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Hosterlitz

48° 57′ N, 16° 16′ O

Hostěradice

Znaim

Geschichte
Der Ort wird 1197 erstmals urkundlich genannt, 1222 besteht die Pfarrkirche St.Kunigunde. Der Deutsche Ritterorden schafft hier 1222 eine Kommende. König WenzelI. stattet ihn 1237 mit Grund aus, daneben besitzt das Kloster Bruck Grund. Bereits 1319 besteht Marktrecht, König Johann gibt dem Heinrich von Lipa Hosterlitz und Nispitz im Tausch gegen Zittau. Mitte des 14.Jh. wird der Ort mit der Herrschaft Kromau vereint, 1425 von den Hussiten zerstört, nach dem Böhmischen Aufstand weggenommen, 1625 gibt ihn FerdinandII. an Gundakar von Liechtenstein, bei dessen Haus Hosterlitz bis 1912 bleibt. 1809 lagern die Franzosen hier. 1918 brennen 123 Häuser, Rathaus, Schule, Spital und Pfarrhof nieder.
1932/33 wird eine tschechische Minderheitsschule im Rathaussaal etabliert, von 4 Kindern aus dem Ort und 4 aus in Pflege genommenen Waisenkindern besucht. Die tschechischen Gendarmen widmen sich vor allem der Bespitzelung der Deutschen und ihrer Vereine, wobei sie sich manche Übergriffe leisten. Dem Mobilisierungsbefehl im Mai 1938 leisten alle Folge, dem im September keiner mehr: man geht über die Grenze oder versteckt sich. Das Kirchweihfest vom 12. bis 14.September wird am 14. abgebrochen zum Zeichen der Trauer für die zwei bei Eger erschossenen deutschen Buben, mehrere Trauerfahnen werden gehißt. Die Landsturmmänner werden zum Ausheben von Schützengräben im Raum Moskowitz–Lechwitz eingesetzt. Alle Radios müssen abgegeben werden, zur Sendezeit der Nachrichten des Wiener Senders wird für eine Dreiviertelstunde der Strom abgeschaltet. Da die Männer nicht zur Schanzarbeit erscheinen, kommt am Tag der Unterzeichnung des Münchener Abkommens ein Oberstleutnant mit einem Trupp und 3 Kleinpanzern, die mit herumfuchtelnden Maschinengewehren im Ort herumkreisen, Patrouillen von je 3 Mann nötigen die Arbeitspflichtigen zur Folgeleistung, der Bürgermeister wird unter Bewachung gestellt. Eine jüdische Familie und einige tschechische Familien verkaufen ihre Häuser an Ortsansässige und verlassen den Ort. Die Radios werden wieder zurückgegeben. Am 10.Oktober fluten die tschechischen Militäreinheiten über das Gemeindegebiet zurück, zuletzt die Finanzwache, ihnen folgt die Wehrmacht, das Aufklärungsregiment Nr.9 unter Oberstleutnant Hauenschild. Im April 1939 wird die Gemeinde dem Kreis Znaim zugeordnet. In der Folgezeit erlebt die Landwirtschaft einen Aufschwung mit erweitertem Gemüseanbau. Im Krieg arbeiten nacheinander jeweils 30 französische, jugoslawische und italienische Kriegsgefangene anstelle eingerückter Männer, daneben polnische und ukrainische Arbeitskräfte. Im Ort leben 200 wegen des Bombenterrors aus dem Ruhrgebiet-später auch aus Wien-Evakuierte. Im Krieg fallen 95 Mann.
