o-215-01-Froellersdorf « »

Fröllersdorf

48° 50′ N, 16° 28′ O

Frélichov

Nikolsburg

Geschichte
Erstmals 1353 urkundlich als Frolaychsdorf erwähnt, 1370 läßt die Gutsherr schaft eine Kirche bauen, mit Dürnholz 1395 Besitz der Herren von Liechten stein, im Urbar 1414 umfaßt es einen Meierhof mit Schloß und 28 zinspflich ti gen Ganz lahnern sowie 12 Hofstätten (Kleinbauern). Nach Hussiteneinfall, un ga ri schem Krieg und Seuchen 1510 nur vier Einwohner, die Kirche ist baufällig und muß erneuert werden. Der unbe wohn te Ort wird mit Dürnholz 1578 wie die verödeten Orte Guttenfeld und Neu prerau (bis 1790 bzw. 1837 nach F. ein gepfarrt) an die Teuffenbach verkauft und von ihnen 1584 mit Kroaten (22 Fa mi lien) besiedelt, deren Sprache im Laufe der Zeit deutsche, tschechische und slowakische Elemente aufnimmt. 1584 bis 1626 nicht katholisch wie Christoph von Teuffenbach. Mit Dürnholz geht es 1782 an den Stif tungs fond zum k. k. The re sianum über, Robotver pflichtungen werden teil weise durch Geld abge gol ten, 1848 Befreiung von allen Abgaben. Bis 1919 besitzt kein einziger Tsche che Grund und Boden in F. Im Oktober 1919 marschiert tsche chisches Militär mit aufgepflanztem Bajonett in die Volksschule, vertreibt beide deutschen Leh rer, eine fünfklassige tschechi sche Volksschule wird eingerichtet. Die zwei deut schen Lehrer setzen den Unterricht privat fort, ab 1920 besuchen die Kin der die Volks- und Bürger schule (1921/22 sind es 70) in Dürnholz. Die Errich tung einer zweiklassigen deutschen Volksschule in einem zu kaufenden Haus wird von den Tschechen vereitelt. 1924 ist der Neubau einer tschechischen fünf klassigen Volks schule und einer dreiklassige Bürgerschule (ab 1930 vier) für über 3 Millionen K? fertig. Auf die Schulleitung in Dürnholz wird Druck ausge übt, kein Kind mehr aufzunehmen, das nicht ein deutsches Elternteil nachweisen kann. Eine Elektrifizierung wird – zum Schaden der Handwerker – hintertrieben, da einige wohlhabende Bauern Dreschgarnituren mit Stroh pressen und Benzinmotoren erworben haben, sie an Bauern verleihen, die sonst noch am Göpel arbeiten müßten. Nach der Bodenreform 1926 erhoffen die Kleinbauern eine Erweiterung ihres Besitzes durch aufgeteilten angrenzenden gräflichen Grus bacher Besitz, jedoch werden Kolonistenhöfe errichtet und an Tschechen aus dem Landesinneren vergeben. 1930 wird der Grund pachtweise durch die tschechische “Domovina” (Heimstätte) vergeben, kein Deutscher wird berück sichtigt. 1926 erhält der Ort eine Postablage des Postamtes Grus bach, 1938 ist die Post wieder in Dürnholz. Vor den Wahlen werden die Stimm berechtigten unter Druck gesetzt, auswärtige tschechische Funktionäre herge holt, so daß der Anteil der Deutschen unter 20 % sinkt. Demzufolge braucht die deutsche Sprache im amt lichen Verkehr nicht mehr verwendet zu werden. Die Tschechen gründen 1934 zwei paramilitärische Ver bände, Selská Jizda (Bau ern reiterei) und Narodni Garda (Nationale Garde). Bei den Parlamentswahlen 1935 wählen 70 % deutsche Partei en, aber in der 18köp figen Gemeinde ver tretung ist kein Deutscher, Amts sprache ist Tschechisch, selbst die Viehzerti fi kate für den Verkauf von Ferkeln auf dem Markt werden nur tschechisch ausge stellt. Die Messe wird jeden dritten Sonntag deutsch gelesen. Im Septem ber 1838 werden 17 Männer verhaftet und in das Anhaltelager Brünn verbracht. Am 8. Ok to ber 1938 marschiert die Wehrmacht ein, die deut sche vierklassige Volks schule wird in der tschechischen Bürgerschule eingerichtet. Im Krieg kom men 130 Männer um. Im Mai 1945 Plünde run gen und Mißhandlungen durch tschechische “Partisanen”, insbeson dere an Kriegsheim kehrern, vier To des opfer, rund 450 Einwohner werden vertrieben, 250 bleiben in Österreich, die ande ren werden nach Deutschland abgeschoben, zuletzt am 20. 4. 1946. Rund 700 Kroaten gelten als “kollaborationsbelastet” und werden 1948/49, über wacht von repatriierten tschechischen Tito-Partisanen, nach Nordmähren umgeh siedelt und dort auf 118 Gemeinden zerstreut.

