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Gurwitz

48° 49′ N, 16° 10′ O

Krhovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1294 erwähnt, um 1300 ist Gurwitz ein selbständiger Gutshof, von Kloster Bruck 1505 gekauft samt der Ödung Neßlowitz und 2 Mühlen. Seit 1513 besteht eine Fischerzunft, 1583 wird die Abgabe zum Tod eines Bauern vom Abt erlassen. Nach dem 30jährigen Krieg scheint die Fischerzunft eingegangen zu sein. Eine Veste war im Krieg zerstört worden.
Im I.Weltkrieg fallen 21 Mann. In den letzten Jahren vor dem Anschluß 1938 entwickelt sich der Fremdenverkehr, vorwiegend Brünner kommen von Mai bis Oktober zum Angeln, im Sommer zum Baden in der Thaya. Im Steinbruch finden 40 bis 50 Männer Arbeit, geringere Verdienstmöglichkeit bietet weiblichen Arbeitskräften die Saisonarbeit in der Konservenindustrie in Znaim. Bei starker Übervölkerung genügt dies nicht zur wirtschaftlichen Besserstellung.
Im II.Weltkrieg fallen 43 Mann, vermißt bleiben 25 Mann. Am 8.Mai 1945 dringen die Rotarmisten ein, einige Tage später erscheinen tschechische „Partisanen“, treiben Männer und Frauen unter Beschimpfungen und Schlägen zusammen, am 18.Mai werden neun Männer nach Znaim verbracht, eingesperrt und brutal mißhandelt, sodann zu Zwangsarbeit verschleppt. Im Juni erscheinen tschechische Hausbesetzer. Am 29.Juli werden wahllos Männer zusammengetrieben und schwer mißhandelt. Dreizehn Männer und fünf Frauen werden nach Znaim gebracht. Andere werden nach Joslowitz befördert, sie werden so lange geprügelt, bis sie Geständnisse unterschreiben. Elf Männer kommen ins Kreisgericht nach Znaim und werden schwer mißhandelt. Am 8.August werden 880 deutsche Einwohner vertrieben, fünf bleiben im Ort. In Österreich bleiben 172 Personen, 706 werden von dort nach Deutschland abgeschoben.

Brauchtum
Umzug mit dem „Faschingsroß“, einer Gruppe älterer Burschen, die sich unter einer Plane verbergen, ein Treiber mit roter Mütze führt das „Roß“ an einem langen Zügel und knallt mit der Peitsche, begleitet von zwei Narren, Burschen, die zur allgemeinen Belustigung den Kindern nachlaufen.
Spitzname: Hühnerkragen

Matriken seit 1677 (bei Taßwitz).

Literatur:
Ristl, Rudolf: Gurwitzer Heimatbuch 1190-1945. 1983

Bezirk und Gericht Znaim

Zeilendorf 546 ha, 204 m ü.d.M.

Lage am Südosthang des Steinberges, wo der Mühlgraben von der Thaya abzweigt.

Flurnamen: Oberfeld, Unterfeld, Kleinfeld, Heideberg, Vogelsang, Saia, Herrenwiesen, Wiese, Bauernwiese, Heide, Metzenteilo, Kurzgarten, Honifacker (Hanfäcker), Dornengarten, Wide, Zulußwiesen, Obstgarten, Altenbiri (berg).
Bodennutzung: Gurken, Weißkraut, Wirsing, Rüben, Kartoffeln, Mais; Korn (Roggen), Weizen, Hafer, Gerste; Linsen, Bohnen, Blatterbsen, Erbsen, Hirse, Sojabohnen; Luzerne, Esparsette, Rotklee, Inkarnatklee, Steinklee; Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen, Nüsse, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen.
Weinsorten: Riesling, Muskateller, Neuburger, Sylvaner, roter und weißer Portugieser, Jakobi, Tafeltrauben.
Tiere: Pferde, Rinder, Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen, Hasen; Hühner, Gänse, Enten, Puten, Tauben.

Jagd: Hasen, Rebhühner, Fasane.

Straßen, Plätze: Oberndorf, Unterdorf, Neustiftgasse, Schöberlgasse, Klampfergasse, Kreuzschar, Dreckgassel.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Filialkirche St.Bartholomäus, 1867, davor eine Kapelle von 1756 (von 1234 bis 1784 zu Kloster Bruck, eingepfarrt nach Taßwitz seit 1578).
Friedhof, 1895 an der Bezirksstraße (davor Taßwitz).
Hl.Johannes von Nepomuk bei der Nesselmühle.
Kriegerdenkmal, 1921.
Feuerwehrgerätehaus 1893, umgebaut 1936/37.
Gemeindehaus
Armenhaus
Gemeindebücherei
Wehr an der Thaya, ca. 1870, nach Zerstörung des alten durch Hochwasser.
Elektrifizierung, 1928.
Bahnhof in Hödnitz

Schule: Volksschule, 1912 Neubau, dreiklassig, davor Schulbau 1830, einklassig, 1890 Anbau, zweiklassig; Filialschule von Taßwitz.
Kindergarten

Gewerbe:
Steinbruch (Gneis)
3 Gasthäuser, 3 Gemischtwarenhandlungen, 2 Bäcker, Fleischhauer, Schmied, 2 Tischler, 1 Wagner, 3 Schuster, Friseur, 4 Schneiderinnen.4 Schneider, Hebamme.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1893.
Turnverein, 1922/23.
Katholischer Jugendbund „Kornblume“, 1927.
Gesangverein, 1929.
Milchgenossenschaft, 1912.
Landwirtschaftlicher Konsumverein
Raiffeisenkassa, 1924.