o-159-01-Mährisch-Kromau « »

Mährisch Kromau

49° 3′ N, 16° 19′ O

Moravský Krumlov

Znaim

Geschichte
Erstmals 1277 erwähnt in einem Friedensvertrag zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar II., der Zeitpunkt der Stadterhebung mit deutschem Recht ist unbekannt,. Die Besitzer wechseln. Im 13.Jh. besteht eine Kommende des Deutschen Ritterordens, die Spital, Kirche und Schule betreut. 1312 erwerben die Herren von Lipa Burg und Herrschaft, 1354 Baubeginn des Augustinerklosters, das die Hussiten zerstören. 1363 als Stadt bezeichnet. 1423 wird sie von den Taboriten besetzt und deren Hauptstützpunkt, von dem sie Raubzüge nach Österreich unternehmen. 1447 werden den deutschen Bürgern in einer deutsch geschriebenen Urkunde ihre Privilegien bestätigt. 1458 verleiht Georg von Podiebrad der Stadt zwei neue Jahrmärkte.
1512-60 wird die Burg zum Schloß umgebaut unter Verwendung des Materials von der Klosterruine. Wiedertäufer und Mährische Brüder lassen sich nieder, von den Herren von Lipa unterstützt. 1537-1539 wohnt im Schloß der berühmte Arzt Paracelsus, den der kranke Herr von Lipa eingeladen hat. Die Pest wütet 1539 und 1623/26, eine Feuersbrunst vernichtet 1623 viele Häuser. Nach dem Böhmischen Aufstand verlieren die Lipa den Besitz. 1627 kauft Gundakar von Liechtenstein die Herrschaft Kromau, die bis 1908 beim Hause bleibt und dann vom Neffen, Ferdinand Graf Kinsky, beerbt wird. Das Kloster und die Kirche werden 1641 wieder aufgebaut und mit Piaristen besetzt, 1657 ziehen Pauliner-Eremiten ein, 1786 wird es säkularisiert. 1645 besetzen die Schweden ein halbes Jahr lang die Stadt, die Pest bricht aus, die Herrschaft ist verwüstet. 1663 kommen türkische Streifscharen, Hochwasser, Feuersbrunst und Seuchen suchen die Stadt heim, 1690 versinkt fast die ganze Stadt in Schutt und Asche. 1742 sind die Preußen in der Stadt, 1805/06 die Franzosen, auch Napoleon rastet 1809 hier, sie benutzen die Florianikirche als Pferdestall, richten auf dem Chor eine Schusterwerkstatt ein. 1866 kommen wieder die Preußen und mit ihnen die Cholera. 1850 beginnen die kaiserlichen Ämter zu arbeiten, Stadtmauern und Schanzen werden zum Teil abgetragen. Bis 1868 besteht eine eigene Judengemeinde. Straßen und Plätze werden mit 20 Petroleumlampen beleuchtet. In den 80er-Jahren haben die Tschechen ein Drittel des Gemeindeausschusses erobert, sie rufen zum Boykott deutscher Geschäfte und Handwerker auf, die Narodni jednota arbeitet an der Tschechisierung. 1908 erbt die Schwester des Rudolf von Liechtenstein, Gräfin Kinsky, die Herrschaft Kromau. Bis 1918 ist Kromau beliebte Sommerfrische für die Wiener.
Im I.Weltkrieg fallen 116 Mann; die Kirchen verlieren fast alle Glocken.
Ende Oktober 1918 verlangen tschechische Beamte die Entfernung der Doppeladler. Auf Anfrage in Brünn kommt der Bescheid: „Die Adler nicht selbst entfernen, wenn sie aber von den Tschechen entfernt werden sollten, dieser Tätigkeit keinen Widerstand entgegensetzen.“ Am 3.November 1918 strömt die tschechische Landbevölkerung aus der Umgebung in die Stadt, in einer Hetzrede nennt der tschechische Rechtsanwalt Kop?iva die Namen prominenter Deutscher, der Pöbel brüllt bei jedem: „Hinaus mit ihm!“ Alle Doppeladler werden heruntergerissen, ebenso die Wappenschilder vom Liechtensteinischen Rentamt und vom Fürstenhaus, die Deutschen werden angepöbelt, bedroht und bespuckt. Auf Ämtern ist der Gebrauch des Deutschen verboten. Die Damen aus „besseren“ tschechischen Kreisen sprechen Deutsch mit ihren Hunden. Auf dem Bahnhof Mißlitz wird ein Deutscher aus Kromau erschossen. 