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Mitzmanns / Miezmanns

48° 48' N, 16° 11' O

Micmanice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1230 erwähnt, das Wappen von 1549 mit vier Fischen deutet auf ein Fischerdorf; zum Kloster Bruck gehörig, 1541 zur Herrschaft Joslowitz des Grafen Althan. Im 30-jährigen Krieg wird Niemtschitz zerstört, die Ödung gehört zu Mitzmanns. Im Freihaus werden Verfolgte für die Dauer ihrer Zuflucht kostenlos verpflegt, daher Ganzlahnerhof; angrenzend an den Mühlgraben – was sonst nicht der Fall ist –, damit sie nicht verfolgt werden können. 1890 werden erstmals die Weingärten mit Kupfervitriol gespritzt. 1895 vernichtet ein Großfeuer eine Reihe von Scheunen mitsamt der Ernte. Um 1900 wird der Weidgraben (4km) ausgehoben zur Entwässerung der oberen und unteren Weide, damit wird auch Bauland gewonnen. Turn- und Burschenverein veranstalten bis 1938 Theateraufführungen.
Im I.Weltkrieg fallen 30 Mann.
Nach 1918 fehlt den Kindern, die den Hof nicht erben, die Möglichkeit, in Wien zu Verdienst zu gelangen, für den Zuwachs muß Wohnraum geschaffen werden, eine größere Baufläche wird parzelliert und für 2K?/qm verkauft. 1927 werden weitere Drainagen angelegt und in den Weidgraben geführt. In den schwierigen 30er Jahren versucht man, sich durch Anbau von Gemüse, Hülsen- und Ölfrüchten zu helfen. Erst mit dem Anschluß 1938 werden die Verhältnisse verbessert. 1931 bis 1935 ist die Schlagballmannschaft des Turnvereins Bezirksmeister.
Im II.Weltkrieg fallen 54 Mann, 35 bleiben vermißt.
Am 8.Mai dringen Sowjetsoldaten in den Ort ein, Frauen und Mädchen werden ständig verfolgt. Tschechischer Pöbel besetzt die Häuser, am 1.August 1945 werden die ersten Familien vertrieben, eine Woche später alle Deutschen.

Brauchtum
Neujahrswünschen der Kinder am Morgen des 1.Jänner bei Verwandten, sie bekommen das Wunschgeld.
Fasching: Umzug am Dienstag mit dem Faschingsroß, unter lauter Beteiligung der Schuljugend; am Aschermittwoch Begraben des Faschings, anschließend Tee-mit-Rum-Kochen.
Jahrmarkt im Mai, „Kreuzmontag“.
Kirtag am ersten Sonntag im September, Schutzengelfest.
Ernte/Dreschen: Zum Abschluß gibt es den Schnitthahn bzw. den Dreschhahn: ein gutes Essen (Schweinsbraten), Wein, Kaffee und Mehlspeisen.
Zu Martini (11.November) wird der Heurige probiert. Bis zu diesem Tag stehen die Kellertüren weit offen, damit sich die bei der Gärung entstandene Kohlensäure verflüchtigen kann.
Nach dem Federnschleißen gibt es den Federnhahn, zu dem auch Verehrer erscheinen.
Am Heiligen Abend gehen der Viehhirt und der Nachtwächter singend durchs Dorf und erhalten Backwerk und Wein.
Bei einer Hochzeit muß ein Bräutigam von auswärts das Heimatrecht erkaufen beim „Vorziehn-Vorspann“ nach der Trauung; er zahlt gewöhnlich 50 Kronen und stiftet den Kirtagsburschen ein Faß Bier. Beim Hochzeitshaus werden nachmittags beim sog. „Stückel-Passen“ Striezerln und Gugelhupfstücke (Bacht) an Kinder verteilt.
Wie in Südmähren allgemein üblich, besteht nach Weinlese und Obsternte ein ungeschriebenes Recht auf Nachlese oder Nachernte, „Oftalesen“.

