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Rausenbruck

48° 48′ N, 16° 10′ O

Strachotice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1190 genannt, markgräfliche Dienstmannen sitzen auf der Veste. 1342 vom Markgrafen zum Markt erhoben, 1358 eigene Gerichtsbarkeit, die Burg (1356 erstmals genannt) wird 1440 eine Burg genannt. 1447 erhält der Ort zwei weitere Jahrmärkte.
1520 tauscht der Abt von Klosterbruck den Ort gegen Borotitz und Grillowitz ein. 1578 darf ein Galgen aufgestellt werden. 1591 gewährt Kaiser Rudolf II. einen weiteren Jahrmarkt und ein Wappen. 1597 zählt die Gemeinde 57 Häuser mit 330 Einwohnern. 1604 wird eine Gemeindeordnung erlassen. 1789 wird der Meierhof geteilt, es entstehen zwei Gassen: 1824 die „Ersten Häusl“ (79-98), 1825-35 die „Zweiten Häusl“ (99-113), insgesamt 32 neue Siedlerstellen mit je 5 Metzen Grund der früheren Herrschaftsfelder.
1809 lagern 10000 Franzosen am Ortsrand und müssen verköstigt werden. 1831 tötet die Cholera 40 Menschen. l846 und 1849 vernichten Großbrände 15 bzw. 29 Häuser. 1862 wird die neue Thayabrücke erbaut. 1866 vernichtet Frost nahezu die gesamte Ernte, die Cholera fordert neun Tote. 1892 schwere Brandkatastrophe durch Brandstiftung. Inmitten der brennenden Häuser bleibt das Haus, vor dem die Statue der Schmerzhaften Muttergottes steht, verschont. Im I.Weltkrieg fallen 51 Mann.
Am 17.November besetzt eine tschechische Kompanie den Ort. Bis 1918 kommen die Wiener Gastwirte und Weinhändler und kaufen zur Weinlese die Maische auf. Danach müssen die Bauern bis 1938 zu weit niedrigeren Preisen an die Znaimer Händler und Wirte verkaufen. 1920 wird eine Schulklasse geschlossen. 1921 wird ein Achtzehnjähriger an der Grenze von tschechischen Beamten erschossen. In den 30er Jahren entsteht der Ortsteil Neustift an der Straße zur Thaya. Die Tschechen bauen an der Straße nach Znaim eine Kaserne und belegen sie mit 60 Mann. Angesichts der zugespitzten Lage fliehen Mitte September 1938 Deutsche über die Grenze, ab 21.September werden es sehr viele. Die tschechischen Soldaten plündern ihre Höfe, Wein- und Obstgärten und errichten aus Pflügen, Eggen etc. Barrikaden. Waffen und Radios müssen abgegeben werden; am 24. erfolgt die Mobilmachung, im Ort bleiben von den Wehrpflichtigen nur vier. Deutsche Männer müssen Schützengräben ausheben. Am 9.Oktober 1938 marschiert die Wehrmacht ein, die Soldaten helfen bei der Feldarbeit, auch mit Gespannen, sie bleiben bis zum 18.Oktober. Im II.Weltkrieg fallen 90 Mann, 14 bleiben vermißt.
Gegen Ende des Krieges werden die drei Brücken zur Sprengung vorbereitet, eine wird gesprengt, bei den beiden anderen werden die Minen nach Zureden durch den Bürgermeister entschärft. Die Rotarmisten plündern und vergewaltigen, die Weinkeller werden geleert. Am 12.Mai 1945 kommen die ersten tschechischen „Partisanen“ und rauben die Häuser weiter aus, Hausbesetzer folgen ihrem Beispiel. Am 13.Mai finden Kinder in dem wegen Reparaturarbeiten abgelassenen Mühlbach Minen. Drei Buben entfachen ein Feuer und werfen die Minen hinein. Eine Explosion tötet sie. Viele Deutsche werden nach Znaim zum Verhör geführt und eingesperrt.
Am 3.August 1945 werden alle Einwohner von 14 bis 40 Jahren zusammengetrommelt und nach Znaim getrieben, am 5.August werden die 40- bis 80jährigen Deutschen über die Grenze gejagt, im Mai 1946 werden mehrere Familien über Melk nach Deutschland abgeschoben. Durch die Vertreibung gelangen 526 Personen nach Westdeutschland, 295 in die SBZ, 226 bleiben in Österreich.

