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Klosterbruck

48° 50' N, 16° 3' O

Louka

Znaim

Geschichte
Markgraf Otto IV. von Mähren (meist Kunrad I. genannt) und seine Mutter Maria gründen am 25.Oktober 1190 an der Stelle, wo die Witwe Judith des Herzogs B?etislav, die vor ihrem Sohn Spitignew flieht, eine Wenzels-Kapelle erbaut hat, zur Ehre der Muttergottes und des hl.Wenzel ein Kloster, benannt nach der naheliegenden Brücke über die Thaya, bestiftet mit 23 Orten, von denen manche inzwischen eingegangen sind, im Jahr darauf kamen zehn weitere dazu. Zugewiesen wurden u.a. Olkowitz, Pratsch, Gurwitz, Taßwitz und Proßmeritz, Brenditz 1220, Alt-Hart, Roketnitz, Groß-Olkowitz, Domamil, Lodenitz 1220, Groß-Grillowitz 1225, Stiegnitz 1278, Mühlfraun 1288, Frischau 1539, Urbau 1583, Littohorn 1782.
Die ersten zwölf Chorherren kamen mit dem Abt vom Stift Strahov, 1200 wurde die Klosterkirche geweiht, der Olmützer Bischof verlieh das Patronat über St.Niklas in Znaim, Schattau, Klein-Tajax, Kaidling und Gnadlersdorf. 1242 plünderte Friedrich der Streitbare das Kloster aus, 1307 wurde das Kloster abermals zerstört.
1386 erteilte Papst Urban V. dem Abt das Recht, die Mitra zu tragen, seither war er Prälat und Standesherr in Mähren und Ungarn. 1422 zerstörten die Hussiten das Kloster, 1450 wurde es wieder errichtet. Zwischen 1546 und 1568 geriet es in arge Verschuldung und Verfall. Abt Sebastian Freytag von Cepiroh (†1585) konnte die Schulden tilgen, das Stiftsgebäude und die Patronatskirchen erneuern. Er legte eine Bibliothek und eine Druckerei (bis 1608) an, verteilte Gurkensamen an die Orte des Thayabodens und gründete eine Erziehungsanstalt, die 1650 durch Stiftung von 10000 Gulden durch den Pieslinger Grundherrn Eucharius Horst von Poronal um 6 auf 20 Plätze erweitert wurde. 1597 wurde eine „Seelenbeschreibung der Herrschaft Klosterbruck bei Znaim“ in deutscher Sprache angelegt.
Das Stift unterhielt 38 Kirchen, darunter 15 Pfarreien und 3 Lokalien.
Zur Herrschaft gehörten: Edelspitz, Oblas, Pumlitz, Esseklee, Teßwitz, Mühlfraun, Zuckerhandl, Brenditz, Krawska, Mramotitz, Baumöhl, Kallendorf, Klein-Tajax, Urbau, Rausenbruck, Gurwitz, Taßwitz, Borotitz, Lechwitz, Panditz, Proßmeritz, Groß-Olkowitz, Chlupitz und Lodenitz.
Die protestantischen Stände warfen 1620 den Abt ins Znaimer Gefängnis, übergaben die Kirche St.Niklas den Protestanten, vertrieben die Ordensangehörigen und enteigneten die Stiftsgüter. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde alles rückgängig gemacht. 1688 Umbau des Stiftsgebäudes. 1742 wurde der Abt von den Preußen gefangen genommen und mußte mit 60000 Gulden freigekauft werden, FriedrichII. hielt sich im Kloster auf. Barocker Neubau 1745 nach Plänen von Lukas von Hildebrandt, nicht abgeschlossen.
Das Stift zählte 96 Chorherren, als es 1784 auf Befehl Kaiser Josefs II. aufgehoben wurde. Der Güterkomplex wurde zerlegt in: Bruck, Lechwitz, Mißlitz, Kravska, Zuckerhandl, Mühlfraun und Butsch.
Das Gebäude wurde als Kaserne verwendet, 1800-1821 als Tabakfabrik, nach deren Verlegung nach Göding 1851 als k.k. Militär-Genie-Akademie bis 1869, danach wieder als Kaserne, das Infanterie-Regiment 99 war hier stationiert. Die Prälatur nutzte die Verwaltung des Religionsfonds, die Kirche wurde als Pfarrkirche geführt.
1827 wurde die Herrschaft Bruck an die Brüder Karl Emanuel und Leopold Franz von Liebenberg, Wiener Bankiers, verkauft. 1866 richteten die Preußen hier ihr Spital ein, 100 Mann starben an der Cholera und wurden am Friedhof begraben. Akademie und Kirchenschatz wurden ausgeplündert, aber wieder zurückerlangt, die geraubten Bücher wieder abgejagt.

Baudenkmäler:
St.Wenzelskirche: Die Konventskirche des Prämonstratenserstifts wird 1200 vom Bischof von Olmütz geweiht. Vom ursprünglichen Bau nur Reste von Prälatur und Kreuzgang, Grundriß der Stiftskirche und ältester Teil: Krypta; von den Hussiten verwüstet, später als dreischiffige gotische Basilika ausgebaut; Ab 1440 wird die Kirche erneuert, Niklas von Edelspitz baut Chor und Kreuzgang. 1576-80 im Renaissancestil umgebaut: neue Fassade, Zwiebelturm. 1581 neu geweiht zu Ehren der Himmelfahrt Mariens und des hl.Wenzel. Verfall im 30jährigen Krieg, 1632 durch Abt Benedikt Lacken aus Geras erneuert. 1679 barocke Umgestaltung: Zweiturmfassade, Kirchenschiff dreigeteilt. Der Aufbau eines großen Stiftskomplexes nach Plänen Lukas von Hildebrandts wird 1784 durch die Aufhebung des Klosters abgebrochen. Über dem Altar Bilder von Josef Winterhalter (1743-1807): Tod und Himmelfahrt Mariens, darüber Christus, der seiner Mutter die Hände entgegenstreckt. Die Fresken von Franz A.Maulbertsch (1794) werden zerstört oder übertüncht, die Ölbilder in andere Kirchen gebracht, Kunstschätze und kostbare Bücher oder Handschriften in alle Welt zerstreut. Die Schränke des Znaimer Kunsttischlers Johann Lahofer kauft Stift Strahov: dort muß der Bibliothekstrakt vergrößert werden, um sie aufzunehmen.
Ab 1784 Pfarrkirche für die Gemeinden des Thayabodens.
Noch auf einer Zeichnung von 1705 ist eine Barbara-Kirche zu sehen.
Friedhof, 1850 an die Teßwitzer Straße verlegt.
Kriegsgräberanlage mit Denkmal: 1866 werden an der Cholera gestorbene preußische Soldaten begraben. Begraben sind hier ferner 324 Kriegstote aus 1914-1918, neben Österreichern und Deutschen auch Russen und Italiener.
Pfarrschule, erste Volksschule des Thayabodens, Mitte 18.Jh., 1814 Trivialschule.

Vereine:
Kirchenchor, 1791.
Männergesangsverein 1886-1939, Mitglieder aus allen Thayabodengemeinden; 1925: 36 Sängerinnen und 58 Sänger. Theaterspiel ab 1925 auch in Pumlitz, Edelspitz und Klein-Teßwitz.