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Muschau

48° 54' N, 16° 36' O

Mušov

Nikolsburg

Geschichte:
Im 12. und 13. Jh. in der Hand der Herren von Dürnholz, 1237 erstmals urkundlich genannt, 1332 Liechtensteinischer Besitz, 1364 mit Pfarre, Maut, Gericht und zahlreichen Fischern. 1570 als Markt genannt, Mitte des 16. Jh. ist die Pfarre zeitweise evangelisch, auch von Wiedertäufern bewohnt. Als Bestandteil der Herrschaft Nikolsburg 1575 durch Kauf an Adam von Dietrichstein. 1582 wird die Kirche vom Bischof von Olmütz neu geweiht, dabei sollen 161 Menschen dem katholischen Glauben wiedergewonnen worden sein. Bis 1761 nach Bergen eingepfarrt, ist die Pfarrei erst 1865 wieder selbständig. 1804 vernichtet ein Großbrand 50 Häuser. Mit dem Bau der Kaiserstraße von Wien nach Brünn 1754 nimmt die Wirtschaft beträchtlichen Aufschwung, im Überschwemmungsgebiet werden zahlreiche Ziegelbrücken gebaut. Wegen der Stauungen am Zusammenfluss von Thaya, Schwarza und Igel ist der Ort oft zweimal im Jahr überschwemmt, im Zuge der Thayaregulierung wird ca. 1890 das Flußbett von der Mühle bis zur Eisernen Brücke (1200 m) 3 m tief ausgebaggert.

Durch die Vertreibung gelangen 129 Familien nach Deutschland (Baden-Württemberg 91, Bayern 20, Hessen 10, NRW 6, NS 2), 75 Familien nach Österreich (Wien 47, NÖ 26, OÖ 2), 1 Familie nach Frankreich, in Muschau bleiben drei Familien. Die Gemeinde zählte im 1. Weltkrieg 20 Gefallene und 6 Vermisste. Im 2. Weltkrieg hat Muschau 43 Gefallene, 15 Vermisste und 9 Zivilopfer zu beklagen. Die deutsche Ortsbevölkerung wird am 21. August 1945 zu Fuß über Nikolsburg in der Nähe von Garschönthal durch den Wald nach Österreich vertrieben.

 

Brauchtum:

Neckname der Ortsbewohner „Froschwampeln“ auf Grund der zahlreichen Frösche in den Teichen, Tümpeln und Altarmen der Thaya.

Der Muschauer Kirtag (Hl. Leonhard – 6. November) wurde witterungsbedingt im 19. Jahrhundert von der Gemeindevertretung auf das zweite Wochenende im September verlegt.

Osterreiten

Zu Pfingsten 1935 wurde in zweijährigem Turnus der alte Brauch der Leonhardifahrten mit Reiterspielen, Viehschau und Viehsegen wieder eingeführt, dem der zweite Weltkrieg bald wieder ein Ende setzte.

 

Marktgemeinde, Bezirk und Gericht Nikolsburg. 1365 ha. 170 m ü.d.M.

Im Norden der Burgstallhügel (Zeiselberg, 222 m) mit römischen Ausgrabungen aus der Zeit um 160 bis 180 n.Chr. mit Funden der X. Legion. Erste Ausgrabungen 1925 unter dem Patronat des Präsidenten Masaryk. Weitere Ausgrabungen (römisches Marschlager und die sog. Königsgruft von Muschau) folgten erst in den letzten Jahrzehnten.

 

Flurnamen:
Ackerweingarten, Alleeln, Anger, Aspelleiten, Aul, Bärenweingarten, Bei den drei Eichen, Bienengarten, Bienenwiese, Bockgraben, Baumgartenwiese, (Bongertwiese), Bruckäcker, Brünndläcker, Brünndelleiten, Burgstall, Diebssteig, Dornwiese, Fach, Fachtümpel, Felberleiten, Felberplatz, Fischgrabenleiten, Gamperlwiese, Gemeinörtel, Gerischerwiese, Gernleiten, Gernspitz, Gernwiese, Grabenäcker, Grün, Grünau, Gruibau, Häselleiten, Herrenwiese, Heukrippe, Heukrippenleiten, Hochwiesen, Holzlacke, Holzhackerleiten, Holzleiten, Hussingerleiten, Hutweide, Jägerwiese, Langer Jagdsteig, Kirchbaumleiten, Kesselleiten, Kleine Wiese, Kohlstatt, Kreuzberg, Kühkopfleiten, Kupferholz, Langbau, Lehmhof maiß, Mühläcker, Mulschachen, Mühltümpel, Mühlwaldl, Murwinkel, Neuäcker, Neubrüche, Neugärten, Neurisse, Neuwegl, Obenausäcker, Obere Au, Oberwald, Öde Au, Röhrlichleiten, Rohrwiese, Roßgrube, Roßtauscher, Rotschimmel, Rötzbach, Runsen, Rustenleiten, Sandäcker, Sandwiesen, Sauborz, Saubrünndl, Saulacke, Sautränk, Sauwasen, Schadelgrui, Schaftümpel, Schütt, Schinderei, Schreiberwiese, Schwall, Schwarzgartenwiesen, Schwarzwiesenleiten, Seichte Thaya, Stettenleiten, Steinleiten, Steinwegleiten, Steinwiesen, Stierfleck, Stierwinkel, Stockwiese, Taborgraben, Tiefe Thaya, Topuschwiesen, Trammerwiese, Trift, Trigel, Tuchet, Uchtweide, Untere Au, Unterholz, Unterwald, Urwald, Wagoinsel, Wasenrain, Wasserwiese, Zeiselberg, Ziegelwiese, Zipfäcker, Zipfleiten

