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Grusbach

48° 50′ N, 16° 24′ O

Hrušovany nad Jevišovkou

Znaim

Geschichte
1131 hat die Kirche in Znaim hier Besitz, 1206 ist die Kapelle Besitz der Johanniter. 1378 ist eine Veste belegt, in ihr können sich die Hussiten behaupten, bis sie 1528 der von Kraigk vertreibt. Mitte des 16.Jh. ist Grusbach ein Marktort. 1619 wird der evangelisch gewordene Ort von den Kaiserlichen geplündert und in Brand gesetzt, die Bewohner umgebracht oder verschleppt. 1668 gelangt die Herrschaft mit Schloß und Markt samt Höflein, Grafendorf, Rostic und Ödungen an Michael von Althan. Durch Erbschaft gelangten die Güter an die Grafen von Hardegg und 1880 an die Grafen Khuen Belasi. Zwischen Grusbach und Emmahof stand eine 600 Jahre alte Eiche, die „Knödel-Eiche“, die 1934 vom Sturm gefällt wird. 1710 wird das Marktrecht durch JosefI. bestätigt.
1909 hält sich Kaiser Franz Josef auf der Durchfahrt zu den Manövern 20 Minuten lang auf dem geschmückten Bahnhof auf, Vereine und Schulkinder sowie die Bevölkerung huldigen ihm. Ein Mädchen überreicht einen Blumenstrauß mit den Worten: „Geruhen Eure Majestät, gütigster Landesvater, diesen Blumenstrauß als ersten Willkommensgruß im herrlichen Mährerlande, zum Zeichen der kindlichen Verehrung und Liebe von uns Schulkindern huldvollst entgegenzunehmen. Der liebe Gott erhalte und beschütze Eure Majestät, unsern lieben, guten Landesvater, noch viele, viele Jahre!“ Der Kaiser fragt sie und ihre Begleiterin nach Namen und Alter und schreitet dann die Front ab. Der Adjutant überreicht dem Kind ein goldenes Kettenarmband mit 28 Brillanten und zwei Rubinen und auf blauem Email die Buchstaben F.J.I. und die Krone.
Vor 1914 werden auf dem freien Feld östlich der Leipertitzer Straße Artillerie-Schießübungen abgehalten. Am 18.August feiern die Veteranen Kaisers Geburtstag mit Kirchgang, Böllerschüssen und Musik.
Im I.Weltkrieg fallen 65 Mann. Am 24.Mai 1919 wird an der Thaya ein Mann von einem tschechischen Soldaten tödlich verwundet. Turner, die von Haus zu Haus gehen und die Leute auffordern, am Leichenzug teilzunehmen, werden verhaftet und in Joslowitz wochenlang festgehalten. Bei der Bürgerschule und beim Gasthaus „Zum weißen Kreuz“ stellen die Tschechen Maschinengewehre auf, trotzdem ist ganz Grusbach bei der Demonstration. Jedes Jahr zieht die Jugend am 24.Mai zum Grab des Erschossenen und legt einen Kranz nieder, zuletzt 1939; 1934 wird am Grab ein Eichbäumchen gepflanzt. 1922/23 werden neun Kinder der tschechischen Minderheitsschule zugewiesen, auf Eingaben beim Obersten Verwaltungsgerichtshof können vier von ihnen wieder die deutsche Schule besuchen. Seit 1921 ist Tschechisch ab zweitem Schuljahr eingeführt. Nach der Bodenreform von 1925 bleiben von 2500 ha dem Grafen 730 ha; die Entschädigung, eigentlich nur ein Zehntel des Wertes, erfolgt erst 1931/32. 1937 erreicht die Arbeitslosigkeit mit 320 Personen ein Rekordhoch.
Im II.Weltkrieg fallen 130 Mann. Am 8.Mai 1945 sind die Rotarmisten im Ort, Vergewaltigungen folgen. Bald tauchen Tschechen auf und besetzen Häuser, im Schulhaus werden zahlreiche Männer mißhandelt, am 21.Mai werden neun Männer in das Gefängnis Robotarna in Znaim getrieben und dort stundenlang ausgepeitscht, einer stirbt daran. Dann werden sie in das Konzentrationslager Mannsberg gebracht und zu Außenarbeiten eingesetzt. Ein Mann tötet sich nach wiederholter Mißhandlung. 1946 werden die Deutschen vertrieben, 503 Familien nach Deutschland, 195 nach Österreich.
1887 wird in der Flur Goldbreite ein Germanengrab aus der 2.Hälfte des 5.Jh. gefunden.

