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Groß Grillowitz

48° 50' N, 16° 17' O

České Křídlovice

Znaim

Geschichte
Urkundlich erstmals 1225 genannt, wechselt der Ort häufig den Besitzer. Um 1570 lutherisch, die Kirche wird von den Schweden ausgeraubt, über die Hälfte der Häuser wird zerstört. 1692 verkauft an die Liechtenstein, von diesen an die Lobkowitz. 1860 brennen 56 Häuser nieder, die Cholera fordert 1832, 1836 und 1866 Opfer.
Im I.Weltkrieg fallen 57 Mann. 1919 bis 1938 gibt es nur Tschechen bei Post und Gendarmerie, welche die deutschen Einwohner nach Kräften schikanieren. 1931 wird die Bezirksstraße durch den Ort gebaut, 1933 eine Betonbrücke über den regulierten Jaispitzbach gebaut. 1936 wird die Abhaltung von vier Jahrmärkten gestattet, daneben ein Wochenmarkt am Mittwoch, der später auf Freitag verlegt wird. Der Mobilmachung vom 21.Mai 1938 entziehen sich viele Einberufene durch Flucht über die Grenze. Im August werden Manöver abgehalten, im September wird die Sudetendeutsche Partei aufgelöst, die Radioapparate müssen abgegeben werden, Hausdurchsuchungen folgen. Am 24.September wird durch Anschlag die Mobilisierung der wehrfähigen Männer bis 40, der Pferde und Fahrzeuge bekanntgegeben, die im Ort verbliebenen Männer können sich nicht mehr verstecken und rücken ein. Ein Ehepaar wird in Znaim in Geiselhaft genommen. Die Schulen sind geschlossen. Am 26.September wird vollständige Verdunkelung angeordnet. Am 27. werden die Männer zwischen 17 und 60 zur Schanzarbeit befohlen, doch folgen diese nicht der Anordnung und verstecken sich, worauf angedroht wird, daß die Frauen zur Schanzarbeit herangezogen werden. Im II.Weltkrieg fallen 86 Mann. Am 8.Mai 1945 erfolgt die Besetzung, tschechische „Partisanen“ sperren grundlos Männer und Frauen ein, mißhandeln sie und schaffen sie ins Lager in Znaim, zwei Männer werden erschossen, einige sterben an den Folgen der Mißhandlungen. Hausbesetzer tauchen im Juni auf. Am 13. und 14.August werden die Deutschen aus Groß-Grillowitz und Possitz mit 30 kg Gepäck pro Person vertrieben, nachdem sie am 12. in der Kirche zur Segensandacht zusammengekommen waren.

Erdställe und Gänge, auch in Possitz, unter einigen Häusern, einst verbunden, unbestimmten Alters.

Jahrmärkte am Donnedrstag vor Hl.Josef, vor Hl.Anton im Juni, vor Mariä Geburt im September und nach Mariä Empfängnis im Dezember.
Kirtag an Peter und Paul (29.Juni).
Wallfahrt nach Maria Dreieichen am Pfingstsamstag, Rückkehr am Dienstag.
Wallfahrt nach Lechwitz am 14.Juni zur Abwendung von Ungewittern (1855 Vernichtung der Ernte) und am 2.Juli oder darauffolgenden Sonntag zu Mariä Heimsuchung.

1870 beträgt das Gehalt eines Lehrers 500 Gulden jährlich, dazu 200 Gulden Funktionszulage. Ein Hilfslehrer erhält 300 Gulden. Ergänzt durch Fruchtgenuß der im Grundbuch der Schule zugeschriebenen Realitäten, für die ein Feldnutzen von 17,45 Gulden an die k.k. Bezirksschulklasse zu zahlen ist. Das Schulgeld beträgt 80 Kreuzer im Jahr für jedes Kind. Daneben bestehen Naturalienbezüge.

Matriken seit 1663.

