Wenkerschlag
Marter „aufs Pauln-Hügel“, wo die aus der Kirche geraubte Monstranz gefunden wurde.
Holzkreuz Richtung Wenkerschlag, 1875 vom Sturm zerbrochen, danach restauriert
3 Wegsäulen: Neudeker Weg 1529, Straße nach Studnitz 1646, Feldweg bei No 17, 1881 restauriert
Schule, dreiklassig, 1866, davor beim Schulwirt einklassig; in der tschech. Schule 1938 bis 1945 deutsche Bürgerschule und Kindergarten
Armenhaus
Gemeindehaus, früher Schüttkasten, mit Postamt (2 Briefträger), Gendarmerieposten, Raiffeisenkassa
Kriegerdenkmal 1920
Hebamme
Nachtwächter
2 Straßeneinräumer
Totengräber

Gewerbe
2 Mühlen
Sägewerk
2 Ziegeleien
Käserei
Zementfabrik
Heimarbeit: Weben, Spinnen (Flachs)
2 Musikkapellen
Hebamme
5 Gasthäuser 3 Kaufläden 2 Bäcker Fleischer 3 Wagner 2 Schneider
3 Schneiderinnen Uhrmacher Haarschneider Maler 2 Trafiken Sattler
5 Tischler 3 Schmiede 2 Schuhmacher 3 Maurer Korbflechter

Feuerwehr 1881
Raiffeisenkassa