Wenn im Jänner das Eis auf der Thaya 15 bis 20 cm dick war, wurde es ausgehackt, am Ufer aufgeschichtet und von Freiwilligen in den Ort transportiert, an zwei Stellen kam es in ausgehobene Eisgruben, 6m tief, 300cbm fassend.

Funde aus Stein- und Bronzezeit. Verödete Orte: Gnast, seit 1498, Niemtschitz, seit 1500, Krepic/Neßlowitz im 30jährigen Krieg, Petrowitz im 16.Jh.

Brauchtum:
Kirtag am 3.Sonntag im September für 3 Tage: Am Samstag wird der Festplatz mit grünen Zweigen eingesäumt, für die Musikanten wird eine Laube errichtet; es gibt Schiffsschaukeln, Ringelspiel und Karussell. Am Sonntag holen die Kirtagsburschen die Mitzmannser Burschen mit Musik ab; die Burschen von Mitzmanns, Gurwitz, Taßwitz und Hödnitz bekommen 3 Tanzstücke. Am Montagnachmittag geht es weiter bis in die Nacht, abends dürfen nur verheiratete Männer zum Tanz auffordern: Männerkirito. Dienstagnachmittag ist Tanz für alle.

Stadelmusik: Vor der Ernte wird die Tenne freigeräumt und, wenn nötig, ausgebessert, ein neuer Lehmbelag aufgeschüttet, gestampft, gewalzt und zwischendurch mit Wasser bespritzt. Dann spielt die Harmonika zum Tanz auf.
Zu Allerheiligen werden die Gräber mit Chrysanthemen („Allersöln-Rosen“) geschmückt, um halb drei läuten alle Glocken dreimal hintereinander: ein Gruß an alle Verstorbenen und die Aufforderung an alle Dorfbewohner zur Teilnahme an der Andacht auf dem Friedhof, die um drei Uhr vor dem großen Kreuz beginnt. Abwechselnd wird gebetet und gesungen: „Ihr armen Seelen all, die ihr seid längst verschwunden“ und „Wer hilft mir weinen, hilft mir trauern?“
Prozessionen am Markustag (25.April), an den drei Bittagen (Montag, Dienstag, Mittwoch vor Christi Himmelfahrt), zu St.Georg (23.April).
Fronleichnam mit 4 Altären.
Wallfahrten nach Taßwitz am 15.März, nach Maria Dreieichen (3 Tage, Pfingstsamstag bis Pfingstmontag).
Zur Musterung fahren die Burschen mit dem Pferdefuhrwerk nach Znaim; wenn sie nachmittags zurückkommen, werden sie mit Musik beim Hauswirth-Kreuz abgeholt und zum Gasthaus geleitet, wo getanzt wird, dann geht es weiter ins andere Gasthaus und in die Weinkeller. Die in der 1.Klasse (im 1.Musterungsjahr Tauglichen) tragen eine rote Kappe, die in der 2.Klasse Tauglichen eine blaue, alle schön mit „Bischeln“ geschmückt, die in der 3.Klasse haben ein paar „Bischeln“ am Hut. Am 1.Oktober ist „Einrucktag“, die Burschen werden mit Musik bis zum Hauswirth-Kreuz begleitet und mit Pferdefuhrwerk zum Zug nach Znaim gefahren. Sie mußten drei Jahre lang dienen; der Soldat war 27 Jahre alt, wenn er ausgedient hatte.

Matriken seit 1684.
Bedeutend:
Dr.Hauswirth, Ernst (1818-1901), Priesterweihe 1843; Lehrer am Schottengymnasium in Wien, 1881 Abt, wissenschaftliche Werke zu Maximilian I., zur 700-Jahrfeier der Abtei, Sammlung von Urkunden der Abtei 1158-1718 (1859); Mitglied des Herrenhauses; Wohltäter der Pfarrgemeinde.

Literatur:
Unger, Johann: Ortsliste der Gemeinde Rausenbruck. o.J.
Sauer, Stefan: Ortsgeschichte der Marktgemeinde Rausenbruck.
2.Aufl. 1977

Bezirk und Gericht Znaim

Dreieckangerdorf 967 ha, 197 m ü.d.M.

