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Klein Olkowitz

48° 47' N, 16° 12' O

Oleksovičky

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1190 erwähnt als zu Kloster Bruck gehörig, 1540 an die Herrschaft Joslowitz verkauft, bei dieser bis 1848. 1676 bis 1706 dem Gericht von Rausenbruck unterstellt. 1790 wird der aus dem Danitzbach gespeiste Teich trockengelegt, wertvoller Ackerboden gewonnen. Unter Hochwasser haben die Bewohner besonders 1830, 1862 und 1900 zu leiden. 1831 kostet die Cholera 32 Tote. Als sich 1866 die Preußen nähern, ziehen die Bewohner mit beladenen Wagen auf dem Lammelberg, aber keine Preußen kommen. Nach drei Tagen kehren die Leute heim, jetzt kommen die Preußen und lachen sie aus.
Fast alle Weingärten fallen 1890-95 der Reblaus zum Opfer, veredelte Reben werden 1904/05 ausgesetzt. Im I.Weltkrieg fallen 12 Mann. Der Ort ist nach Zulb eingepfarrt. Zwischen 1920 und 1928 ist die Theatergruppe sehr rege und spielt u.a. „Der G’wissenswurm“ und „Der Pfarrer von Kirchfeld“ von Anzengruber, „Der Steinklopfer-Hannes“, und „Die Aschanti-Kinder“.

1935 erringt die Sudetendeutsche Partei 85% der Stimmen. 1936/37 bauen die Tschechen fünf Bunker. Mitte August 1938 werden die Bunker bemannt, Mitte September sägen die Tschechen die im Schußfeld liegenden Obstbäume ab, stellen Spanische Reiter auf und spannen Stacheldraht. Die Sudetendeutsche Partei wird verboten, viele Amtswalter gehen über die Grenze, um der Verhaftung auszuweichen. Bei der Mobilmachung wird der Ort von der Straße nach Joslowitz und den Weinkellern abgeschnitten, alle wehrfähigen Männer gehen über die Grenze. Ab 22.September dürfen nicht mehr als vier Personen zusammen auf der Straße stehen, ein ziviler Luftschutzdienst wird eingeführt. Die Einwohnerzahl ist auf die Hälfte gesunken. In der Nacht vom 29. zum 30.September werden die Straßensperren aufgelassen, die Sprengladungen aus den Brücken entfernt. Die Weinkellertüren sind aufgebrochen, Weinfässer liegen herum, überall Pfützen von ausgelaufenem Wein.
Am 9.Oktober 1938 marschiert die deutsche Wehrmacht ein. Die von den Tschechen zerstörte Häuslerbrücke wird von einer Pionierkompanie wieder aufgebaut.
Am 1.Feber 1939 werden die Einwohner mit Musik abgeholt und nach Zulb geführt; Klein-Olkowitz, das mit Kirche, Schule und Friedhof schon dazugehört, wird ganz eingemeindet. Beim letzten Kirtag am 27. und 28.August 1939 werden 200 junge Männer einberufen, danach wird getanzt und gesungen. Im II.Weltkrieg fallen 22 Mann. Bei einem Tieffliegerangriff kommt eine Frau um. Am 7.Mai 1945 sprengt die Wehrmacht die beiden Brücken über den Mühlbach.
Am 9.Mai 1945 dringen die Rotarmisten in den Ort ein, drei Wochen lang werden die Weinkeller geplündert, Fässer zerschossen, Türen ausgebrochen usw., Frauen werden vergewaltigt. Anfang Juni komen Tschechen und besetzen die Häuser. Acht Männer werden verhaftet und nach Znaim ins Lager verbracht. Am 8.August werden 54 Familien über Zulb zusammen mit den Zulber, Rausenbrucker und Mitzmannser Vertriebenen zur Grenze getrieben, wo das Gepäck noch einmal ausgeraubt wird. Bis zum Bahnhof Zwingendorf (2 km) sitzen sie am Straßenrand und warten, bis sie ein Bauer aufnimmt. Die letzten 387 Daheimgebliebenen gelangen im März 1946 über das Lager Znaim nach Westdeutschland: 136 nach Baden-Württemberg, 100 nach Hessen, 54 nach Bayern, 4 nach Nordrhein-Westfalen. 41 Personen bleiben in Österreich (21 im Bezirk Hollabrunn).

