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Letztes stehengebliebene Haus in Gerstenfeld. Rechts neuerbaute Kaserne

Gerstenfeld

48° 45' N, 16° 8' O

Ječmeniště

Znaim

Geschichte
Gerstenfeld wird 1787 von der Herrschaft Bruck größtenteils auf dem Klein-Tajaxer Meierhof angelegt; die von Kaiser Joseph II. zugewiesene Fläche wird von Regierungsrat Gerstner auf 24 Häuserstellen verteilt, nach ihm ist der Ort benannt. Jeder Ansasse zahlt jährlich 30fl. nebst 5fl. Robotgeld. Bis 1939 werden 27 Häuser dazugebaut, 20 Bauernhöfe und 3 Kleinhäuser werden außerdem geteilt, so daß 64 Hausnummern 1945 bestehen. 1849 fällt eine ganze Häuserreihe einem Großbrand zum Opfer. Überschwemmungen reißen 1834, 1854 und 1888 immer wieder Brücken weg. Die Cholera fordert 1833 und 1866 Opfer. Im I.Weltkrieg fallen 15 Mann, im Zweiten 27.
Am 13.1.1919 wird der Ort von 50 Mann tschechischen Militärs besetzt, die in der Schule untergebracht werden und am 20.1.1920 wieder abziehen. Finanzpatrouillen kontrollieren von da an die Grenze. In den 30er Jahren verschlechtert sich die Wirtschaftslage. 1938 fliehen zwei Drittel der Einwohner nach Österreich, ältere Daheimgebliebene versorgen das Vieh. Im II.Weltkrieg fallen 27 Mann.
Am 8.Mai dringen die Rotarmisten in den Ort ein. Die schreckliche Zeit der Plünderungen und Vergewaltigungen beginnt. Wenige Tage später tauchen die tschechischen „Partisanen“ auf, Hofbesetzer erscheinen. Die Jüngeren gehen im Mai über die Grenze und suchen in Österreich Arbeit. Ein Drittel der 275 Ortsbewohner, rund 90 Personen, bleiben im Pulkautal und bewirtschaften ihre dortigen Felder und Weingärten, die übrigen werden 142 nach Westdeutschland abgeschoben (nach Hessen: 115). Nach 1945 verödet der Ort, wird 1959 weggeräumt.

Brauchtum
Die „Grea“: Am Nachmittag des Ostermontags geht das ganze Dorf in die Keller, jeder Bauer lädt die Helfer ein; es gibt Geselchtes oder Braten, Eier und Gugelhupf und Wein dazu. Die Schulkinder gehen von Keller zu Keller, sagen ein Sprüchlein – „Gelobt sei Christus, mir tan aa bitten um unsern Osterwein“ – und bekommen das Gewünschte. Mancher Bauer läßt sich ein Lied vorsingen, dann ziehen die Kinder mit „Itzt sogn ma Göltsgod dafür“ weiter.

Matriken seit 1710 (bei Klein-Tajax).

Literatur:
Kornherr, Vinzenz/Land, Konrad: Heimatbuch der Gemeinde Gerstenfeld 1787-1945. 1978

Bezirk und Gericht Znaim

Zeilendorf 135 ha, 216 m ü.d.M.

In hügeliger Umgebung gelegen, Schatz- und Lampelberge erreichen 294m; 200m westlich vom Ort entspringt der Schatzgraben, der parallel zu der Häuserreihe nach Osten fließt. An seinen Ufern liegen die Hausgärten mit vielen Obstbäumen.

Flurnamen: Krautacker, Saubrünndelacker, Wirtsacker, Rangel, Oberes Bergl, Unteres Bergl, Wiesenacker, Obere Wiesen, Untere Wiesen, Oberer Großacker, Unterer Großacker, Stallaufacker, Speckackerl, Queracker, Halterackerl, Urbauer Schatzl, Heiden, Obere Heideln, Untere Heideln, Gemeinde-Acker, Breite Wiesen, Wasserwiesen, Granitzwiesen.

Bodennutzung: Im Schutze von Schatz- und Lampelberg gedeihen auf gutem Lehmboden alle Getreidesorten, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, und Hackfrüchte, Kartoffeln, Rüben und Mais, Hülsenfrüchte, Linsen und Bohnen, hauptsächlich Weinbau; besonders gut Kirschen, Pfirsiche und Aprikosen, daneben Tomaten, Gemüse, Nüsse und sonstige Obstarten.

Jagd: Rebhühner, auch Fasane; daneben gab es stets zwei bis drei Fuchsbaue, Wildkaninchen, selten einen Dachs. Ziesel richteten in Maisfeldern großen Schaden an.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Kapelle Mariahilf, 1891 (Messe zweimonatlich; eingepfarrt nach Klein-Tajax).
Kriegerdenkmal, 1922.
Armenhaus mit 4 Räumen.
Finanzwache, 1924.
Milchgenossenschaftshaus, 1925.
Postablage: zweimal wöchentlich wurde die Post aus Kallendorf vom Boten geholt; ab 1924 tägliche Zustellung aus Kallendorf.
Öffentlicher Fernsprecher, 1938.
Wasserversorgung über Hausbrunnen; genießbar nur auf der rechten Seite des Ortes, von Klein Tajax kommend.

Schule: Volksschule, einklassig, 1821; davor Unterricht durch den Gehilfen des Lehrers von Klein Tajax in verschiedenen Häusern. Umbau 1895, einklassig. 1938 verlegt ins 1924 erbaute Finanzhaus, die alte Schule wird Kindergarten.

Gewerbe:
2 Gasthäuser, Krämer, Schmied (Gemeindeschmiede, um 1850), Schuhmacher.

Vereine:
Bund der Deutschen Südmährens, 1913.
Ortsvereinigung des Bundes der Landwirte, 1920.
Deutscher Kulturverband, 1924.
Gesangverein
Milchversorgungsgenossenschaft, 1924.
Kameradschaftlicher Unterstützungsverein der Heimkehrer, 1925.
Deutschvölkischer Turnverein, 1935.