1919 wird das tschechische Rakschitz (1100 Einwohner) eingemeindet, Volkszählungsbögen werden abgeändert, um die Deutschen unter die für den Minderheitsstatus nötigen 20% zu drücken, alle deutschen Staatsbeamten (ca.100) werden in tschechische Orte versetzt, das deutsche Waisenhaus wird nach Frain verlegt, die deutsche Bürgerschule wird aufgelöst, Kinder aus gemischten Ehen werden aus der deutschen Schule ausgeschlossen, deutsche Lehrer und Geschäftsleute verlassen die Stadt. Die „Deutsche Bürger- und Arbeiterpartei“ wird gegründet. Bei den Wahlen 1921 fallen auf die deutschen Parteien 422 Stimmen (7 von 30 Mandaten, zwei Gemeinderäte), auf die tschechischen 1294, wegen der Manipulationen stellen die Deutschen nur 19,9%, so daß die deutsche Sprache nicht mehr verwendet wird. Die tschechischen Nationalsozialisten stellen den Bürgermeister (12 Mandate). Legionäre entfernen deutsche Aufschriften, durchsuchen Häuser. Durch die Bodenreform 1924 werden 16 von den 17 Meierhöfen der Kinsky enteignet, der 17. muß an die mährischen Zuckerfabriken verpachtet werden. Viele deutsche Angestellte verlieren ihre Posten. Die Wahlen 1935 bringen den Deutschen vier Gemeinderäte der SdP. Im Jahr 1938 steigert sich die Feindseligkeit der Tschechen, deutsche Geschäfte werden boykottiert, Hausdurchsuchungen vorgenommen, Waffen sind abzuliefern, es gibt Aufläufe, Fenster werden eingeworfen, ständig wird mit Massakern gedroht. Am 6.Oktober erfolgt die Angliederung an Niederdonau. Tschechische Beamte und zugezogene Kaufleute ziehen schnell ab, insgesamt etwa 1200 Personen.
Am 9.Oktober marschiert die Wehrmacht ein. Zollbeamte und Grenzschutztruppen ziehen ein, Beamte von Post, Bahn und Ämtern sowie Angestellte. Die Ämter werden 1939 nach Znaim verlegt, die Vereine aufgelöst, das Deutsche Haus wird an den Pächter verkauft. Für Bessarabien- und Dobrudschadeutsche werden Umsiedlerlager eingerichtet, 1944 wird eine Landwacht gegen Partisanenüberfälle aufgestellt, nachdem rund 300 Partisanen sich zusammengerottet haben. Die Tschechen verlassen ihre Arbeitsplätze, verüben Sabotage und treiben sich in den Wäldern herum. Aus kriegsuntauglichen Männern wird Volkssturm aufgestellt, 80 Mann, darunter auch Tschechen und Halbtschechen. Aus Wien werden 500 Frauen und Kinder vor den Bomben in Sicherheit gebracht. Im April 1945 werden die Evakuierten und die meisten deutschen Bewohner evakuiert, am 17. verläßt der letzte Treck die Stadt, die verteidigt werden soll. Am 18.April strömen tschechische „Partisanen“ in die Stadt und dringen in Wohnungen von Deutschen ein. Als deutsche Panzer erscheinen, verschwinden sie. Am 3.Mai werden die Männer zu Schanzarbeiten herangezogen, im Ort sind noch rund 100 Deutsche. Am 6.Mai verlassen die letzten deutschen Panzer die Stadt. Tschechische „Partisanen“ machen den Sowjets weis, die Stadt sei voller deutscher Panzer, daraufhin wird Kromau am 7. und 8.Mai 1945 bombardiert und zu 80% zerstört, 16 Personen kommen um, das Deutsche Haus wird beschädigt und muß von den im KZ eingesperrten Deutschen abgeräumt werden. Am 8.Mai von Sowjets und tschechischen „Partisanen“ besetzt, die Schreckensherrschaft richtet sich gegen alle Deutschen, sie werden zusammengetrieben, auch Zurückgekehrte und Heimkehrer, und eingesperrt, zu Zwangsarbeit gezwungen, schwer mißhandelt und in gemeinster Weise beschimpft, Frauen werden vergewaltigt. Das Schloß wird gänzlich ausgeplündert, es ist Gefängnis für 105 deutsche Soldaten. Alte Leute und Frauen mit Kindern werden in ein Sammellager gesteckt, Folterung und Greueln ausgesetzt. Am 25.Mai 1945 werden 75 alte Leute und Kinder über die Grenze getrieben, am 4.Juni eine weitere Gruppe von rund 50 Personen. Am 2.Juni werden 11 Männer von tschechischen „Partisanen“ im Schloßpark erschossen, damit sie nicht mit leichteren Strafen vom Volksgericht davonkommen, weitere drei Männer werden auf bestialische Weise umgebracht. Neun Menschen, sechs Frauen, zwei Männer und ein Kind, geben sich selbst den Tod. Im Kerker kommen durch Mißhandlungen und Hunger 18 Personen (12 Frauen und 6 Männer) ums Leben. Am 8.Feber 1946 geht der erste Transport nach Mißlitz, am 8.April werden alle Zurückgebliebenen in Viehwaggons nach Furth im Wald transportiert. In Österreich bleibt ein Viertel der Vertriebenen, rund ein Viertel gelangt nach Baden-Württemberg, ein Drittel nach Bayern.

