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Großtajax

48° 46′ N, 16° 18′ O

Dyjákovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich wird der Ort erstmals 1278 erwähnt, um 1290 ein erster Pfarrer. 1602 graben Untertanen des Grundherrn von Erdberg bei Nacht den Thayadamm nahe der Erdberger Kirche ab, das Hochwasser gräbt sich während des 11 Jahre lang geführten Prozesses ein neues Bett, das alte versandet. 1619 verwüsten die Kaiserlichen den Ort. Nach dem Böhmischen Aufstand wird der von Lipa enteignet, Gundakar von Liechtenstein kauft 1622 Groß-Tajax mit der Herrschaft Mährisch Kromau. Die Gemeinde wird wieder katholisch. Franzosen quartieren sich 1805 und 1809 ein, diesmal für vier Monate; sie plündern und stehlen, töten alles Vieh, die Kirche wird ausgeraubt. 1848 vernichtet ein Brand 172 Häuser und 120 Scheunen. 1849 fordert die Cholera 82 Tote, 1866 sind es 48. Vor den Preußen flieht 1866 ein Teil der Einwohner ins Eichenwaldl, die Blaustauden und die Gallischen Wiesen. Die Preußen bezahlen alles, sie schaukeln die Kinder der Geflohenen auf den Knien. Im I.Weltkrieg fallen 95 Mann. Im Tschechenstaat werden die deutschen Bauern erheblich benachteiligt: Bei Subventionen oder Steuernachlässen, staatlichen Lieferungen oder verbilligten Waren, Zuweisungen von Saatgut oder Kunstdünger werden sie erst nach Befriedigung des Staatsvolks berücksichtigt. Man sucht dies zu kompensieren durch Schwarzbrennerei, Steuerverheimlichung (zehnfach bestraft), Weinverheimlichen – dagegen werden Kellerinspektionen durch Finanzer eingesetzt – und Hamstern jenseits der nahen Grenze.
Jeder Verein hat eine Theatergruppe.
Aus der Schulchronik (gekürzt): Seit Mai 1938 ist der Ort von tschechoslowakischen Truppen bezogen. Um den Ort selbst sind 31 Objekte zur Verteidigung erbaut worden. Der Kirchturm ist ständig ein Beobachtungsposten für das Militär. Infanterie, Artillerie und verschiedene Abteilungen anderer tschechischer Truppen wechseln ab. Die Getreideernte und auch die anderen Feldfrüchte sind oft schwierig einzubringen, weil die Felder, die in der Befestigungszone liegen, nicht immer betreten werden dürfen. Im September wird das Gebiet um den Ort zu einem Kriegsschauplatz. Militär aller Formationen erhält im und um den Ort Quartiere. Diese Einquartierung erreicht am 23.9., dem Tag der tschechischen Mobilmachung, den Höhepunkt. Die Bevölkerung gerät in große Aufregung. Viele Männer müssen zum Militärdienst einrücken, die meisten fliehen über die Grenze. Auch Frauen und Kinde ergreifen die Flucht. Am 21.9. wird vom Direktor eine außerordentliche Konferenz einberufen und wegen der kritischen Lage der Unterricht nur notdürftig aufrecht erhalten. Von den Lehrpersonen der Volks- und Bürgerschule haben die meisten den Ort verlassen, so daß nach dem 23.9. überhaupt nicht mehr unterrichtet werden kann, weil auch einzelne Räume der Volksschule vom Militär belegt sind. Der Schuldiener ist ebenfalls in die Ostmark geflohen. Der Direktor und drei Lehrpersonen müssen Schule und Schüler betreuen. In der zurückgebliebenen Ortsbevölkerung herrscht große Angst, denn bei Tag und Nacht bewegt sich das Militär auf den Straßen und auf den Feldern. Schüsse aus Militärgewehren knallen, vom Kirchturme und dem neuen Schulgebäude wird signalisiert, am Tag mit Fahnen, bei Nacht mit Leuchtraketen. Über die Gemeinde wird das Standrecht verhängt. Die Bewohner dürfen nach 20 Uhr nicht mehr auf der Gasse sein, Ansammlungen sind verboten. Den Jägern werden die Gewehre abgenommen, alle Radiogeräte müssen abgegeben werden. Die Bewohner sind vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, der Ort gleicht einem Militärlager.
Am 29.9.1938 wird das Münchner Abkommen geschlossen, unsere Heimat befreit und dem großen deutschen Vaterlande einverleibt. Am 9.10.1938 marschieren die deutschen Truppen ein. Infanterie und Pionierabteilungen schlagen ihre Quartiere auf. Der ganze Ort ist mit Blumen und Hakenkreuzfahnen festlich geschmückt. Jubel und Freude herrschen in der Bevölkerung. Beide Schulgebäude werden vom Militär belegt. Ein Großteil des Militärs wird bei den Bauern untergebracht. Die Schulgebäude sind mit Hakenkreuzfahnen, mit dem Bild des Führers und mit Blumen geschmückt. Jubel und Freude steigern sich, als Freischärler, geflohene Frauen und Kinder zurückkehren. Am 15.Oktober zieht das Militär wieder ab, und am Montag, dem 17.Oktober, beginnt der regelmäßige Unterricht. Die gesamte Schuljugend und der Lehrkörper versammeln sich auf dem mit Hakenkreuzfahnen und dem Bildnis des Führers geschmückten Turnplatz. Der Direktor hält eine Ansprache an die Schuljugend, in welcher er kurz das große Leid des sudetendeutschen Volkes unter der tschechischen Herrschaft schildert und die Härten des Versailler Friedensvertrages beleuchtet. Er fordert die Jugend auf, dem Führer für seine große Befreiungstat zu danken. Mit einem dreifachen Sieg-Heil schließt der erste Schultag.
Im II.Weltkrieg fallen 210 Mann. In den letzten Kriegstagen werden 16jährige Soldaten zur Bewachung der zur Sprengung bereiten Thayabrücke eingesetzt. Als am 7.Mai die Wehrmacht abzieht, vergißt man sie. Am 8.Mai rücken die Sowjetsoldaten vor, die jungen Soldaten verlieren die Nerven und sprengen die Brücke. Zwei von ihnen geraten in Gefangenschaft und werden erschossen. Die Rotarmisten dringen in den Ort ein, auf Frauen und Mädchen wird Jagd gemacht. Eine Woche später kommen tschechische „Partisanen“. Einige Familien fliehen über die Grenze, vor allem nach Wulzeshofen. In der Turnhalle werden die Jugendlichen über 15 Jahren bewußtlos geschlagen, einer wird erschossen. Männer, Frauen und Jugendliche, die der Nähe zum Nationalsozialismus verdächtigt werden, kommen ins Lager nach Znaim, wo unmenschliche Zustände herrschen, manche werden zur Zwangsarbeit ins Landesinnere verschleppt. 10 Deutsche kommen im Lager um oder werden ermordet. Am 1.April 1946 werden die verbliebenen 1400 Tajaxer in das Lager in der Prager Straße in Znaim verbracht. Am 11.April kommt der erste Transport in den Bezirk Hofgeismar in Hessen, Anfang Mai der zweite in die Kreise Pegnitz und Hof in Oberfranken.

