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Possitz

48° 50′ N, 16° 17′ O

Božice

Znaim

Geschichte
Erstmals urkundlich genannt 1225, im 14.Jh. als zum Stift Selau gehörig bezeichnet, seit 1691 Teil der Herrschaft Joslowitz. 1570 von Wiedertäufern bewohnt. 1637 stehen 20 Anwesen im Ort öde. 1697 bestehen 29 Halblehen und 10 Viertellehen. 1771 wird die hölzerne Brücke über den Jaispitzbach vom Eisstoß weggerissen, durch einen Ziegelbau mit drei Bögen auf zwei Pfeilern ersetzt, dieser wird 1888 auch vom Eisgang zerstört. Eine pfeilerlose Eisenkonstruktion aus dem gleichen Jahr wird 1945 von der Wehrmacht gesprengt. 1855 zerschlägt Hagel die gesamte Ernte, seither gehen die Leute am Jahrestag nach Lechwitz auf Wallfahrt. 1860 bleibt nach einem Brand nur ein Haus stehen, ein Mann kommt um. 1865 brennt der ganze Unterort ab. 1866 quartieren sich die Preußen ein, die Cholera fordert viele Opfer. Im I.Weltkrieg fallen 45 Mann.
Bei der Wahl zum Nationalrat 1925 erhalten die deutschen Parteien 511 Stimmen, die tschechischen 28, die Kommunisten 64, die jüdische Partei 6. Das Gut wird 1926 im Rahmen der Bodenreform enteignet. Am 26.Oktober versammeln sich mehrere hundert Personen und beraten Maßnahmen, mit denen die alleinige Verteilung an Tschechen verhindert werden könnte. Am 27. geht eine zweitausendköpfige Menge von Einwohnern aus Possitz, Groß-Grillowitz und Borotitz zum Bahnhof, wo die tschechischen Kommissare eintreffen. Der Abgeordnete Wagner und die Gemeindevertreter können die empörten Menschen nur mit Mühe beruhigen. Der Abgeordnete fragt, ob deutsche ärmere Ansässige oder Hofbedienstete des Gutes bei der Aufteilung berücksichtigt würden, von Seiten der Kommission kommen aber ein Schimpfwort und Verhöhnung. Darauf stürmen die Massen den Bahnhof, die Kommission bringt sich in Sicherheit. Der Abgeordnete fordert die Einstellung der Bodenzuteilung und rät zur Rückreise, was befolgt wird. 1927 werden große Flächen der Herrschaft Joslowitz enteignet und an tschechische Siedler verteilt, die Kolonie Molikov, 1933 stehen dort 22 tschechische Häuser, der Hoja-Hof (80ha) bleibt als Restgut und wird Staatsdomäne. Das Herrschaftshaus wird Rathaus. Wirtschaftsgebäude und Stallungen werden abgerissen, neue Häuser für Deutsche werden gebaut
Zum 85.Geburtstag des Präsidenten Masaryk am 7.März marschiert ein Festzug vom Zeughaus der Feuerwehr zum Festgottesdienst in der Kirche, „unter den Klängen zweier Musikkapellen und mit fliegenden Vereinsfahnen marschierten Deutsche und Tschechen in einem Zuge, umgeben von zahlreichen Ortsbewohnern“ (Chronik). Bei den Parlamentswahlen gewinnt die SdP 407 Stimmen, die Christlich-soziale Volkspartei 135, der Bund der Landwirte 65, die Sozialdemokraten 22; die Tschechen bekommen 83 Stimmen, die Kommunisten 6. Im Jahre 1936 wird der erste Wochenmarkt abgehalten (Montag).
Am 18.September 1938 müssen alle Deutschen sämtliche Waffen abliefern, am 24. wird die allgemeine Mobilmachung bekanntgegeben (bis zum Alter von 40 Jahren), Familienväter kommen dem Befehl nach, viele Ledige verstecken sich. Am 8.Oktober ziehen die tschechischen Soldaten ab, betrunken, nachdem sie in einen Weinkeller eingebrochen waren, vom Kastenberg schießen sie eifrig über die Ortschaft hinweg, alle Pferde nehmen sie mit. Am 9.Oktober zieht die Wehrmacht ein. Abends veranstalten Possitz und Grillowitz einen gemeinsamen Fackelzug, am 17.Oktober ziehen die Truppen ab.
Im II.Weltkrieg fallen 45 Mann, vermißt bleiben 22, in der Gefangenschaft sterben sechs Mann. Vertrieben werden 1160 Deutsche, 290 können in Österreich bleiben, 870 gelangen nach Westdeutschland.

