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Poppitz

48° 50' N, 16° 0' O

Popice u Znojma

Znaim

Geschichte
Urkundlich 1337 erstmals genannt, gehört zum Kloster Bruck und wird vom Klarissinnenkloster in Znaim gegen Dörflitz eingetauscht. Bald danach Besitz der Propstei Pöltenberg des Kreuzherrenordens bis 1848. Seit 1409 ist die Traußnitzmühle (bis 1936) beurkundet. Infolge der Hussiteneinfälle verödet. Die Kreuzherren schenken 1509 den Bauern 350 ha Hutweide als Freigrundstück, damit Beginn extensiver Schafhaltung, daraus der Spitzname Poppitzer Schafe, auch Schmalztümpel.
Eigene Pfarrei seit 1500, der Weinbau geht bis ins 13.Jh. zurück. 1574 erläßt der Ordensgeneral eine Gemeindeordnung in deutscher Sprache. Auch im 30jährigen Krieg leidet der Ort schwer, die Pest überleben 1680 nur 17 von 200 Einwohnern.
1779 übernachtet Kaiser Josef II. in der Pfarrei. 1794 zählt man schon wieder 424 Seelen in 71 Häusern; damals bestehen 297 Joch Weingärten, 1939 nur mehr 40 ha. 1805 und 1809 hausen die Franzosen im Ort, sie martern den flüchtigen Bürgermeister zu Tode.
Wirtschaftliches Aufblühen seit 1848, besonders ertragreich: Kirschen, Gurken, Aprikosen für den Znaimer Markt und Wien. 1866 kommen die Preußen und prassen. 1911 wird die Straße nach Deutsch Konitz ausgebaut. Im I.Weltkrieg fallen elf Mann.
Im Dezember 1918 besetzt tschechisches Militär den Ort und plündert Speise- und Vorratskammern sowie Saatgut. Wirtschaftlich folgen schwerste Rückschläge.
Im Herbst 1919 besetzt eine Kompanie den Ort und requiriert noch gründlicher als 1918, mit aufgepflanztem Bajonett wird überall hineingestochen, wo etwas vermutet wird, Leute werden bedroht. Eine besondere Belastung bedeutet die Weinsteuer. Ende August 1938 wird eine Batterie schwere Artillerie nahe beim Ort aufgestellt, Waffen und Radios werden beschlagnahmt, alle brauchbaren Pferde eingezogen. Am 10.Oktober marschiert die Wehrmacht ein. 1938/39 einmaliger wirtschaftlicher Aufschwung.
Im II.Weltkrieg fallen 15 Mann, vier bleiben vermißt.
Am 8.Mai 1945 tauchen die Rotarmisten auf und nehmen sich Schlachtvieh. Erste Vergewaltigungen. Am 9.Mai kommen die ersten Tschechen in den Ort, Waffen, Radios und Musikinstrumente müssen abgegeben werden, damit ziehen sie ab. Am 10.Mai ziehen polnische Fremdarbeiter plündernd durch den Ort. Am 12.Mai erscheint ein tschechischer Kommissar, sein „Partisanen“kommando von 5 Mann wird jeden Tag in einem anderen Haus zum Essen eingewiesen.
Am 18.Juni 1945 werden alle arbeitsfähigen Männer zusammengetrieben, die Häuser werden geplündert, die Männer werden geschlagen und nach Znaim ins Arbeitshaus gebracht, schwer mißhandelt und dann zur Zwangsarbeit auf tschechische Höfe und in Fabriken verschleppt. Tschechen besetzen die Häuser, Deutsche werden mißhandelt, ein Achtzigjähriger wird von tschechischen Jugendlichen erschlagen, weil er seine letzte Ziege nicht hergeben will. Einige Familien werden ins Landesinnere verschleppt, andere nach Österreich abgeschoben. Am 5.März 1946 werden die letzten Deutschen in Viehwaggons nach Deutschland geschafft.

Brauchtum
Feier zum Fest Mariä Verkündigung: Die Pest findet 1680 erst ein Ende, als der Pfarrer ein Missionskreuz auf die Schulter nimmt, mit den Überlebenden auf den Berg steigt und das Kreuz aufstellt und um Hilfe bittet. Tatsächlich hört die Pest auf, an Samstagen und an Marienfeiertagen pilgern die Leute zur Martersäule, den Rosenkranz betend. Später wird da eine Kapelle erbaut. – Am Vorabend des Festes gehen die Leute zur Kapelle, in der ein Konzert stattfindet. Am nächsten Tag wird ein feierliches Hochamt gelesen, nachmittags um zwei Uhr beginnt nach dem Segen in der Kirche die Prozession, die zu einer Andacht in der geschmückten Kapelle führt.
Ende Jänner Ball des Bundes der Deutschen.
Osterratschen vom Gründonnerstag bis zum Karsamstag. Auferstehungsprozession.
Granitzschau (Grenzbegehung) am 25.April.
Fronleichnamsprozession.
Maibäume werden von den Burschen beim Bürgermeister, beim Pfarrer, bei Vereinsvorständen und Wirtshäusern gesteckt, außerdem von jedem einzelnen bei seinem Mädchen.
Sonnwendfeier auf dem Feuerberg.
Kirtag am ersten Sonntag im September.
Silvester: Theaterspiel und Tanz.

Matriken seit 1650, Grundbücher seit 1558.

