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Lundenburg

48° 45′ N, 16° 53′ O

Břeclav

Nikolsburg

Geschichte:
Erste urkundliche Nennung 1046 als Grenzfestung, 1056 als Lawentenburch, Siedlung, 1384 gelangen Burg, Markt und Herrschaft an die Brüder Hans, Georg und Hartneid von Liechtenstein, ab 1389 unbefristeter Besitz (anstelle des späte ren Altenmarkt). Im Urbar 1414 tragen die meisten Bewohner deut sche Namen. Die Hussiten können den Ort 1426 infolge Verrats einnehmen und zerstören, ziehen wieder ab. Papst Bonifaz VIII. erlaubt 1490, die Trümmer der Kirche in Altenmarkt für den Bau einer neuen Kirche auf dem Boden von L. zu verwenden. 1528 gelangt L. an die Herren von Žerotín, sie verlieren es 1621 wegen Beteili gung am Stände-Aufstand, 1638 gelangt die Herrschaft wieder an die Liechten stein. Damals bestehen zwei Mühlen, eine Sägemühle, ein Gast haus mit Stallung für 100 Pferde, eine Schmiede, eine Badstube und ein Mei erhof. Bereits im 16. Jh. ist die Judengemeinde so groß, daß eine Synagoge er richtet wird, welche die Schweden 1643 zerstören, damit ist die Gemeinde aus gestorben. Nach Pogromen in Polen und in der Ukraine, nach Vertreibung aus Wien und Niederösterreich 20 Jahre später erfolgt eine Neugründung, 1671/72 wird die Synagoge wieder errich tet, stürzt 1697 ein und wird neu aufgebaut. 1702 ist die Gemeinde auf 30 Famili en angewachsen, 1741 wird ihr Grund für einen Friedhof außerhalb des Ghettos genehmigt. Ihr Wohngebiet, von Fürst Carl Eusebius zur Besiedlung hergegeben, ist bis 1848 begrenzt: von Mühl graben und Judengasse bis zu den Dubitsch wiesen. 1812 brennt das Juden viertel nieder. Durch die Toleranzpatente Josefs II. er langen Juden eine Art bür gerlicher Gleichberechtigung, teilweise Selbstver waltung, sie dürfen eigene Matri ken führen. Völlige Gleichberechtigung folgt 1868, danach Zerstreuung auf das gesamte Stadtgebiet. Zu 70 % bekennen sie sich als Deutsche. 1864 trennt sich Altenmarkt von L. 1910 beträgt der Anteil der Deutschen 57,7 %, bei der Bahn sind rund 2800 Personen – auch aus der Umge bung – beschäftigt. Ab 1768 werden vier Jahrmärkte abgehalten, seit 1888 finden fast regelmäßig internationale Ruderregatten statt, 1928 die größte. Mit der Eröff nung der Nord bahn – am 6. 6. 1839 fährt der erste Zug in L. ein – und der Indu stri a lisierung wächst L., 1872 zur Stadt erhoben, die Einwohnerzahl verdreifacht sich bis 1890, L ist Eisenbahnknotenpunkt an der Gabelung der Nordbahn strecke nach Brünn bzw. Prerau (ca: 6000 Beschäftigte!). Am 28. Oktober 1918 stehen am Bahnhof bewaffnete “Sokoln”, kontrollieren die Passanten, reißen den Bahn beamten die Knöpfe mit dem Adler, oft mit Stoffstücken, von den Jacken. Die Deserteure des “Grünen Kader” marschieren ein und besetzen mit den Sokoln die Bahnstrecke nach Österreich. Leitenden Bahnbeamten werden tschechische Bewacher beigegeben, die ihnen nach einem halben Jahr ihre Posten nehmen. Die Deutschen werden versetzt oder in den Ruhestand ge schickt. Tschechisierung durch Eingemeindung Altenmarkts 1919, Entfernung von Deutschen aus öffentli chen Ämtern, Schulen, Eisenbahn und Betriebs leitungen, so daß nahezu 4000 Deutsche den Ort verlassen müssen, meist gehen sie nach Österreich. Ein Regiment wird einquartiert, 2000 Mann erhalten durch Sondergesetz das Wahl recht nach Aufenthalt von wenigen Tagen. Unter Druck schicken manche Deutschen ihre Kinder in tschechische Schulen, die Bedien steten der Liechten steinischen Güter sind dagegen geschützt. Am 8. 10. 1938 marschiert die Wehr macht ein, die letzten Juden – man spricht von 120 – wer den interniert und am 15. an die Grenze zum Protektorat verbracht; da sie nicht einreisen dürfen, müssen sie bis 4. November unter freiem Himmel leben, wer den dann eingelassen, über Sam mel lager gelangen sie später in Konzen tra tionslager, ihr Vermögen wird vom Reich eingezogen, Geschäfte und Betriebe wickeln “kommissarische Leiter” ab.
Am 20. November 1944 kreist über L. zwischen 11.30 und 12.30 ein Bomber verband, der offenbar über Göding einen Teil der Bombenlast abgeworfen hat, um 12.25 Uhr wirft dieser einen Bombenteppich, 230 Bomben innerhalb von zwei Minuten, quer über die Stadt, vom jüdischen Friedhof über den Marktplatz und das Villenviertel in Richtung Bahnhof. Auf dem Stadtplatz schlagen sieben 500-kg-Bomben ein, zwei davon zerstören Presbyterium und Mittelschiff der Kir che. Insgesamt werden 42 Personen getötet und 56 verletzt, 350 obdachlos. Zeit zün derbomben töten in den nächsten Tagen weitere Personen, so daß schließ lich wohl 60 Tote zu beklagen sind. Am 17. 4. 1945 Einnahme durch die Rote Armee.