Die Judengemeinde

In den Stadtprivilegien von 1447 wird die Judengemeinde verpflichtet, einen Teil der städtischen Abgaben zu tragen. 1547 wird eine Synagoge erbaut. 1549 müssen sie den dritten Teil aller Steuern und Abgaben zahlen. 1642 ist ein jüdischer Friedhof belegt, 1672 sind 18 eingesessene Judenhäuser registriert. 1690 bricht ein Feuer in der Judengasse aus und vernichtet einen großen Teil der Stadt.
Gegen die Errichtung einer Mauer können sich die Juden mit Erfolg wehren. 1833 brennen zehn Häuser nieder, 1839 sind es 23 Häuser und die Synagoge.
1868 löst sich die Judengemeinde auf, bis 1873 besteht eine jüdische Schule. 1938 werden die letzten 8 Judenfamilien in die Tschechei abgeschoben, in der Nacht zum 10.November wird die Synagoge verwüstet.

Brauchtum

Liedertafeln und Bälle
Sonnwendfeuer
Bartholomäusfest
Florianifest

Florianilied
Kromau ist ein deutsches Städtchen,
liegt im schönen Mährerland.
Um die Stadt im grünen Bettchen
Glänzt der Wellen Silberband.
Drob von hoher Bergesspitze
Blickt herab Sankt Florian,
und es schert nicht Frost noch Hitze
Romas alten Veteran.
Floriani, schau hernieder,
schau dir nur dein Städtchen an!
Schütz es wacker, treu und bieder
vor dem roten Feuerhahn.

Aus dem Jahr 1866

Nach dem Friedensschluß bleibt in Kromau noch eine Kompanie preußischer Jäger stationiert. Ein Trupp lagert im Hause eines Schlossermeisters, die Gewehre hat man im Hof in Pyramiden aufgestellt. Als die Preußen aufbrechen, fehlt ein Gewehr. Nach großem Gelärm, langem Durchsuchen und vielen Ungelegenheiten müssen sie ohne das Gewehr abziehen. Später gesteht der Sohn des Schlossers, das Gewehr genommen zu haben. Infolgedessen erhält das Kromauer Museum ein preußisches Zündnadelgewehr und ein Bub eine Ohrfeige.