Wahlergebnisse:
1923 Gemeindewahl: Sozialdemokraten 41% (stärkste Fraktion)
1927 Gemeindewahl: Kommunisten 28,6% (stärkste Fraktion)
1931 Gemeindewahl: Sozialdemokraten und Bund der Landwirte
je ca. 24%.
1935 Parlamentswahlen: Sudetendeutsche Partei (SdP) 37,6%
1938 Gemeindewahl: SdP 71,8%.

Brauchtum
Kirtag am Sonntag nach St.Laurentius (10.August)
Am Neujahrstag wünschen die Kinder Onkeln und Tanten, Godl und Gejd:
„I bi a kloas Binkerl
und stöll mi ins Winkerl,
und waun i nix kau,
so faung i nix au.
Mei Wunsch is aus
Und des Zehnerl raus.“

Matriken seit 1676.

Literatur:
Brandl, Emma: Mein Heimatort Grusbach. 1952
Wolf, Peperl: Unvergessenes Grusbach. 1986

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Platzdorf 2339 ha, 181 m ü.d.M.

Flurnamen: Haidfeld, Haidhof, Haidstösseln, Breitfeld, Hausweingärten, Schleiferberg, Junges Weingebirge, Hintere Weingärten, Lamplweide, Neurieß, Ortsried, Retzer, Winkelfeld, Probitzer Wald, Sauteichteln, Dürnholzer Feld, Krautäcker, Sandgrube, Aasplatz, Bindrischbreite, Bauerngärten, Schrankenberg, Kuhweide, Weidfleck, Punzuch, Felbergärten, Mittagsweide, Nachtweide, Samstagsweide, Lange Teilbreiten, Gerichtsberg, Dammbreite, Pole, Kölbiswiese, Steinbruchäcker, Lange Teilbreite, Unteres Zinsfeld, Mittleres Zinsfeld, Äußeres Zinsfeld, Kleine Wiesen, Gemeindefleckeln, Pfaffenwald, Stockmais, Große Wiesen, Strakenau, Ochsenweide, Bäckerscheibe; Wald: Hoja (Herrschaft), Schießstätte (Kammel), Kiniglwald, Wiesfleckl.

Bodennutzung: Weinbau 1933: Graf Khuen 60a, 3 Weinbauern mit 20-30a, 11 mit 15-20a, 32 mit 10-15a.
Jagd: 800-1800 Hasen, 1500 Rebhühner, 50-200 Fasane, 100 Kaninchen, 2-4 Rehböcke, 30-100 Wildenten, 1-2 Wildgänse, 1-2 Schnepfen, 20 Wildtauben.

Straßen, Plätze: Hausviertel: Ortshäuser, Friedhofshäuser, Judenhäuser, Teichhäuser, Schlosserhäuser, Steingaßnerhäuser, tschechische Kolonien an der Dürnholzer Straße und Haidhof; Plätze: Hauptplatz, Schulplatz, Schloßplatz, Khuenplatz, Hirtenplatz, Sport- und Tanzplatz, Kirchenwinkel; Straßen: Hauptstraße, Bahnhofstraße, Leipertitzer, Probitzer, Dürnholzer Straße, Schießstättstraße;
Gassen: Althangasse, Friedhofsgasse, Feldgasse, Kirchengasse, Weinberggasse, Mühlgasse, Herrengasse, Schloßgasse, Rathausgasse, Steggasse, Kammelgasse, Pfarrgasse, Spitalgasse, Annagasse, Neustiftgasse, Lange Gasse, Breite Gasse, Teichgasse.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl.Stephan (Pfarre urkundlich 1339), 1758, Rokoko. Hochaltarbild von Ignaz Weidlich, 2 Seitenaltäre; Orgel 1787, klassizistisch; an der Westturmfassade Kreuzweg von Josef Führich.
Friedhof, seit 1832 an der Dürnholzer Straße, 1906 erweitert.
Dreifaltigkeit: Gnadenstuhl auf Wolkensäule, 1711,
an den Seiten hl.Joseph und hl.Anna.
Hl.Florian, 1714.
Hl.Felix, Hl.Rochus, Hl.Antonius, 1724.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1714, renoviert 1813 und 1920.
Martersäule, 1629, an der Dürnholzer Straße.
Missionskreuz, 7 Kreuze.
Schloß, 1669, zweigeschossig, zwei Seitenflügel um Ehrenhof; Umbau 1840, mit Garten und Park, um 1929 an die Hedwigschwestern verkauft, danach St.Klemens-Heim für Waisenkinder, Schwachsinnige und Alte. Im Mai 1945 tschechisches Zwangsarbeiterlager.
Schloß Emmahof 2.Hälfte 19.Jh., im Waldgebiet mit Wandmalereien von Alfons Mucha 1885/88.
Rathaus, 1856.
Spital (1878) der barmherzigen Schwestern vom hl.Borromäus bis 1928, Umbau 1931 für Post und Gendarmerieposten.
Postamt, 1863.
Bahnhof, 1870, Bahnknotenpunkt, mit Busanschluß.
Kriegerdenkmal, 1926.
Raiffeisenkassa, 1934.
Kino im Gasthaussaal ab 1940 (samstags und sonntags).
Feuerwehrgerätehaus, 1893, vergrößert 1932.
Elektrifizierung, 1930.

