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Groß-Rammerschlag

49° 12′ N, 14° 56′ O

Velký Ratmirov

Neubistritz

Geschichte
Urkundlich 1255 erwähnt, ab 1790 als Groß Romerschlog, nach einem Radmir, Dienstmann der Herren von Neuhaus. 1631 verursachen die durchziehenden Kaiserlichen Schäden, 1684 zahlt man 6 Gulden Türkensteuer. Bis 1914 wird Flachs angebaut. Ein Großbrand vernichtet 1908 die ganze Ortschaft. Am 28. 10. 1918 fährt auf der Strecke nach Iglau eine mit Reisig und weiß-rot-blauen Bändern geschmückte Lokomotive, am nächsten Tag reiten Tschechen auf weiß-rot-blau bebänderten Pferden durch, ein Tscheche mit Fahne verkündet in tschechischer Sprache das Ende der Monarchie und die Republik. Aus Angst vor tschechischen Agitatoren gehen die Leuten nicht in die Stadt, und als sie es später tun, hat sich manches geändert: deutsche Inschriften sind entfernt, überall wehen weiß-rot-blaue Fahnen. Im Jänner 1920 erbringt eine Sammlung für die notleidenden Erzgebirgler 85 kg Mehl, 200 kg Roggen, 40 kg Erbsen, 250 kg Kartoffeln und 83 Kronen. Im I. Weltkrieg fallen zehn Mann, zwei bleiben vermißt, im Zweiten dreizehn Tote, sieben Vermißte. Am 30. Mai 1945 werden die deutschen Bewohner vertrieben.

Brauchtum
Kirtag am 1. Sonntag im September.
Am Sonntag nach Mariae Himmelfahrt wird eine Wallfahrt in das kleine tschechische Dorf Mlaka unternommen.

Bezirk, Gericht Neuhaus, 1359 ha

5 kleine Weiher (“Wirl”) im Ort, Herrenteich (39,39 ha) gegen Neuhaus; gute Erträge.
28 Haupt- und 30 Nebenerwerbsbetzriebe
Anbau: Roggen, Hafer, Gerste, Kartoffel, Klee. Bis 1914 wird Flachs angebaut, in Hütten, “Hoarstuben”, bearbeitet: durch eiserne Kämme gezogen und so von Blättern und Samen gereinigt, in der Darre, einer Grube von 2 x 2 m, über Feuer getrocknet, danach gewaschen, gemangelt und getrocknet, gebrochen und gehechelt. Aus der Rohfaser spinnen Frauen das Garn. Das gewebte Leintuch wird auf der Bleiche an Holzpflöcken ausgespannt.
Jagd verpachtet, 1939 geteilt, die Hälfte wird von drei Bauern verwaltet. Niederwild zahlreich, Hochwild mit vorgeschriebener Abschußzahl.

Baudenkmäler, Einrichtungen
Filialkirche zu den hl. Schutzengeln, 1889, zu Pfarre Riegerschlag; Festgottesdienste; davor Kapelle
Martern:
’s Kreuzer Moartar (Verabschiedung von den Toten)
’s Reschla Moartar
’s Suln Moartar
’s Migla Kreuz
’s Madla Kreuz
’s Unterschwom Kreuz
’s Oberschwormkreuz Kreuz bei der Kirche
Pestsäule 1630, außerhalb, am Waldrand, nicht weit vom Bahnwärterhaus
Volksschule 1896, zweiklassig
Kindergarten 1944
Kriegerdenkmal 1920
Post Neuhaus
Försterhaus
Hegerhaus
Meierhof
Getreidereinigungsanlage
Spiritusbrennerei 1914
Gasthaus 2 Kaufläden Schmied 2 Tischler 2 Wagner 2 Schneider
Schuhmacher

Vereine, Genossenschaften
Freiwillige Feuerwehr 1891
Spiritusbrennereigenossenschaft 1914
Elektrizitätsgenossenschaft 1927