Am 6.Mai 1945 wird der Ort bombardiert, eine Evakuierte aus Wien und zwei Kinder werden getötet, am 8.Mai, als sich eine Panzergruppe in Scheunen versteckt hat, werden bei einem zweiten Bombenangriff sechs Personen und zehn Soldaten getötet und 40 Häuser zerstört. Alle Brücken und zwei zurückgelassene Geschütze werden gesprengt, dann besetzen die Rotarmisten den Ort, plündern und verfolgen zwei Tage lang die Frauen. Am 16.Mai kommen die tschechischen „Partisanen“, Requirierungen und Plünderungen folgen. Der Volksschulrektor und der Bürgermeister werden in den Keller gesperrt, mißhandelt und in das Lager in Mißlitz getrieben. Am 23.Mai werden sie und andere Festgenommene schwer verprügelt. Am 25.Mai wird nachmittags auf dem Marktplatz auf einem Doppelmast der Stromleitung ein Galgen errichtet, alle Einwohner über 15 werden gezwungen, dort zu erscheinen, Männer und Frauen werden getrennt aufgestellt, ebenso die Angehörigen des Volkssturms. In jedem Tor, in jeder Tür steht ein Posten mit Gewehr im Anschlag. Die beiden gefesselten Anführer des Volkssturms werden aus dem Rathaus hergeführt. Ein „Kommissar“ liest in deutscher Sprache ab, der Schulrektor habe einen Mann in einen Schweinestall im Rathaus sperren lassen, der Müller habe einen Mann in einen Schweinestall gesperrt und bolschewistischen Hund genannt. In Wahrheit war der betrunkene Mann von einem Oberfeldwebel aufgegriffen und eingesperrt worden. Die Verurteilten müssen auf einen Tisch und die daraufstehenden Stühle steigen, Stricke werden ihnen um den Hals gelegt, die Stühle weggezogen. Beide Stricke reißen, beide Männer fallen auf den Boden, sie werden sofort durch Genickschuß getötet. Alle Zuschauer müssen rufen: „Wir danken unserem Führer!“ Die Ehefrau des Rektors hat zusehen müssen, von Frauen gestützt und gehalten. Die Frau des Müllers kann nicht anwesend sein, da sie von den Tschechen so geschlagen worden ist, daß sie zu Hause liegenbleibt. Dafür muß ihre 15jährige Tochter zusehen, wie der Vater ermordet wird. Die Toten sollen einige Tage liegenbleiben, am nächsten Tag befiehlt ein russischer Offizier, der durch den Ort kommt, die Leichen zu entfernen und jegliche Verfolgung künftig zu unterlassen.
Die anderen Inhaftierten werden am 28.Mai entlassen. Am 8.Juni werden 14 bis 16 Mann in das Arbeitslager in Mährisch Kromau verschleppt, weitere Männer und Frauen folgen, darunter unvorsichtige Heimkehrer und Frauen, die für Frauenschaft oder NSV tätig gewesen sind. Im Arbeitslager sind Mißhandlungen an der Tagesordnung, die Arbeitszeit von 6 bis 18 Uhr, im Winter von 7 bis 17 Uhr, zu essen erhält jeder 200g Brot, abends und mittags eine salzlose Suppe, Strafexerzieren kann bis 22 Uhr dauern. Ein Mann wählt den Freitod, drei verunglücken, zwei sterben an Erschöpfung. Die im Dorf Verbliebenen werden ausgeraubt und müssen als Sklaven arbeiten, manche auch in tschechischen Orten. Die Höfe werden meist von Arbeitern der Meierhöfe besetzt. Am 14.Februar 1946 geht der erste Vertreibungstransport ab, um Ostern der zweite und dritte, die Eingesperrten kommen erst im August bis Dezember heraus, alle mit 50kg Gepäck. Im Sammellager Mißlitz wird das Gepäck ausgeraubt. In Österreich bleiben 58 Personen, nach Westdeutschland gelangen 1085.