Matriken seit 1685.

Bedeutend:
Dichtel Erich (1890-1955), akademischer Maler, bevorzugt Darstellung der Tierwelt.

Kinsky, Rudolf Graf (1898-1965), erbt 1919 die Herrschaft von seinem Vater Ferdinand, der 1908 als Sohn der Schwester den Fürsten Rudolf von Liechtenstein auf dessen Wunsch beerbt hat. Nach der Bodenreform 1924 bleibt ihm nur das Schloß mit dem Waldbesitz. Trug zur Erhaltung des Deutschtums in Mährisch-Kromau bei. Auf der Flucht mit seiner Familie vor den nahenden Rotarmisten von „Partisanen“ überfallen, eingreifende Amerikaner retten ihm das Leben.

Schindler Gabriel, Offiziers-Stellvertreter, erstürmt am 5.9.1878 bei Doboj in Serbien als erster die feindlichen Schanzen und fällt. Er erhält die Goldene Tapferkeitsmedaille.

Sloschek Erich (1897-1970), Heimatforscher, Verfasser der „Geschichte der Stadt Mährisch-Kromau“ 1937. Von 1929 bis 1938 Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins für die Geschichte Mährens und Schlesiens. 1950 bis 1962 Geschäftsstellenleiter des Südmährischen Landschaftsrates, bis 1958 Schriftleitung des Heimatfbriefs „Der Südmährer“, 1952-57 Gestaltung des Südmährischen Jahrbuchs.

Literatur:
Sloschek, Erich: Geschichte der Stadt Mährisch-Kromau. 1937
Sloschek, Erich: Geschichte der Stadt Mährisch-Kromau von den ältesten
Zeiten bis zum Jahre 1966. 1967
Sloschek, Erich: Geschichte der Stadt Mährisch Kromau. 2 Bände. 1972

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Platzort 4262 ha, 255 m ü.d.M.

Lage auf einer Halbinsel im Rotigelfluß, umsäumt von der „krummen Au“. Im Westen Anstieg von 230m zum Gerichts- oder Galgenberg (364m), im Osten: Florianiberg (311m) und Kreuzberg (318m), Forsthaus Waldhof (397m) und Miskogel (387m) mit einer der größten vorgeschichtlichen Wallanlagen des Gebietes und weitem Fernblick; an der Westseite ein großer Granitsteinbruch. Der Berg verband das Kromauer Areal mit dem deutschen Südmähren, am 1.Mai treffen sich die Turnvereine des Bezirks, die Wolframitzer entzünden hier das Sonnwendfeuer.

Beliebte Sommerfrische der Wiener bis 1918.

Zum Gerichtsbezirk Mährisch Kromau gehören ab 1903: Aschmeritz, Babitz, Böhmdorf, Chlupitz, Damitz, Gubschitz, Hosterlitz, Irritz, Kaschnitzfeld, Kodau, Lidmeritz, Mißlitz, Nispitz, Klein-Seelowitz, Socherl, Tullnitz, Wenzeldorf, Wolframitz.
Zum neu gebildeten Gerichtsbezirk Pohrlitz gelangen Dornfeld, Frainspitz-Weinberg, Lodenitz, Schömitz.

Flurnamen: Am Ortsried, Hinter den Schanzen, Unterm Florianiberg, Wachtelberg, Roter Berg, Oberm Tiergarten, Tiergarten, Lischken, Altgebirg (in den Weingärten), Bei den drei Heiligen, Oberm Lischken, Oberm Gericht, Ziegelofen, Weißer schottriger Berg, Jamelitzer Sutten (Pfütze), Gegen Debrschinsker Weingärten, Im Kathareinischen, Unterm Roten Berg, Gegen Fischgehalter, Oberm Neusatzen, Niederspitz, Im Tiefen Teich, Spatzenwald, Oberm Spatzenwald, Oberm Tiefen Teichen, Pipele, Gegen Rybniker Grenze, Lindenbreite, H?ibek (Pilz), Stražna Hora (Wachtberg), Ka?enka.

