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Leipertitz

48° 53′ N, 16° 24′ O

Litobratřice

Nikolsburg

Geschichte:
Erste urkundliche Nennung 1278 mit Kirche und Pfarre, seit 1450 zur Herr schaft Mährisch Kromau gehörig. Schon 1530 ist ein evangelischer Pfarrer nachge wiesen. Wegen Beteili gung der Herren am Böhmischen Aufstand 1620 mit Herr schaft Mährisch Kro mau 1625 an Carl von Liechtenstein, Rekatho li sie rung 1622. Kaiserliche brennen L. im 30jährigen Krieg nieder. Großbrände 1842 und 1860. Zum 50. Regierungs jubiläum 1898 Anlage der Kaiserallee. Volksmission 1910, Missionskreuz neben dem Kircheneingang. Nach der Mo bil machung 1914 werden die Pferde abgeliefert, auf den Durchfahrtsstraßen Bar rikaden errichtet: ausländische Autos sollten Gold durch die Monarchie trans portieren. Bis August 1915 werden die Männer bis Jahrgang 1872 einbe rufen. Im Jahr 1916 Ablieferung von Messing und Kupfer, auch der Orgel pfeifen, und drei der fünf Glocken, 1918 folgt das Kupferdach vom Turm. Mitte Dezember besetzen tsche chische Soldaten L., im Feber 1919 wird das Geld ab ge stempelt. Die Ortsstraße wird 1923 gepflastert. Im Winter auf 1929 fallen die Temperaturen auf minus 33 Grad. Während der Sude tenkrise werden fünf Män ner als Geiseln auf den Spielberg gebracht, Pferde abge liefert. Am 8. Oktober marschiert die Wehrmacht ein. Die Straßen werden geteert, 1940 Zwangs be wirtschaftung aller Verbrauchs üter. Im Herbst 1944 werden Arbeitende auf den Feldern von Flugzeugen be schos sen. Im Feber 1945 wird L. als Verteidigungs stützpunkt ausgebaut mit Pan zer sperren, Schützenlöchern, Ma schi nen gewehr ständen, Splittergräben. Am 8. April wird die Bevölkerung evaku iert, aber in ner halb von drei Tagen kehren alle wieder zurück. Vom 5. bis 7. Mai liegt der Ort unter Beschuß, am 7. tötet ein Bom benteppich drei Frauen und dreißig Sol daten. Insgesamt beklagt L. 93 Gefallene und Vermißte. Am Abend dringen Sowjets in den Ort ein. Am 8. werden alle Pferde und viele Wagen wegge nom men. Fünf Buben finden durch eine Minenexplosion den Tod. Am 20. kom men tschechische “Partisanen”, verhängen das Standrecht, Radios, Fahrräder, soweit nicht von den Sowjets gestohlen, sind abzugeben, Vieh und Getreide werden beschlagnahmt. Am 13. Juni werden elf Männer verhaftet, mißhandelt, neun in Nikolsburg ins Gefängnis geworfen, zwei kehren zurück. Die “Gold gräber” kom men in Scharen, die Besitzer müssen für wenig Essen arbeiten, die Ernte ein bringen, am linken Arm eine weiße Binde mit schwarzem N tragen, ihre Le bens mittelkarten – ohne Fleisch und Fett – zeigen den Aufdruck “Deutscher”. Am 11. August werden sieben Familien nach Öster reich vertrieben, am 17. Sep tember 72 Männer und Frauen zur Zwangsarbeit in tschechisches Gebiet ver schleppt. Danach fliehen viele nach Österreich, eine Frau wird dabei von den Tschechen erschossen, zahlreiche Männer werden eingesperrt, einer wählt den Freitod. Die endgültige Vertreibung trifft am 8. März, 14. April, anfangs Mai, am 29. Mai, im Juni, anfangs Juli und am 25. Juli insgesamt 646 Per so nen. Sie kommen nach Bayern, Württemberg, Baden und Hessen. Erste Siedlungsbauten entstehen u.a. in Göppingen, Daisbach, Groß gart ach, je vier Sied lungs hö fe/ Land wirtschaftsbetriebe in Deutschland bzw. Österreich.