Brauchtum:
Im Fasching wird am Sonntag nach dem Segen um drei Uhr auf dem Tanzplatz im Gasthaus bis in die Morgenstunden getanzt, ebenso Montag und Dienstag. Verheiratete Männer zahlen keinen Eintritt, die Altburschen gehen von Haus zu Haus und bitten um Getreide für die Bezahlung der Musik.
Am Karfreitag gehen die Dorfbewohner nach der Messe an der Mündung des Jaispitzbaches in die Thaya zum Waschen, mit einem Gebet auf den Lippen, die Arme ausgebreitet, das Gesicht nach Osten gewandt. Den Daheimgebliebenen bringt man in Kannen Wasser, es soll Jordanwasser bedeuten. Auch Pferde und Kühe werden ins Flußwasser getrieben, das manchmal noch Eisbrocken führt: offenbar ein alter Brauch aus Kroatien.

Bedeutend:
Erwin Zajicek, Minister a.D. (1890-1976), 1910 Volksschullehrer, 1914 Fach lehrer, 1915 Soldat und Offizier, 1920 Fachlehrer an der Bürgerschule in Felds berg, engagiert er sich seit 1911 in der Christlich-Sozialen Partei, ist 1925, 1929 und 1935 Abgeordneter des Wahlkreises Iglau, 1936 Minister ohne Ge schäfts be reich, nach dem Anschluß Fachlehrer in Znaim. Seit 1942 bei der Wehr macht als Hauptmann und Kompanieführer, kommt er 1946 aus sowje tischer Kriegsgefan genschaft, findet seine Frau und seine vier Kinder in Wien, in Poysdorf ist er 1947 bis 1955 als Hauptschullehrer tätig. 1962 bis 1974 ist er Obmann des Dach verbands der Südmährer und veranlaßt die Errichtung des Südmährer kreuzes, bleibt auch in der ÖVP tätig.
Josef Löhner (1901-1964), erster Landschaftsbetreuer
Otmar Ruzicka, akad. Maler, erfaßt die malerischen Reize der südmährischen Landschaft und die volkstümliche Buntheit des kroatischen, hanakischen und slowaki schen Bauernlebens. Geboren am 7. 11. 1877 in Wien, besucht er 1895 die allgemeine Malerschule der Wiener Kunstakademie, studiert bei Prof. Eisen menger und Prof. Julius Ber ger ( 1903) aus Neutitschein, 1899 bei Prof. Kasimir Pochowalsky, erhält 1903 den Rom preis, malt in Rom und Umgebung, in Vene dig, Padua, Bologna und Florenz, ab 1904 wieder in Wien, jetzt selb ständig. Wäh rend der Sommermonate war er schon öfters in den Pollauer Ber gen, 1904 entsteht „Weinlese in Pollau“, 1905 bei der Ausstellung im Wiener Künstlerhaus von Kaiser Franz Joseph ange kauft für die kaiser lichen Samm lungen. Seit 1906 gehört er dem Ver ein der bil den den Künst ler Wiens an, erstmals kommt er nach Fröllersdorf, wo ihn die bunte Tracht anregt, 1906 repro duziert die englische Zeit schrift „Studio“ den „Fröl lersdorfer Kirchgang“. Der Erfolg der Trachtenbilder führt ihn immer wieder nach Fröl lersdorf. 1908 ist er in der deutschen Sprachinsel Wischau, „Eine Kut schauerin“ wird auch in „Studio“ abgebildet. 1909 weilt er abermals in Fröllers dorf, besucht 1913 die Slowakei, gewinnt für „Slowakische Bauern“ 1914 auf der Ausstellung im Künstlerhaus die Goldene Staatsmedaille. Im Mai 1915 zur Artil lerie nach Ödenburg eingezogen, porträtiert er dort Bür ger meister Tögler und Ge ne ral Koloszvary. Über Podolien kommt er nach Berati in Albanien, ist dort als Kriegs maler tätig. 1918, 1919 und 1920 arbei tet er in Fröl lersdorf, „Der Kartoffelacker“ entsteht sowie das Votivbild für die Kriegs gefallenen. Er heira tet die Tochter des Schulleiters Schuderla und kommt da durch nach Kromau, wo er Land schaftsstudien treibt, er malt u. a. die „Stadt ansicht mit Floria ni berg“. Da nach arbeitet er wieder in Fröllersdorf, 1925 in Eisgrub, 1926 in Jakobsdorf bei Malaczka (Komitat Preßburg), 1927 in Maria Schloßberg (Komitat Nitra), malt Bilder von Lichterumzügen der Wall fahrer, Kirchen interieurs von Jablonica (Ko mi tat Nitra) und „Slowakinnen in der Kir che“. 1930 erwirbt er ein kleines Haus in Fröl lersdorf, malt „Im Weinkeller“ und „Bauern im Preßhaus“, die „Ländliche Mahlzeit“ kauft Ferdinand Porsche. 1944 fällt sein einziger Sohn, 22 Jahre alt, in Griechenland bei einem Luftangriff. 1945 als österreichischer Staats angehöriger aus ge wiesen, muß er nach Wien größtenteils zu Fuß gehen. 1946 ent ste hen in Mistelbach Bilder von Staatz, Falkenstein und Michelstetten für das Nieder sterreichische Lan desmuseum. 1947 ehrt ihn die Gesellschaft bildender Künstler mit dem „Gol denen Lorbeer“, 1948 verleiht ihm Präsident Renner den Profes sortitel. 1951 arbeitet er in Regie rungsauftrag in der Wachau. Am 4. 11. 1962 stirbt er in Wien.