Jahrmärkte: An den Dienstagen 1) vor Fasching, 2) vor Christi Himmelfahrt, 3) vor Mariä Himmelfahrt (15.August), 4) nach Mariä Namen (12.September), 5) vor Katharina (25.November).

Brauchtum
Beim Kirchgang versammeln sich die Nispitzer beim Gassel, die Chlupitzer beim Kofta-Eck, in der Kirche sitzen die Nispitzer rückwärts an der Südseite, die Chlupitzer im mittleren rückwärtigen Teil.
Beim „Fadlmork“ (Schweinchenmarkt) am Mittwoch erkennt man am Äußeren die „Draußeren“ (Wainitzer), die „Droberen“ (Tschechen), die „Drunteren“ (Olkowitzer) und die „Drüberen“ (Mißlitzer).
Vom Gründonnerstag bis Karsamstag ersetzen die Buben mit Ratschen und Klepperln die Glocken, bewacht von den Anführern mit ihren „Karawatschen“ (Karbatschen), aus dünnen Weidenruten geflochten, danach gehen sie zu den Geschäftsleuten und fordern ihren Lohn: „Basl, möcht’ aa bitt’n um a’ Klepperl-Aa (Ei).“
Am Fest Kreuzauffindung, 3.Mai, geht die ganze Gemeinde in Prozession zum Steinkreuz, wo eine Andacht gehalten wird.
Wallfahrten führen nach Lechwitz am 13.Juni, zu hl.Antonius, mit den ersten roten Kirschen, zu Pfingsten auf drei Tage nach Maria Dreieichen.

Am Ostermontag gehen die Buben von Haus zu Haus:

„ Geht’s, geht’s, Basl, gebt’s uns nur a rot’s Aa.
Wonn’s aa ner a weiß’ waa,
loßt’s uns net soo long losn,
mir hom a z’rissane Hosn,
da geht uns da Wind aus und ein
und mia kennan ka rot’s Aa daschrein.“

Mancher meint:
Heiratst a Scheene, bold rennt’s da davoh,
heiratst a Schiache, de bringst nimma oh’,
heiratst a Reiche, host nix mea zon sog’n,
heiratst a Oame, donn knuat da da Mog’n.

Matriken seit 1653.

Literatur:
Annerl Fritz: Die Marktgemeinde Hosterlitz. 2006.

Bezirk und Gericht Mährisch-Kromau

Längsdreiecksanger 1499 ha, 212 m ü.d.M.

Flurnamen: Joseffeld, Feldweingarten, Gemark, Teichtfeld, Mühlberg, Sandberg, Zwischenberg, Satzäcker, Äußere Heiden, Lange Heiden, Innere Heiden, Hinterberg, Oberberg, Mitterberg, Freiacker.

Bodennutzung: Weizen, Gerste, Roggen, Mais, Hirse, Zuckerrüben; Wein, Aprikosen, Pfirsiche.
Rinder: sudetendeutscher Rotscheck, Pferde: Kaltblütler.

Jagd: Feldhasen, Fasane, Kaninchen, Rebhühner, wenige Rehe.

