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Joslowitz

48° 45′ N, 16° 14′ O

Jaroslavice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1244 genannt, 1249 gibt Ottokar II. Joslowitz an den Znaimer Burggrafen von Pernegg. 1363 wird eine Burg mit Dorf genannt. 1535 gewährt Kaiser Ferdinand I. das Marktrecht. 1680 wird die Herrschaft Joslowitz mit der Frainer vereinigt. 1749 vernichtet ein Brand fast den ganzen Ort. 1851 wird der erste Wochenmarkt abgehalten. 1866 sterben 73 Menschen an der Cholera. Im I.Weltkrieg fallen 63 Mann. Am 17.Dezember 1918 marschiert tschechisches Militär ein, bricht Keller auf, stiehlt Vieh und schießt herum.
1920 wird eine tschechische. Minderheitsschule errichtet. Im Ort gibt es eine Finanzwache, die mit aufgepflanzten Bajonetten patrouilliert, eine Staatspolizei und eine Abteilung Geheime Staatspolizei. Die Leiter von Bezirksgericht, Steueramt und Post sind Tschechen. Als 1935 die Staatsflagge vom Musterungsgebäude abgerissen wird, verbieten die Tschechen den Turnverein ohne Beweise für Täterschaft und ziehen sein Vermögen ein. Zwei deutsche Rechtsanwälte erreichen einen Aufschub, man muß aber versprechen, keine politisch profilierten Funktionäre aufzustellen. National darf nur der tschechische Sokol auftreten. Am 23.September 1938 erfolgt die Generalmobilmachung, die meisten Männer gehen über die Grenze. Der Pfarrer und andere Repräsentanten der Gemeinde werden verhaftet und im Keller der Staatspolizeistation eingesperrt. Am 8.Oktober marschiert die Wehrmacht ein. Im II.Weltkrieg fallen 186 Mann.
Am 5.Mai 1945 kommen Rotarmisten, bald danach tschechische „Partisanen“. Am 19.Mai 1945 werden 28 Männer in das Arbeitslager nach Znaim verbracht und schwer mißhandelt, elf Deutsche werden ermordet. Manche fliehen über die Grenze, am 14.März, Juni, August und September 1946 gehen die Transporte von Znaim ab, im Jänner, Juni aus Österreich über Melk.

Brauchtum
Prozessionen führen am Dreifaltigkeitstag (1.Sonntag nach Pfingsten) und am dritten Bittag zur Dreifaltigkeitssäule, wo sich auch Eltern von den einberufenen Söhnen verabschieden.
Die Wallfahrt nach Maria Dreieichen fand am Freitag nach Christi Himmelfahrt statt. Früh um fünf war Messe, danach führt der Feldhüter mit der Kirchenfahne den Zug an, auf jeder Seite begleitet ihn ein Vorbeter. Hinter der Jugend folgen die Männer, dann die Frauen. Bei der „Freisinger Molta“, einem Marienbild an der Kadolzer Straße, nahe der Grenze, verabschieden sich die Daheimbleibenden, viele geben Geld mit für eine Kerze. Weit draußen an der Straße mußte ein jeweils gewählter Bäcker stehen, der den Heimkehrern Kipferl verkaufte, da jede Dreieichenfahrerin bekannten Kindern als Mitbringsel ein Dreieichenkipferl mitbrachte – von dem jeder wußte, woher es stammte. Hinter der Prozession fahren die Binkerlwagen, mit prächtigen Pferden bespannte Planwagen, die am Heimweg neben den Binkerln manchen Maroden aufnehmen. Nach einer Übernachtung auf Stroh in einer Scheune oder in einem leeren Saal eines Gasthofs kam man am nächsten Morgen in die Wallfahrtskirche. In der Mittagspause wurden Andenken gekauft sowie Bänder und Blumen zum Schmücken der Fahne. Ein heilkräftiges Brünndl wurde besucht, manche füllten dort eine Flasche. Am späten Nachmittag war Auszug aus der Kirche. Am Sonntagabend kam man müde und staubbedeckt heim. Vor der Grenze wurde die Fahne geschmückt, voraus fuhren jetzt die Binkerlwagen, der Herr Pfarrer wartete schon mit zwei Ministranten an der „Molta“, daneben viele Verwandte und Bekannte mit Blumen. Die Kinder bekommen ihre Kipferln, der Pfarrer segnet die Wallfahrer, dann begeben sie sich zum Segen in die Kirche.

Matriken seit 1729.

Bedeutend:
Frei, Hans, Sänger, *1862 in Joslowitz, seit 1884 an der Hofoper in Wien.