Flurnamen:
Im Südwesten: Nagelsteinfeld, Schopfenberg, Teichtfeld, Suttenquanten, Waldberg, Weingartenquanten, Hoatl/(Heide), Neubiri (Neuberg), Schmallüß, Neßlowitzer Felder, Kleiner und Großer Stoß, Mühllüß; an der Waltrowitzer Straße, zwischen Mühlgraben und Thaya: Alte Gärten, Tramäcker (Grotzen), Mittergärten, Roßweide, Kühweide, Rodlaswiesen, Königswinkel; gegenüber der Thaya: Krautäcker, Bruckquanten, Waltrowitzer Felder, Großer Wiesen, Altes Thayafeld (Reiten), Tabor (Odacker); zwischen Gurwitzer und Waltrowitzer Gebiet: Sandmehllüß, Weingebirge, Mitterfeld, Langfeld, Hauer, Bauerpetertal (Ödung Petrowitz); im Zulber Katastralgebiet: Niemtschitzer Felder, Gnastfeld, Hollerstaude, Zulber Feld, Tropenberg; teilweise auf österreichischem Gebiet: Schatz, Hundsplatzl, Lampelberg.

Anbau: Alle Getreidearten, Linsen, Erbsen, Bohnen, Mohn, Raps (1939-1945), Gemüse: Salat, Gurken, Melonen, Tomaten, Möhren, Kraut, Kohl; Klee; Weinbau, Edelobst: Kirschen (2809. In Klammern: Zahl der Bäume 1929), Zwetschgen (1709), Marillen (146), Äpfel (3200), Birnen (982), Pfirsiche (496); Nüsse (299). Das Weingebiet „Schatz“ auf dem Höhenrücken von Kallendorf und Klein-Tajax bis Rausenbruck-Mitzmanns liefert einen anerkannten Markenwein. Die Weinlese findet zwischen 10. und 20.Oktober statt.
2 Bauern mit 28ha und mehr, 9 mit 19-27ha, 15 mit 10-18ha, 45 Landwirte mit 5-9ha, 83 Häusler mit 2-4ha, 55 Handwerke und Arbeiter mit bis zu 1ha.
Jagd: 500-600 Hasen, 600 Rebhühner, 20 Wachteln, 20 Fasane.

Straßen, Plätze:
Hauptplatz/Kaiser-Josef-Platz; Ober- und Unterort, die Neustift (ab 1925); Znaimer Straße, Joslowitzer Straße mit Friedhofgasse, Pfarrgasse, Kaiserberg, Im Winkel, 1. und 2. Häusl, Am Hradschin, Lehmgrube, Sulzstraße, Sechshaus, Schatzgasse, Miezmannser Häusl.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Georg 1744/67; Hochaltar 1839, Seitenaltäre von Josef Winterhalter: Cyrill und Method; geschnitzte Muttergottes 1.Hälfte 18.Jh. Orgel 1802 von Silberbauer, Znaim; 1910 Vorraum und Turmerhöhung auf 36m, Kirchenmalerei 1916/17. Schon 1198 besteht eine Kapelle, um 1500 erfolgt ein Neubau, 1744 ein weiterer, nach dem Brand von 1776 renoviert. 4 Glocken, 3 müssen 1915/17 geopfert werden, 1919 werden 2 neue angeschafft.
Seit 1863 selbständige Pfarrei.
Pfarrhof, 1784.
Dreifaltigkeitssäule, 1778, mit Schmiedeeisengitter.
Schmerzhafte Muttergottes, 1751.
Hl.Florian, 1349.
Hl.Johannes von Nepomuk, barock, bei der Neslowitzer Mühle.
Pestmarter mit hl.Rochus, hl.Sebastian und hl.Rosalia an der Waltrowitzer Straße.
4 Eisenkreuze (Friedsches Kreuz 1855, 2 Kreuze an der Znaimer Straße und Kreuz am Mühlweg 1856).
3 Marterln: Pestmarter in der Neustift, Dreieichenmarterl, Urlaubermarterl am Urbauer Weg.
Heldendenkmal, davor Denkmal für Kaiser Franz Joseph.
Kriegerdenkmal, 1922.
Poststelle, 1869; Telefon- und Telegraphenstation 1928, 1930 Telefon beim Kaufmann.
Bahnstation Hödnitz (4,5km).
Poststelle 1869; Telefon- und Telegraphenstation 1928.
Busverbindung Joslowitz-Znaim 1928, Rausenbruck-Znaim 1930.
Siechenstation 1832, vor 1914, ab 1922 Isolierzimmer im Hirtenhaus (Krankenzimmer mit Wohnung für das Pflegepersonal).
Armenhaus, 1908.
Kinderheimstätte, 1930, Kleinkinder-Tagesheimstätte, 1938.
Gemeindegasthaus, 1866.
Feuerwehrzeughaus, 1909.
Raiffeisenkassenlokal, 1909.
Hebamme seit dem 16.Jh.
Gendarmeriestation
Gemeindekeller mit 14 Besitzern. Hirtenhaus, 1927.
Distriktsarzt (Sanitätsdistrikt mit Zulb), 1909,
Doktorhaus 1913, Ordination dreimal wöchentlich.
Elektrifizierung 1917 (Eisen), Umbau 1933 (Kupfer)