Straßen, Plätze: Große Neustift, Kleine Neustift, Neustiftgassel, Marktplatz, Oberer Markt, Unterer Markt, Gassel, Schwemme, Gasselberg, Große Klausen, Kleine Klausen, Große Gai, Kleine Gai, Spitz, Hintaus; Znaimer Straße, Mißlitzer Straße, Moskowitzer Straße, Nispitzer Straße, Chlupitzer Straße, Teichtfeldweg, Mühlweg, Heidweg, Freiackerweg, Grundweg, Steinerbrückel, Grund.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Kunigunde, ehemalige Komtureikirche des Deutschen Ritterordens; dreischiffige Pfeilerbasilika, spätromanisch-frühgotisch, 2.Hälfte 13.Jh.; Kreuzgewölbe im Chor 2.Hälfte 16.Jh., Knospenkapitelle, Sitznische und spitzbogiges Tor zur Sakristei 13.Jh. Umbau 1471/86 spätgotisch, Kreuzrippengewölbe im Mittelschiff, im südlichen Seitenschiff Sternrippengewölbe; im östlichen Teil zur zweischiffigen Halle erweitert mit Kreuz- und Netzrippengewölbe. Nördliches Tor und Orgelempore mit Netzrippengewölbe spätgotisch. Freskenreste aus dem 14.Jh.; Hochaltar 1780 frühklassizistisch; Tabernakel im Stil des Rokoko; rechter Seitenaltar 1.Hälfte 18.Jh.; Taufstein 1820; Kanzelfuß gotisch, Maßwerkbrüstung Ende 15.Jh. Vesperbild um 1520 im nördlichen Schiff; Turm 36m, 3 Glocken: Große (an Sonn- und Feiertagen), Zwölferglocke (werktags) und Sturmglocke. Die alte Kirche, um 1000, dient als Durchgang zum Pfarrhaus.
Eingepfarrt sind Chlupitz und Nispitz.
Mauerreste der anschließenden Komturei mit rundbogiger Zugbrücke und gekuppelten Fenstern, 13.Jh.
Karner, 3.Viertel 13.Jh., frühgotisch, Kreuzrippengewölbe.
Friedhof-Hauptkreuz, 1903.
Immakulata-Säule (Pestsäule), auf der Balustrade die Heiligen Josef, Joachim, Urban, Sebastian, 1728.
Kapelle mit dem gegeißelten Heiland an der Friedhofmauer.
Kapelle „Zu den drei Brünndeln“ im Ortsteil „Kleine Klausen“.
Steinkreuz, 1777.
Hl.Anna am unteren Markt.
Hl.Johannes von Nepomuk vor der Kirche und an der Gaierbrücke.
Hl.Johannes von Nepomuk am oberen Markt.
Marterl bei Nr.207.
Feldkreuz an der Allee nach Chlupitz.
Rathaus, 1514/15, mit Säulenhalle im 1.Stock, dort Markt bei Schlechtwetter, sonst im Hof. Ratsstube mit schönem Renaissance-Deckengewölbe; davor Prangerstein.
Kriegerdenkmal
Haus Nr.54 spätgotisch.
Renaissancehaus mit Runderkern.
Gasthaus mit wappengekrönten Renaissancefenstern, 16.Jh.
Gemeindebücherei
Armenhaus, 1930.
Isolierstation, 1920.
Post, 1924.
Telephon, 1942.
Bus
Elektrifizierung, 1926.

Schule: Volksschule, 1807, erweitert 1839, sechsklassig, seit 1883 auch für Chlupitz und Nispitz, mit landwirtschaftlicher Fortbildungsschule (2 Winterhalbjahre).
Kindergarten des Deutschen Kulturverbands

Gewerbe:
Mühle, 3 Ziegeleien
Schotterwerk und Betonwarenwerk: beschäftigt bis zu 50 Arbeiter; Gneis vom Steinbruchberg unterhalb des Klausenbergs wird in vielen Schotterfuhren an die Straßen gebracht und zu „Schodahaifln“ aufgebaut für die Reparatur zerstörter Fahrbahnen. In den „staden“ (stillen) Monaten ein Nebenverdienst für manche Einwohner.
Molkereibetrieb (10000 Liter täglich, Hosterlitzer Butter wurde vielfach ausgezeichnet).
Früher Knopfdrechslereien
Dampfwäscherei mit Bad ab Kriegsbeginn 1939.
Arzt, Zahnarzt, Hebamme.
3 Gasthöfe, 8 Krämereien, 2 Bäcker, 2 Fleischer, 2 Wagner, Binder,
3 Schreiner, 3 Schmiede, 2 Schlosser, 2 Schneider, 3 Schuster.

Vereine:
Gesangverein
Freiwillige Feuerwehr
Turnverein
Veteranenverein
Kulturverein
Badverein
Kindergartenverein
Imkerverein
Raiffeisenkassa, 1890.
Molkereigenossenschaft, 1902.
Druckgenossenschaft, 1906.