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Lechwitz

48° 52′ N, 16° 13′ O

Lechovice

Znaim

Geschichte
Erste Nennung 1287, landesfürstlicher Besitz mit einer Veste. 1317 gelangt das Patronat der Kirche an die Klarissinnen in Znaim. 1657 wird die Kirche im Visitationsbericht nicht erwähnt, sie dürfte eingegangen sein. 1660 kauft Kloster Bruck die Herrschaft, nach dem Bau der Kirche nimmt der Ort durch die Wallfahrten einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. 1784 fällt er an den Religionsfond, wird 1824 erworben von den Freiherren von Kübeck, die als Patronatsherren Kirche und Pfarre erhalten müssen. 1808-1811 wird die Reichsstraße Znaim-Lechwitz-Pohrlitz gebaut als Verbindung zwischen den Reichsstraßen Wien-Prag und Wien-Brünn, 1938 wird auf Rechtsverkehr umgestellt.
Ab 1870 verkehrt eine Postkutsche zum Bahnhof Frischau.
1885 selbständige Pfarre, eingepfarrt sind Borotitz und Philippsdorf. 1888 zerstört eine Überschwemmung den tiefer gelegenen Ortsteil.
Um 1900 schreibt ein stocktschechischer Geistlicher einen Franz Schiffner als František Živna ins Taufregister.
Im I.Weltkrieg fallen 28 Mann. Die Gutshöfe in Groß-Olkowitz und Lechwitz werden von den Tschechen enteignet. Im II.Weltkrieg fallen 46 Mann. Im Herbst 1944 wird eine Volkssturmkompanie aufgestellt (mit Borotitz, Groß-Olkowitz, Pratsch und Panditz), jeden Sonntag erfolgt Ausbildung. Ende April 1945 wird die Evakuierung verfügt, aber nicht durchgeführt. Einige Familien verlassen den Ort. Am 7.Mai 1945 fällt eine Bombe auf die Kirche, am 8.Mai werden die Brücken durch die Wehrmacht gesprengt, die Sowjets marschieren ein, plündern, das Schloß wird ausgeraubt, Wertvolles vernichtet.
Am 19.August 1945 werden rund 300 Deutsche vertrieben, ca.40% bleiben in Österreich, die anderen gelangen nach Westdeutschland. Im Juni 1946 werden die restlichen 110-120 als Zwangsarbeiter zurückgehalten.

Brauchtum
Am Sonntag nach dem 2.Juli wird das Fest Mariä Heimsuchung gefeiert, zu dem viele Prozessionen kommen. Sie werden unter Glockengeläut eingeholt und in die Kirche geleitet. Auf dem Kirchplatz sind Verkaufsstände aufgebaut, Devotionalien werden verkauft.
Zum Fest Mariä Geburt am 8.September gehen die Lechwitzer auf dreitägige Wallfahrt zum Heiligen Berg in Nikolsburg (30km).
Über Pfingsten gehen die Lechwitzer auf viertägige Wallfahrt nach Maria Dreieichen, die Panditzer schließen sich an.

Matriken seit 1785 (davor ab 1694 bei Groß-Olkowitz).

Bedeutend:
Kübeck, Karl Friedrich von (1780 Iglau-1855 bei Wien), von Kaiser Franz Joseph in den erblichen Ritter- und Freiherrenstand erhoben, Begründer der Österr. Nationalbank 1818, Präsident des Reichsrats.

Kübeck, Max von (1835-1913), Sohn des obigen, 1867-1897 Mitglied des Reichsrats, Delegierter beim „Deutschen Bund“ in Frankfurt.

Wagner Franz (1860-1929), Abgeordneter im Mährischen Landtag 1905/07 und im Reichsrat 1907-1918, Bürgermeister 1887-1914.

Wagner Hans (1893-1984), Sohn des obigen, Lehrer, Abgeordneter vom Bund der Landwirte im Prager Parlament 1926-1938; Gründer des „Bundes der Südmährer in Österreich ‚Thaya’“.

Literatur:
Prock-Schauer, Hans: Heimatbuch der Gemeinde Lechwitz. 1988

Bezirk und Gericht Znaim

Straßenangerdorf 755 ha, 197 m ü.d.M.

Flurnamen: Großfeld, Mittelfeld, Granitz, Bruckäcker, Brunnäcker, Langäcker, Totenäcker, Halbachteln, Schloßteich.

Bodennutzung: Roggen 18ha, Weizen 179ha, Gerste 166ha, Hafer 25ha, Mais 31ha, Zuckerrüben 51ha, Klee 89ha (1939/40); Edelobst, Gemüse, Gurken, Weinbau.

Straßen, Plätze: Reichsstraße

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Mariä Heimsuchung 1718/21 anstelle der hölzernen Gnadenkapelle von 1695; Wallfahrtskirche mit Grundriß eines griechischen Kreuzes; Hochaltar teils Marmor, teils Stuck; mit Marienstatue aus Holz, zeitweise farbig; 4 Seitenaltäre: hl.Johannes von Nepomuk 1726; hl.Laurentius; hl.Rochus, hl.Sebastian und Rosalie; hl.Florian und Donatus; über dem Taufbecken Taufe Christi im Jordan von J.Winterhalter; Orgel 1725 von J.A.Richter, Brünn. 4 Glocken, 1741, 1750, 1779 (1917 geopfert, 1920 neugegossen), 1871.
Hl.Antonius von Padua, 1742.
Schloß, 1740, Sommersitz des Abtes von Kloster Bruck; 1824 zum Schloß umgebaut; das Schloßarchiv wird 1945 vernichtet. Im Park eine tausendjährige Eiche und der Rumpf des Schiffes, auf dem Kaiser Maximilian von Mexiko fuhr.
Kriegerdenkmal, 1922.
Kapelle Maria Siebeneichen, 1880.
Großes Steinkreuz, 1725 (am Friedhof ab 1786).
Marienstatue am Kirchplatz
Hl.Johannes von Nepomuk, 1760.
Hl.Antonius von Padua, 1742.
Bildstöcke und Marterln
Kriegerdenkmal, 1922.
Eine tausendjährige Eiche steht oberhalb vom Schloß.
Museum
Theater / Kino (Wanderkino), 1939.
Armenhaus
Lagerhaus
Bücherei, 1938.
Postamt
Gendarmerieposten
Busverkehr, 1925, Znaim-Lechwitz-Brünn.
Elektrifizierung, 1928-30.

Schule: Volksschule, Neubau 1828, Zubau 1889, 2.Klasse; schon 1740 Anfänge eines Schulbetriebs, ab 1774 in der Wohnung des Gemeindevorstehers; 1930 eine Klasse der tschechischen Minderheitsschule im Haus; 1931 Neubau für die Tschechen, deren Schule 1938 aufgelöst wird; 1944 zweiklassig.
Kindergarten, 1938.

Gewerbe:
2 Ziegeleien (bis 1941).
Mühle, 2 Milchsammelstellen
4 Gasthäuser, 4 Lebensmittelläden, 2 Bäcker, 2 Fleischhauer, Schlosser, 2 Schmiede, Wagner, Faßbinder, 2 Tischler, Zimmerer, Sattler, Maler, Gärtner, Trafik, Schneider, 4 Schneiderinnen, 2 Friseure, Fotograf, Steinmetz, 2 Schuhmacher, Maurer, Straßenwärter.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1898.
Spar- und Darlehenskassa, 1900.
Bäuerlicher Konsumverein, 1900
Veteranenverein, 1922.
Turnverein