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Kallendorf

48° 47′ N, 16° 5′ O

Chvalovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich 1284 erwähnt als seit 40 Jahren Zehent leistend, für 1244 ist eine Kirche genannt, die bis 1772 zum Kloster Bruck gehört, eingepfarrt nach Klein-Tajax.
1799 und 1805 belastete der Aufenthalt russischen Militärs den Ort, 1809 die Franzosen. 1859 brennen 26 Häuser nieder. 1866 sind die Preußen im Ort. 1874 richtet eine Überschwemmung schwere Schäden an. 1886/87 wird die Bezirksstraße nach Gerstenfeld und 1888 die nach Schattau errichtet. 1900 selbständige Pfarre. Im I.Weltkrieg fallen 31 Mann.
Im Dezember 1918 wird der Ort von 80-100 Mann tschechischen Militärs besetzt, Lebensmittel werden requiriert, deutsche Schilder entfernt, die nächtliche Bewegungsfreiheit eingeschränkt. In Haus Nr.140 wird ein provisorisches Zollhaus eingerichtet. Ein Jahr später zieht das Militär ab. Drei Kinder mit einem tschechischen Elternteil sollen nach Klein-Tajax in die tschechische Schule gehen; da die Eltern dies ablehnen, werden die Kinder vom Unterreicht an der deutschen Schule in Kallendorf ausgeschlossen. 1920 wird in der Pfarrkirche die erste Firmung erteilt.
Der Weinbau geht zwischen 1897 und 1925 infolge von Schädlingsbefall von 94ha auf 37ha zurück.
1927 wird die deutsche Postmeisterin frühpensioniert und durch einen Tschechen von auswärts ersetzt.
Bei den Parlamentswahlen am 19.5.1935 erhält die Sudetendeutsche Partei 75% der Stimmen. Am 27.10.1935 kommen 500 Sokoln per Lastwagen angefahren, ziehen lärmend und singend herum, errichten ein Podium, halten Ansprachen und setzen eine Linde. Ihr provozierendes Verhalten führt zu Auseinandersetzungen, worauf sie die Gendarmerie zu Hilfe holen, die in ihrem Sinne eingreift. Am nächsten Tag werden etwa 60 Deutsche polizeilich vorgeladen, vier von ihnen festgenommen und im Znaimer Kreisgericht vier Wochen lang eingesperrt. 1936-38 werden auf Gemeindeboden 9 Bunker errichtet. Als im September 1938 die Mobilmachung erklärt wird, gehen fast alle wehrfähigen Männer über die Grenze nach Niederdonau. 1939 werden die zwei ersten Traktoren eingesetzt.
Von 180 Einberufenen fallen 37 Mann. 1945 bestehen 116 Keller mit 79 Preßhäusern. Am 9.Mai 1945 kommen die Rotarmisten von Gerstenfeld in den Ort, Raub und Vergewaltigung folgen, die Keller werden aufgebrochen, Wein wird abtransportiert und zuletzt auslaufen gelassen, Fässer und Bottiche werden zerstört. Tschechen besetzen die Häuser. 16 Menschen werden in tschechische KZs verschleppt, fünf Frauen und drei Männer kehren nicht mehr zurück; die Besatzer töten ein Mädel und zwei Männer.