Bezirk, Gericht Nikolsburg, Post Dürnholz 1296 ha 179 m ü.d.M.

Eine sich nach Westen ziehende Hügelreihe, teilweise mit Wein bepflanzt, er reicht 213 m.
Flurnamen: Striki, Breitenäcker, Quanten, Altengebirge, Lange Äcker, Dreivier teläcker, Ziegelöfenlanger, In den Überlanden, In den Sternbergen, Neuriß, Brünnd läcker, Hinterteilwiesen, Ganslweide, Häuselteil, Mitterteil, Hinter den Brücken, Selska-Äcker, Zinsäcker, Große Wiesen, Granitz-Wiesen; daneben 6 kroatische

Straßen:
Dürnholzer Straße, Im Dorf, Stadlergasse, Friedhofgasse, Gaßberg (Geißberg)

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche zur hl. Kunigunde, Neubau 1929-31, 1931 geweiht, an einen alten Wehr turm (14. Jh.) angebaut; 3 Glocken, eine von 1387.
Seitenaltarbild von Othmar Ruzicka.
Pfarrhaus, 1810 umgebaut, erweitert
2 Kapellen
Hl. Johannes von Nepomuk, vor der Kirche
Volksschule, Neubau 1877, zweiklassig, 1883 dreiklassig; bis 1805 Untgerricht kroatisch, tschechisch und deutsch, danach nur deutsch
Gemeindebücherei
Kriegerdenkmal 1928
Marmorobelisk, 1884, zur 300-Jahrfeier der Kroatenansiedlung, an der Straße zur Haltestelle, bei der Jaispitzbrücke, 1934 wird zur 350-Jahrfeier der Kroaten ansiedlung der untere Teil des Denkmals errichtet, da der Obelisk bei Hochwasser immer überschwemmt wurde.
Gemeindearmenhaus
Bahnlinie Lundenburg – Znaim
Gewerbe
3 Gaststätten 3 Greißler Bäcker 3 Schmiede
Wagner 2 Tischler Sattler 2 Schuhmacher
Schlosser (landwirtsch. Maschinen) Schneider

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr 1885 (Kommando- und Verhandlungssprache Deutsch)
Deutscher Turnverein 1921 (1933-37 lahmgelegt)
Deutscher Kulturverband 1921 (1933-37 lahmgelegt)
Raiffeisenkasse 1895
Milchgenossenschaft 1920