Unterirdische Gänge und Kammern unter dem Tanzberg am Westausgang; die „Schindergruben“ im Bauernwald sind Verstecke und Vorratsräume für Kriegs- und Notzeiten, der größte mit gebrannten Ziegeln eingewölbt, 10m tief, 60-70m lang, ursprünglich mit drei brunnenartigen Einstigen.

Kirtag am Sonntag nach dem 16.September (Ludmilla).

Ein Robotpatent von 1771 ordnet an: „Es soll jeder robotsame Untertan zur Aufzeichnung der Robottage ein wohlgezeichnetes Kerbholz oder sogenannten Robisch haben, auf welchem jeder wirklich geleistete Robotstag zu Ende jeder Woche entweder vom Beamten oder Schaffer oder dem Wirtschaftsdrab, in wessen Bezirk oder Meierhof die Robot geleistet wird, einzuschneiden ist.“
Dieser Robisch bestand aus zwei Teilen, die in Falzen genau zusammenpaßten, der eine Teil befand sich beim Gutsherrn, der andere beim Untertan. Zum Einkerben legte man sie zusammen und schnitt für jeden Tag eine Kerbe ein, die auf beiden Teilen zu sehen war. In jüngster Zeit diente er am Kirtag zur Einkerbung der Weinmengen, welche die Irtenburschen vom Wirt bezogen.

Matriken seit 1663 (bei Groß-Grillowitz).

Literatur:
Kratschmann, Albin: Gedenkbuch der Gemeinde Possitz. Angelegt 1924 (geführt bis 1939).

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Straßenangerdorf 1625 ha, 195 m ü.d.M.

Flurnamen:
Obere Halblehner, Untere Halblehner, Neuriß, Wiesäcker, Altes Weingebirge, Weingartäcker, Neuriß, Streiten, Haiden (2), Frischauer Bergäcker, Junges Weingebirge, Felberteil, Bergäcker, Possitzer Teich, Erdberger Teich, Ochsenbreiten, Halblehen, Kirchfeld, Petertal, Teichäcker, Spazierfeld, Obere Teichäcker, Untere Teichäcker.
Im Volksmund: Mittagwoadn, Mühlwieseln, Mitterstückeln (Weißes Kreuz, 1767), Kreuzstoß, Trift, Gründln, Mühlwieselstoß (Mordkreuz), Weiertstößeln, Trift, Altes Weibiri (Weingebirge), Hofwieerten, Trift, Weiertäcker, Neuriß (Grenzstein, 1767), Bruckgarten, Stierlackerln, Dürrnhübel, Schmale Ackerln, Bruckgartenstoß oder Halblehen, Trift (Gemeindebesitz), Stierlackerstoß oder Halblehen, Mitterstückeln, Beriacker, Hoadstoß (Halblehen), Felberteil, Garteln (Gärten), Jungbiri, Hoadn, Hoadln, Brünndelhoadn, Innere Hoadacker, Müllneracker, Hüttenacker (Gemeindebesitz, mit Hütte für den Hüter der Weingärten), Weiert-Hoadn, Außere Hoadacker, Streiten, Frischauer Beri-Acker, Kas-Ocka (Käseerzeugung), Ochsenwoadn, Wiesen, Asperlteil (Espe), Woadn (Ackerland), Wiesacker (Krautgärten), Wiesacker- (Obst- und Weingärten), Gänsholdaocka (Gänsehalteräcker), Beriocka, Knausocka (Nach Gutsaufseher Knaus), Jagerocka, Ochsenbreiten, Sträußel-Wald, Hoja-Acker. Hoja-Halblehner mit den Rieden: Wiesackerstößl, Mitterstückeln, Hojastößln, Kastenviertel (Donatus), Gemeindeakazien (Wald im Petertal), Teichtelmühle (Petertal), Spaziererackerln, Weiert-Teichtelacker, Beern-Akazien (nach Anton Beer), Mühl-Teichtlacker, Kleine Mühl-Teichtlacker, Große Teichtlacker (Fischerkreuz), Beern-Akazien, Kleine Teichtlacker, Große Äcker, Bahnstückeln, Kira-Halbleher (Kirche), Schul- oder Friedhofviertel, Teichtl-Stößl, Granitzocka (Grenzacker), Windmantel (Wald), Mine (nach Gräfin Wilhelmine) mit Obstallee, Jagerwinkel, 18 Joch, Rusten (Rüster), Am Noßn Eck, Weibiri (Weinberg), Ladnhäuselboden (Jägerschutzhütte), Remis, Poppelschule, Bauernwiesen, Schofschwemme, Spitzwiesn, Schotterhübel mit Christinawaldl (Gräfin Christine), Försterhäusel oder Schlössel oder zerfallenes Schloß, Putzwiesn, Scheidaschlogwiesn mit Scheiterschlagbrücke, Judenfriedhof mit Schwarzer Locka (Lache), Rauher Daum (Damm), Goashiebl (Geißhübel), Rundo (Rondeau).