Brauchtum
Neujahrswünsche der Kinder und Heilig-Drei-König-Singen.
Dreikönigsweihe mit Weihrauch, Wasser und Salz; Mensch, Tier und Haus werden besprengt, um Krankheit und Feuer fernzuhalten, man schlägt mit der Axt an Haus- und Scheunentor und spricht: „So weit mein Schall hallt, daß der Dieb stillsteht.“
An Lichtmeß (2.Feber) hört bei Handwerkern die Arbeit bei Licht auf, an Michaeli (29.September) beginnt sie wieder.
Die Faschingsunterhaltung währt drei Tage; ein Präsent wird ausgetanzt und an das meistbietende Mädchen gegeben. Am Aschermittwoch sammeln die Burschen Eier, Geselchtes, Wein und Geld und verzehren alles im Gasthaus. Am Aschermittwoch und an den nachfolgenden Sonntagen werden die Burschen von den Mädeln zu einem Festessen eingeladen.
Osterratschen der Buben, solange die Glocken schweigen, danach Geld- und Eiersammeln. Am Ostermontag, Emmaustag, werden Palmkätzchen auf die Felder gesteckt, die Leute gehen in die Weinkeller.
St.Markus: Bittprozession, Grenzbegehung des Gemeinde-Ausschusses mit Bürgermeister, Gemeinderäten und Gemeindediener.
Bittprozessionen an den Bittagen.
Dreifaltigkeitsprozession, Fronleichnam: Umgang.
Prozessionen zur Grundkapelle am 25.August und 8.September.
Maibaumsetzen beim Bürgermeister, bei den Gemeinderäten, beim Pfarrer, beim Lehrer, bei wohlhabenden Leuten, Gastwirten – und bei den Mädeln (von ihren Burschen gewidmet).
Maikränzchen.
Zu Pfingsten Wallfahrt nach Maria Dreieichen, kleinere Wallfahrten nach Taßwitz und Lechwitz.
Sommersonnenwende: Sonnwendfeuer mit Turnvorführung, Musik und Gesang.
Weinlesefest, von den Winzern veranstaltet, von der freiwilligen Feuerwehr organisiert. Im Gemeindesaal wird die Decke mit Weinranken geschmückt, mit Weintrauben, Birnen, Äpfeln und Nüssen behängt. Zum Fest werden ein Saalbürgermeister und eine Schar Feldhüter ernannt, die aufpassen, daß Weintrauben und Obst nicht ohne vorherige Bezahlung von den Ranken abgerissen werden. Ein erwischter Dieb muß eine Geldstrafe zahlen, tut er es während des Tanzes, wird sie verdoppelt. Um Mitternacht wird die „Amtsstube“ geschlossen, das noch vorhandene Obst wird freigegeben, das eingenommene Geld erhält die Feuerwehr.

Kirtag: drei Tage lang.

Martini: Weinkosten (Martiniloben) in den Weinkellern.
Federschleißen der Frauen und Mädchen, eingeladene Nachbarn und Bekannte, die Männer und Burschen gesellen sich zur Unterhaltung, zu Musik und Tanz dazu. Nach zwei, drei Wochen gibt es ein Mahl mit Kaffee, Glühwein, Tee und Kuchen: den „Federnhahn“.
Nikolaustag: Kinder stellen ihre geputzten Schuhe aufs Fensterbrett, die Eltern geben Nüsse, Äpfel, Zuckerwerk, manchmal auch Kohlestücke hinein.
Weihnachtsschießen am Heiligen Abend.
Am 26.12. Julfeier des Turnvereins.
Silvesterfeier, Neujahrsschießen, Theateraufführung.

Matriken seit 1743 (davor ab 1710 bei Klein-Tajax).

Literatur:
Hampel, Josef: Geschichte der Gemeinde Kallendorf. 1972

Bezirk und Gericht Znaim

Platzdorf 745 ha, 222 m ü.d.M.

Flurnamen: Großes Feld mit Unterteilungen: Langer Grund, Lange Grundsutten, Zuteilungen, Haiddürn, Haidl (Hoadl), Neurießen, Innere und äußere Haiden mit den Haidweingärten, Bärenäcker, Fichtlbreite; Lettenfeld mit den Unterteilungen Grundäcker und Kellerberg; Frauenbergfeld mit den Unterteilungen Grundäcker, Frauenberger Achteln, Feldweingärten, Frauenberger Weingebirg, der See und Gern.

Bodennutzung: Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Sommerweizen; Gemüse, insbesondere Gurken und Tomaten; Linsen, Erbsen, Wicken, Bohnen; Weinbau und Obstbau, besonders Marillen, Kirschen und Pfirsiche, auch Mandeln und Zitronen reiften.

