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Mödlau

49° 2′ N, 16° 31′ O

Medlov

Nikolsburg

Geschichte
Erste urkundliche Erwähnung 1293. Zwischen 1210 und 1230 erscheint ein Stephan von Mödlau, gilt als Stammvater der Herren von Pernstein, die M. bis 1374 besitzen und 1486 einen Teil zurückkaufen, den anderen hält Kloster Kanitz. Aus dem 15. und 16. Jh. stammen Erdställe, katakombenartige Gänge und Räume mit nach oben vorgetriebenen Entlüftungsröhren, Zufluchtsstätten bei Gefahr, möglicherweise im Zusammenhang mit den Wiedertäufern. Markt recht seit 1585, ab 1640 zur Herrschaft Seelowitz, 1686 und 1783 fast ganz, 1892 sind 25 Häuser nieder gebrannt. Im II. Weltkrieg fallen 54 Mann, ein vier jähriges Mäd chen wird von Tieffliegern getötet. Am 17. April 1945 dringen Rot armisten ein, Frauen und Mädchen werden nachts zu Schanzarbeit gezwun gen und vergewal tigt. Nach dem Krieg erschlagen die Tschechen sieben Men schen, zwei sind über 70, zwei über achtzig Jahre alt, zwei sind Frauen. 693 Deutsche werden aus der Heimat vertrieben.

Brauchtum
Der “kleine” Kirtag, der vierte Sonntag im August auf Bartholomäus, dauert zwei Tage, der “große”, der Kaiserkirtag am dritten Sonntag im Oktober, drei Ta ge: die am ausgiebigsten gefeierte Veranstaltung des Jahres. Das ganze Dorf wird geputzt, Haus und Stallungen werden geweißelt (gekladert), man fährt in die Stadt, um neue Kleider zu kaufen. Am Samstag werden Gänse und Hendel geschlachtet, Hasen gehäutet, Flecken, Krapfen und Gugelhupf gebacken. Um zwei Uhr spielen die Musikanten vor dem Gasthaus flotte Weisen: damit ist der Kirtag eingeleitet. Mit einem Marsch geht es zum Tanzplatz, wo die Frauen stehen und aufpassen, wer ein neues Kleid hat und wer mit wem tanzt. Mit der Musik beginnt das Aufziehen, nach den drei Altburschen folgt die ganze Burschenschaft. Ortsfremde Burschen werden mit der Musik vom Gasthaus abgeholt. Am dritten Tag sind die Männer dran, die von den Altburschen Wein bekommen, damit sie gut singen.

Marktgemeinde, Bezirk Nikolsburg, Gericht Pohrlitz, Post Grusbach 1038 ha 186-207 m ü.d.M.

Flurnamen
Oberes Feld, Langes Feld, Hungerfeld, Schmales, Aasplatz (Schindergrube), Zwergfeld, Lehmgruben; ortsnah beiderseits Rumpler, Wiesler, Tiefenweg, Frei en; Zieher, Altenberg, Mühlberg, Waldacker, Mohleiser; Unteres Feld, Kreuzäcker, Krautgartenacker, Winkeläcker, Fürhabäcker, die Langen Gärten, Vordergärten, Häuslergärten, Wiesegärten, Roßweide (anschließend, Gemein de besitz); am rechten Igelufer Bibergarten, Ungargasse, Ausmaß, Bauerwiese, Winkelwiese, Spitzwiese, Odrowitzwiese

Bodennutzung: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse (Brein), Erbsen, Linsen, Klee, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln; Obst (meist Zwetschken), Wein
Jagd mit Strecke von 600-650 Hasen, 250-300 Fasanen, 1150-1200 Rebhühnern

Straßen, Plätze
Marktplatz, Markt, Herrengasse, Auf der Wies, Einkehr, Holderwinkel

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl. Bartholomäus 1699, ursprünglich gotisch, 1749 und 1852 umgeh baut, drei Glocken von 1509, 1722, 1755; die zwei großen mit 1,2 t Ge wicht 1917 abgegeben, 1922 und 1925 ersetzt, 1942 wieder abgenommen.
Pfarrhof, ehem. Jagdschloß
Friedhofkreuz 1758 (im 1858 neu angelegten Friedhof)
Hl. Dreifaltigkeitssäule 1721, vor der Schule, 1804, 1899 und 1910 renoviert
Hl. Johannes von Nepomuk 1758
Hl. Florian
Hl. Urban nahe Friedhof
Steinernes Kreuz, 18. Jh., bei Kirche
Kreuz, Schmiedeeisen, um 1780
2 Marmorkreuze, in den Wiesen u. am Ortsausgang gegen Klein Niemtschitz
3 Steinkreuze 18. Jh.
2 Steinmarterln
Kriegerdenkmal 1926
Schule 1867, zweistöckig, zweiklassig, mit Lehrerwohnung, Bibliothek
Mühle, 1662-1773 Besitz des Jesuitenklosters Brünn, danach zum Gut Kanitz,
1934 niedergebrannt, moderner Neubau
Elektrifizierung 1929
Fernsprechstelle 1920

Gewerbe
Zementwarenerzeugung
2 Gasthäuser 2 Kaufläden Metzger Bäcker
2 Schmiede 3 Tischler 3 Schuster Sattler
3 Zimmerer Bauunternehmer 3 Friseure Schneider

Vereine, Genossenschaften
Freiwillige Feuerwehr 1900
Bund der Deutschen
Turnverein 1920
Raiffeisenkassa1910