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Luggau

48° 51′ N, 15° 55′ O

Lukov

Znaim

Geschichte
Für 1284 ist die Pfarre beurkundet, das Dorf muß zur Zeit der Gründung von Kloster Bruck 1190 zur Grundausstattung mit 22 Dörfern gehört haben. 1358 tauscht das Kloster Panditz gegen den Ort ein, bald danach werden Dorf und Schloß verkauft, 1618 gelangt beides an die Grafen Althan. 1558 erhält Luggau das Marktrecht (bis 1864), das Gemeindesiegel muß eine tschechische Umschrift tragen. 1568 gehört Luggau zur Herrschaft Frain. Um 1600 ist ein Brau- und Malzhaus belegt. 1574 setzt Esther von Dietrichstein einen evangelischen Pastor ein, 1657 ist die Gemeinde – 140 Seelen – katholisch. 1805 und 1809 verursachen französische Truppen erheblichen Schaden. Am 20.November 1918 wird Luggau von den Tschechen besetzt und bleibt es
bis Juni 1919. Im I.Weltkrieg fallen 27 Mann, im Zweiten 23 Mann.

Ruine Neuhäusel: Ursprünglich dürfte ein Bau des Templerordens bestanden haben, gründend auf einer Schutzburg des 9.Jh. 1358 als Jagdschloß erbaut von Mgf. Heinrich, Enkel Kaiser Heinrichs VII., von den Luxemburgern verkauft, verschiedene Besitzer. Im 30jährigen Krieg von den Schweden schwer beschädigt, danach dem Verfall überlassen. Ab 1935/36 ist der Burghof als Gastgarten eingerichtet.
Der Ortsteil Neudorf entsteht 1798 aus einem Meierhof, den der Besitzer der Frainer Herrschaft, Josef Hillgartner, Ritter von Lilienborn, in eine Kolonie umwandelt. 1834 stehen hier 20 Häuser mit 104 Einwohnern, 1900 sind es 26 Häuser mit 118 deutschen Bewohnern, 1945 sind es 32 Häuser.

Brauchtum
Am Neujahrstag präsentieren die Handwerker die Rechnungen für die
während des Jahres ausgeführten Arbeiten, bei denen nur für größere Anschaffungen ein Vorschuß gezahlt wird.
Anfang Jänner kommt der Schmied, um den Roggen als Lohn für das Schärfen der Pflugeisen einzusammeln.
Am Mittwoch vor Ostern wird der Teich abgelassen, die Fische werden mit Netzen herausgezogen und in Fässer gefüllt.
Die Gemeinde überläßt 1859 dem Lehrer 4 Morgen Feld, er bekommt zu St.Martin 2 Metzen Roggen; für das Läuten gegen Gewitter 35 Bündel Roggen, von Baumöhl 19 Bündel Roggen; an geschüttetem 6 Metzen, dazu 8 Kreuzer für jedes Kind Schulgeld. Dafür muß er die Schule reinigen und kleine Reparaturen ausführen. Für den Orgeldienst erhält er 16 Gulden jährlich, für den Dienst als Kirchendiener 11 Gulden und 50 Kreuzer.

Am Neujahrsmorgen 1803 erklärt der Pfarrer von der Kanzel, der Kaiser habe ihm die Herrschaft Frain geschenkt, die Bauern brauchten keine Abgaben mehr zu zahlen. Anschließend bewirtet er die Gläubigen im Gemeindegasthaus mit Wein. Sie werden bald enttäuscht, als eine Kompanie Soldaten eintrifft und den Pfarrer, den Lehrer und zwölf Bauern in Ketten wegführt. Der Pfarrer wird als geistesgestört erklärt und ins Priestergefängnis nach Mürau gebracht, der Lehrer verliert seine Stellung. Die Hälfte der Bauern wird freigelassen, die andere Hälfte zu schweren Kerkerstrafen verurteilt. Den Pfarrer hat man viele Jahre später in Galizien gesehen, wo er wieder als Pfarrer wirkte. Die Luggauer sind seither die „Krachöhler“ (Krakeeler).

Matriken seit 1705.

Bedeutend: Dungel Adalbert, *20.6.1842, Abt des Benediktinerstifts Göttweig, Professor der Moraltheologie, † 10.7.1923 Göttweig.

Literatur:
Gregor, Gustav: Geschichte der Marktgemeinde Luggau. 1957

Bezirk Znaim, Gericht Frain
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Längsangerdorf 1402 ha, 415 m ü.d.M.

Flurnamen:
Groß-Teich, Klein-Teich, Groß-Ebisch, Klein-Ebisch, Quanten, Jaser, Hannef, Horka, Ern, Schmierofen, Hintere Ern, Hopfengarten, Krautgarten, Protschalka, Labuzin, Oberer Labuzin, Galgenquanten, Hinter der Mauer, Am Hadl, Brennofen, Müllner Breiten, Hungerleider, In den Grabeln, Bei der Stauden, Kalkofenleiten, Ramsbach, Gallisch, Horkagraben, Stoifirst, Predigtstuhl, Beim Teichtl, Beim Brünndel, Beim Hüttl, Kohlstatt, Geistliches Tal, Rehberg, Rabenfelsen, Sauwudler, Dürrer Hübel.

Viehzucht: bedeutend: Pferde, Kühe, Schweine:

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl.Aegidius 16.Jh. Umbau 1749, Restaurierung 1829 und 1931; Hochaltar, klassizistisch, von J.Winterhalter Mitte 18.Jh., beiderseits Grisaillemalerei hl.Petrus und Paulus; Kanzel und Orgel um 1775; Taufkessel um 1780; 5 Barockstatuen um 1740; 2 Kreuze 1759, Rokoko; 4 alte Glocken. Im Ersten Weltkrieg wurden drei geopfert, im Zweiten Weltkrieg alle.
Zum Pfarrsprengel gehören Baumöhl und Milleschitz.
Friedhof, 1825 am Ortsrand.
Pfarrhaus
Hl.Florian-Statue, 1830.
Großes Steinkreuz auf dem Friedhof, 1835.
Burg Neuhäusel, 3km, 1358 als Jagdschloß erbaut, von den Schweden zerstört.
Pranger, 1609, als Zeichen der Marktgerechtigkeit.
Kriegerdenkmal

Schulen:
Volksschule, Neubau 1841-45, erweitert 1897, zweiklassig; ein Lehrer 1706 genannt, Schulchronik seit 1787.
Kindergarten

Gewerbe:
2 Mühlen: Neuhäuselmühle mit Säge, Umlaufmühle.
Hebamme
Bäcker, Schmied, Wagner, Schneider, Sattler, Schuhmacher.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1908, Jugendwehr, 1917.
Bund der Deutschen Südmährens
Turnverein
Gesangverein, 1923.
Spar- und Darlehenskassenverein, 1901.