o-068-01-Fratting « »

Fratting

48° 54′ N, 15° 36′ O

Vratěnín

Zlabings

Geschichte:
Erstmals urkundlich 1251 genannt, 1325 Markterhebung durch König Johann, 1498 erneuert. 1423 an Leopold von Kraigk als Lehen, ab 1564 zur Herrschaft Ungarschitz. 1719 wird der Grundstein zum Augustiner-Eremitenkloster gelegt (1784 durch Josef II. aufgehoben, in Wohnungen umgebildet), 1726 der zur Kirche (1821 abgebrannt) und 1729 der zur neuen Lorettokapelle. Zweimal jährlich pilgern die Leute aus umliegenden Orten zum wundertätigen Marienbild, das später nach Montserrat verbracht wird.
Nach Ausrufung der tschechoslowakischen Republik hofft man noch auf den Anschluß an Österreich, der Gendarmeriepostenkommandant stellt eine Freikorpsabteilung auf. Als tschechische Soldaten ihre Fahne hissen, reißen deutsche Burschen sie herunter und sollen deshalb erschossen werden. Der Postenkommandant erklärt, ihre Tat sei einem Irrtum entsprungen, und rettet sie so, wird dafür strafveretzt und kommt später nach Mißlitz.
1938 fliehen angesichts der Kriegsgefahr Familien nach Österreich, ihre Häuser werden von Tschechen ausgeplündert.
Gegen Kriegsende ziehen Abteilungen der Wlassow-Armee durch, schlesische Flüchtlinge kommen und Frauen aus Znaim (nach der Bombardierung). Im II.Weltkrieg fallen 22 Mann. Als im April 1945 die Wehrmacht zwei Tage lang in Richtung Oberösterreich abrückt, wo schon die Amerikaner stehen, erteilt die Kreisleitung in Horn die Anweisung: Rette sich, wer kann. Vier Pferdegespanne kommen bis Waidhofen a.d.Thaya, stoßen auf Sowjets und kehren um. Im Ort setzen Plünderungen und Vergewaltigungen ein. Drei Wochen später tauchen Tschechen auf. Sie plündern, Radios und Fahrräder müssen abgeliefert werden, die Deutschen werden zu Zwangsarbeit gepreßt. Der Bürgermeister und vier weitere Männer werden in Döschen von den „Partisanen“ auf bestialische Weise ermordet. Am 9.Juni werden vier Männer an die Wand gestellt, die anderen Deutschen haben den Ort binnen zwei Stunden mit 30kg Gepäck zu verlassen. Dieses wird dreimal geplündert; wer sein Binkerl nicht schnell genug aufmacht, wird geschlagen. Eine Frau, die durch tägliche Befragungen nach dem Verbleib ihres Mannes gänzlich zermürbt ist, nimmt sich das Leben. Sieben Familien bleiben zurück, sie müssen das Vieh versorgen, werden 1946 abgeschoben. Die tschechischen Hausbesetzer ziehen meist unter Mitnahme der beweglichen Habe wieder bald ab, so daß z.B. für ein Haus innerhalb von 6 Wochen drei verschiedene Besetzer anfallen.
Am 21.März 1946 werden rund 200 Frattinger aus Österreich abgeschoben.

5 Jahrmärkte: 1) an Fabian und Sebastian, 2) Dienstag nach Mariä Verkündigung, 3) Montag nach Margarethe, 4) Dienstag nach Ägidius, 5) Dienstag nach Katharina (Katharinenmarkt.
Wochenmarkt jeden Mittwoch.

Matriken seit 1655.

Brauchtum:
Wallfahrt nach Maria Dreieichen zu Pfingsten,
Osterbrauch (ehedem): Am Ostersonntag nachmittags umreiten alle männlichen Pfarrlinge – mit dem Pfarrer auf einem Wagen – ihre Äcker und Wiesen, an vier Stellen werden bei einem mitgeführten Tisch vom Kuraten die vier Evangelien vorgelesen.

Literatur:
Pa?izek, B.: 450 Jahre Marktgemeinde Fratting 1498-1948. 1990

Marktgemeinde, Bezirk Mährisch-Budwitz, Gericht Jamnitz

1938-1945 Kreis Horn (Niederösterreich)

Längsangerdorf 1521 ha, 468m ü.d.M.

Lage: An der alten Poststraße Wien–Prag; nordwestlich der Galgenberg (516m, „Donatus“, nach der Heiligenstatue am Westhang, hilft gegen Unwetter), Schwedenschanze; im Wald („Fichteln“) das „Königsbrünndl“, daneben das „Felsenbrünndl“, in der Nähe das „Hoadgrabenbrünndl“ und das „Goldbrünndl“. drei starke Quellen in der Nähe des „Zachgrabls“, am bekanntesten die „Drei Brünnerln“ nahe Ludener Straße, die den Fischteich des Klosters speisen.
Erdställe unter den Häusern der „Sommerseite“.

Baudenkmäler, Einrichtungen:
Pfarrkirche hl. Jakobus der Ältere, 1771/73, 4 Glocken. Pfarre vor 1200 genannt. Eingepfarrt: Nespitz, Ungarschitz und drei Weiler.
Pfarrhof 1705, Statue Hl.Florian 1740,
Schloß, Frührenaissance,
Marktsäule/Rolandsäule 1595, „Prangerhansl“,
Donatus-Bildsäule Richtung Ranzern,
Marterl Richtung Nespitz erinnert an die Pest,
Fuchs Michl-Marterl an der Straße nach Hafnerluden,
Schule, erstmals erwähnt 1662, zweiklassig, eingeschult Nespitz, Ungarschitz; 1918 umgewandelt in eine einklassige tschechische.
Kindergarten, von Gemeinde und Kulturverband erhalten, da Staatsgeld 22 deutschen Kindern verweigert, aber für 4 tschechische 1923 ausgegeben wird.
Gemeindebücherei,
Armenhaus,
Häuser aus dem 17. und 1.Hälfte 18.Jh.
Zwischen Ortausgang und Friedhof (ursprünglich) 40 Lindenbäume, gepflanzt zur Erinnerung an vierzig Jahre Regierung der Kaiserin Maria Theresia.
Postamt (schon im 16.Jh., 1732 Hauptposthalterstelle),
Gendarmerieposten, Zollhaus
Distriktsarzt (für Hafnerluden, Kurlupp, Nespitz und Ungarschitz)
Tierarzt,

Gewerbe: Kalkbrennerei, Sägewerk, 2 Schmiede

Vereine, Einrichtungen:
Freiwillige Feuerwehr
Turnverein
Deutscher Kulturverband
Raiffeisenkassa