o-167-01-Neu-Schallersdorf « »

Neuschallersdorf

48° 50' N, 16° 4' O

Nový Šaldorf

Znaim

Geschichte
Um 1580 gegründet von der Herrschaft Znaim als Ortsteil von (Alt)-Schallersdorf, teilweise auf Brucker Grund. Der Ort wächst rasch, wird 1672 erstmals als Neu-Schallersdorf bezeichnet.1679/80 sterben viele an der Pest, ein Marterl erinnert an die Massengräber in der Trift. Um 1780 werden die meisten Keller angelegt. 1799 zerstört Hochwasser das alte Schallersdorf, es wird an der Reichsstraße wieder aufgebaut. 1805 und 1809 sind die Franzosen im Ort, ein Bub, der nicht sagen kann oder will, wo die Österreicher versteckt sind, wird erschossen; ein Marterl erinnert bis in die 1920er Jahre daran. 1834 brennt fast das ganze Dorf ab. 1880 wird Neu-Schallersdorf abgetrennt. Im I.Weltkrieg fallen 13 Mann, im Zweiten fallen 32 Mann. 1935 wird die Dorfstraße neu angelegt. Zuletzt bestehen 64 landwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größe, die meisten mit 5ha. Am 8.Mai 1945 verbreiten die Rotarmisten Schrecken: viele Frauen und Mädchen werden vergewaltigt, nach 10 Tagen ziehen die Peiniger wieder ab. Tschechische „Partisanen“ folgen, im Juni kommen Hausbesetzer. Im August und September fliehen viele Ortsbewohner nach Österreich, am 17.Oktober werden rund 80 Personen nach Böhmen zur Karttoffelernte verschleppt und bis 30.April 1946 als Zwangsarbeiter festgehalten. Im Mai werden die letzten Deutschen nochmals beraubt und in 40 Viehwaggons nach Bayern transportiert. Andere gelangen nach Württemberg und Hessen, einige Familien bleiben in Österreich.

In frühgeschichtlicher Zeit durchschneidet der sog. „Rittsteig“ (ahd. ritto = Fieber), auch „Bräunerteig“ (Halsbräune = Diphtherie) oder „Fiebersteig“ durch das Ortsgebiet, wegen Ansteckungsgefahr am Ort vorbeigeführt. Von Krems über Retz und Schattau kommend, führt er weiter in das Alt-Schallersdorfer Gewann „Krautgärten“, ursprüngliche Lage von Schallersdorf, und weiter nach Kloster Bruck und Znaim. Als 1830/33 die Retzer Straße gebaut wird, verzichtet man auf den Ausbau des Rittsteigs und legt die Straße über Gnadlersdorf und Kaidling nach Neu-Schallersdorf.

Spitzname: Küahschwoaf oder Goaßschwoaf, weil sie Kühe und Ziegen am Kellerberg und auf der Hutweide an der Trift weiden.

Brauchtum
Kirtag an einem Sonntag Ende August oder Anfang September.
Großer Faschingsumzug der Burschen durch mehrere Thayabodengemeinden 1920.
Granitzschau am Georgitag (23.April) vom Gemeinderat mit der Schuljugend.
Frühlingsliedertafel im Mai.
Sonnwendfeier am 21.Juni auf dem Kellerberg.
Turnfest im Juni/Juli.
Schauübung der Freiwlligen Feuerwehr.
Wallfahrt nach Dreieichen zu Pfingsten; bis 1914 auch nach Mariazell (8 Tage).

Begräbnis
Beim Friedhof läutet die Sterbeglocke, in Klosterbruck läuten alle Glocken, das „Ausläuten“. Bei Begräbnissen mit großem Kondukt wird am Sterbetag, am nächsten und am Tag des Begräbnisses mittags und abends eine Stunde lang ausgeläutet. An zwei Abenden wird im Trauerhaus gebetet. Zum Begräbnis kommen die drei Geistlichen der Pfarrei in feierlichem Ornat. Der Kirchenchor wird verstärkt. Der Tote wird aus dem Trauerhaus geholt, nach feierlicher Einsegnung wird ein Trauerlied gesungen. Gehört der Tote zu Feuerwehr oder Veteranenverein, wird er von diesen zum Grab getragen, die Musikkapelle rückt mit dem Verein aus. In den anderen Fällen stellt eine Bestattungsfirma aus Znaim einen Leichenwagen. Auf dem Weg spielt die Kapelle Trauermärsche. Am Grab folgt nach der Einsegnung ein Trauerlied, Soldaten erhalten 3 Schuß Ehrensalut. Im Trauerhaus gibt es das Totenmahl: Schweizer Käse, Brot und Wein.

Matriken seit 1580 (bei Znaim-Klosterbruck).

Literatur:
Böhm, Franz: Neu-Schallersdorf. 1965

Bezirk und Gericht Znaim
Breitstraßendorf 283 ha, 213 m ü.d.M.

Flurnamen:
Goldbergen, Drittes Feld, Brucker Feld, Langenfeld, Kleinfeld, Steinbruch, Brateln, Hintausäcker, Bergen, Bei den Gräweln (= Gräben), Auf der Grins, die Steinfelsen, Kellerberg, Schmiedgraben, Langensold (?).

Anbau: Gemüse (Gurken, Karotten, Tomaten, Zwiebeln, Petersilie, Salat), Obst- und Weinbau (Fläche vergrößert von 4,85ha (1897) auf 8ha (1925). Viehzucht gewöhnlich nur für den Eigenbedarf.

Straßen, Plätze:
Retzer Straße, Trift (nach Edelspitz), Häuselweg (mündet in den Alt-Schallersdorfer Triftweg), Beriweg, Hintausweg, Berihohlweg, Kellerweg, Bruckerfelderweg, Zeinernweg.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle hl.Johannes, Neubau 1920, der alte Glockenturm von 1821, an Haus Nr.53, wird abgeräumt.
Gedenktafel für die Gefallenen, 1920.
Nach Klosterbruck eingepfarrt, Friedhof in Klosterbruck.
G’spitzte Marter, 1637, an der Grenze gegen Alt-Schallersdorf.
Marterl an der Trift, nach Pestepidemie 1679/80.
Marterl unter vier Linden an der Retzer Straße.
Armenhaus
Feuerwehrzeughaus, 1907.
Elektrifizierung, 1931.
Raiffeisenkassa, 1920.

Schulen:
Volksschule 1890/91, zusammen mit Oblas, dreiklassig (davor nach Klosterbruck), 1909 vierklassig, 1940 fünfklassig.

Gewerbe:
Ziegelei
2 Gasthäuser, 4 Gemischtwarenhandlungen, Bäcker, Milchhandlung,
Gemüsehändler, Schmied, Zimmermann, Tischler, 2 Schneider, 2 Schneiderinnen, Maler, Schuhmacher.

Vereine:
Bund der Deutschen Südmährens, 1899.
Freiwillige Feuerwehr, 1904.
Burschenschaft, 1894, ab 1927 Burschenverein.