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Groß Olkowitz mit Mausdorf

48° 54′ N, 16° 15′ O

Oleksovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1199 erwähnt, 1201 steht eine Kirche im Ort, 1220 wird die Pfarrei erbaut. 1336 erfolgt die Markterhebung durch König Johann, 1338 wird das Rathaus erbaut. Der Prangerstein bleibt ebenso wie eine Faust mit Schwert an der Hausecke bis 1945 erhalten. Um 1550 sind die Wiedertäufer stark vertreten, ihr Bethaus wird im 30jährigen Krieg geplündert und niedergebrannt. Sie bauen es wieder auf, müssen aber 1622 den Ort verlassen und gehen nach Siebenbürgen. Das Bethaus wird als Beinhaus und Geräteschuppen des Totengräbers verwendet. 1606 bewilligt Kaiser Rudolf II. zwei Jahrmärkte. 1692 kommt der Ort zu Kloster Bruck.
1790 löst die Herrschaft Lechwitz das Gut Karlshof auf und siedelt 32 Häusler mit je 2,6ha (13 Metzen) an. Diese „Dreizehn-Metzen-Häusler“ werden nach Groß-Olkowitz eingegliedert, an dessen Häuser sie grenzen. 1866 muß die Gemeinde eine Kriegskontribution von 1200 Gulden aufbringen; da man über das Geld nicht verfügt, werden 18 Kühe und ein Stier abgeliefert. Die von der österreichischen Regierung rückvergüteten 1200 Gulden verwendet man zur Anschaffung der 14 Kreuzwegstationen in der Kirche, da die Geschädigten auf Ersatz verzichten.
1866 wütete die Cholera von August bis zum Winter und forderte zahlreiche Opfer; bis zu dreizehn Beerdigungen an einem Tag kamen vor. Der Pfarrer, die Leichenträger und die Chorsänger bekamen je ein Sechzehntel Kornschnaps. Bei der letzten Beerdigung klang dann der Chorgesang nicht mehr ganz notengerecht. Aber sie haben die Cholera überlebt.
1895 wird das Reservoir zum Schutz gegen Überschwemmungen gebaut. 1918 raffen Grippe und Ruhr im Spätherbst 20 Menschen dahin. 1921-24 werden die Herrschaftsgüter im Zuge der Bodenreform verteilt, u.a. wird Grund für eine tschechische Schule und für die Narodní Jednota zugeteilt. 203ha werden an einen tschechischen Legionär verkauft. Nur die an die Höfe angrenzenden Areale werden an 170 Hausbesitzer verkauft. 1938 werden diese drei Besitzteile zu Staatseigentum, sie werden einem niederösterreichischen Gutsbesitzer gegen Land bei Tulln eingetauscht, das für einen Flugplatz gebraucht wird.
Im II.Weltkrieg fallen 61 Mann, 31 bleiben vermißt, 15 gestorben, 14 sind in Stalingrad geblieben, fünf für tot erklärt. Am 7.Mai 1945 kommt ein Vierzehnjähriger bei einem Bombenangriff ums Leben, seine beiden Schwestern werden verwundet. Ein Zwölfjähriger wird nach dem Krieg in einem deutschen Panzer gefunden, getötet von einer Handgranate. Ende Mai kommen tschechische „Partisanen“ und nehmen 13 Männer fest, die sie nach Znaim bringen. Dort werden sie schwer mißhandelt, zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt und 1946 mit den Transporten nach Westdeutschland abgeschoben. Ein Siebzigjähriger kommt durch eine Handgranate um. Im Juli wird ein Mann tot aufgefunden, beim Brand einer Scheuer kommen zwei Kinder um. Am 16.August werden 50 Männer zwischen 15 und 60 Jahren im Gasthaus eingesperrt, dann nach Znaim gebracht und zur Zwangsarbeit eingeteilt. Am 18.August 1945 werden 1205 Personen von den Tschechen die 20km zur Grenze getrieben, das Gepäck – 60kg pro Person – wird auf Wagen transportiert, nachdem sich die „Partisanen“ genommen haben, was ihnen gefällt. Da die Österreicher den Grenzübertritt nicht erlauben, werden die Leute in Gerstenfeld in den leeren Häusern untergebracht und müssen Erntearbeit leisten. Nach zehn Tagen werden 200 Männer und Frauen nach Znaim gebracht, von wo sie wieder zur Zwangsarbeit verteilt werden. Daraufhin fliehen viele über die Grenze. Von den Tschechen erhalten 112 Personen 500RM und drei Personen 200RM als Aussiedlungsgeld. Im November werden zwei junge Männer von Sowjets in NÖ erschossen. Nach der Vertreibung leben in Wien und Niederösterreich 224 Personen, in Oberösterreich 24, in Bayern 92, in Württemberg 349, in Baden 185, in Hessen 169, im Rheinland vier, in Bremen eine, in der SBZ vier.

Brauchtum:
Kirtag vom 14. bis 16.August.
Fronleichnamsprozession mit vier Altären, die Straße wurde mit Gras und Wiesenblumen bestreut.

Matriken seit 1694.

Literatur:
Zuckriegel, Franz: Heimatbuch der Marktgemeinde Groß-Olkowitz–Mausdorf. 1952

Bezirk und Gericht Znaim

Straßenangerdorf 2058 ha, 199 m ü.d.M.

Flurnamen: Sandfeld, Haid, Arthal, Rusten, Spiegelfeld, Wiesen (Rechtwiesen), Krautäcker und -wiesen, Aufäcker und -wiesen (Wiesacker), Wainitzfeld, Wetzen, Hofstetten, Fuchsengrund, Langschankwitz, Neuriß, Herrschaftsbreiten, Kurzschankwitz, Vorderer Teicht, Hinterer Teicht, Hinterfeld, Ortsried (Niederwies), Rheinfeld, Ludelfeld, Seeäcker, Hofbergseeäcker, Hofberg, Straßäcker, Alaunberg, Krainäcker, Wenzeldorfer, Böhmdorfer, Mißlitzer Zinsäcker (Baschkeiwart), Schlüsselberg.
Ursprüngliche Aufteilung: 1 Ganzlahnhof mit 40ha (200 Metzen), 15 Dreiviertellahne mit 30ha (150Metzen), 10 Halblahne mit 20ha (100 Metzen), 32 Viertellahne mit 10ha (50Metzen).

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Um- oder Neubau 1576; 5 Glocken.
Pfarrhaus, 1776.
Martersäule, 1595.
Kreuz, 1819.
Hl.Dreifaltigkeit, 1760.
Hl.Johannes von Nepomuk
Hl.Florian
Friedhof, um 1300.
Rathaus, 1338, umgebaut 1832 und 1925.
Armenhaus mit Notspital, 1924.
Postamt 1913, Telegraphenamt, 1926.
Elektrifizierung, 1930/31.

Schule: Volksschule, Neubau 1893/94, erster Schulbau durch Stift Bruck, wegen Verkauf Neubau 1760; Neubau 1829, zweiklassig; 1890 dreiklassig, 1929 vierklassig, 1938 fünfklassig, auf zwei Häuser aufgeteilt.
Kindergarten, 1940.

Gewerbe:
Ziegelofen, 1920er Jahre.
Arzt

Jahrmärkte: An den Montagen 1) vor Mariä Heimsuchung (2.Juli) Bindermarkt, 2) nach Mariä Himmelfahrt (15.August).

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1894.