Schulen: Volksschule, 1890 Zubau, fünfklassig; erstmals mit Lehrer genannt 1678, Schulbau 1788, Neubau 1863, zweiklassig, 1872 dreiklassig, 1874 vierklassig.
Bürgerschule, 1912 Neubau, Knabenschule mit Hospitantinnen; ab 1913 Berufsschulunterricht, 1914-1916 Reservespital; ab 1921 Gemischte Bürgerschule, dreiklassig, 1919 muß ein Klassenzimmer an Tschechen abgetreten werden, 1927 ein zweites; ab 1936 Distriktsbürgerschule, für Grafendorf, Schönau und Probitz Pflicht, ab 1938 vierklassig.
Gewerbliche Fortbildungsschule, 1912, 1914 geschlossen, 1920 wieder eröffnet, zweiklassig, 1938 dreiklassig, 1941 geschlossen.
Kindergarten 1910, vergrößert 1920. Am 8.Mai 1945 aufgebrochen und ausgeraubt.

Gewerbe:
Zuckerfabrik, 1848-51 erbaut von Kammel Edler von Hardegger, ab 1933 in tschechischem Besitz, Sitz Göding; 1938 Landwirtschaftliche Zuckerindustrie-AG (mit Hohenau, Tulln, Lundenburg, Pohrlitz); Verarbeitung von 800000 bis 1000000 dz Rüben pro Kampagne, jährlich 180000 dz Weißzucker.
Ziegelei 1891, Umbau 1937/38, stillgelegt 1939. Ringofen 1850.
Mühle 1925 (davor 1772).
Landwirtschaftliches Lagerhaus
2 Ärzte, 2 Tierärzte, Zahnarzt, 2 Hebammen, Apotheke 1876,
7Gasthäuser, Kaufhaus, 2Konditoreien, 5Bäcker, 7Gemischtwarenhandlungen, 3Fleischhauer, Pferdemetzger, 2Milchgeschäfte,
2Spengler, 3Schlosser, 3Schmiede, 6Schreiner, 2Wagner, 8Schneider, 7Schneiderinnen, 2Schuhgeschäfte, Hutmacher, 2Sattler, 5Friseure, Uhrmacher, Steinmetz, Mechaniker 2Maler, 2Gärtnereien, 2Tankstellen, Viehhandel, Kohlenhändler, Eisenwaren, Sodawasser- und Limonadenhersteller, Flaschenbierabfüller, 2Bauholzhändler.

Jahrmärkte: An den Donnerstagen: 1) nach Neujahr, 2) am ersten Mai-Donnerstag, 3) nach Romanus (9.August), 4) nach Andreas (30.November).

Vereine:
Kontributionsfond
Raiffeisenkassa, 1895.
Freiwillige Feuerwehr, 1892.
Veteranenverein, 1890, ab 1918 Unterstützungsverein gedienter Soldaten, 1939 Kriegerbund.
Deutschvölkischer Turnverein, 1913.
Arbeiterturnverein Lassalle, 1921.
Männergesangverein, 1880, ab 1920 Gesang- und Musikverein, gemischt; Theatergruppe; Musikkapelle seit 1919.
Deutscher Kulturverband
Verein Kinderhort
Verein Mutterschutz
Verein der Gewerbetreibenden
Südmährische Konsum- und Spargenossenschaft
Konsumverein Brüderlichkeit
Raiffeisenkassa, 1895.