Brauchtum
Das Oster- oder Saatreiten am Ostermontag wird zuvor mit den Pferden geübt, meist sind es 30 bis 40 Paare. Nach der Frühmesse stellen sich die Reiter auf dem Kirchplatz auf, der erste hält das Kreuz, neben ihm steht in weißem Chorrock der Kaplan. In die Mähnen der Pferde sind bunte Bänder geflochten. Die Männer sprechen das Taufgelübde, der Kaplan stimmt eine Litanei an, der Zug bewegt sich betend und singend durch die Fluren, um Gottes Segen bittend. Mit dem Lied „Strenger Richter“ geht es zurück, am Ortseingang wartet die Musikkapelle, im Takt der Musik geht es weiter. An der Kirche übernehmen Buben die Pferde und bringen sie heim. Die Reiter feiern ein Hochamt.
An Fronleichnam werden Tage vorher die Häuser geweißt und gefärbelt, Türen und Tore gestrichen und die Fenster geputzt, aus dem Wald holt man eine Fuhre Birken- und Erlenäste, von der Wiese eine Fuhre Gras für den Weg. Am Vorabend werden die vier Altäre aufgestellt: vor der Dreifaltigkeitssäule, bei der Sebastianstatue, bei der Mariensäule und beim Missionskreuz an der Kirche. Am Festtag beginnen die Männer um drei Uhr früh die Äste zwischen den Fenstern an die Häuser zu lehnen, in jedem Fenster stehen zwei Kerzen in Messingleuchtern, es ist voller Blumen. Vor dem Haus wird Gras gestreut. Um 5 Uhr beginnt die Frühmesse, um 8 Uhr das Hochamt, um 9 Uhr zieht die Prozession aus der Kirche, an der Spitze das Kreuz und alle Kirchenfahnen, dahinter die Schulkinder mit ihren Lehrern. Die Mädchen, weißgekleidet und in Viererreihen gehend, streuen vor jedem Altar Blumen. Der Pfarrer trägt unter dem „Himmel“ die Monstranz, umgeben vom Kaplan und allen Ministranten. Die vier „Himmelsträger“ gehören der Gemeindevertretung an. Hinter dem Pfarrer folgen der Kirchenchor, die Musikkapelle und die Feuerwehr. Der Veteranenverein schließt sich an, dann die Mädchenkongregation mit seidengestickter Fahne, danach die Männer und Jungmänner und zuletzt Frauen und Mädchen in Festtracht. Jede Gruppe hat einen Vorbeter und Vorsänger. Am Altar singt der Chor eine Hymne, der Geistliche gibt den Segen nach den vier Himmelsrichtungen, Böllerschüsse krachen. Um 12 Uhr endet die Prozession mit einem feierlichen Tedeum.
Mariä Empfängnis am 8.Dezember

