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Milleschitz

48° 54' N, 15° 56' O

Milíčovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erwähnt 1349, die Wälder gehören Kloster Bruck bzw. dem Burggrafen von Znaim, kommen später an Neuhäusel und 1645 zur Herrschaft Frain (bis 1848). Die Hussiten zerstören den Ort, daher werden 1515 deutsche Siedler aus Niederösterreich geholt, 1540 wird der neue Ort 1km südlich angelegt. Die lutherische Lehre wird angenommen. Mit Einführung des Schulzwanges unter Maria Theresia müssen die Kinder die Trivialschule in Luggau besuchen. 1805/06 und 1809 von Franzosen besetzt, 1866 sind die Preußen einquartiert. 1860 wird die Postlinie Vöttau-Znaim eröffnet, das Einkehrhaus an der Bezirksstraße ersetzt Postamt und Zeitung. Jeden dritten Sonntag wird die hl.Messe gelesen, an den anderen besucht man die Kirche in Oberfröschau, das näher liegt als Luggau. 1898 wird zum 50jährigen Regierungsjubiläum Franz Josephs der „Kaiserwald“ gepflanzt, der einzige Waldbesitz der Gemeinde. 1901 wird die Straße zum Bahnhof Wolframitzkirchen gebaut, 1907 die nach Luggau. Im I.Weltkrieg fallen 14 Mann.
1920 werden die deutschen Schüler durch Gendarmerie vertrieben und müssen ein Jahr lang 3 km weit nach Ober-Fröschau gehen, in der Schule unterrichten 4 Lehrer 5-10 tschechische Kinder. Für die 30 deutschen Kinder wird 1921 häuslicher Unterricht der Lehrer (insgesamt 18) des Deutschen Kulturverbandes eingerichtet. 1938 wird aus Mitteln des Deutschen Kulturverbandes mit Hand- und Spanndiensten auf gespendetem Grund ein Privatschulhaus erbaut, das nach dem Anschluß als Kindergarten dient. 1937 wird zur Einweihung der neuen Motorspritze das letzte Fest in der Heimat gefeiert.
Im II.Weltkrieg fallen zwölf Mann. Am 21. und am 29.Juni 1945 werden alle Deutschen ausgetrieben, an der Grenze noch ausgeplündert. In Österreich bleiben 40 Personen, nach Westdeutschland gelangen 187. Im Juli wird ein Milleschitzer nahe Hollabrunn von Sowjets erschossen.

Brauchtum
Am Samstag vor dem Heiligen Abend wird mit den Schulkindern des Deutschen Kulturverbandes eine Julfeier abgehalten, von den 1921 bis 1938 im Ort wirkenden Kulturverbandslehrern vorbereitet. Im Gasthaus stellen die Turner eine Bühne auf. Die Feier beginnt mit einer Ansprache des Lehrers, danach folgen die Vorführungen der Schulkinder. Alle Theaterstücke müssen der Bezirkshauptmannschaft zur Bewilligung vorgelegt werden. Zuletzt versammeln sich die Kinder um den Christbaum. Der Obmann verteilt Geschenke, Kleidungsstücke an Kinder aus kinderreichen Familien. Die Mütter der Kinder haben für ein Weihnachtsgeschenk an den Lehrer gesammelt, das ihm von einer Schülerin überreicht wird, die ein Gedicht aufsagt.

Matriken seit 1705 (bei Luggau).

Bezirk Znaim, Gericht Frain

Längsangerdorf 680 ha, 391 m ü.d.M.

Flurnamen:
Hausäcker, Bergäcker, Kreuzweg, Hochwald, Kleiner Hochwald, Rameln, Hausrameln, Burgrecht, Maischäcker, Engelsüß, Fellhütten, Schusteräcker, Taln, Fleischhaueräcker, Weingärten, Unterer Berg, Kaiserwald, Gebrennt, Mühläcker, Granitz, Straßenäcker, Krautäcker, Protschalka, Halblähner, Stößeln, Breiten, Motscherln, Gemeindetäler, Hauswiesen, Hochwaldwiesen, Brückenwiesen, Lange Wiesen, Engelsüßwiesen, Hofwiesen.

Anbau: Weizen, Gerste, Hafer, Korn (Roggen), Kartoffeln, Rüben, Klee, Hülsenfrüchte.
Pferde-, Rinder- und Schweinezucht; Hoffläche 10-30ha.

Jagd: Hasen, Rehe, Rebhühner.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Filialkirche zu Luggau, erweitert 1860; 1732 als Friedhofskapelle Mariae Himmelfahrt gebaut; Orgel 1902, Tabernakel, 2 neue Fenster, hl.Josef und hl.Anna, 1905; 2 Glocken, im Krieg geopfert, 1922 erneuert. Eingepfarrt nach Luggau. Messe jeden dritten Sonntag und an hohen Feiertagen.
Glockenturm, 1747, 17m, in der Dorfmitte, gebaut, weil der Kirchturm niedriger war und damals nur eine Glocke hatte. 2 Glocken, im II.Weltkrieg geopfert.
Friedhof an der Kirche.
Marterl an der Edmitzer Straße.
Feldkreuz bei den Bergäckern.
Kreuz an der Luggauer Straße.
Kriegerdenkmal, 1925.
Feuerwehrvereinshaus und Depot, 1893.
Milchhaus, 1902, mit Eiskeller.
Omnibusverbindung nach Znaim und Frain.
Elektrifizierung, 1929.

Schulen:
Volksschule, Neubau 1908, einklassig, mit Hilfe des Deutschen Schulvereins, ab 1920 tschechische Minderheitsschule mit 4 Lehrern für 10 Kinder; mehr als 30 deutsche Kinder werden von der Gendarmerie herausgejagt und müssen nach Oberfröschau gehen, bis 1921 Privatunterricht des Deutschen Kulturverbandes möglich wird, zuerst in einer Ausgedingewohnung, dann im Vereinshaus, 1927 bis 1933 in einem Privathaus, 1933 bis 1937 in der Gemeindekanzlei, unter ständiger Beobachtung durch Gendarmen, insbesondere, ob auch der Unterricht an Einzelschüler erteilt wird, nur Geschwister dürfen zusammen unterrichtet werden. Bei den Gemeinderatswahlen 1932 erhält die deutsche Liste 75% der Stimmen, die tschechische 25%, ebenso bei den Parlamentswahlen 1935 im Mai. Erst 1937 wird der Bau eines Schulhauses durch den Deutschen Kulturverband erlaubt, 1938 ausgeführt, nach dem Anschluß Kindergarten, da die alte Schule frei ist.

Gewerbe:
Sägewerk, Gasthaus, Lebensmittelgeschäft, Schmied, Wagner, Tischler, Schuhmacher.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1892.
Feuerwehr-Konsumverein, 1894.
Milchgenossenschaft, 1901.
Deutscher Kulturverband, 1920.
Deutschvölkischer Turnverein „Johann Gottlieb Fichte“, 1923.
Gesangverein „Stahlklang“