Jagd: Rebhuhn, Hasen, Feldziesel, Hamster; selten: Fasane; alle drei Jahre ein Mäusejahr. Raubvögel: Bussard, Milan, Sperber, Habicht, Falke, Elster; Schleiereule, Kauz; Kiebitz; vereinzelt Wildenten.
Jagdertrag: jährlich 700 bis 800 Hasen, 400 bis 500 Rebhühner.

Straßen, Plätze: Reichs- oder Kaiserstraße, Schattauer Straße, Klein-Tajaxer Straße, Gerstenfelder Straße, Kellerstraße; Frauenbergweg, Schattauer Weg, Langenfelderweg, Grundweg, Kellerweg, Teichtweg, Hohl- oder Jungviertlerweg, Postweg, Haidweg, Dreifaltigkeitsweg, Retzer Weg, Urbauer Weg, Tajaxer Weg, Gangelsbergenweg, Tiefer Weg, Hillawothgasse, Lustiggasse, Wittrichgasse.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche St.Margaretha, gotischer Chor mit Kreuzrippengewölbe, Turm mit neugotischer Bekrönung, Südtor um 1500, spätgotisch; Langhaus 1626, mit Tonnengewölbe; Vorbau mit Marienstatue, barock; Kanzel, aus einem Stein, 1.Hälfte 16.Jh., Renaissance, Schalldeckel Mitte 18.Jh., Rokoko; Hauptaltarbild von Josef Winterhalter; Inneneinrichtung neugotisch.
4 Glocken 1560, 1753, 1777, 1779 (3 werden im I.Weltkrieg geopfert, 1924 erneuert, im II.Weltkrieg wieder abgegeben).
Ab 1900 Pfarrei, Pfarramt (Haus Nr.141), 1899.
Friedhof 1836, (davor an der Kirche).
Marienkapelle
Loretosäule, 1628, am Dorfplatz.
Hl.Anna, 1734.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1734.
Hl.Florian, 1764.
Kriegerdenkmal, 1921.
Bürgermeisteramt, 1850.
Gendarmerie, 1919.
Posthaltestelle, 1869, ab 1910 Postamt; Postkanzlei 1925.
Telefon- und Telegrafenamt, 1929.
Feuerwehr-Zeughaus, 1897.
Elektrifizierung, 1931.
Autobusverkehr Wien-Znaim über Kallendorf, 1925.
Asphaltierung der Kaiserstraße (erbaut 1752) im Ort, 1930.
Gemeinde-Stierstall 1927.

Schule: Volksschule 1891, zweiklassig, auf dem Platz der einklassigen Vorgängerin von 1822; Unterricht seit 1816.
Kindergarten, 1938 (durchschnittlich fast 40 Kinder).

Gewerbe:
Gemeindegasthaus, 1854.
Gast- und Einkehrhof an der alten Poststraße.
88 landwirtschaftliche Betriebe,
8 Handwerker mit Landwirtschaft: Gastwirt, Greißler, 3 Schmiede, Wagner, Holz- und Kohlenhändler, Gurkenhandel, Trafikant.
5 Handwerker ohne Landwirtschaft: Bäcker und Gemischtwarenhändler, Fleischhauer und Gastwirt, Schuhmacher, Friseur, Faßbinder.
Mit etwas Landwirtschaft/eigenem Grundstück:, 7 Maurer, Zimmermann, 3 Postbedienstete, Gemeindediener und Stierwärter, 2 Straßenwärter, 9 Fabrikarbeiter, 15 Taglöhner.

Vereine:
Männergesangverein, 1887.
Freiwillige Feuerwehr, 1893.
Südmährerbund, 1899.
Deutscher Schulverein, 1880.
Milchgenossenschaft, 1902.
Jugendbundgruppe des Südmährerbundes (Burschenschaft), 1906.
Deutschvölkischer Turnverein, 1920.
Kameradschaftlicher Unterstützungsverein gedienter Soldaten, 1920.
Landwirtschaftsverein, Ende 20er Jahre.
Pferde-Selbsthilfe-Versicherungsverein, 1930/31.


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