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Breitstraßen-Angerdorf 3138 ha, 185 m ü.d.M.

Parallel zur Bezirksstraße verläuft die längste Gasse, „Dorf“ genannt, fast nur Hakenhöfe aufweisend, die größten der Gemeinde mit 40 bis 60ha. An der Bezirksstraße liegen die mittelgroßen Höfe sowie die der Kleinhäusler. Im Norden liegen die Keller; an verschiedenen Stellen gibt es Scheunenviertel, zusätzliche Scheunen der großen Bauern oder Lagerstellen der kleineren.
Flurnamen: Riede: Oberfeld, Unterfeld, Vorließen, Herrenäcker, Zuteilung, Breiteln, Gollingacker, Leiten, Pratscher, Auließen, Auäcker, Rohrwiesen, Trawinger, Zuließen, Lange Wiesen, Dameläcker, Brückelwiesen, Sandbühel, Maßsteigwiesen, Thayaäcker, Große Zipfen, Pratscher untere Gärten, Nachtweiden, Kirchenwiesen, Thayawiesen, Thayazipf, Angeräcker, Kuhweiden, Rohrhoffeld, Gallische Wiesen, Immendorfer Wiesen, Pfefferwiesen, Traunitzwiesen, Untere Wiesen, Füllerstall, Trasen, Roßweiden, Thayazipfen, Kreinwiesen, Urbaräcker, Breinwiesen, Österr. Wiesen, Hochsperre, Obere Gärten.

Jagd: 10-15 Rehe (Bestand: 90), 3200 Hasen, über 3000 Rebhühner, 500 Fasane, über 100 Kaninchen, Wildenten, Wildgänse; 300 Stück Raubfederwild; 1933: 5 Füchse, 3 Dachse, 4 Marder, 25 Iltisse, 35 Wiesel.