Bezirk, Gericht Nikolsburg 2225 ha 225 m ü.d.M.

Auf einem Plateau gelegen, im Süden bildet die Fuchsleiten mit 234 m den höchsten Punkt.
Flurnamen (der Grenzbegehung am Markustag, beginnend mit Kirchgang, Prozes sion zur Hl.Familie, Kreuz am Moskowitzer Weg, Hl.Dreifaltigkeit und Mariae Empfängnis, folgend):
Kirchlüß, Irritzlüß, Wehrhagen, Siebenvierteläcker, Niglsee, Haidlüß, Äußeres Feld, Ober-Paulowitz, Unter-Paulowitz, Gemeindewiesen, Haidl, Haidäcker, Unteres Kroatengebirg, Kurze Weide, Neusatz, Alte Haide, Haiden, Kurze Zugaben, Lange Zugaben, Lange Vierteläcker, Vierteläcker (Breiten)
Landwirtschaft: Getreide, etwas Wein- und Obstbau, Fischzucht (Ortsteich)
reicher Wildbestand

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Hl. Georg, 1278 erwähnt, 1790 umgebaut, Turm 1878 zu 37 m auf ge mauert; Orgel 1883; Turmuhr 1897; 1920 zwei neue Stahlglocken, eine Glocke wird 1935 gespendet; 1923 neue Orgelpfeifen. Friedhof zunächst um die Kirche, 1818 Gemeindefriedhof, außerhalb des Dorfes, 1903 vergrößert, Mauer umbau.
Pfarrhaus 1674, 1842 abgebrannt
Mariensäule bei der Kirche
Hl. Josef und hl. Antonius von Padua (1730) neben Kirchenaufgang
Hl. Dreifaltigfkewit (1870), Irritzer Str.
Hl. Familie (1780)
Hl. Johannes von Nepomuk (1743)
Marterl an der Dürnholzer (1909), Frischauer, Grusbacher (1875) Straße
Feldkreuze, Bildstöcke
Kriegerdenkmal, 1921, vor der Schule

Schulen:
Volksschule, 1674 von Fürst Hartmann von Liechtenstein einklassig gegründet, 1818 läßt Karl ein neues Schulgebäude errichten, es brennt 1842 mit der Nord hälfte des Dorfes ab, 1869 erweiterter Neubau: zweiklassige Schule, 1888 Neu bau, jetzt vierklassig, nach 1938 für kurze Zeit Hauptschule. Altbau wird Ge mein de gasthaus, der Zubau Gemeindesaal.
Kindergarten
Gemeindebücherei (1912 vom Schulverein eingerichtet)
Postamt (1894) mit Fernsprecher (1925)
Badehaus am Ortsteich (1895)
Elektrifizierung und Ortsbeleuchtung 1926
Autobusverkehr nach Nikolsburg und Znaim (1926); Bahnstation Frischau

Gewerbe
Ziegelei
3 Gastwirte 5 Gemischtwarenhandlungen 2 Fleischer
2 Bäcker 3 Schmiede Schlosser 2 Tischler
10 Maurer 3 Zimmerleute Sattler 2 Maler
3 Schuster 4 Schneider 2 Trafikanten

Vereine, Genossenschaften
Freiwillige Feuerwehr 1886, Rüsthaus, Schlauchturm 1936, Motorspritze 1941
Verschönerungsverein 1895
Männergesangverein 1898, Liedertafeln Mai, Silvester, Operettenaufführungen
(Winzerliesl, Rastlbinder, Waldvögerl)
Deutsch-völkischer Turnverein 1912
Veteranenverein 1913
Deutscher Kulturverband
Reichsbund der katholischen deutschen Jugend 1926
Volksbund der deutschen Katholiken
Raiffeisenkassa/Spar- und Darlehenskassa 1892, stellt 1912 Brückenwaage auf
Milchgenossenschaft (1925) mit Sammelstelle