Anbau: Weinbau einst verbreitet, schon 1695 sind viele Weinberge verödet, 1880 vernichtet die Reblaus den Restbestand.
Gutsherrschaft: 17 Meierhöfe und 6 Reviere.

Straßen, Plätze:
Marktplatz (Ringplatz, Fürst-Rudolf-Liechtenstein-Platz), Klosterplatz, Schloßgasse, Judengasse, Quergasse, Kirchen(Pfarr)gasse, Breite Gasse, Rosengasse, Klostergasse, Webergasse, Schwanengasse, Wurstgasse, Teergasse, Bahnhofstraße, Unter den Schanzen, Unterm Schloß, Kirschenallee, Villenviertel, Am Pilz, An der Znaimer Straße (Mexiko), Zuckerfabrik. Siegenweg (durchs Gassel), Im Hain, Zur Schießstätte, Schanzenweg, Florianiweg, Maulikweg, Kreuzbergweg, Schabatka (zum Lerchenfeld), Kastanienallee, Fürstenweg, Stefanieweg, Schwarze Straße, Zum Schirm, Fabrikweg, Spatzenwaldweg, Jamelitzer Weg, Rakschitzer Straße, Zum Mariabrünndel.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Allerheiligen, davor St.Laurentius, spätgotisch, dreischiffig, Mittelschiff mit Sternrippengewölbe, Seitenschiffe mit Stichkappenquertonnengewölbe, 1645/60; Hochaltarbild von J.Winterhalter, Gestühl Ende 17.Jh.; 2 Seitenaltäre, Kanzel,
Kreuzwegbilder Ende 18.Jh., Friedhof an der Kirche.
Mausoleum der Liechtenstein mit Fresken und Erlöserbild von Josef Huber, 1789.
Pfarrhaus, 1653, umgebaut 1873, eingepfarrt sind Rakschitz, Rotigel und Rybniky.
Hl.Johannes von Nepomuk, Ende 18.Jh., vor der Kirche.
Klosterkirche St.Bartholomäus, 1354, in den Hussitenkriegen verfallen, Langhaus abgetragen; Neubau 1634 mit Tonnengewölbe; 1658 an den Paulinerorden (1786 aufgelöst); Hochaltarbild von Johann Georg Gutwein 1701; Orgel 1748; Seitenaltäre, Kanzel um 1770, Rokoko; Dreikönigsaltar von Ignaz Lengelacher; im Norden sternförmige Marienkapelle, 1693; 3.Kapelle, im Turm, mit barocken Fresken, 18.Jh., und Vesperbild, um 1600; Nordturm spätgotisch, gotisches Tor; Kreuzigungsgruppe, 1695, barock, an der Westwand, 1.Hälfte 18.Jh.; Arkaden mit Putten vom ehemaligen Kreuzgang, barock, 18.Jh. Bis 1945 deutscher Gottesdienst.
Spitalskirche zur hl.Dreifaltigkeit, ehemals (bis 1454) Kirche des Deutschen Ritterordens, 1669 renoviert, seit 1788 gesperrt, nur für besondere Anlässe geöffnet; 1833 durch Brand zerstört, 1880 wiederhergestellt, ohne Turm, 1882 geweiht; am 7.5.1945 durch russische Bomben zerstört, 1958 abgetragen.
Spital, seit 1864 unter gemeindlicher Aufsicht, Armen- und Siechenhaus seit dem 14.Jh., mit 7 Plätzen, ab 1703 mit 14 Plätzen, 1945 durch Bomben zerstört.
Florianikapelle, 1697, am Florianiberg (seit 1697, davor am Spielberg); dreigeschossig, schloßähnlich, mit vier Ecktürmen; achteckiger länglicher Kuppelraum; Hochaltarbild von Johann Georg Gutwein, 1702 (mit Ansicht von Mähr.Kromau); 1809 bis 1833 öde, 1834 Neuweihe, bis 1945 wurde am Tag des hl.Florian (4.Mai) eine Messe gelesen (nur für besondere Anlässe geöffnet).
Immaculata, 1.Hälfte 18.Jh.
Jüdisches Bethaus, 1547, zerstört 1938.
Schloß, eines der schönsten Renaissanceschlösser Mährens, urkundlich 1289; mittelalterlich: unterer Teil des Hauptturmes, anschließender Torbau mit Zugbrückentor und rechts anschließender Flügel (Palas); rechter Flügel 1513 mit Torturm und ehem. 23m langem Saal; Mitte 16.Jh. linker Flügel mit gekuppelten Fenstern; 1557/62 dreigeschossige Laubengänge an drei Seiten; kleiner Hof mit Schloßtreppe angeschlossen: Zugang zum Saal, 30m, und zur Schloßkapelle zur Kreuzerhöhung mit 12 Säulenpaaren; 1560 Schloßturm erhöht mit Bogengang und achteckiger Laterne; an der Seite Terrasse, darunter die Straße.
Stallburg 1592 mit Renaissancetor, Umbau zu zweigeschossigem Wohnhaus 2.Hälfte 18.Jh., Parktore Ende 18.Jh.
Schanzmauer mit Bastionen.
Florianibrunnen, 1693 restauriert, nach 1945 abgetragen.
Pestsäule, 1636, spätgotischer Nischenbildstock, auf dem Stadtplatz, bei den Schachtgräbern der Pesttoten von 1626.
Steinkreuz auf dem Kreuzberg, 1692.
Steinkreuz am Ringplatz, 1945 abgerissen.
Fürstliches Haus, bis 1454 Kommende des Deutschen Ritterordens.
Häuser auf dem Stadtplatz, meist 16./17.Jh.
Rathaus, 1885, mit Bild der Stadt von J.G.Gutwein, 1700.
Bezirkshauptmannschaft, 1906.
Bezirksgericht mit Gefängnis, Grundbuchamt, 1898, bis 1945.
Steueramt
Katastral-Vermessungsamt
Gendarmerie-Bezirkskommando
Post- und Telegraphenamt
Notariat
Gefällskontrolle
Bezirksstraßenamt
Bezirkskrankenkassa
Gesundheitsamt ab 1939.
Eichamt
Forstamt für die herrschaftlichen Reviere Waldhof, Miskogel, Budkowitz, Mährisch Kromau, Jamolitz und Ketkowitz.
Gendarmerie-Bezirkskommando
Waisenhaus, 1906, 1918 nach Frain verlegt, 1938 wieder Waisenhaus.
Deutsches Haus mit Gasthaus „Eintracht“ 1891, mit Bühne.
Bücherei im Deutschen Haus um 1900 in 3 Räumen des Rathauses, 6000 Bände.
Stadtmuseum
Musikhaus, Kino in der Bierhalle seit 1914.
Freibad 1931, davor herrschaftliches im Spatzenwald.
Dampf- und Wannenbad, 1932
Elektrifizierung, 1898 von der Textilfabrik, für Straßenbeleuchtung und wenige Anschlüsse, allgemein nach 1918.
Wasserleitung, 1906; davor drei Röhrenbrunnen, Ringplatz, Klosterplatz und Vorhof vom Schloß, mit Wasser aus der Florianischlucht; 1860 eiserne Leitung.
3 Ärzte, Zahnarzt, Tierarzt
Eisenbahn ab 1871
Autobuslinie nach Znaim 1938