Straßen, Gassen, Plätze:
Dorf (alter Teil), Oberes Dorf, Mittleres Dorf, Unteres Dorf, Bei der oberen Kapelle, Böhmdörfel, Brillantengrund, Postgassel, Bindergassel, Willmanngasse, Nitschgasse, Baschkagassel, Oberer Berg, Unterer Berg, Schottergrube, Ziegelofenweg, Toifweg, Großes Angergassel, Kleines Angergassel, Am Anger, Bei der Kaserne, Bei den Angerstadeln, Herrenplatz, Tanzplatz, Götzgasse, Sebastianegasse, Beim Sebastiane, Türschmiedgasse, Schlossergasse, Zimmerplatz, Judengassel (Springergassel), Bei der Dreifaltigkeit, Bei der Unbefleckten Empfängnis, In den Neun Häuseln, Hohlweg, Kirchweg, Kirchgassel, Maurergassel, Hundsfuttergassel, Hofgarten, Friedhofsteig, Friedhofweg, Bei der großen Schlottenbahn, Bei der unteren Kapelle, Am Perzl, Wimmergasse.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl.Michael, 1757-61, Rokoko, z.T. frühklassizistisch.
Hauptaltarbild „Engelsturz“, Kopie nach Luca Giordano 1845/46;
Statuen hl.Petrus und hl.Paulus, davor Cyrill und Method;
hl.Michael, hl.Venantius und Schutzengel.
Renovierung und Seitenaltäre 1873.
Urkundlich 1290 ein erster Pfarrer.
Pfarrhaus
Friedhof, 1903, davor an der Kirche; Hauptkreuz, 1909.
Lourdeskapelle mit Marienaltar, 1886, neugotisch, am östlichen Ortsausgang an der Höfleiner Straße.
Marienkapelle im Oberort mit gotischer Madonna aus dem verödeten Gognitz.
Hl.Sebastian, 1715.
Pestsäule/Frauensäule, 1736, zur Erinnerung an die Pest von 1711.
Gotisches Mahnmal, 14.Jh., bei Nr.301.
Hl.Florian und hl.Donatus am Südaufgang zur Kirche.
Missionskreuz (Steinkreuz), 1900/01, am Südaufgang zur Kirche.
Steinkreuz, daneben hl.Maria und hl.Johannes, 1793.
Weißes Kreuz, 1728, am Ortsausgang nach Erdberg.
Marienstatue „Unbefleckte Empfängnis“, 1736, im Unterort, Nr.131.
Hl.Dreifaltigkeit im Unterort.
Eisenkreuz, 1854, im Oberort, Richtung Erdberg.
2 eiserne Kreuze an der Wulzeshofener Straße: Lachmayerkreuz und Marklkreuz.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1735, am Toiflgrabenbrückel.
Hl.Franz de Paul, um 1800, am Possitzer Weg.
Hl.Donatus, 1839, auf dem Friedhof bei der Kirche (früher im Laaer Feld).
Hl.Josef, 1734, an der Südseite der Kirche, früher im Ried In der Sulz.
Schmerzhafte Muttergottes, 1834, Ried In der Sulz.
Rathaus (ehem. Volksschule)
Kriegerdenkmal, 1923.
Turnhalle, 1937.
Feuerwehrhaus, 1881.
Armenkaserne (Arbeiter vom Gut).
Bahnstation Possitz für Znaim, Höflein für Wien.
Omnibuslinie Znaim-Laa

Schulen: Volksschule: Neubau 1903, 6 Klassenräume. Schon 1657 geregelter Unterricht. Lehrraum bis 1817; Schulbau 1818, 1873 abgetragen, Neubau dreiklassig, 1881 vierklassig, 1889 fünfklassig.
Bürgerschule 1921, dreiklassig; Neubau 1928/9; ab 1930 Trennung der Geschlechter.
Kindergarten 1910 mit Hedwigs-Schwestern aus Frischau.

Gewerbe:
2 Meierhöfe, Arzt, Tierarzt.
2 Ziegeleien, 2 Mühlen, 6 Gasthäuser, 12 Kaufläden, 6 Bäcker, 9 Händler, 4 Fleischhauer, 5 Schmiede, 5 Schlosser, 8 Tischler, 8 Wagner, 3 Zimmerer, Binder, Drechsler, 4 Dachdecker, 16 Maurer, 4 Sattler, 9 Friseure, 6 Schneider, 9 Schneiderinnen, 5 Schumacher, Spengler, 3 Trafikanten, 2 Holz- und Kohlenhändler, 2 Gärtner, Geldverleiher.

Jahrmärkte: An den Montagen 1) nach Fabian und Sebastian (20.Januar) und 2) nach Michael (29.September).

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1889.
Veteranenverein
Gesangverein
Jungfrauenverein
Deutschvölkischer Turnverein
Christlichdeutscher Turnverein, im Mai 1938 mit dem deutschvölkischen vereint.
Arbeiterturnverein
Konsumverein, 1890.
Milchgenossenschaft