Anbau: Getreide, Mais, Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchte; alle Obstsorten, besonders Marillen; Weinbau.
Jagd: Rehe, Hasen, Fasane, Rebhühner.

Straßen, Plätze:
Oberort, Unterort, Kastenberg mit Schüttkasten (Getreidespeicher), Litschkaberg, Berg, Schindergruben.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Glockenhaus, 1862, nachdem das alte niedergebrannt war. Kirche in Groß-Grillowitz; der Ort gehört zur Pfarre Groß-Grillowitz, bis 1893 gemeinsame Schule.
Kloster Mariahilf in Groß-Grillowitz.
Hl.Donatus, 1908, an der Straße zum Bahnhof.
Steinkreuz, „Weißes Kreuz“, 1767, an der Brücke.
Marienstatue im Unterort, vor der Prälatenvilla.
Dreifaltigkeit, Ziegelbau, Nr.192, neben der Schule; abgerissen.
Rotes Kreuz, gegen Grillowitz, jetzt vor der Kirche.
Bildsäule an der Straße nach Erdberg.
3 Bildstöcke
4 Eisenkreuze
Marterl mit Gedenktafel im Friedhof.
Prälatenvilla, mit Kunstsammlungen, weitäufigem Garten, exotischen Bäumen; von Mauer umgeben.
Rathaus: Herrschaftsgebäude der Herrschaft Joslowitz, 1834, nach Auflösung als Rathaus genutzt.
Kriegerdenkmal, 1921; 1945 durch Sowjetflugzeuge beschädigt, abgerissen.
Bahnstation Possitz-Joslowitz an der Strecke Znaim-Lundenburg.
Postamt, 1872.
Hebamme

Schulen:
Volksschule Neubau 1893, dreiklassig, 1906 vierklassig, im Unterort, nach der Trennung von Groß-Grillowitz, davor bis 1870 in Grillowitz, Haus Nr.50; 1870 Neubau, vierklassig, südlich von Groß-Grillowitz, auf dem „Schulberg“.

Gewerbe:
4 Gasthäuser, 3 Gemischtwarenläden, Bäcker, Fleischhauer, Obst- und Eierhandel, 4 Wagner, 3 Schmiede, Schlosser, Sattler, 3 Tischler, 2 Schneider, 3 Schneiderinnen, 2 Schuster, Friseur, 2 Trafikanten.

Vereine:
Männergesangverein, 1886.
Freiwillige Feuerwehr Groß Grillowitz-Possitz, 1891.
Turnverein, 1921.
Raiffeisenkassa, 1894.
Milchgenossenschaft, 1914.