Stadt, Bezirk Göding, ab 1938 Kreis Nikolsburg, Gericht Lundenburg
(mit Altenmarkt, auch Einw.) 3949 ha, bis 1925: 3410 ha; 159-162 m ü.d.M.

Bodenbeschaffenheit: Sandboden aus Anschwemmungen, im Norden Tonerde, gegen Nikolsburg Kalkstein, gegen Eisgrub sumpfig; Ölbohrungen
Anbau: alle Getreidearten, Mais, Zuckerrüben, Gemüse, Obst (Marillen)

Ausgrabungen: Heidenstatt Pohansko, südöstlich, Burgwallanlage aus der Awarenzeit, 7. Jh., 28 ha, klösterliche Siedlung, Fundamente einer Kirche

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kirche St. Wenzel 1753, mehrere Anbauten und Restaurierungen; älteste Grund mau ern aus dem 11. Jh., St. Maria, 1131 erwähnt, eine der ältesten Mäh rens, ver grö ßert in der ersten Hälfte des 13. Jh., Umbau im 15. Jh. nach den Hus siten kriegen, St. Philipp und Jakob, mit Grablege, 1738 abgebrochen. Am 20. 11. 1944 bei Bombenangriff zerstört.
Synagoge, erstmals Mitte 16. Jh., Neubau 1672, ein weiterer 1868, 1888 reno viert, 417 Sitze, daneben Schule 1884
Bahnhofskapelle, 1856 neugotisch, Stiftung des Fürsten Liechtenstein
Rochuskapelle, nach Choleraseuche
evang. Kirche an der Wiesengasse
Bethaus der böhm. Brüdergemeinde 192
Marterl beim Raffinerie-Gasthaus, nach Choleraseuche aufgestellt, entfernt und nach zweiter Seuche wieder aufgestellt
Hl. Florian am Kircheneingang
Hl. Nepomuk an der Altenmarkter Brücke nach Pest
Schloß, Bauteile von alter Wasserburg (1056 erwähnt), ältester Bauteil ein Rund turm, Reste von Treppenturm und Palas; im 16. Jh. Renaissance-Neubau mit quadratischem Treppenturm, nordöstlichem Turm, Reste einer Arkaden-Freitrep pe; neugotische Teile aus der ersten Hälfte des 19. Jh.