Schulen:
Volks- und Bürgerschule, 1873, Umbau 1885, 1878 achtklassig, 1882/83: 5 Volksschul-, 3 Knaben- und 1 Mädchenbürgerschulklasse und eine gemeinsame Fortbildungsklasse; 1371 bis 1454 bezahlt der Deutsche Ritterorden einen Schulmeister, 1548 wird wieder einer erwähnt; seit 1641 führen die Piaristen eine vierklassige Lateinschule, 1657 bis 1777die Paulaner; eine Stadtschule wird 1653 erbaut, 1817 zweiklassig; Umbau 1832, vierklassig ab 1868, ab 1870 Unterricht nur in deutscher Sprache. 1873 auf dem Ringplatz deutsche Volks- und Bürgerschule, fünfklassig, 1878 achtklassig: Ab 1883 bestehen bis 1918: 5 Volksschul-, 3 Knaben- und 3 Mädchenbürgerschulklassen. 1919 wird die deutsche Bürgerschule gesperrt, die Volksschule auf 2 Klassen reduziert, 1935 auf eine Klasse. Nach 1938 Wiederaufbau, daneben zweiklassige Volksschule in Rakschitz und Waldschule in Neuhof.
Seit 1882 tschechische Privatschule, 1889 öffentlich, 1892 zweiklassig, im alten Schulhaus bei der Pfarre (1918: 36 Schüler); tschechische Sprengelbürgerschule 1910, privat, seit 1914 staatlich mit 6 Klassen, 1919 fünfklassig, neben der zweiklassigen deutschen Volksschule im Gebäude am Ringplatz; 1938 bis 1945 bestehen je 2 tschechische Volksschulklassen in Kromau und Rakschitz.
Eine jüdische Schule, besteht seit dem 16.Jh. bis 1873, danach Besuch der deutschen Schule.

