o-044-01-Oberbaumgarten « »

Oberbaumgarten

49° 6′ N, 15° 3′ O

Horní Pěna

Neubistritz

Geschichte
Urkundlich erstmals 1359 erwähnt. 1437 wird der Bau eines Teiches vertraglich gesichert, mit der Anlage hören die Überschwemmungen auf. Die Jesuiten erreichen 1596, daß das Abendmahl in beiderlei Gestalt abgeschafft wird. 1677 weist die Pfarre Oberbaumgarten mit Blauenschlag und Schamers 1381 Einwohner über 12 Jahre auf, davon in Heumoth 190, in Weißenbach 96, in Gatterschlag 140, in Hosterschlag 187, in Muttaschlag 66. 1437 wird der Bau des Holzwehrteichs beschlossen. Adam Paul Graf Slawata verleiht 1658 der Gemeinde das „PAUMGARTNER Gericht“; 1748 ersucht O. mit anderen Gemeinden um Erbauung einer Schule, da O. schon längere Zeit einen Lehrer erhalten hat. Ein Grundstück wird zur Verfügung gestellt, Zufuhr von Holz und Steinen angeboten. Dem Lehrer liefert jeder Bauer Naturalien. Der Bau erfolgt 1754. Die Errichtung von Schüttkästen wird 1785 angeordnet, um Vorräte für magere Jahre zu schaffen, dieser wird gebaut. 1864 beschließt man, den Vorrat zu verkaufen und vom Erlös Vorschußkassen zu errichten, 1875 wird der leere Schüttkasten versteigert, von den Mitgliedern erworben und wieder verwendet, 1912 wird das Gebäude verkauft und zu Wohnzwecken umgebaut. 1816 beginnt der Bau der Reichsstraße durch O., asphaltiert 1936. Ein Orkan verursacht 1897 bedeutenden Schaden. In den Wintermonaten wird gerne Theater gespielt. Der Holzwehrteich wird 1918 verstaatlicht, aus ihm entspringt der Baumgartner Bach, er versorgt die Ortsteiche, Schullerteich, Badwirl und Mühlteich, mit Wasser. Im II. Weltkrieg fallen 21 Mann. Am 30. Mai 1945 werden die Deutschen vertrieben, Geiseln von den „Partisanen“ zuvor gemartert und mit Knutenhieben hinausgetrieben. Die zur Betreuung des Viehs Zurückbehaltenen folgen im Juli und August 1946.

Brauchtum
Die Bittage zwischen 21. Und 29. Juni, nach Fronleichnam, bezeichnen den Beginn des Kirchenjahres. Abends und an Sonntagen führen Prozessionen durch die Fluren und zu den Feldkreuzen. In den letzten drei Tagen vor Christi Himmelfahrt wird bei jedem Umgang in die Fluren mit vorangetragenem Kreuz – nach der Frühmesse oder nach dem Mittagessen – vor vier Stationen, Kreuz, Bild, Marterl und Kapelle, Andacht gehalten. Der Vorbeter liest aus einem der Evangelien und sagt Gebete, die Gläubigen antworten, und unter Gesang geht es zur nächsten Station.
Fronleichnam am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeits-Sonntag: Am Vorabend wird eine große Zahl von Birken an der Straße aufgestellt, dazu kommt an den Altarstellen Schilf und Gras der Calmuswasserpflanze, deren Duft zur Feier gehört. Die Kinder pflücken Blumen in Gärten und Wiesen, alle Glocken läuten am Abend zur Ankündigung des Festes. Im Morgengrauen werden die vier Altäre aufgestellt. Die festlich gekleideten Mitglieder der ganzen Pfarrgemeinde und die uniformierten Feuerwehrleute stellen sich ein, die Mädchen sind weiß gekleidet und haben ein Kranzel im Haar. Beim Gasthaus versammeln sich Feuerwehr, Vereine und Liedertafel. Vor der Kirche wird Aufstellung genommen, voran geht die Schuljugend, Buben und Mädchen getrennt, mit ihren Lehrern, es folgen die weißgekleideten, blumenstreuenden Mädchen, danach ein Ministrant mit dem Kreuz, der Pfarrer unter dem von vier Gemeinderäten abwechselnd getragenen „Himmel”, dahinter die anderen Gemeinderäte. Es folgt die Musikkapelle mit dem Trommelwagen, dahinter das Volk. Unter Gesang, Böllerschießen und Musikbegleitung geht es zu den vier Altären zur Anbetung, danach zur Kirche, zum Abschluß wird “Großer Gott, wir loben Dich” gesungen.

