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Frischau

48° 52′ N, 16° 21′ O

Fryšava (seit 1950 Břežany)

Znaim

Geschichte
Die Kirche wird 1222 zur Pfarre erhoben, 1338 gewährt Markgraf Karl (KarlIV.) einen Wochenmarkt und peinliche Gerichtsbarkeit (Stock und Galgen), städtische Rechte. Später verödet, erscheint Frischau erst wieder 1560 in Urkunden, jetzt wieder ein Dorf, in dem eine Veste besteht; 1570 sind Wiedertäufer im Ort, der 1619 und 1622 von den Kaiserlichen heimgesucht wird. 1692 kommt der Ort an Liechtenstein. 1805 bis 1809 wütet die Cholera, 1831 fordert sie 31 Tote, sie kehrt 1866 wieder, so daß ein Cholerafriedhof angelegt werden muß. 1870 erfolgen der Anschluß an das Bahnnetz sowie die Einrichtung eines Postamts. 1912 wird die Seelsorge dem Orden der Oblaten übertragen. Im I.Weltkrieg fallen 33 Mann. Nach dem Krieg haust ein Trupp von 21 uniformierten Tschechen im Bahnhofsrestaurant, gefährdet durch Herumschießen die Menschen im freien Feld und tötet das Rehwild. Im Zuge der Bodenreform von 1924 geht der Meierhof in den Besitz einer „Kolonisierungsgesellschaft“ über und wird von der tschechischen Zuckerindustrie beherrscht. 1924/25 wird die Bodenreform benutzt, um tschechische Ansiedler herzubringen, für 12 Kinder wird 1931 ein Schulhaus gebaut, Deutsche mit Staatstellung oder sonst von Tschechen Abhängige werden unter Druck gesetzt, ihre Kinder dorthin zu schicken. Das Schloß wird 1925 an die Breslauer St.Hedwigs-Schwestern übergeben, die ein Provinzhaus und eine Anstalt für geistesschwache Kinder einrichten.
Ein Bombenbangriff am 6.Mai 1945 fordert zwei Todesopfer, viele Häuser werden zerstört. Im II.Weltkrieg fallen 57 Mann. Auf dem Friedhof und auf den Feldern sind über fünfzig deutsche Soldaten begraben. Am 7.Mai 1945 verursachen Brand- und Sprengbomben Zerstörungen, zwei Personen kommen dabei ums Leben. Am 8.Mai dringen die Rotarmisten ein, kurz danach tschechische „Partisanen“. Die Deutschen müssen auf dem Gutshof oder auf dem eigenen Hof Zwangsarbeit leisten. Am 24.September werden 80 bis 90 arbeitsfähige Personen mit 50kg Gepäck nach Znaim in das Lager an der Prager Straße gebracht und von dort zur Zwangsarbeit verteilt. Am 27.September betrifft dies weitere hundert Menschen. Am 26.Juni 1946 werden die restlichen Deutschen in das Lager gebracht und aus dem Land transportiert. Vertrieben werden 257 Familien mit 957 Personen, von ihnen kommen 599 nach Baden-Württemberg, 117 nach Bayern, 156 können in Österreich bleiben, vorwiegend in Wien.

Brauchtum
Zum Fest Mariä Verkündigung, einer der größten Feiertage der Gemeinden Frischau, Probitz und Moskowitz, bauen die Krämersleute aus der Umgebung ihre Buden auf, auch der Bosniake mit seinem Bauchladen kommt. Es gibt Zuckergebäck, Schaumrollen, Lebzelt-Puppen und -Reiter in allen Größen, Sämereien, Gewürze, Orangen, Zitronen, Süßholz, Feigen etc. Burschen kaufen den Mädeln Lebkuchenherzen, die bedanken sich zu Ostern mit farbigen Eiern. Zur ersten hl.Messe um halb acht kommen auch die Schakwitz-Hermannsdorfer, Tullnitzer, Leipertitzer, auch Possitzer und Groß-Grillowitzer. Um zehn Uhr wird das Hochamt gefeiert, um halb drei kommen alle zum feierlichen Segen.

Matriken seit 1744.

Literatur: Hora, Johann und Muthny, Josef: Heimatbuch der Gemeinde Frischau. 1972.

Bezirk Znaim, Gericht Joslowitz

Mehrzeilendorf 1782 ha, 195 m ü.d.M.

Flurnamen: Neuhofviertel, Bahnviertel, Pfoffacker, Lateinwiesen, Weidteich, Schulweiden, Kirchenviertel, Untere und Obere Teilungen, Eichenwald, Choleraviertel, Schakwitzer Viertel, Obere oder Moskowitzer Weingärten.

Bodennutzung: Weizen, Roggen, Klee, Kartoffel, Mais, Futter- und Zuckerrüben, Raps, Gurken, Tomaten, Paprika, Pfefferoni, Melonen, Kürbis, Erbsen, Kopfsalat; Kirschen, Marillen, Weichseln, Pfirsiche, Süßpflaumen und Zwetschken. Weinbau, bis 1945 auf 8ha zurückgegangen.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche Mariä Verkündigung, 1765/71, im Stil des Rokoko, von Bartholomäus Zinner aus Brünn.
Pfarrhof 1794, umgebaut 1838.
Dreifaltigkeitssäule, 1.Hälfte 18.Jh.
Hl.Johannes von Nepomuk, 1.Hälfte 18.Jh.
Hl.Florian, 1.Hälfte 18.Jh.
4 Kreuze im Ort
7 Kreuze in den Fluren
4 Marterln
Bildstock hl.Maria
Schloß, 1713, vier Flügel (82×41m) um rechteckigen Hof mit Lauben. Südflügel 1818/19 umgebaut. Park 3ha, darin Muttergottes-Statue 1860. 1926 Kloster der Hedwigschwestern, Provinzhaus, Betreuung geistig behinderter Kinder und bedürftiger alter Menschen.
Kriegerdenkmal, 1920.
Gemeinde- und Postamt, 1932, Postamt seit 1870.
Gendarmeriestation
Raiffeisenkassa und Milchabgabestelle, 1929.
Elektrifizierung, 1929.

Schulen: Volksschule, Neubau 1834, zweiklassig, 1907 dreiklassig; Gemeindeschule seit 1727, renoviert 1825.
Tschechische Minderheitsschule 1931, ab 1939 deutsche Hauptschule

Gewerbe:
Meierhof, Schnapsbrennerei
Arzt, Hebamme
2Gasthäuser, Bahnhofsrestauration, 2Fleischhauer, 4Gemischtwarenhandlungen, 2Bäcker, 2Viehhändler, 2Schneider, 2Schneiderinnen, 3Schumacher, 3Schmiede, 2Wagner, 2Tischler, 2Schlosser, mehrere Maurer, Maler/Anstreicher, 2Eier- und Gemüsehändler.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr, 1897.
Männergesangverein, um 1897.
Deutschvölkischer Turnverein
Christlich-deutscher Turnverein