Literatur:
Kuretschka, Franz: Namensverzeichnis der Gemeinde Groß-Grillowitz. o.J.
Pfister Anton und Lucia: Possitz, Groß-Grillowitz, Neuweidenbach. 1992.

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Angerdorf mit Rechteckplatz 993 ha, 193 m ü.d.M.

Flurnamen: Petrowitzer Feld, Bergfeld, Mitterfeld, Teichfeld, Hinter der Leiten, Mittagsweide, Im Teich, Pfarrfeld, Kreuzbreiten, Kibitzberg, Krotzen (Kratzen), Brünndelbreiten, Weingartenbreiten, Rochowitzer Weingebirge, Weingart-Gwandten, Mittlere Gwandten, Halbgwandten, Neuriß, Breiteln, Mülleracker.

Bodennutzung: Weizen, Gerste, Klee, Kartoffeln, Zucker- und Futterrüben, Mais, Linsen, Erbsen, Bohnen, Mohn, Raps, Gurken und Gemüse, Äpfel, Birnen, Kirschen, Marillen, Pflaumen, Ringlotten, Pfirsiche, Zwetschgen; Weinbau.

Jagd: Rehe, Hasen, Wachteln, Schnepfen, Kaninchen, Rebhühner, Wildenten, Wildtauben, Bisamratten, Krähen etc.

Straßen, Plätze: Dorfstraße, Rosinagasse, Beim Friedhof, Judengasse, Obere Gasse, Zum Brünndelweg, Hohlweg, Mühlhäuseln oder Wittlingsdorf; Ortsteil Schindergrube über einem Keller, wohl Versteck aus dem 30jährigen Krieg, später wurden verendete Tiere hineingeworfen.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kirche Hl.Peter und Paul, 1225 geweiht, unter dem Patronat von Kloster Bruck; Hauptaltar: Apostelfürsten vor der Gefangennahme, an den Seiten Cyrill und Method; Seitenaltäre hl.Maria und hl.Josef.
Friedhof, 1821 verlegt.
Pfarrhof, gegen 1700.
Klosterkapelle zur Unbefleckten Empfängnis.
Dreifaltigkeitssäule, 1747.
Hl.Johannes von Nepomuk
Kriegerdenkmal, 1923.
Rathaus
Postamt
Gendarmeriestation
Armenhaus, 1936.
Elektrifizierung, 1927

Schule: Neubau 1824, davor Schulhaus 1751, erbaut vom Stift Klosterbruck, zweiklassig, ab 1880 vierklassig.
Kinder- und Greisen-Asyl „Maria Hilf“, genannt „Asyl“; 1.Teilbau: Kleinkinderbewahranstalt und Arbeitsschule für schulentlassene Töchter, 1895, Schwestern der Filiale vom Orden hl.Karl Borromäus, Mutterhaus in Prag; 2.Teilbau: 1906; die Kleinkinderbewahranstalt wird in einen Kindergartenneubau ausgelagert.
Private vierklassige Bürgerschule für Mädchen, Haushaltsschule.

Gewerbe:
Schneidermühle, seit 1804, mit 6 Filialbetrieben.
3 Ziegeleien
Arzt bis 1922 und ab 1937.
2 Gasthäuser, 4 Kaufläden, 2 Fleischer, Bäcker, 3 Eierhändler, Schlosser, 3 Schmiede, 3 Tischler, 2 Wagner, 2 Friseure, 3 Maler, 4 Dachdecker, 4 Schuster, 2 Zimmerer, 7 Maurer, 3 Schneider, 4 Schneiderinnen.

Vereine:
Männergesangverein Possitz-Groß-Grillowitz, 1886.
Freiwillige Feuerwehr Groß Grillowitz-Possitz, 1891.
Veteranenverein, 1898, Kameradschaftlicher Unterstützungsverein gedienter Soldaten ab 1938.
Deutschvölkischer Turnverein, 1921.
Milchgenossenschaft