Unsere Weinberge
Nun kommt wieder die Zeit der Weinlese; da wandern die Gedanken der älteren Landsleute zurück in die Heimat, und so manche Erinnerung – ob schön oder nicht schön – wird aufgefrischt. Wir hatten zwei Weinbaugebiete. Das eine waren die Miezmannser Berge mit den Weinkellern und Preßhäusern. Diese lagen eine gute Viertelstunde außerhalb des Ortes in südlicher Richtung. Das zweite Weinbaugebiet war der „Schatz“. Der Schatz (eine alte Bezeichnung, die schon vor fast 1000 Jahren urkundlich belegt ist) umfaßt mehrere Riede wie Lange Weingarten, Haid, Gerichtsäcker, Hundsplatz und andere. Es ist ein nach Süden abfallender Hang, also für Weinbau besonders geeignet. Dieser erstreckt sich bis an die mährisch-österreichische Grenze. Es hatten dort Landwirte aus Rausenbruck, Miezmanns und Zulb Weingärten. Die Entfernung von den Dörfern betrug gute eineinhalb Gehstunden. Da das Gelände zuerst ständig ansteigt, waren Menschen und Tiere schon müde, ehe sie ihr Arbeitsziel erreichten. Die Arbeit im Weingarten ist schwer und mühsam, brachte aber, wenn alles gut ging, den Leuten im Herbst einige tausend Kronen als Erlös. Da der Weinstock gegen Schädlinge und Krankheiten sehr empfindlich ist, war die Fechsung manchmal auch recht klein. Weil die Miezmannser im Schatz die meisten Besitzer stellten, wurde der Feldhüter vom Gemeindeamt Miezmanns eingestellt, obwohl der Schatz Katastergebiet der Ödung Gnast ist und zur Gemeinde Zulb gehört. An den Schatz schließt sich das Gebiet „Zuckermantel“ an. Dieser Teil hat die gleiche Lage wie der Schatz, gehört jedoch schon zu Österreich. Allerdings haben viele Miezmannser auch in diesem Gebiet noch aus der Zeit des alten Österreich Weingärten. Wenn die Zeit der Weinlese herannahte, wurden die Weingartenbesitzer durch örtliche Verlautbarung zu einer Versammlung zwecks Besprechung der Weinlese geladen. Es wurden immer zwei Lesetermine bestimmt; einer für die Miezmannser Berge und einer für den Schatz. Die Termine waren um ungefähr eine Woche verschoben und wurden in der Zeitung veröffentlicht. Die Trauben wurden bei der Lese in Butten zu den Bottichen getragen, dort gemostelt und die zerstampften Trauben (Maische) in die großen Bottiche geschüttet. Bei uns war es Brauch, daß die Maische an Ort und Stelle im Weingarten verkauft wurde. Die Weinhändler und Wirte kamen und prüften die Maische mit einer Mostwaage auf den Zuckergrad. Der Preis hing vom Wettergott ab, denn nicht nur, daß die Güte des Weines durch den Zuckergehalt bestimmt wird, der eine starke Sonnenbestrahlung–besonders in den letzten Wochen vor der Reife–voraussetzt (der Wein muß „kochen“), sondern auch während der Lesezeit mußte schönes Wetter herrschen, da sonst keine Käufer kamen. Denn diese waren für den Abtransport aus dem Weingarten zuständig, und der Transport über die lehmigen, vom Regen aufgeweichten Feldwege war recht schwierig. Ich kann mich noch recht gut an das Jahr 1922 erinnern, in dem es während der Weinlese ständig regnete. Die Bottiche voll Maische standen da, aber keine Käufer kamen. Durch den vielen Regen liefen die Bottiche schon über, man mußte abschöpfen, der Gärprozeß setzte ebenfalls ein, so daß die Maische schon in „Sturm“ überging. Die Weingärtner waren in der Schatz-Hütte, auf einmal sahen sie zwei Männer mit Regenmänteln querfeldein kommen. Es war dies der Weinhändler Jaksch aus Znaim mit dem Hackl-Musikanten aus Klein-Tajax. Jaksch kaufte die ganze Maische auf, gab jedoch nur eine Krone für den Liter. Die Leute waren aber heilfroh, daß sie die Maische überhaupt verkaufen konnten. Glücklicherweise war es nicht immer so schlimm. Es gab auch (etwa alle vier Jahre) gute Weinernten, bei denen der Weingärtner für den vielen Schweiß und Fleiß, den die ganze Familie aufwenden mußte, durch den Schatz belohnt wurde.
Vinzenz Großberger, Wien

Matriken seit 1650 (bei Zulb, ab 1784 bei Rausenbruck).