Schulen: Zur Zeit Maria Theresias besteht eine Normalschule, 1808 ins fürstliche Wirtshaus verlegt, zieht zweimal um; in einem Raum wird deutsch, im anderen tschechisch unterrichtet, die Judenkinder werden anschließend gesondert betreut. 1845/46 wird ein Schulhaus neben dem Pfarrhaus auf dem Hauptplatz errichtet, zweisprachig, das auch die Kinder aus Altenmarkt besuchen, bis A. 1869 ein eige nes Gebäude hat.
Schule im Rathaus ab 1883, deutsch
Bürgerschule neben dem Rathaus 1873, deutsch, ab 1878 in neuem Gebäude
“Gelbe” Schule, 1896, Knabenvolksschule 5klassig, Bürgerschule 3klassig, das selbe für Mädchen, Turnhalle, Zeichensaal, vom Deutschen Schul verein
Privatgymnasium in der Kuffnerstraße ab 1897, daraus entwickelt: Commu nal gymnasium, Kaiserin-Elisabeth-Kommunal-Obergymnasium, Grundstein 1902, er ste Finanzierung durch den Deutschen Schulverein, ab 1909 staatlich als k. k.-Kaiserin-Elisabeth-Staats-Obergymnasium, ab 1912 k. k.-Kaiserin-Elisabeth-Staats -Realgymnasium, 1918 tschech. Reform-Realgymnasium, 1938 deut sche Oberschule
Frauengewerbeschule 2klassig, deutsch
“Weiße” Schule, Bürgerschule, Handelsschule, Müllereifachschule 1914, deutsch
Ingenieurschule 1934, deutsch
jüdische Volksschule, 2klassig, Unterrichtssprache Deutsch
tschech. Bürgerschule in der Spitalgasse 1910
Kindergarten,, 1882 vom Deutschen Schulverein errichtet
Nach 1918 besetzen die Tschechen alle deutschen Schulen, den Deutschen bleibt nur eine zweiklassige Volksschule, die Kinder besuchen Schulen in Nikolsburg, Znaim und Brünn.

2 Lichtspielhäuser
Theater- und Konzertsaal ab 4. 12. 1941 im “Goldenen Apfel”
2 Krankenhäuser (Spitalgasse, verfallen, Feldgasse, “Franz-Joseph-Spital”, be nutzt wird nur der Infektionspavillon, der vordere Teil als Altersheim der Zuk ker fabrik.)
Waisenhaus und Altersheim in der Waisenhausgasse
2 Kindergärten/Tagesheimstätten

Elektrizitätswerk 1908, Straßenbeleuchtung, die meisten Häuser erst nach 1914, 1921/22 stillgelegt, Anschluß an Westmährische E-AG.
Bahnhof 1839, Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, zweite Teilstrecke, (erste 1837 bis Deutsch-Wagram), 1870/71 Strecke nach Znaim
Postamt 1910, Neubau am Bahnhof 20er Jahre
4 Jahrmärkte, 2 Wochenmärkte

Gewerbe
Zuckerfabrik der Brüder Jakob und Hermann Kuffner, 1862, mit Verbindung zur Nordbahn und eigener Brücke
Zuckerraffinerie, Leipnik-Lundenburger 1872, durch Zollerhöhung als Tsche chi sie rungsmaßnahme 1930 ruiniert
Brauerei, fürstliche
Schnapsbrennerei
Mühle und Säge, fürstliche, 1667/71, Neubau mit Anschlußgleis
Walzenmühle, fürstliche
4 Möbelfabriken
2 Hut- und Filzfabriken
2 Malzfabriken
Betrieb für Fischverarbeitung
Färberei und Spinnerei
Molkerei

4 Hotels: Deutsches Haus (später Grand Hotel), Bristol, Krone, Besedni dum.
Private Omnibus-Linien zur Beförderung der Schüler
5 Ärzte (6 bis 1918, 7 bis 1938)
2 Tierärzte
2 Fuhrunternehmen 2 Schmiede 4 Schlosser
Hafner Gerber

Vereine, Genossenschaften:
Musik- und Gesangverein 1865
Eislaufverein 1872
Ruderverein 1874, Grundstück vom Fürsten Liechtenstein kostenlos, Vereins farben daher Farben des Hauses, blau-weinrot, (1888 bis 1938 Renn strecke auf der Thaya, internationale Ruderregatten)
Turnverein 1875 zweitältester Südmährens
Freiwillige Feuerwehr 1880 (Kuffnersche Fabrikfeuerwehr 1875)
Casino- und Leseverein 1882
Deutscher Schulverein 1882
Gymnasiumverein 1897
Pädagogischer Verein 1900
Bund der Südmährer 1902
Sängerbund Freiheit 1908
Deutscher Lehrlingshort 1908