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Mühlfraun

48° 51′ N, 16° 7′ O

Mílfron, seit 1949 Dyje

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1283 erwähnt, schon besteht eine Pfarre; seither Besitz von Kloster Bruck bis zur Auflösung 1784, die Herrschaft wird mit Hödnitz vereinigt und wird vom Religionsfond verkauft. Nach der Schlacht bei Znaim am 10. und 11.Juli 1809 plündern die Franzosen, sie benutzen die Kirche als Pferdestall. 1866 fliehen die Bewohner mit bepackten Wagen ins Frauenholz, die Preußen plündern aber nicht. 1870 an das Eisenbahnnetz angeschlossen, Haltestelle, ab 1908 Station. Im I.Weltkrieg fallen 14 Mann.
Durch die tschechische Bodenreform kommt das Gut an eine tschechische Aktiengesellschaft und wird aufgeteilt, kinderreiche tschechische Familien werden herangezogen, was 1931 die Errichtung einer einklassigen tschechische Minderheitsschule ermöglicht.
Bei einem Grundaushub wird 1927 eine Grabstätte mit Beigaben aus langobardischer Zeit (6.Jh.) gefunden. 1942 zerstört ein Erdrutsch 10 Häuser. Bis 1942 gibt es nur einen Steg über die Thaya, in diesem Jahr wird eine Holzbrücke gebaut, 4m breit, Tragkraft 6 Tonnen.
Im II.Weltkrieg fallen 26 Mann, zehn bleiben vermißt. Der in Mühlfraun geborene Heimatdichter Ernest Hollmann wird im Polizeigefängnis in Znaim erschlagen, insgesamt werden acht Deutsche Opfer tschechischer Gewalt.
Zwischen 9.August 1945 und März 1946 werden die Deutschen vertrieben.

Brauchtum
Wallfahrt im Mai nach Turas bei Brünn seit 1807 bis 1918, nachdem die Leute bei einem Brand die Muttergottes von Turas angerufen hatten und der das Feuer nährende Sturm aufgehört hatte.

Kirtag am 6.September.

Matriken seit 1785 (davor ab 1580 bei Znaim-Klosterbruck).

Bedeutend: Hollmann, Ernest, (1884-1945), Schriftsteller, 1905 eingerückt, 1918 Hauptmann. Von den Tschechen 1945 im Artbeitshaus in Znaim erschlagen.

Literatur:
Wondratsch, Konrad: Ortsgeschichte von Mühlfraun. 1970
Bruckner, Karl (Hg.): Ortsgeschichte von Mühlfraun. 1972

Bezirk und Gericht Znaim

Platzdorf 444 ha, 214 m ü.d.M.

Flurnamen:
Pfaffenäcker (Pfaffenacker, Kurzacker, Ruhrandl), Spitzbreiten (Joch, Muhracker), Höcker (Hahngraben), Inneres und Draußeres Haidfeld, Zwischenwegen, Taubenhügel (Halbquanten, Kleine Mühlgärten, Achteln), Hinterm Hof, Seeacker, Sitzgraben, Breiteln, Spiegeln (Spiegelgärten, Satzeln), Hohläcker (Höhler, Tiefquanten, Leiten), Krenäcker, Schmaläcker, Weidenkrätzen, Hofäcker, Gottlikberg, Pelzberg, Sauweid, Roßweid, Pelzweingärten, Erdäpfeläcker, Breinäcker, Bergweingärten.

Anbau: Weizen (55ha), Roggen (12ha), Gerste (40ha), Hafer (25ha), Mischfrucht (24ha), Klee (30ha) Rüben (24ha), Kartoffeln (40ha), Gurken (35ha), Obst (9ha, Kirschen, Marillen, Zwetschgen), Gemüse (22ha), Weinbau (25ha).
Jagd: 150 Hasen, 300-400 Kaninchen, 80-100 Rebhühner, 30-40 Fasane, 50 Bisamratten, 1 Reh.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zu Ehren des gegeißelten Heilands, 1769/75 von Franz Kerndl, Wien (Pfarre seit 1280; die erste Kirche, 1228 erwähnt, mit Friedhof, leidet schwer im 30jährigen Krieg. 1675 wird die zweite Kirche, zum hl.Laurenz, errichtet.), Übergang vom Rokoko zum Klassizismus; Fresken von Franz Anton Maulbertsch 1775/77: Geheimnis der hl.Dreifaltigkeit, Geburt Christi, Geißelung Christi und Triumph des Glaubens und der Kirche; am Hauptaltar Statue des gegeißelten Heilands von Johann Högel, 4 Seitenaltäre: Tod des hl.Josef von Josef Winterhalter, hl.Johannes von Nepomuk, Antonius von Padua von Fr.A.Maulbertsch, hl.Norbert von Felix Leicher; Wandfresken: Maria Magdalena und hl.Petrus von Fr.A.Maulbertsch; Tiroler Krippe von 1898. Ab 1785 Localie. Wallfahrtsziel an Christi Himmelfahrt.
Hl.Johannes von Nepomuk
Missionskreuz an der Kirche.
Marterl zur hl.Dreifaltigkeit, Nr.53.
2 Bildstöcke in Bahnnähe.
Gußeisernes Kreuz an der Znaimer Straße.
2 Bildstöcke
Kriegerdenkmal, 1926.
Schloß/Herrschaftshaus, 1768-75, Sommerresidenz der Brucker Ordenspriester und Spital.
Bahnstation
2 Wasserleitungen, Gemeindebrunnen.
Elektrifizierung, 1930/31.

Schulen:
Neubau 1881; Erstes Schulhaus 1810, einklassig, davor in verschiedenen Häusern.

Gewerbe:
Meierhof Gut Katharinenhof, 2 Steinbrüche
Raiffeisenkassa
Mühle
Ringofen-Ziegelei mit 8 Wohnungen für Arbeiter.
Gurken- und Konservenfabrik mit rund 30 Beschäftigten im ehemaligen Herrschaftsgebäude (Schloß).
Käserei mit Molkereibetrieb, 6 Beschäftigte.
2 Gasthäuser, 2 Gemischtwarenhändler, Bäcker, Fleischhauer, Maurer,
Schlosser, Schmied, 2 Tischler, 2 Schuhmacher, Binder, Schneider, 2 Damenschneiderinnen,Tabaktrafik.

Vereine:
Kameradschaftlicher Unterstützungsverein gedienter Soldaten, nach 1918, Turnverein, 1920, Freiwillige Feuerwehr, 1925.
Bund der Deutschen Südmährens
Deutscher Kulturverband
Landwirtschaftlicher Ortsverein
Raiffeisenkassa
Ortsversicherungsverein