Literatur:
Wittek, Gusti: Erinnerungen an Joslowitz. 1968
Markel, Josef/Lederer, Hermann/Frei H. u.a.: Marktgemeinde Joslowitz. 1976
Mlejnek, Emil: Ortsgeschichte Joslowitz. 1980
Böhm, Hans: Joslowitz. Geschichte eines Dorfes im Wandel der Zeit. 1999
Wittek, Karl: Ortschronik Joslowitz. o.J.
Wittek, Karl: Geschichte der Herrschaft und des Schlosses Joslowitz. o.J.
Wittek, Karl: Alte Joslowitzer Verduten. o.J.
Wittek, Karl: Gedenkblatt der Opfer 1939-1945 Marktgemeinde Joslowitz. o.J.
Wittek, Karl: Joslowitz in graphischen und Bilddarstellungen im 19. und
20.Jahrhundert. o.J.

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Platzort 1616 ha, 189 m ü.d.M.

Flurnamen: Tauber-Locka (Lacke vor dem Haus Tauber), Schuldengasse (Darlehen zum Eigenheimbau von weniger Begüterten).

Bodennutzung: Getreide, Mais, Raps, Hirse, Mohn, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gurken, Kraut, Paprika, Kürbisse, Melonen, Karotten, Hülsenfrüchte; Weinbau.

Jagd: 1000 Rebhühner, 1644 Hasen.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl.Aegidius, 1788/91 im Stil des Spätrokoko/Frühklassizismus; erwähnt 1325. Patronat beim Schloßherrn; spiegelgewölbtes Langhaus, halbkreisförmig geschlossener Chor, Westturm; 3 Altarbilder von Johann Höfel 1805/19; Bildhauerarbeiten von Andreas Schweigel. Aufgang mit klassizistischem Tor um 1790. 1944 werden die 2 Glocken geopfert.
Friedhof, 1782.
Mariensäule am Marktplatz, 1750 (1882 umgestellt).
Dreifaltigkeitssäule, 1736, an der Zulber Straße.
Johannes von Nepomuk im Schloßhof und im Park, beide 1736.
Hl.Donatus, 1736, an der Zwingendorfer Straße.
Hl.Antonius von Padua, 1735, Schloßberg.
Hl.Florian, 1700.
Rotes Kreuz an der Schloßmauer.
Mariandl-Molter auf dem Schloßberg.
Zahlreiche Kreuze und Marterln.
Schloß, 1730/36 von Josef Emanuel Fischer von Erlach; davor Burg schon 1250 genannt, Renaissance-Umbau im 4.Viertel des 16.Jh., 1680 ausgebaut: vier Flügel um Laubenhof. In der Schloßkapelle Deckenfresko von Fr.Anton Maulbertsch; Kanzel und Gestühl um 1680. Im Schloßhof Brunnen mit Putten.
Kaiser-Josef II.-Denkmal, 1911, 1918 von den Tschechen beschädigt und abgeräumt.
Kriegerdenkmal, 1921.
Rathaus, 1884-89.
Gemeindekrankenhaus, 1904.
Gemeindesparkassa, 1900.
Bezirksgericht
Steueramt
Heimatmuseum
Zollhaus, 1936/37.
Bahnhof Possitz-Joslowitz, 1870 an der Strecke Znaim – Lundenburg.
Artesischer Brunnen, 1902.

Schulen:
Volks- und Bürgerschule 1898, Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsschule, davor Neubau 1829, zweiklassig, 1862 dreiklassig, Anbau 1873, vierklassig, 1889 fünfklassig; Bürgerschule, dreiklassig, ab 1930 auch für Mädchen; Schulgarten und Versuchsfeld 1904.
Gewerbeschule 1903/04, zweiklassig.
Kindergarten 1918.

Gewerbe:
Mühle
3 Ziegeleien
Elektrizitätswerk 1913-1925.
2 Autobusunternehmen, 2 Taxi-Unternehmen.
Fleischhacker, Bäcker, Konditor, Schneider, Schneiderinnen, Hutmacher, Schuster, Friseure, Fotograf, Uhrmacher, Schlosser, Messerschmied, Wagner, Schmiede, Sattler, Faßbinder, Maurer, Dachdecker, Brunnenbauer, Blechner, Schreiner, Glaser, Elektriker, Maler, Gärtner.

Jahrmärkte: An den Montagen 1) erster im April, 2) nach Laurentius (10.August), 3) vor Michael (29.September).

Vereine:
K.u.k. Militärveteranenverein, 1875.
Gesang- und Musikverein, 1880.
Freiwillige Feuerwehr, 1886.
Deutschvölkischer Turnverein, 1903.
Deutsch-Christlicher Burschenverein, 1910.
Deutscher Schulverein, 1910.
Burschenverein „Jung Teutonia“, 1911.
Arbeiter-Turn-und-Sportverein, 1919.
Jungfeuerwehr, 1926.
Frauenfeuerwehr, 1940-1945.
Joslowitzer Sparkassa / Gemeindesparkassa, 1874.
Milchgenossenschaft, 1911.
Lagerhausgenossenschaft