Schulen:
Volksschule, 1899, dreiklassig, 1912 vierklassig, in den 30er Jahren vier Klassen mit je 2 Abteilungen in der Oberstufe; zuerst Unterricht im Gemeindegasthaus; 1786 einklassig im ehemaligen Herrschaftsgebäude, Neubau 1831, zweiklassig.
Kindergarten, 1922.

Gewerbe:
Herrschaftshof (1526 erstmals genannt), ab 1641 zu Kloster Bruck, 1789 geteilt in 2 Dominikalhäuser für 53 Familien.
3 Gemischtwarenhändler, 2 Bäcker, 2 Schreiner, 2 Binder, 2 Schmiede, 2 Zimmerer, 3 Wagner, 3 Sattler, Spengler, Drechsler, Maler, Dachdecker, 3 Schneider, 2 Schuster, 3 Maurer, 3 Friseure, Straßenwärter, Milchzusammennehmer, Musikinstrumentenmacher, 14 nebenberufliche Musiker.
154 Landwirte, 55 landwirtschaftliche Arbeiter, 13 Beamte, Angestellte: Pfarrer, 3 Lehrer, Finanzer; 5 Gemeindebedienstete: Gemeindesekretär, Gemeindediener, Feldhüter, Nachtwächter, Totengräber;
3 Staatsbeamte: 2 Trafikanten, Hengstenstationsleiter.
Ambulantes Gewerbe erscheint im Ort: ein Händler mit einem Wagenschmierschaffel auf einem Schubkarren, der Häutejude kauft Hasenhäutel, zu Ostern Kitzelhäute oder eine Ziegenhaut, der Rastelbinder oder Heferlflicker flickt Töpfe und Pfannen, setzt manchmal auch einen neuen Boden ein. Der Glaser kommt per Fahrrad, die Scheiben trägt er in einem Holzgestell auf dem Rücken. Besenmänner kommen zwischen Allerheiligen und Weihnachten, gelegentlich erscheinen Hausierer, die Stoffe, Knöpfe, Bänder u.a. anbieten, zu Ostern und im Herbst der Geschirrhändler, Kesselschmiede, meist Zigeuner, die mit Kesseln handeln und wahrsagen, Scherenschleifer und Reitermacher (Siebmacher) sind oft im Ort, sie reparieren auch Regenschirme.

Jahrmärkte: 1) Am Montag vor Palmsonntag, 2) an Bartholomäus (24.August).

Vereine:
Kontributionsfond, 1790/1800.
Deutscher Männergesangverein, 1888.
Konsumverein „Einigkeit“, 1891.
Unterstützungsverein gedienter Soldaten, 1893.
Spar- und Darlehenskassa, 1895.
Freiwillige Feuerwehr, 1899.
Bund der Deutschen Südmährens, 1899.
Milchgenossenschaft, 1911.
Deutschvölkischer Turnverein, 1922.
Deutscher Kulturverband, 1922.
Freiwillige Feuerwehr
Landwirtschaftlicher Ortsverein, 1900 – 1907.
Orts-Viehversicherungsverein, um 1900.
Wassergenossenschaft, 1905.
Milchgenossenschaft, 1905.
Deutsch-christlicher Burschenverein „Edelweiß“, 1923.