Brauchtum
Granitzschau im Frühjahr.
Zum Fest der Heiligen Drei Könige am 6.Jänner wird ausgerufen: „Die Heiligen Drei Könige sind da! Nein, sie sind noch nicht da, sie kommen erst morgen in aller Früh. So weit als der Hall geht und der Dieb stillsteht und in sein Haus niemand reingeht.“ Dann wird mit einem Holzscheit an das Scheunentor geschlagen, alle Räume werden mit Weihrauch geräuchert, jedes Stück Vieh bekommt ein Stück gesalzenes Brot, an jede Haustür wird K-M-B geschrieben.
Maibaumsetzen.
Kirtag am letzten Sonntag im August unter der Linde mit den Leuten aus Zulb. Am Sonntag ziehen die Burschen mit Musik in die Kirche zur Messe für die Gefallenen, die von ihnen gestiftet wird, anschließend Totengedenken am Kriegerdenkmal.
Martinifeiern (11.November): Heurigen Probieren.

Spitzname: Glöckelscheißer.

Matriken seit 1650 (bei Zulb).

Literatur:
Bauer, Karl: Ortsgeschichte von Klein-Olkowitz. 1951 (Manuskript)

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Angersiedlung 267 ha, 190 m ü.d.M.

Der Ort hat ursprünglich 24 Höfe: 13 Halblehen, 10 Viertellehen und ein Herbergshaus, zu denen je 2 Kuhweiden gehören, so daß 48 Kuhweiden bleiben.

Flurnamen: Kuh- oder Hutweiden an der Thaya, an der Straße nach Joslowitz die Bergen, Schobasse, Lange Quanten, Alten Berge mit den Geisbergen, Untere Weingartenäcker und Untere Teichäcker, Dreiquanten; Hausgartenäcker, Felberackerl, Buttenwinkel, Fadelkrotzen, Tengelhammer, Nachtweiden, Ziegelbruckäcker, Leiten, Mittagsweiden, Grubäcker, Breiteln, Vogelhauser, Flühang, Aschenäcker.
In der Ödung Gnast: Hollerstauden (Hausäcker), Heiden (Hoadln), Zuteilung.
Herrenwiesen, Glassteine, 24 Quanten oder Obere Joslowitzer Heide.
Bodennutzung: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer; Weinbau (Gutedel, Vöslauer, Veltliner, Muskateller, Portugieser), Gurken, Tomaten, Linsen, Bohnen, Mais, Klee (Luzerne, Esparsette, Rotklee etc.), Kartoffeln, Rüben, Möhren, Birnen, Äpfel, Pflaumen, Zwetschgen, Pfirsiche, Marillen, Kirschen.
Jagd: Feldhasen, Kaninchen; Fasane, Rebhühner.

Straßen, Plätze: Oberort, Unter der Linde, Dreifaltigkeit; Häuserzeilen mit den Siebenhäusern, den Teichdammhäusern und den Mühlbachhäusern; Fahrweg. Granitzdammweg zur Straße nach Joslowitz, Kirchsteigweg nach Zulb, Kellerweg, Weg zur Thaya, Kuhweidenweg, Scheibengrabenweg, Gartentorweg, Weidenweg nach Zulb, Mühlgrabenweg, Trift, Grubenackerweg, Holdergrubenweg (Hollerweg), Zu den Alten Bergen, Hohlweg oder Tiefweg, Flühangweg, Langequantenweg, Breitlweg, Wiengartenweg, Aschenackerweg, Ziegelofenweg, Siebzehnzuteilungsweg, Dreiquantenweg, Spulenweg.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Glockenhaus, Glockenweihe 1921, nach Requirierung im I.Weltkrieg.
Dreifaltigkeitssäule, 1832.
Hl.Maria, Marterl, Hl.Thomas, Marterl.
Schwedenkreuz auf dem Alten Berg.
Kriegerdenkmal, 1921.
Gemeindeamt mit Gemeindebücherei, Raiffeisenkasse, 1924.
Armenhaus, 1935.
Milchsammelstelle, 1924.
Elektrifizierung, 1929/30.
Post in Joslowitz bis 1944, danach Zulb.
Vier Gemeindebrunnen (6-10m tief); 42 Brunnen mit Saugpumpe, 15 Schöpfbrunnen.

Schule: in Zulb; dort 1889 Neubau, vierklassig.

Gewerbe:
3 Ziegeleien, Gemischtwarenhändler, Metzger, Schmied, Schreiner, Wagner, Trafikant, Schneider, Maurer.

Vereine:
Milchgenossenschaft, 1919/20.
Deutschvölkischer Turnverein, 1922 bis 1927 und wieder ab 1938.
Deutscher Kulturverband, 1935/36.
Freiwillige Feuerwehr, 1937.
Bund der Deutschen, 1938.