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Straßendorf 911 ha, 194 m ü.d.M.

Flurnamen:
Um den Ort: Stolhof, Mühlgarten, Zigeunerschlucht, Wolfsgrube, Woad (kultivierte Hutweide), Obere, Mittlere und Untere Grabenäcker, Oberer und Unterer Woadgraben, Hanfäcker, Pflanzsteig, Steckern, Pfarrackerln, Roßweide; im Süden: Miezmannser Obere, Mittlere und Untere Bergäcker, Teichtfeld, Langäcker, Schatzäcker, der Schatz, die Zuckermanndeln (auf der österreichischen Seite).

Anbau: Zuckerrüben, Getreide, Mais, Kartoffeln, Gurken etc.
Jagd: Hasen (500-600) und Rebhühner (600).

Straßen, Plätze:
Turnplatz, Oberort, Unterort, Neustift, Kirchsteig, Mühlgassel, Obere Woadhäuseln, Untere Woadhäuseln, Voraus, Hintaus, Schainaus-Lucka (Abgrenzung von Ober- und Unterort), Bei der Schmieden, Auf der Schied, Moahof, Miezmannser Häuseln, Wallonerische Graben, Friedhofstraße.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Filialkirche, 1895 als Kapelle, 1909 als Filialkirche zum Heiligen Schutzengel eingeweiht; davor nur Glockenturm; eingepfarrt nach Zulb.
Friedhof 1921, davor in Zulb.
Muttergottes von Dreieichen, 1549, renoviert 1804, mit Gemeindewappen im Sockel: 3 gekreuzte Fische, im Oberort.
Steinkreuz mit Gekreuzigtem im Unterort (renoviert).
Dreifaltigkeitssäule auf dem Fahrweg zur Grenze.
Pestsäule am Zulber Kirchenweg, 2 Marterln an der Bezirksstraße. Kriegerdenkmal, 1921 (mit 30 Porzellan-Fotografien, 1965 zerstört)
Gemeindebücherei
Armenwohnungen und Isolierstation im alten Schulhaus.
Post in Rausenbruck, Bahnstation in Hödnitz.
Busverbindung 1938 nach Znaim.
Arzt in Rausenbruck oder Zulb
2 Hebammen
Elektrifizierung 1917/18.

Schulen:
Volksschule, Neubau 1909; davor 1788 aus Umbau des Gemeinde-Körnerkastens; davor Schulweg nach Zulb; Neubau 1822, Zubau 1880, zweiklassig; die Turnhalle dient auch als vierter Klassenraum.
Kindergarten in Bauernhaus mit großem Garten.

Gewerbe:
Mühle, nach Brand Neubau 1912 mit Sägewerk..
Meierhof, Ziegelei.
In Heimarbeit: Taschnerei bis 1921, Federnschmuck für Hüte.
2 Gasthäuser (Theateraufführungen), 3 Gemischtwarenhandlungen (eine mit Stoffabteilung), 3 Schmiede, Wagner, Zimmerer, 3 Tischler, Sattler, Spengler, 3 Schneider, 3 Schuhmacher, 2 Friseure, 3 Trafiken

Vereine:
Kontributionsfond, 1747.
Freiwillige Feuerwehr, 1889.
Landwirtschaftlicher Ortsverein, 1889.
Christlich-Deutscher Burschenverein, 1910.
Raiffeisenkassa, 1911.
Milchgenossenschaft, 1911.
Veteranenverein, 1910.
Deutschvölkischer Turnverein, 1921.
Deutscher Kulturverband
Gesangsverein, 1926.
Viehversicherungsverein
Konsumverein