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Muttischen

49° 1′ N, 15° 2′ O

Mutišov

Zlabings

Geschichte
Erstmals 1356 urkundlich erwähnt, 1386 besteht eine Veste. 1548 den Herren von Kraigh verkauft, danach gemeinsame Geschichte mit Datschitz. 1879 brennt die Sommerseite ab. Um 1900 wird die Bahnlinie Zlabings-Datschitz-Teltsch-Triesch-Iglau und die Anschlußlinie zur Franz-Josefs-Bahn Wien-Gmünd gebaut, Muttischen erhält eine Haltestelle.
Die Kinder sind eingeschult nach Sitzgras, die Kirche besucht man in Zlabings, weil dort am Sonntagvormittag die Geschäfte geöffnet sind. 1930/1933 wird eine Flurbereinigung durchgeführt.
Acht Bauernsöhne sind Absolventen einer landwirtschaftlichen Schule. Sieben Landwirte besitzen einen Göpelschuppen oder einen überdachten Göpel.
Zweimal täglich wird das Vieh auf die Weide ausgetrieben. Fortbildungskurse werden abgehalten zu Buchführung, Obstverpackung und -verschickung, Obstbaumschnitt, Winterspritzung, Melken, Eindosen,
für Frauen Wasch- und Wäschepflege, Zuschneiden und Kochen. Volkstänze. Vorträge beschäftigen sich mit Pflanzenbau, Tierzucht, Saatgut, Fütterung, auch Tuberkulose (Dr.Romanovsky, Zlabings).
Anfang Juni 1945 vertreiben tschechische „Partisanen“ 165 Deutsche.

Brauchtum:
Hochzeiten werden meist in der Faschingszeit gehalten. Im Haus der
Braut wird lange Zeit davor ein junges Rind auf Mast gestellt und einige Tage vor der Hochzeit geschlachtet, manchmal ein Schwein, manchmal beides. Bei Hochzeiten im Herbst bestellt man beim Jagdpächter ein paar Feldhasen. Hochzeitstag ist der Dienstag, am Sonntag davor ist im Haus der Braut Kranzelabend. Eingeladen werden die ledigen Hochzeitsgäste, die die Sträuße für die Gäste gebunden haben; es wird getafelt, gesungen und meist auch getanzt. Am Hochzeitstag wird im Ort außer Füttern und Milchfuhr keine Arbeit getan. Im Haus der Braut treten der Brautführer und die Beistände in Aktion, zuletzt kniet das Brautpaar auf einem weißbelegten Schemel, die Braut verabschiedet sich von ihren Eltern und empfängt ihren Segen, sie bittet die Eltern des Bräutigams, sie als Kind anzunehmen. Vor dem Auszug des Hochzeitszuges schießen die Jagdgenossen hinter dem Haustor Salut. Voran geht der Brautführer mit der Braut, danach die Kranzeljungfer mit dem Bräutigam, es folgen die übrigen jungen Paare, dann die verheirateten und zuletzt die ledigen Männer. Über den Hofeingang ist ein geschmücktes Band gespannt, es folgt das „Virzuig’n“ der Jugend. Ein Sprecher sagt einen Spruch auf, die einzelnen Paare geben ein Geldgeschenk und werden dann durchgelassen. Die Trauung in Sitzgras findet stets um 10 Uhr statt. Danach geht man ins Gasthaus zur Vortafel, am Spätnachmittag geht es zurück nach Muttischen. Dort hält zunächst eine Kette der Männer den Zug auf, ein Stück weiter tun die Frauen dasselbe. Das Festessen im Haus der Braut zieht sich bis weit über Mitternacht hin. Das beim „Virzuig’n“ eingesammelte Geld wird von der Jugend, den Männern und den Frauen zur Bezahlung der von ihnen genossenen Getränke verwendet.
Noch nach dem Ersten Weltkrieg schätzt man die Tüchtigkeit einer Bäuerin danach ein, wie viele Binkel oder umgehängte Grastücher an Unkraut vom Jäten der Wintersaat sie zum Füttern heimschleppen oder wie sauber sie die Feldraine mit der Sichel säubern kann.
In jedem Haus ist ein Backofen mit einem eigenen Rauchfang eingebaut, der im Dachboden zur Selchkammer ausgebaut sein kann.

Das wandernde Gewerbe:
Alljährlich ziehen in den Sommermonaten Schirmmacher, Reutermacher (auch Reiter: grobmaschiges Sieb), Scherenschleifer, Werkelmänner und Sauschneider (kastrieren Kälber oder Ferkel), die selten einen Auftrag erhalten, durchs Dorf.

Kirtag ist am Sonntag vor dem Kaiserkirtag (3.Sonntag im Oktober).

Matriken seit 1790 (bei Sitzgras),

Bedeutend:
Thomas Zach, akademischer Maler, Grafiker, *4.12.1922, Südmährischer Kulturpreisträger 1983

Bezirk Datschitz, Gericht Zlabings

1938-1945 Kreis Waidhofen a.d. Thaya

Längsangerdorf 527 ha, 496m ü.d.M.

Lage: Am Fuße des Montserratberges (562m) gelegen, in Ost-Westrichtung angelegt, mit Sommerseite (S) und Winterseite (N) mit 24 Wirtschaften

Flurnamen: Luß, Edlauluß, Schöriluß, Birkenluß, Zuluß, Tobel, Heiden, Breiten, Ponstall, Hofstatt, Herrenäcker, Zwerchacker, Liesenacker; Wiesen: Stegwiesen, Teichtlwiesen, Tobelwiesen, Edelauwiesen, Muttischauwiesen, Gartenwiesen, Torgrabenwiesen, Schörinwiesen, Hühnerwiesen; Wälder: Zilligon, Heidenbühl, Bergwald, Föhrnlicherwald, Schwarzwald;
Teiche: Oberer Teich, Unterer Teich, Uiteich, Eisteich u.a.

Anbau: Roggen, Weizen, Hafer, Futtergerste, Kartoffeln, Futterrüben, Rotklee, Wundklee, etwas Erbsen und Wicken.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle hl.Johannes der Täufer, 1904, vorher Holzkapelle;
2 Marterln, 4 Feldkreuze
Bahnhaltestelle der Strecke Zlabings-Datschitz seit 1907
Post Zlabings
Wasserleitung 1911 (erste im Zlabingser Ländchen; 4 Häuser)
Elektrifizierung im Anschluß an Zlabings 1929
Milchhaus 1912

Gewerbe:
Gasthaus
Gemeindeschmiede: Das Spitzen der Pflugscharen wird in Roggen abgegolten, die Gattin muß die Kapellenglocke dreimal täglich zum Angelusbeten läuten, am Freitagnachmittag auch um drei Uhr.

Vereine, Genossenschaften
Jugendbund, später Katholischer Jugendbund mit Theatergruppe
Gesangverein und Musikkapelle
Molkereigenossenschaft vor 1910