 

Bodennutzung bedeutend: Gurken (bis zu 30 ha) und Rüben; großer Wald- und Wiesenbestand, manche Orte decken in M. ihren Bedarf an Holz und Heu.
Viel Niederwild, besonders Fasane; zur Jagd kamen gekrönte Häupter
Ortsteile (im Volksmund):
Im Ort, In den Häuseln, Im Winkel, Bienengasse, Hollergasse, Bei der Schmiede, Erste Kellern, Zweite Kellern, Hinter der Kirche

 

Wege, Straßen:
Eibiser (Maiwitzer) Straße, Mariahilfer Straße, Tannowitzer Weg, Wisternitzer Weg, Lange Allee, Sandweg, Diebssteig, Hirtensteig, Guldenfurter Weg, Endlseeweg
Brücken
Eiserne Brücke (von 1892 – 1945 gesprengt), Sieben Brückeln, Fünf Brückeln, Schulzbrückel, Beckenbrückeln, Topischbrückel, Letzte Brücke, Rotes Brückel, Moltabrückel, Schwarzes Brückel, Fischbachbrückel, Reisbrückel, Maiwitzer Brückel, Tannowitzer Wirtschaftsbrücke

 

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche St. Leonhard, romanische Reste aus dem 13. Jh., später Wehrkirche, im 15. Jh. nach Brandkatastrophe erweitert, 1802 westliche Vorhalle, 1911 renoviert. Matriken seit 1627.
Hauptkreuz von 1801 (erneuert 1920) auf dem Friedhof, welcher 1784 nach Auflassung des alten, der bis 1806 benutzt wurde, am Ortseingang gegen Nikolsburg angelegt wurde.
Missionskreuz, 1850, an der Sakristei
Hl. Florian von 1870 (unter dem großen Akazienbaum vor No 30)
Hl. Johannes von Nepomuk, um 1740, letzterer von Iganz Lengelacher, hinter der Thayabrücke Richtung Nikolsburg (steht heute vor dem Friedhof in Pollau)
Mirkluskapelle, 1847/48, weiter gegen Nikolsburg
Rinderkapelle 1891 zwischen ersten und zweiten Kellern; dort werden die vom 23. 4. bis 9. 5. 1945 am Burgstall gefallenen deutschen Soldaten be gra ben.
Eisernes Kreuz (“Beck Egidi”) 1887, davor 1790
Lawitschka-Kreuz, Anfang 1930er Jahre an der Gemeindegrenze beim Triftweg
Rinder-Wastl-Kreuz, 1852 aus Holz, später aus Stein (Vorläufer vor 1790), am Weg zu den Neuäckern
Holzkreuz, 1935, am Ende der Brünndeläcker
Mühlkreuz, 1870, aus Stein
Gern-Kreuz, Mitte 18. Jh., am Maiwitzer Weg, aus Holz, renoviert in den 30er Jahren
Eisernes Kreuz, 1860/70, am Weißstättener Weg, vor 1790 Vorläufer
Eisernes Kreuz, 1869, beim Bärenweingarten (Vorläufer vor 1790)
Marterl “Maria, die immerwährende Hilfe” an der Reichsstraße
Schule, 1761, restauriert und erweitert 1796, Neubau 1831 und 1883, zweiklassig, seit 1931 zweiklassig mit einer Parallelklasse. Kindergarten seit ca 1941
Gemeindebücherei, Gemeindearchiv
Armenhaus
Kaiser-Josef II.-Denkmal 1908 (“Dem Einzigen, der nur seinem Volk gelebt, nicht lange, aber ganz! Gewidmet von der Marktgemeinde Muschau und ihren Bewohnern”), 1919 entfernt; auf dem Sockel wird errichtet:
Kriegerdenkmal 1927
Taborgraben: Ringwall 250 m Umfang, am linken Ufer der Runsen (alter Thaya-Arm), im früher versumpften Gebiet der Tuchet, seit frühester Zeit benutzt, wohl auch während der Hussitenkriege.

 

Gewerbe:

2 Gasthäuser, 3 Gemischtwarenhandlungen, 1 Trafik, 2 Schmiede, 2 Schuhmacher, 5 Schneider, 2 Maurer, 2 Tischler, Bäcker, Maler, Binder, Wagner.

 

Einrichtungen:
Obst- und Gemüsemarkt von Mitte Juli bis Ende August seit 1928 (genehmigt 1929)
Autobusverkehr Nikolsburg – Brünn
Elektrifizierung im September 1924 als erste Landgemeinde des Bezirks.
Postamt 1869
Fernsprecher 1905
3 Mühlen im Mittelalter: Kapherna, Breiten- und Felbermühle, später Muschauer Mühle genannt, als letzte aufgelassen im Zuge der Thayaregulierung 1880-89

 

Vereine, Genossenschaften:
Gesangverein 1884
Freiwillige Feuer- und Wasserwehr 1893
Turnverein 1910
Militärveteranenverein
Ortsgruppe des Bundes der Deutschen Südmähren 1903
Landwirtschaftlicher Ortsverein
Spar- und Wohltätigkeitsverein “Biene” 1934
Raiffeisenkassa 1896
Milchsammelstelle der Zentralmolkerei Brünn 1901
Fischereigenossenschaft 1902