Bedeutend:
Postl Karl [Charles Sealsfield] (1793-1864), Schriftsteller, studiert bei den Kreuzherren in Prag; 1814 zum Priester geweiht. Er flieht 1823 in die USA, wo er den Namen Sealsfield annimmt, der erst nach seinem Tod als Pseudonym enthüllt wird. 1826 kehrt er nach Europa zurück, ist 1827/30 wieder in den USA, danach Korrespondent in London und Paris. Ab 1832/33 lebt er als Schriftsteller in der Schweiz, 1837 und 1853/58 hält er sich erneut in den USA auf. Als politisch engagierter Journalist und Reiseschriftsteller sieht er das liberale Gedankengut der österreichischen Spätaufklärung in der Verfassung der USA verwirklicht. Anfangs unter dem Einfluss von J.F.Cooper, F.R.de Chateaubriand und Walter Scott, wird Sealsfield zum frührealistischen Erzähler mit politischen und pädagogischen Zielen und zum ersten bedeutenden deutschsprachigen Schilderer amerikanischer Landschaft und Gesellschaft. Die in Harmonie mit der Landschaft lebenden Menschen entwickeln in Mexiko und im amerikanischen Südwesten demokratische Staatsformen. Sealsfield beschreibt zustimmend eine konservative, bürgerliche Agrargesellschaft und erkennt die sozialen Folgen der fortschreitenden Industrialisierung des 19.Jahrhunderts.
Werke: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika nach ihren politischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet, 2 Bände (1827); Austria as it is (1828).
Romane: Tokeah. Deutsch: Der Legitime und die Republikaner, 2 Bände, 1829/32; Der Virey und die Aristokraten oder Mexiko im Jahre 1812, 3 Bände (1835); Lebensbilder aus beiden Hemisphären, 6 Bände (1835/37); Neue Land- und Seebilder; 4 Bände (1839/40); Das Cajütenbuch oder Nationale Charakteristiken, 2 Bände (1841); Süden und Norden, 3 Bände (1842/43).
Lambeck Gregor, vorletzter Abt von Kloster Bruck.
Rabel Gebrüder, Generalstäbler unter Radetzky.
Schneider Sigismund, k.u.k. Staatsbankbeamter, seine Unterschrift war auf den Banknoten.
Mahr Sigismund, Ingenieur bei Planung und Bau der Semmeringbahn.

Literatur:
Buschek, Herbert: Ortsgeschichte Poppitz. o.J.

Bezirk und Gericht Znaim

Straßendorf 668 ha, 278 m ü.d.M.

Gehört zu den Kuhbergdörfern.

Flurnamen: Spielberg, Mitterberg, Oberberg, Lange Larnbau, Kurze Larnbau, Kreften, Domacker, Junge Weingärten, Weiße Örter. Waldgebiete: Sonnleiten, Müllerleiten, Einsiedelleiten, Roßstallgraben, Wolfsberg, Halterwiese, Taplecewiese, Kohlen- oder Kolmgraben; Hutweiden: Kapellenweide, Feuerberg.

Anbau: alle Zweige, besonders Obst, überwiegend Kirschen, Weinbau.
Jagd: Hirsch, Reh, Hasen, Fasane, Rebhühner, Schnepfen, Wachtel, bis 1938 Birkhahn; alle Marderarten, Fuchs, Dachs, Fischotter an der Thaya.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Sigismund; Chor und Sakristei mit Kreuzrippengewölbe, 14.Jh., Langhaus, spätgotisch, mit Sternrippengewölbe, 15.Jh., Westfassade 2.Hälfte 17.Jh., Vorbau 18.Jh., Turmhelm 1752; renoviert 1902; Hochaltar 1725, rechter Seitenaltar 1.Hälfte 18.Jh.., Kanzel, Taufbecken, Bänke 1760, Rokoko; Monstranz gotisch, 1520; vier Glocken, 1698, im Ersten Weltkrieg geopfert, 1923 erneuert.
Pfarrhof 2.Hälfte 17.Jh., Sommersitz des Großmeisters vom Kreuzherrenorden.
Friedhof, 1835 an die Westseite der Kirche verlegt.
Pfarrhaus
Bildstock mit 4 Reliefs, 16.Jh.
Florianisäule, 2.Hälfte 17.Jh.
Hl.Johannes von Nepomuk
Hl.Antonius
Dreifaltigkeitsmarterl, Flucht nach Ägypten.
Marterl aus dem 30jähr. Krieg auf dem Häuselberg.
Friedhofstor 1.Hälfte 18.Jh.
Marienkapelle auf der Kapellenheide am Weg nach Kaidling, 1816, anstelle eines Bildstocks, den 1680 die Überlebenden der Pest aufstellten. Zu Mariä Verkündigung kommen alljährlich Prozessionen aus Zuckerhandl und Kukrowitz. 1954 vernichtet.
Sealsfieldstein
Gemeindehaus seit 1650.
Armenhaus (Kircheneigentum) 17. Jh.
Milchhaus
Telefon 1932 im Gasthof Bauer.
Elektrifizierung, 1934.
Buslinie Znaim-Gnadlersdorf (privat), Post-Omnibus Znaim-Retz 1939-1945

Schulen:
Volksschule seit 1787, einklassig, 1799 erweitert, (Trivialschule des
Kreuzherrenordens), 1939 aufgelöst wegen zu geringer Kinderzahl,
danach Schulbesuch in Deutsch Konitz.
Kindergarten, 1939.

Gewerbe:
Traußnitzmühle bis 1936, danach Ausflugslokal.
Gurkeneinlegerei bis 1936.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1889.
Bund der Deutschen Südmährens, 1899.
Milchgenossenschaft 1910
Turnverein, 1937.