Auf einem Kastenstreifen eingestickt:

“Was Mütterlein mir einst beschert,
Halt’ ich in diesem Schranke wert.
Soll glatt und fein geordnet sein,
Wie einst es hielt mein Mütterlein!”

Dorfgemeinde, Bezirk, Gericht Neuhaus 893 ha. 494 m ü.d.M.

Flurnamen
Ortsried, Pfarrflur, Veigelbergflur I und II, Teichflur, Im Langen Feld, Kühlhausflur, Stadtflur; Maringwald
Anbau: Roggen, Hafer, Gerste, wenig Weizen, Kartoffel, Obst
28 Bauern (10-25 ha), 38 Kleinlandwirte (bis 5 ha)

Baudenkmäler, Einrichtungen
Pfarrkirche St. Michael, vom got. Bau des 14. Jh. noch der Kreuzrippenchor u. -sakristei, Orgelempore 15. Jh. mit Netzrippengewölbe; Umbau 1773, Anbau Seitenschiff, neben Hauptaltar hl. Wenzel u. Veit, neuer Altar 1894, Kanzel 1759, Orgel von 1734 erneuert; 4 Glocken 1605, 1654, 1680, 1761; Beinhaus; Friedhof um die Kirche, zweiter an der Gatterschlager Straße 1775-1806, wegen steigenden Grundwassers aufgegeben, 3. Friedhof 1881 mit Friedhofkapelle Richtung Neuhaus, Steinkreuz
Pfarrhof
Hl. Johannes von Nepomuk
2 Steinkreuze bei der Kirche: links 1891, Nähe Kaufhaus 1846.
Czerny – Kreuz Richtung Gatterschlag, Schirmer-Kreuz an der Gabelung
Pestsäule (Marienstatue) 1720
Schule, bis 1753 Wanderschule; Schulhaus 1754, Neubau 1855, für Ober- und Niederbaumgarten, 1879 bis 1926 dreiklassig, danach zweiklassig, mit tschech. Minerheitsschule.
Kaiser-Joseph II.- Denkmal 1895 (1918 abgetragen)
Kriegerdenkmal 1930
Postamt 1895, Neubau 1912
Fernsprechanlage 1930
Rauffeisenhaus
Autobuslinie Neubistritz – Wien 1931, nach Prag 1932

Gewerbe
Mühle
Erste südböhmische Dampfmolkerei 1900/01, täglich werden 22.000 l Milch angeliefert, 800 kg Butter nach Wien geliefert
2 Gasthäuser 2 Kaufläden Fleischhauer Bäcker
Schmied Wagner 2 Zimmerleute Spengler
Schuhmacher 3 Schneider 3 Schneiderinnen
10 als Maurer Beschäftigte 11 land- und forstwirtschaftliche Arbeiter

Vereine, Genossenschaften
Feuerwehr 1876
Deutscher Böhmerwaldbund 1884
Bund der Deutschen in Böhmen 1936
Deutsche Liedertafel Oberbaumgarten 1900
Molkereigenossenschaft 1900
Spar- und Darlehenskassenverein 1895 für die Pfarrgemeinde Oberbaumgarten (mit Niederbaumgarten, Gatterschlag, Ruttenschlag, Deutsch Moliken und Schönborn; im Postgebäude, 1928 Neubau)


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