Kindergarten, 1882, Neubau 1899, 2 Abteilungen, erhalten vom Kindergartenverein und vom Deutschen Kulturverband, 1939 übernommen von NSV.

Gewerbe:
Gutshof Krahlhof
Schloßmühle
Ziegelei am Spatzenwald.
Ziegelei in Rakschitz.
Ringziegelofen hinter der Bahn, 1910.
Zuckerfabrik, 1876, bis 1940; 1945 zerstört.
2 Lagerhäuser
Druckerei bis 1939.
Klavierfabrik, 1910, ab 1939 Munitionskästen.
Lederfabrik, 1945/46 KZ für deutsche Zwangsarbeiter.
Filiale der Firma Nestlé, 30er Jahre.
6 Banken/Sparkassen
11 Gasthäuser, 35 Kaufläden, 4 Bäcker, 4 Zuckerbäcker, 5 Fleischer, 2 Schmiede, 2 Schlosser, 6 Tischler, 2 Wagner, 3 Sattler, 2 Spengler, 3 Binder, Hutmacher, 14 Schneider, Modistin, 2 Friseure, 2 Dachdecker, 3 Kürschner, Uhrmacher, 2 Buchbinder, 3 Mechaniker, 2 Maler, 14 Schuhmacher, 4 Spediteure, Kaminkehrer, Fotograf, Buchdrucker, 3 Gärtner, 2 Maurermeister, Töpfer, Tapezierer, Baumeister, 2 Sodawassererzeuger.

Zünfte der Tischler 1589, Schlosser, Büchsenmacher, Uhr- und Windenmacher 1610, Seifensieder 1635, Fleischer 1656, Schumacher 1661, Schneider 1674, Leinweber, Mesolanmacher 1676, Hufschmiede, Wagner 1685.

Jahrmärkte: An den Montagen 1) nach Mariä Lichtmeß (2.Februar), 2) nach Philipp (1.Mai), 3) nach Stephan (2.August), 4) nach Martin (11.November).

Vereine:
Bürgergarde, 1848, später Schützenverein.
Casinoverein, 1869.
Männergesangverein, 1869.
Schulverein, 1881.
Veteranenverein, 1882, nach 1918 Unterstützungsverein gedienter Soldaten.
Schützenvereinigung, 1871.
Freiwillige Feuerwehr, 1882.
Turnverein, 1886.
Verein Eintracht (Deutsches Haus), 1888.
Kredit- und Vorschußverein, 1888.
Kindergartenverein, 1898.
Ferialverbindung Quadia, 1901.
Musikverein, 1909.
Ferialverbindung Gothia, 1913.
Gewerbeverein
Verschönerungsverein
Bartholomäus-Kirchenverein
Kulturverband
Akademikerverband