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Grafendorf

48° 48′ N, 16° 25′ O

Hrabětice

Znaim

Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt 1447 in der Brünner Landtafel als Besitz des Grafen Michael von Hardegg und Retz. Die Hussiten zerstören die Dörfer Anschau, Gnaspitz und Schönau, danach entsteht Grafendorf. Seit 1850 ist es selbständige Gemeinde. 1809 plündern die Franzosen drei Tage lang. 1838 wird die Gegend durch Hagel verwüstet, 1839 überflutet die Thaya die Wiesen und bedeckt viele Grundstücke mit Sand. 1855 sterben 134 Menschen an der Cholera. 1865 vernichtet Hagel die ganze Ernte. Dem Krieg von 1866 und der Cholera, die mehrere Häuser entvölkert, folgt eine Hungersnot.
Im I.Weltkrieg fallen 45 Mann. Am 20.Dezember 1918 wird die Schule von tschechischem Militär besetzt. Nach 1919 kommen tschechische Eisenbahner und Finanzbeamte in den Ort, 1922 amtiert der letzte deutsche Postmeister. 1920 werden sämtliche Mahlprodukte, Hülsenfrüchte und Ölsaatprodukte vom Staat beschlagnahmt.
Im Dezember 1937 zählt man 93 Arbeitslose. Im Mai 1938 besetzen eine Maschinengewehrkompanie und eine Haubitzbatterie Grafendorf, einige Bewohner verlassen den Ort. Es kommt zu einer Schießerei ohne Beteiligung von Deutschen, nachdem im Gasthaus ein betrunkener Soldat herumgeschossen hat.
Im II.Weltkrieg fallen 92 Mann. Am 8.Mai ziehen Rotarmisten durch. Nach einiger Zeit kommen tschechische Hausbesetzer, ein Teil der deutschen Männer wird nach Znaim ins Lager verschleppt, dort sterben zwei an Mißhandlungen. Nach und nach werden alle Männer dorthin gebracht und zur Zwangsarbeit in die Umgebung geschickt. Viele flüchten über die nur 3 km entfernte Grenze. Die Abschiebung aus Österreich erfolgt im Januar und Februar 1946, Ende März beginnen die Vertreibungen aus Grafendorf über Znaim, Transporte gehen am Ostermontag, zu Pfingsten, bis 23.Oktober ab.

Brauchtum
Kirtag am Sonntag nach dem 24.August (Bartholomäus).
Antonifest: dem hl.Antonius von Padua geweiht, am Sonntag nach dem 13.Juni, Antonimarkt mit Buden, Ringelspiel und Schaukel; nach dem Hochamt Konzert und Tanz.
Die beiden Gemeindebrunnen mußten alle zwei Jahre gereinigt werden, alljährlich im Wechsel. Die Arbeit beim Schmiedbrunnen besorgten die Burschen vom oberen, beim Holderbrunnen die vom unteren Gasthaus am Pfingstsamstag. In jedem Brunnen lag eine schwere Kugel, die man als Beweis für vollbrachte Arbeit dem Bürgermeister bringen mußte, der sie wieder hineinfallen ließ. Danach zog die Burschenschaft durch den Ort und sammelte ihren Lohn ein, im Gasthaus wurde das Gesammelte versteigert. Der Brauch endete, als der Holderbrunnen in Privathände überging.

Matriken seit 1784 (davor ab 1676 bei Grusbach).

Literatur:
Scholler, Johann: Heimatbuch der Gemeinde Grafendorf. 1950.
Scholler, Josef: Pfarrchronik von Grafendorf. 1981.
Obleser, Ludwig: Grafendorf von der Besiedlung bis zur Vertreibung. 1984.

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Breitstraßendorf 1596 ha, 195 m ü.d.M.

Flurnamen: Beim weißen Kreuz, Breite Äcker, Schmale Äcker, Weingartenäcker, Unteres Weingebirge, Volkrische Äcker, Scheiben, Stierzipf, Weidfleck, Häuslerweidfleck, Hauswiesen, Zehnschritt, Rötzer, Frischauer Wiesen, Zinswiesen, Große Wiesen, Schönauer Wiesen, Teichquanten, Teichlvierteläcker, Dritthalbquanten;
im Thayafeld: Schmale Äcker, Fuchsenäcker, Taläcker, Rötzer Neuriß, Grundbreitenäcker, Krautlandäcker, Schmale Äcker; Ortsneurisse: Breite Neuriß, Schmale Neuriß etc.

Bodennutzung: Überwiegend Weizen; Korn, Gerste, Hafer, Gemüse, zumeist Gurken, danach Zwiebel und Knoblauch, weniger Weinbau. Obst: Kirschen, Weichseln, Zwetschgen, Marillen, Pfirsiche, Nüsse, Äpfel, Birnen. Höfe bis 18 ha.

Jagd: 1000 Hasen, 300 Rebhühner, 200 Fasane, 100 Wildenten.

Straßen, Gassen, Plätze: Schönauer, Grusbacher, Höfleiner Straße.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zum hl.Antonius von Padua, erweitert und geweiht 1864, davor: Kapelle von 1698, umgebaut 1760; Lokalie 1784, Pfarre seit 1859. 6 Heiligenstatuen, um 1700, vor der Kirchenfassade, aus dem Schloßpark von Grusbach.
Pfarrhaus, 1784.
Friedhof, 1803, erweitert 1891.
Brünndelkapelle, 1831, im Süden des Ortes, Hügel, darauf ein Kreuz mit Kreuzwegstationen; inmitten von Weingärten, umstanden von Akazien; Lourdesgrotte, 1931, mit Marienstatue.
Rathaus, 1928.
Postamt, 1870, täglicher Postwagenverkehr Grusbach-Joslowitz seit 1891; Postverkehr zum Bahnhof seit 1926.
Raiffeisenkassa, 1928.
Telefonamt, 1921.
Isolierhaus (Quarantäne).
Hebammenhaus
Hirtenhaus (Halterhaus).
Elektrifizierung, 1930.
Thayaregulierung, 1931.

Schule: Volksschule, Neubau, 1881, vierklassig, Anbau 1895, sechs Klassen; 1911 Ausschulung der Schönauer; schon 1784 in eigenem Schulhaus; Neubau, vergrößert, 1794; ab 1867 zweiklassig.

Gewerbe:
Gutshof Trabinghof, 300ha; 5 Gasthäuser, 2 große Geschäfte, 4 Gemischtwarenläden, 3 Fleischhauer, 2 Bäcker, 3 Schmiede, 4 Schneider, 5 Schuster, 4 Tischler, Schlosser, 4 Friseure, Maler, Binder, Zimmermann, Wagner, 2 Dachdecker.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1893.
Veteranenverein, 1895,
ab 1922 Unterstützungsverein gedienter Soldaten.
Landwirtschaftlicher Konsum Concordia
Ortsversicherungsverein
Bienenzuchtverein
Milchgenossenschaft, 1914.
Konsumverein, 1898.
Deutsche Jugendfürsorge
Deutscher Turnverein
Fischereiverein
Verschönerungsverein
Kindergartenverein
Deutscher Kulturverband
Volksbund deutscher Katholiken
Katholischer deutscher Mädchenbund
Jugendbund


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