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Oberfröschau

48° 53′ N, 15° 54′ O

Horní Břečkov

Znaim

Geschichte
Erstmals 1323 urkundlich genannt, gehört seit 1499 zur Herrschaft Frain. 1618 verödet. 1806 und 1809 sind die Franzosen im Ort. 1856 brennen zehn Häuser nieder, 1876 fünf. 1866 kampieren hier die Preußen, verkehren aber freundschaftlich mit den Leuten. 1886/87 wird die Bezirksstraße durch den Ort geführt. 1892 wird die Ernte durch Hagelschlag vernichtet. Im I.Weltkrieg fallen 14 Mann. Am 26.September 1938 wird der Bürgermeister als Geisel festgenommen und mit anderen nach Brünn gebracht und dort eingesperrt. Am 10.Oktober 1938 marschiert die Wehrmacht ein. Im II.Weltkrieg fallen zwölf Mann, zehn bleiben vermißt. Am 8.Mai 1945 dringen die Sowjets in den Ort ein, zwölf deutsche Soldaten fallen im Ort. Plünderungen und Vergewaltigungen beginnen, tschechische „Partisanen“ erscheinen und stiften die Rotarmisten zu Gewalttaten an. Sie holen Männer und Frauen aus den Häusern zur Arbeit: Wegräumen von Barrikaden, Auffüllen von Schützengräben etc. Ende Mai werden der Bürgermeister und 18 weitere Männer nach Znaim ins Arbeitslager verbracht und dort fürchterlich mißhandelt. Im Juni und im Juli werden alle Deutschen vertrieben, mit 50kg Gepäck pro Person, das noch zweimal ausgeplündert wird. Die in der russischen Zone Österreichs Lebenden werden im Juni 1946 nach Deutschland abgeschoben. Der Bürgermeister kommt nach 13 Monaten Gefangenschaft am 1.Juni 1946 frei.

Schöne markierte Wanderwege zur Burg Neuhäusel, zur Neuhäusel- und zur Toiflmühle, zur Thaya, nach Hardegg, nach Frain, zum Herterteich.

Brauchtum
Wenn jemand gestorben ist, meldet dies das Sterbeglöckel. In der großen Stube wird der Tote aufgebahrt, an drei Abenden kommen Frauen und Mädchen zur Totenwacht, dem „Wocht’n“. Jede geht zur Bahre, betet still und sprengt Weihwasser auf die Bahre. Im Nebenzimmer beten alle gemeinsam und singen dazwischen Totenlieder. Das Begräbnis findet immer am Vormittag statt, mit einem Requiem, fast immer ist das ganze Dorf beteiligt, zumindest fast jedes Haus. Sarg- und Laternenträger sind immer Verwandte und Nachbarn. Die Trauergäste, der Pfarrer und die Ministranten mit dem Kreuzträger kommen ins Trauerhaus. Der Pfarrer weiht den offenen Sarg mit Weihwasser und Weihrauch, dann wird der Sarg geschlossen, die Träger tragen ihn zur Totenbahre im Hof. Beim Durchgang durch die Haustür wird der Sarg dreimal gesenkt, damit nimmt der Tote Abschied von seinem Zuhause. Im Hof betet der Pfarrer, auch mit den Trauergästen, die Totengebete, der Kirchenchor singt, und dann geht der Trauerzug in die Kirche. Der Sarg wird vor dem Hochaltar aufgestellt, auf beiden Seiten stehen drei brennende Kerzen in Kerzenhaltern. Der Tote wird abermals eingesegnet, der Kirchenchor singt ein Trauerlied, dann geht der Trauerzug zum Friedhof, voran das Kreuz, dann folgen die Kinder, die zwei Laternenträger, die sechs Träger mit dem Sarg, die Ministranten und der Pfarrer. Ihm folgen die Hinterbliebenen, zuletzt die Trauergäste. Am Grab betet der Pfarrer, auch gemeinsam mit den Trauernden, der Chor singt das letzte Lied, der Tote wird abermals mit Weihwasser und Weihrauch eingesegnet, dann wird er ins Grab gesenkt. Alle nehmen Abschied von dem Verstorbenen. Der Totengräber bekommt neben der festgesetzten Bezahlung einen großen Laib Brot und eine Flasche Schnaps.

Matriken seit 1786 (davor ab 1740 bei Schaffa).

Literatur:
Witamwas, Franz: Heimatbuch und Chronik von Ober-Fröschau. 1980
Worresch, Anton/Worresch, Hans: Ober-Fröschau. 3 Sammelmappen. o.J.

Bezirk Znaim, Gericht Frain

Platzdorf 644 ha, 405 m ü.d.M.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl. Clemens; gehört nach Wolny zu den 12 ältesten in Mähren; Langhaus mit Tonnengewölbe, Stichkappen, 2.Hälfte 16.Jh. 1748 und 1831 baulich verändert; Hochaltar 1760, Bild von Josef Winterhalter; Nebenaltar 1887 zum Göttlichen Herzen Jesu, die anderen dem hl. Johannes von Nepomuk und der Muttergottes von Lourdes geweiht. Orgel, 1864 restauriert. 3 Glocken, älteste (1466) 1799 umgegossen; Westturm 1748. Seit 1785 Localie für Edenthurn und Zaisa, 1794 auch Liliendorf, 1859 Pfarrei.
Pfarrhaus 1786, Friedhof seit 1824 an der Straße nach Luggau.
Kriegerdenkmal, 1922.
Elektrifizierung, 1932.

Schulen: Volksschule, einklassig, Neubau 1904; alte Schule von 1808/11, davor in einem Bauernhaus. Für 1752 ein Lehrer belegt.

Gewerbe:
Molkerei, Gasthaus.
Hebamme
2 Kaufläden, Bäcker, Fleischer, 2 Schmiede, Wagner, Tischler.

Vereine:
Spar- und Darlehensverein 1900
Freiwillige Feuerwehr 1908
Deutschvölkischer Turnverein 1923
Molkereigenossenschaft 1924