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Probitz

48° 51′ N, 16° 21′ O

Pravice

Znaim

Geschichte
Erstmals 1131 urkundlich genannt, 1426 schlagen die Hussiten auf dem Taborberg ihr Lager auf. Nach 1539 verschwindet die Pfarrkirche. Seit 1598 gehört der Ort zur Herrschaft Frischau, um 1700 an die Liechtenstein. 1619 bestehen 26 bäuerliche Anwesen. Seit 1753 ist der 7.August (Donatus) Gemeindefeiertag. 1849 fordert die Cholera viele Opfer. 1873 Baubeginn der Neugasse vom Taborberg zur Kirche, 1894 brennt eine ganze Häuserreihe nieder, der Jaispitzbach wird reguliert. Im I.Weltkrieg fallen 23 Mann.
In den Wintermonaten, besonders zu Silvester, wird in beiden Gasthäusern Theater gespielt, ab 1932 im neuerbauten Jugendheim mit Bühne, z.B. „’s Nullerl“, „Die heilige Notburga“, „Elisabeth von Thüringen“, „’s Trauringerl“, „Rosa von Tannenburg“ (1936), „Ums Vaterhaus“ (1937), „Geächtet“. Im Krieg spielen Frauen die Männerrollen in „Die heiratslustige Witwe“ und „Der Millirahmstrudel“ von Karl Bacher. Im II.Weltkrieg fallen 63 Mann.
Am 7.Mai 1945 wird der Ort bombardiert, ein Mann und eine Frau kommen dabei um, am 8.Mai dringen die Rotarmisten ein, Raub und Vergewaltigung beginnen. Tschechische „Partisanen“ kommen, Hausbesetzer folgen und damit müssen die Deutschen ihre Häuser verlassen. Manche fliehen nach Österreich, andere werden zur Zwangsarbeit verschleppt. Am 23.9.1945 werden die ersten 45 Deutschen vertrieben, am 18.Juni 1946 geht der letzte Transport von Znaim ab. Von 835 Vertriebenen bleiben 139 in Österreich, 717 gelangen nach Westdeutschland.

In den Hussitenkriegen soll der Ort Milkowitz südwestlich verödet sein, das Dorf Libitz verödet 1536, eine Siedlung Johannesstadt wird in den Reformationswirren zerstört.

Erdställe und unterirdische Gänge wurden zwischen Gutshof und Taborberg entdeckt.

Spitzname: Kraastanzer oder Eichelbeeren.

Matriken seit 1744 (bei Frischau).

Literatur: Kraus, Karl: Unsere Gemeinde Probitz. 1988

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Breitstraßendorf 956 ha, 187 m ü.d.M.

Flurnamen:
Scheibenwiesenbreite, Johannesteichbreite, Herrschaftswald, Honifackerln [Hanfäcker], Schafmeisterachteln, Obere Schafmeisterbreite, Fluchtgrabenäcker, Felberplatz, Sandheide, Föhrenwaldl, Sandacker, Spitz, Trift, Sandbreite, Taborsuttenvierteln, Sandweingärten, Taborsuttenäcker, Waldlquanten, Zinsquanten, Eichenwaldbreite, Obere Weidteichbreite, Häuselweingärten, Neuries, Hadbiriweingärten, Achteln, Mühlbreite, Untere Weidteichbreite, Baßgeige, Mühlteichäcker, Weidteil, Eselweg, Schmale und Breite Wiesen, Mischtalackerln, Kireackerln, Vierjoch, Krautacker, Brünndlacker, Mühlteichwiesen, Weidteich, Dammbreite, Schinderweingarten (Schinderbere).

Anbau: Alle Getreide-, Gemüse- und Obstsorten, Hackfrüchte; Weinbau. Ursprünglich 22 Höfe mit 42 Joch (= 24,78ha).

Jagd: 500-600 Hasen, 300-400 Kaninchen, 1000 Rebhühner, 350 Fasane, 40-50 Rehe, 6-10 Schnepfen, 8-12 Füchse, einige Wildenten.

Straßen, Plätze: Oberort, Unterort, Draußterörtl oder Klein-Leipertitz; Dorfgasse (Vornaus), Neugasse (Hintaus), Judengasse, Thomas- oder Vitalgassl, Kastengassl (vom Schüttkasten), Jankagassl, Obergasse, Fritzgassl auf dem Taborberg.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle zur Heiligen Dreifaltigkeit, 1833, renoviert 1933. 3 Glocken; 2 im I.Weltkrieg abgeliefert, eine neue im II.Weltkrieg. Davor Glockenhäuschen beim Meierhof.
Missionskreuz an der Kirche.
Gnadenmutter von Lourdes im Schulgarten
Friedhof 1886; früher auf dem Taborberg, das „Rote Kreuz“ an der Grusbacher Straße stand am Eingang; später aufgelassen, Grabstätten danach in Frischau.
Hl.Donatus, 1752.
Hl.Johannes von Nepomuk an der Brücke über den Haltergraben.
„Rotes Kreuz“ an der Grusbacher Straße.
Marterl zur Unbefleckten Empfängnis
Feldkreuz 1937, am Weg nach Milkowitz (Hussitenkriegsödung).
Schindlerkreuz/Steinkreuz, 1922.
Schmerzhafte Muttergottes, Statue beim Taborberg.
Dreifaltigkeit, Marter an der Frischauer Straße.
Kriegerdenkmal, 1932, von den Tschechen 1945 zerstört.
Haltestelle der Strecke Wien-Brünn, 1866, 500m vom Dorf entfernt.
Feuerwehrhaus, 1925. Feuerlöschteich, angelegt 1936.
Jugendheim, 1930 ausgebaut.
Milchsammelstelle, 1902.
Schulen:
Volksschule, Neubau 1891, zweiklassig, 1907 Ausbau für 3 Klassen, ab 1926 Schulküche.
Erster Schulbau 1835, einklassig, davor in Frischau.

Gewerbe:
Meierhof, Ziegelei, bis 1938.
3 Gemischtwarenläden, 2 Bäcker, 2 Schmiede, 2 Tischler, Wagner, Binder, Sattler, 2 Schneider, 2 Schuhmacher, Friseur, Ofensetzer, einige Maurer.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1903.
Milchgenossenschaft, 1923.
Arbeiter-Turnverein Lassalle, 1925.
Kameradschaftlicher Unterstützungsverein gedienter Soldaten, 1932.